Montag, August 22

Auf in die Berge - nicht zu Fuss

Schachenschloss von oben
Author vor Neuschwanstein
Das Schachenschloss ist eines der Schlösser vom "crazy king" Ludwig II und liegt auf 1866m. Auch wenn das bescheidenste von allen Schlössern (man denke nur an Neuschwanstein oder Linderhof) fehlt es an zwei Dingen nicht, die dem König wichtig waren: 


Zum einen ist es vielleicht klein, aber dafür spektakulär gelegen. Zur linken winden sich Zugspitze und Alpspitze in den Himmel, nach vorne reicht der Blick über Garmisch bis zum Starnberger See. Und hinter dem Schachenschloss ragt die gewaltige Felswände des Wettersteinmassivs hervor. 


Zum anderen ist es innen typisch ludwigverrückt eingerichtet. Ludwig II liess sich nämlich ein orientalisches/türkisches Zimmer einbauen. Dort soll er gerne seinem Hobby, dem Pfeife rauchen, nachgekommen sein. Was da wohl alles für Kräuterchen durchgequalmt wurden? Vielleicht existiert auch deshalb unterhalb des Schlosses ein alpiner botanischer Garten. So konnte Ludwig -der sich gerne aus der realen Welt zurückzog- dort oben ganz authark leben und rauchen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude für die Versorgung des Königs sind heute in eine herzhafte Berghütte umgewandelt worden, bekannt für Kaiserschmarrn und Schachennudeln. Was hat mich auf diese Höhe getrieben? Eine wunderbare Mountainbike-Tour. Und das am wärmsten Tag des Jahres!


Mountainbike Schachenschloss

Der Schotterweg, der in Mittenwald beginnt windet sich zunächst an 2 alpinen Badeseen vorbei, die man aber seufzend hinter sich lässt. Bald hat man auch schon die erste richtige Rampe erreicht (merke: Rampe hilft gegen Wampe!), und ab nun geht es auf und ab über Stock, Stein, Pfütze und Morast bis man plötzlich nach 2 Stunden ausgesetzt am Berg entlang rollt und davon noch eine halbe Stunde wunderbar auf einem Höhenweg. Bei den Temperaturen hiess das natürlich zusätzlich 3 Liter Wasser auf dem Rücken, 3 x eincremen mit Kindersonnenschutz, und einige (alkoholfreie) Weissbier am Gipfel.

Der Falke vom Schachenschloss mit über 60 km/h downhill


Alkoholisiert würde ich auch nicht die Downhill-Strecke antreten. Was hoch noch über 2 Stunden dauert hat man bergab in 30 mins geschafft. Mit bis zu 65,20 km/h habe ich mich ins Tal gestürzt. Danach brennen die Finger vom Bremsen und man schüttet gut Adrenalin aus. Ob es nun die gefährlichen Fels und Schotterstellen sind, oder entgegenkommende Wanderer -beides strahlt Gefahr aus. 


So gut durchgeölt und mit Schlamm bespritzt gibt es nur eines. Auf zum Walchensee. Deutschlands tiefster See läd mit seiner grün-blauen Färbung nur so zu einem Sprung ins Nass ein. Danach noch ein wenig Grillen (ich habe den Wurstburger neu erfunden!). Also das ist echt wie Urlaub. Nur das der Montag doch immer wieder kommt.
Grillen Walchensee


  

Mittwoch, Juli 20

Machs mit

Vielleicht vom erfolgreichen McDonald`s Franchise abgekupfert, erfährt das Apostroph bei Ladenlokalen in München eine wahre Renaissance.

Eigentlich wollte ich nun ordentlich über die fehlerhafte Apostrophsetzung - auch Apostrophitis oder Idiotenapostroph genannt- herziehen. Schliesslich wird doch der Genitiv nur im Englischen ("david`s car"), nicht aber im deutschen Genitiv gesetzt. Gel? Das dachte ich.

Ein Blick in den Duden verrät mir, dass ich wohl nur bis 2006 recht hatte. Nämlich bis es "Willi`s Würstchenbude" in den Duden schaffte. Nun muss ich mich leider in die Tiefen der
Rechtschreiberegeln begeben.

Der Duden sagt klipp und klar:
"Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen."

1. Ausnahme: "Andrea's Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)"

(...leuchtet mir ein....)

2. Ausnahme: "Willi's Würstchenbude"

Das leuchtet mir gar nicht ein. Gibt es eine weibliche Form von Willi?

Ich halte die Regel eher für ein Einknicken vor dem englischen Apostroph. Oder die nachträgliche Genehmigung der massenhaften Verwendung des Apostrophs im Gastrogewerbe durch die Rechtschreibehüter. Verheimlichen will ich nicht, dass es im Münchner Gastrogewerbe auch (wenige) löbliche Ausnahmen gibt:

Pauls München

Durch die Ausnahme in Form von Willi`s Würstchenbude wird mir nun das Auffinden von "Deppen Apostrophs" in München deutlich erschwert.


Beliebt ist aber zum Glück immer noch das Setzen von "Apostroph`s" im Plural. Man google nur mal nach "Link`s" oder "Auto`s". Mein Traum wäre mal die Entdeckung von Worten mit falscher Pluralbildung und Apostroph, wie "Lexica`s" oder "Scampi`s". Gleich ein Haufen Rechtschreibfehler! Google gibt für die "Scampi`s" immerhin noch 1420 Suchergebnisse auf deutsch raus.

Ein richtiges Deppenapostroph habe ich aber schon entdeckt. Nicht in München, sondern im beschaulichen Werratal. Auf der thüringischen Seite nur knapp vor der Grenze zu Hessen liegt das Städtchen Treffurt. Die einzige passable Kneipe zum Durstlöschen nach einem Wandertag war das.......:


Samstag, Juli 16

Schiefe Türme im Herzen Deutschlands

In der letzten Zeit war ich viel zu Fuss und mit dem Radl im Herzen Deutschlands unterwegs. Zwischen Eisenach, Koblenz und Ingolstadt findet man wirklich wunderschöne Natur und eine uralte typisch deutsche Kultur. Ich mag es alte Städte zu finden, die ein wenig in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin schlummern. Hier erlebt man immer mal wieder Überraschungen. Von Zeit zu Zeit will ich mal kurioses hier offenbaren.

So lese ich auf der Landkarte von dem kleinen Städtchen Bad Frankenhausen hinter dem Kyffhäusergebirge in Thüringen. Der Name "Bad Frankenhausen" lässte es in meinen Ohren klingeln. Seit längerem habe ich ausgerechnet auf der Toilette einen SZ Bericht über die schiefsten Türme Deutschlands hängen. Und der "höchste, schiefste Turm" steht genau in der 5000 Einwohner Gemeinde Bad Frankenhausen.

Voila, der Kirchturm der Oberkirche in Bad Frankenhausen.
schiefster Turm DeutschlandsDer weiche Gips- und Kaarstboden hat dafür gesorgt, dass die direkten Nachbarn des Turmes nur noch unruhig schlafen können, aus Angst der Turm könne kippen. Die 56m hohe Turmspitze hat eine Abweichung von 4, 445m vom Lot.

schiefster Turm Deutschlands
Damit kann er es nicht nur mit dem "pendling tower" in Pisa aufnehmen, nein, er ist sogar schiefer!

Samstag, Juni 18

Unterwegs am Grünen Band

Wandern Grünes Band Thüringen

Angeregt vom Tierfilmer Andreas Kieling habe auch ich heuer einen Teil vom "Grünen Band" erwandert. Das grüne Band ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen den beiden wiedervereinigten deutschen Staaten. Seit dem Mauerbau 1961 ist der ca. 100m breite Grünstreifen quasi unberührt. Dadurch hat er sich zu einem ewig langen Biotop mit seltenen Pflanzen und Tieren entwickelt, die woanders ausgestorben sind.


Zudem befand sich in den Jahren der Teilung auf DDR Seite vor der Grenze ein 5km breites Sperrgebiet, wo sich Menschen nur mit Ausnahmegenehmigung bewegen durften. Da die westliche Seite als Randgebiet wirtschaftlich ebenfalls verkümmerte, haben sich Dörfer und Städte mit 50 Jahren Rückstand präserviert.

Zuletzt sind es die Grenzanlagen selber, die spannend sind. Während die Zäune komplett entfernt worden sind, findet man von Zeit zu Zeit noch Wachtürme, vergitterte Betonröhren und Fundamente. Leider soll es auch immer noch Landminen geben, die noch nicht gefunden wurden.

Das Wandern fällt einem denkbar leicht. Man kann eigentlich auf eine Karte verzichten, und sich immer auf dem Kolonnenweg bewegen. Der Kolonnenweg schloss die Grenze auf östlicher Seite ab und diente der Fortbewegung mit Militärfahrzeugen für die Grenzsoldaten. Er besteht aus tausenden hintereinanderliegenden Betonplatten. Wie mein Vater mir eingetrichtert hat, war das eine der weingen Sachen, die die DDR beherrschte. Betonplatten giessen! Man denke nur an die ostdeutschen Autobahnen oder den Plattenbau.

Auch ohne den Kolonnenweg ist die Grenze wirklich als grünes Strauch- und Buschband weithin deutlich durch die Felder zu erkennen. Hier im Bild links.
das grüne band

Das grüne Band wird heute aus guten Gründen als Naturerlebnis Grünes Band für Radfahrer und Wanderer vermarktet. Das es sich hauptsächlich gleich durch die Ränder von 5 Bundesländern (Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) zieht, erschwert die Vermarktung. Mein Start in Eisenach verlief auch gleich holprig. Die Lektorin in der Buchhandlung konnte mit dem Begriff nämlich nichts anfangen und hielt das Band für einen Wanderkartenverlag.

Viele der kleineren Tourist -Informationen in den idyllischen Städten des Thüringischen Eichsfeldes vermarkten es dagegen noch auf die "alte" Art.
Schäferhunde Todesstreifen DDR

Hier wird zwar für einen Besuch der Grenze geworben. Hauptsächliche Begriffe in den Flyern sind aber "Todesstreifen", "Selbstschussanlagen", "Bunker" und "Beobachtungstürme". Dazu gibt es gruselige Bilder von den vermeintlichen "Hundelaufanlagen" und Elektrozäunen.



Den von mir bewanderten Abschnitt in Thüringen möchte ich -bei gutem Wetter- allen absolut empfehlen. Eigentlich ist für jeden Typus Wandersmann etwas dabei. Eine abwechslungsreiche Landschaft, die Begegnung mit seltenen Tieren und auch mit freundlichen Menschen, die oft eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Nicht zuletzt der Abenteuerspielplatz Grenzanlage. Auch der Wanderer "on a Shoestring" mit engem Budeget ist in den heimeligen Wandererpensionen gut aufgehoben. Für im schnitt 20 € bekommt man ein Dach über dem Kopf, Bett und reichhaltiges Frühstück.

Während ich also Deutschland auf Schusters Rappen durchquere ist einer meiner Vorgänger leider von uns gegangen. Der Brite Sir Patrick Leigh Fermor hat Deutschland 1934 als 17-Jähriger durchwandert; aus seinen Tagebüchern entstand das beste Reisebuch was ich jemals lesen durfte. Die "Zeit der Gaben" beeindruckt und inspiriert mich immer wieder. 96 jährig ist er am vergangenen Wochenende verstorben.

Zu weiteren Wanderungen am Gründen Band bedarf es keiner weitern Inspiration. Ich werde mich sicherlich nach und nach noch weiteren Etappen widmen.


Update dank Renne: Hier findet Ihr eine Reportage über die Bereisung mit dem Radl. Viel Spass!

Freitag, Juni 10

Schlösser Flashmob auf der Großhesseloher Brücke




Das heroben ist eine Brücke über die Isar in München mit dem etwas sperrigen Namen Großhesseloher Brücke.
Sie verbindet Pullach mit Grünwald und thront 42m über der Isar. Während oben drauf BOB Bahn und S-Bahn rollen, kann man unten durch wunderbar die Isar zu Fuss oder mit dem Radl überqueren.
Die Aussicht bietet wahlweise einen Blick auf die Voralpen oder die Stadtshilouette Münchens.

Leider kam es bei der früherern Brückenkonstruktion nicht selten zu Selbstmordversuchen. Zwischen 1875 und 1995 sollen es etwa 290 gewesen sein. Daher ist der Fussgängerbereich mittlerweile vergittert und Sprungversuche somit zum Glück aussichstlos.


Die Brücke gehört dennoch zweifelsohne zu den romantischen Orten Münchens. Vielleicht hat sich deshalb ein Schlösser Flashmob dort etabliert. Was ist geschehen? Irgendwann muss ein Pärchen sich dort oben die ewige Liebe geschworen haben, indem es ein Vorhängeschloss an die Brücke kettete und danach den Schlüssel gemeinsam in die Isar beförderten. Diese Aktion hat Nachahmer gefunden und heute findet man eine Menge Schlösser am Zaun.
Schloss Brücke München Isar
Bildunterschrift hinzufügen

Fast jedes Schloss ist beschriftet. Man findet die Namen der Liebenden und einige mit dem ewigen Datum graviert. Interessant finde ich es von den Namen auf das jeweilige Alter des Schlosses zu tippen. So verordne ich "Gitta & Sepp" in die 50er 60er, Gerhard & Andrea in die 90er und so fort.


Ganz weit weg von München, ist mir so eine Flashmob-Verschmückung von Gittern schon einmal vorgekommen.

Nämlich an einem Highway auf der Südinsel in Neuseeland.

Genaugenommen in Cardrona im Cadriba Valley in der Nähe von Queenstown in Neuseeland. Dort gibt es grosse Schaffarmen, die durch kilometerlange Zäune vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann muss es einer Backpackerin zu heiss geworden sein, und sie hat ihren ausrangierten Büstenhalter einfach an den Zaun gehangen. Viele weitere folgten, so dass der Zaun des glücklichen Farmers mittlerweile auf einer Länge von mehreren Kilometern bunt verhangen ist und Gazetten aus aller Welt davon berichten.


In München wird es wohl vorläufig auf der Großhesseloher Brücke nicht zum BH-Flashmob kommen und bei den Liebesschlössern bleiben. Wobei man in einer Stadt mit "Nudebeach" im Englischen Garten und dem bayerischen Motto "Leben und Leben" lassen sicher auch BHs tolerieren wird.

Donnerstag, Mai 19

Im Schneckentempo zum Bräustüberl


Die neue Kamera im Gepäck eröffnen sich einem ganz neue Möglichkeiten der Betätigung auf einer Wanderung. Zum Beispiel Makro-Aufnahmen von Lebewesen machen! Während die Weinbergschnecke wohl jedem Franzosen dass Wasser hätte im Munde zusammenlaufen lassen, habe ich sie mal nicht als Lebensmittel sondern als Fotoobjekt angesehen.


Das Ziele der Wanderung von Lenggriess über die Berge war nämlich das Tegernseer Bräustüberl. Und jenes bietet doch sowieso immer bayrisch gastronomische Highlights. Mit der fantastischen Politik, das kein Gericht mehr als 10 € kostet.
Fast wäre mir aber der Appetit vergangen. Kurz nach der Kammhöhe entdecke ich eine herrliche Almwiese mit einem Verkehrsschild:Zeckenschild Lenggries TegernseeZeckenschild Lenggries Tegernsee

Was hat ein mit Stacheldraht umwickeltes Zeckenschild zu bedeuten? Zeckenalarm an der Grenze von Nordkorea oder am Zaun von Guantanamo?
Nun ja, zum Glück war die Wiese ja eingezäunt, so dass keine Zecken zu mir auf den Weg kommen konnten.

Und ich bin sicher ohne Zeck-Attack (Bin seit kurzem sowieso gegen "Zecke" (Zitat Arzthelferin) geimpft) zum Tegernsee gelangt. Schön ist es da, und von München mit der BOB super angeschlossen.

Dienstag, Mai 3

Ein Maibaum mit Tradition

Daheim macht man es sich mit der Tradition am 1. Mai einfach. Ein Bollerwagen wird grün geschmückt,mit kühlen Getränken gefüllt und so wandert man einmal um den See. In München gibt es solch eine Tradition nicht. Dafür wird in vielen Gemeinden ein Volksfest zur Errichtung des Maibaums veranstaltet.
Maibaum Aufstellen Großhadern
Die Maibäume in München sind blau - weiss angestrichen. Eigentlich dachte ich alle Maibaäume in Deutschland wären blau und weiss. Dachte ich. Ein Blick auf die Homepage der Stadt München hilft weiter:
"Ein richtig geschnürter (bemalter) Baum hat hier in München die Spirale von unten links nach oben rechts gedreht. Als Vorlage dient dabei die bayerisch Raute, die unseren weiss-blauen Himmel darstellt."

In diesem Jahr hatte ich das Glück beim Aufstellen eines Maibaumes dabei sein zu dürfen. Der Grosshaderner Maibaum misst 30, 1 m. Als einer der wenigen Maibäume Münchens wird er nach der Segnung noch von Hand aufgestellt. Seit es in den 80ern in München zu einem tödlichen Unfall beim Aufstellen per Hand kam, ist eigentlich nur noch das Aufstellen mit Kran erlaubt. Die clveren Haderner aber stellen ihren Baum nicht auf öffentlichen Grund, sondern auf das Kirchengrundstück. Somit dürfen die mutigen Haderner Burschen weiter munter an den sogenannten "Schwalben" den Maibaum hochdrücken.
Maibaum Aufstellen Großhadern
Der Maibaum in Grosshadern wurde schon im Dezember geschlagen. Bis zum Mai lagert er dann zum Trocknen und zur Bemalung im Dorf. Dabei ist Vorsicht geboten. Das grosse Ziel der Burschen in umliegenden Gemeinden ist der Diebstahl des Maibaumes. Wie mir berichtet wurde hatten die Burschen in Unterpfaffenhofen erklärt heuer den 60ten Maibaum ihrer Geschichte zu stehlen. Daher wird der Maibaum besonders in der "Freinacht" auf den 1. Mai streng bewacht.

Nun dürfen sich 30,1 Meter stolz in die Luft recken. Bis der TÜV Südbayern bei der jährlichen Prüfung der Maibäume bestimmt, dass ein neuer Baum aufgestellt werden muss. In München darf aus versicherungsrechtlichen Gründen ein Maibaum generell maximal nur fünf Jahre stehen.

Freitag, April 29

Alpenpässe

Mit grossem Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass viele Freunde von mir aus Bayern noch nie das deutsche Meer gesehen haben. Eine Wattwanderung, Ebbe-Flut Divergenz, Bernsteinesuchen, Krabben pulen, die Kreidefelsen oder die harmonische Ostsee; alles haben Sie verpasst.

Mittlerweile habe ich aber auch die Gründe hierfür akzeptiert. Während eine Fahrt in den wetterungewissen Norden 6-7 h dauert, kann man von München in 4-5 Stunden an der Adria, in Venedig, Südtirol oder gleich fast in der Toskana sein. Gerade im Frühjahr lockt eine solche Reise. Während der April in Deutschland macht was er will, sind in Italien längst Sonnenbrillen gezückt und es wird Eis geschleckt bei sommerlichen Temperaturen.


Um in den Süden zu kommen, muss man das natürliche Hinderniss der Alpenhauptkämme überwinden. Seit Jahrtausenden werden hierfür dieselben Passwege genutzt, die durch die geographische Struktur der Alpen vorgegeben ist. Für einen solchen Übergang in das nächstgelegene Tal ist die immer die tiefstmögliche Stelle eines Bergkammes ideal. Hier konzentriert sich dann der Verkehr.

Viele Pässe sind legendär und werden seit Urzeiten genutzt. Hannibal ist mit seinen Elefanten auf einem nocht nicht bestimmten Pass über die Alpen nach Italien einmarschiert (bestimmt ist aber, das alle Elefanten die Überquerung nicht überlebten). Der St. Gotthard Pass und die Teufelsbrücke fanden daher schon das Interesse der schwermütigen Maler der Romantik, wie man in der neuen Pinakothek München sieht. Es existieren auch Beschreibungen der Pässe von Goethe oder Stiche von Albrecht Dürer.


Den Brenner (1374m), den St. Bernardino Pass (2065m) oder den Reschenpass (1504m) habe ich höchstselbst in den letzten Wochen motorisiert passiert.

Zur Umgehung der Vignetten haben wir dabei häufig die alten Passstrassen und nicht die Tunnels oder Autobahnen gewählt. Mittlerweile bin ich regelrecht fasziniert von diesen alten Pässen. Auf den Passhöhen sind die Wasserscheiden zwischen ganz Europa. Nördlich fliesst das Schmelzwasser nach unzähligen Kilometern in den Rhein oder die Donau, südlich erreicht es irgenwann über Rhone und Po das Mittelmeer.

Ausserdem liegen exakt auf der Passhöhe oft auch die Grenze zwischen 2 Staaten. Nur wenige Kilometer weiter erwarten einen dann eine neue Sprache und andere kulturelle und gastronomische Sonderheiten.

Über den Reschenpass hält man in Richtung Italien wohl zunächst einmal am Reschensee mit dem versunkenen Kirchturm von Alt Graun.
Danach sinkt man innerhalb kurzer Zeit um fast 1000 Höhenmeter. Im Vinschgau in Südtirol ist man dann umgeben von Burgen, Marmor, blühenden Obstplantagen und fabelhafter Pizza und Wein.

Ist man weiter "passgierig" und hat keine Lust auf Pizza und Vino, biegt man einfach an Reinhold Messners Burg Juval (rechts) in das Schnalstal ab. An dessen Ende wollte schon Ötzi zurück

nach Österreich flüchten, bis ihn eine Pfeilspitze traf.

Oder man flüchtet über den zweithöchsten Pass der Alpen am Stilftser Joch (2757 m!!) rüber in die Lombardei.

Ich habe genug Krabben gepuhlt, und Regenschauern an der deutschen Küste getrotzt. An Alpenpässen mangelt es aber weiterhin bei mir. Vielleicht in diesem Jahr auch einmal mit dem Velo?

Donnerstag, März 31

Der sterbende Schwan

Die ersten Frühlingstage und die hellen Stunden am abend haben mich wieder aufs Mountainbike gehievt. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man aus Münchens Mitte an der Isar entlang in das bayerische Oberland vorstossen kann. Hat man einmal bei Pullach den Radweg am Isar-Hochufer erreicht ist es einfach nur traumhaft. Die Strecke hat einiges zu bieten: Schotterwege, schmale Trails über Buchenwurzeln, herrliche Aussichten und immer wieder Biergärten, Biergärten, Biergärten.

Mountainbike Isar Trails Grünwald
Nach 25 km hat man dann mit der Benediktinerabtei Schäftlarn einen idealen Scheitelpunkt erreicht. Natürlich einen Scheitel mit Bräustüberl und Biergarten.

Am anderen Isarufer geht es dann über Grünwald zurück nach München. Im Moment ist das Isarufer so weit draussen vielleicht ob der Jahreszeit noch nicht zu sehr mit Bikern und Spaziergängern gefüllt. Die Isar ist hier noch ein richtig wilder Strom. Bevor er bis München durch diverse Flossschleussen und Wasserkraftwerke gezähmt wird. An diesem wilden Strom habe ich aus dem Augenwinkel im Schilf plötzlich einen weisslich schimmernden Fleck auf braunem Grund erhascht.
Die Überraschung ist gross als ich einen brütenden Höckerschwan auf einem Schilfnest identifiziere. Irgendwie habe ich mir noch nicht konkrete Gedanken gemacht, wo all die hübschen Schwäne in Münchens Parkanlagen herkommen. Sie werden also von eleganten, hübsch schlafenden Schwäninnen auf schwimmenden Schilfinseln im beschaulichen Isartal ausgebrütet.Brütender schwan GrünwaldDem Schwan werden wohl -wie nur wenigen anderen Tieren- edle humane Eigenschaften angedichtet. Ein Schwan wirkt anmutig, elegant ja gar romantisch, musisch. Der Schwanengesang bezeichnet die letzte Rede eines Politikers oder das letzte Werk eines bedeutenden Künstlers. Der sterbende Schwan und Schwanensee sind weltberühmt. Der Schwan kommt im Märchen vor, Richard Wagner verewigt Ihn in der Lohengrin Oper und die irische und griechische Mythologie (Leda..) handelt von Schwänen als Symbol der Reinheit.

Am Ortseingang von Grünwald werde ich jäh aus meinem Schwanentraum gerissen. Erzürnte Bürger haben einen Zeitungsartikel an einen der letzten Bäume vor Grünwald geheftet. Es geht um die Jagd auf Schwäne im Dezember letzten Jahres, die von Spaziergängern beobachtet wurde. Der Artikel stellt gleich zu Beginn fest, dass die Schwanenjagd rechtmässig war (unterliegen dem Jagdrecht). Dennoch haben sich die Jäger auch wohl etwas ungeschickt angestellt. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass es wohl kaum Proteste gegeben hätte wenn Jäger die Wanderratten Grünwalds bejagt hätten (unterliegen allerdings nicht dem Jagdrecht).

Das es eine Menge Schwäne in München gibt, stelle ich regelmäßig am beliebten Grillplatz auf dem Isarkies an der Tierparkbrücke fest. Hier wimmelt es von Schwänen, sicherlich auch weil sie den ein oder anderen Happen von tierfreundlichen(feindlichen) Grillern abbekommen.
Meine Schwanrecherche in Grünwald hat mich leider auf dem Bike aufgehalten. Angekommen bin ich nach knapp 4 Stunden 56 km später im dunkeln und kalten Regen. Am Wochenende soll es aber 25 Grad werden. Da bin ich sicher wieder on tour. Und diesmal fahre ich nicht nur vorbei an den Biergärten, Biergärten, Biergärten...

Mittwoch, März 23

Haustiere

In München ist das klassiche Haustier der Zamperl. Um 1900 noch zwischen Bierdackl, Salondackl und Gebrauchsdackl unterschieden, schafft er es heute noch maximal in die Souvenirläden Münchens. So gesehen in meinem Favorite Mitbringsel-Shop "Servus Heimat" als Häkeldackel:



Nun bin ich im Westend auf ein ganz anderes Haustier aufmerksam geworden. Ein trauriger Haustierfreund hat nämlich sein Alpen - Steinhuhn verloren:




Auf der Suche nach diesem possierlichen Tierchen plakatiert er nicht nur viele Ampeln voll, nein er lobt sogar noch eine Finderprämie von 200€ aus. Leider ist das Tier nicht zahm, und somit wohl etwas schwer zu fangen. Ich habe natürlich schon überlegt was so ein Steinhuhn (
A. g. saxatilis) wohl in einer gut sortierten Zoohandlung kostet. Sicherlich weniger als 200 €. Der Rest wäre dann Gewinn.

Ich mag es bei der Haustierwahl natürlich eher klassisch. Ausser dem Wolpertinger (lupus bavarensis nonsensis)
kommt mir nichts ins Haus.

Wer mir einen Lebenden bringt, dem gelobe ich meinen Gewinn aus der Steinhuhnaktion aus. Prosit!

Montag, Februar 14

Après - Ski und sonstiger Schneesport

Früher war es einfacher seinen Aufenthalt für den Wintersport zu planen. Man suchte sich einfach eine Woche in den Semesterferien raus und hörte sich im Ski- und Snowboardfreundeskreis nach Interessierten um. Die Wahl des Zieles für die Skigaudi machten eigentlich die österreichischen Alpendörfer mit dem größten Après-Ski Feierpotential unter sich aus.
So habe ich diverse Male das Zillertal aber auch Sölden, Saalbach-Hinterglemm oder St. Anton (liebevoll von uns "Stanton" genannt) besucht. An die Mengen von getrunkenen Flügerl (Wodka Bull), Weissbier, Willi Birne oder Jagatee erinnere ich mich manchmal nur ungern. Das Feiern in Skiklamotten und die Schwierigkeiten des Tanzens in Skischuhen empfand ich damals aber definitiv immer als spassig.

Der fanzösische Name
"Après -Ski ist eigentlich etwas irritieren. Mit "Abrissski" (echt schon gehört!) hat es aber herzlich wenig zu tun.Vermutet man eine Aktivität "nach" dem Schneesport liegt man auch falsch. Häufig beginnt die Party schon in den Schirmbars auf der Piste. Dass ich mich auf dem Weg zur Talstation dann nie ernsthaft verletzt habe, erscheint mir im Nachhinein wahrhaft wunderlich. Ausserdem ist das Feiern in Skiklamotten eine Erfindung aus Österreich und weniger französichen Ursprungs.

Wenn man die Unterkunft schliesslich gegen 19 Uhr (meist mit dem Grossraumtaxi) erreichte, ging es meist fröhlich dahoam weiter oder die nächste Après-Ski Tenne oder ein Discostadel wurden aufgesucht. Unvermeitliche Begleiter über die gesamte Woche: DJ Ötzi, die Hermes House Band und Ösischlager. Zugegebenermaßen haben die Urlaube damals immer sehr viel Spass gemacht. Sicher war aber eigentlich immer nur eins: Der Kater am Folgetag und das Loch im Geldbeutel.
Mit der Zeit hat sich der Après-Ski nach meiner Beobachtung immer mehr kommerzialisiert. RTL II ist auf den Zug mit aufgesprungen und Musiktitel des Après-Ski werden in einem Atemzug mit Ballermann CDs vermarktet. Jede hinterletzte Hütte in den Bergen versuchte den Skifahrer durch aussen installierte Boxen zum Einkehrschwung anzulocken. Ein unrühmlicher Höhepunkt der Kommerzialisierung ist vielleicht in dem unterirdischen Film "Feuer, Eis und Dosenbier" erreicht worden.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag im Mai vor einigen Jahren, an welchem ich mit meinem Vater im Auto den Tauerntunnel umgingen und über den Pass durch das trostlose Obertauern fuhren. Hier sah ich zum ersten mal die hässliche Fratze des Après Ski. Die Sessellifte baumelten leblos über den braunen Grashängen und entlang der Strasse reihten sich verlassen gläserne Bars aneinander wie staubige Saloons in einer Westernstadt. Vom blinkende Glanz und Winterfreude war in diesem Skiort nichts mehr zu spüren.

Entweder steckt die Après Ski Community in einer Sackgasse, war ein Trend der Nuller Jahre oder aber ich entwachse den Party-Skiurlauben. Nachdem lange der Kick beim Feiern gesucht wurde, wird in letzter Zeit wieder mehr und mehr der Kick auf und neben der Piste gesucht. Die neuen Carving, R
ocker oder All Mountain Ski ermöglichen ein neues Fahrgefühl und z.B. auch die einfachere Eroberung von Tiefschneehängen. Während ich dem Ski Touren gehen entlang vom Skipisten noch skeptisch gegenüberstehe, hat mich das bereits Schneeschuhwandern fasziniert.
Man streift sich die Tennisschlägergrossen Schneeschuhe über und los geht`s. In den bairischen Voralpen kann man dann menschenleere Gipfel erklimmen, die im Sommer gut frequentiert sind. Die letzten Höhenmeter zum Gipfelkreuz sind dabei oft richtige Kletterpartien mit stimulierender Wirkung. Brotzeit und das erhebende Feeling einsam am Gipfel sind unbeschreiblich. Auf dem Wallberg am Tegernsee kann man den Rückweg ins Tal dann sogar auf dem Schlitten absolvieren. Das verkürzt die Dauer bis zum Aufenthalt im herzöglichen Brauhaus Tegernsee um etliche Minuten. Alles hat seine Zeit.