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Mittwoch, August 8

Die seltsame Geschichte der Insel Sassau im Walchensee

Am Wochenende haben wir es endlich geschafft. Mit einer Biwakübernachtung ging es zum Angelcamp an den Walchensee. Der Walchensee ist ein See der Superlative, Mythen und Besonderheiten. Es ist der tiefste See Deutschlands mit 180 Metern. So tief dass sich unten immer noch unverändertes Wasser aus der Eiszeit befindet.

Er glänzt wunderbar blau und grün und bietet Sichtweiten unter Wasser von unfassbaren 8-20 Metern. Das Seewasser beinhaltet hier kaum organisches Material aus Landwirtschaft oder Totholz, sondern es wird nur Gestein (Kalziumkarbonat) aus den Bergen hinzugespült. Und das macht eben diese einmalige Farbe aus.

Vom Ufer des Sees hat man einen wunderbaren Blick ins Karwendel oder das direkt angrenzende Ester Gebirge. Die anliegenden Herzogstand und Heimgarten zählen zur ersten Güteklasse der Münchner Hausberge.

 


Walchensee Chaos am Wochenende


Motorboote und Elektroboote sind am Walchensee verboten. Durch den aufkommenden Wind, der immer pünktlich Mittags um 11:30 Uhr von Urfeld einsetzt, haben den See aber nicht nur Badende entdeckt, sondern auch Segler, Wind- und Kite Surfer. Dazukommen Massen an SUP Sportlern und Grillsportlern und Sonnenanbetern. Die Konsequenz ist leider ein Parkplatz-, Müll- und Menschenchaos an den Wochenenden.

Die vielen Besucher sind nicht nur der Schönheit des Sees sondern auch der wachsenden Metropolregion München geschuldet. Aber weiter gehts mit den Superlativen. Hier wurden schon in den 50er Jahren Hollywood Wikinger Filme gedreht. Die Filmerei fand Ihre Fortsetzung als Drehlocation für die "Wickie" Filme von Bully Herbig. Die Landschaft kann mit den Fjorden in Norwegen oder Island mithalten, liegt aber deutlich näher an den Filmstudios der Medien Metropole München.

Erstaunlicherweise liegen Wracks von Flugzeugen und Autos im See, die Faszination auf Taucher ausüben - und überhaupt zum Ende des Krieges wurde hier das Gold der Reichsbank aufbewahrt (und vielleicht auch versenkt?). Nicht zu vergessen, dass ich das Walchenseemonster schon fotografiert habe.

Ökologische Sensation Insel Sassau

 

Ausatmen. Kommen wir zu einer sensationellen Neuentdeckung. Der See beherbergt nämlich eine kleine Insel am Südostufer mit dem Namen Sassau.


Die Insel Sassau (2,9 ha) steht unter Naturschutz. Das Betreten der Insel ist ganzjährig verboten. Die Insel ist 367 m lang und im Westen bis 93 m breit (im Osten nur halb so breit). Sie erhebt sich bis zu 12 m über den Wasserspiegel.

Und am Wochenende haben wir Sie mit dem Ruderboot auf der Angeljagd nach der Walchenseerenke umrundet. In grossen Lettern steht auf einem Schild "Betreten verboten. Vogelbrutplatz und seltener Eibenbestand".


Zuhause habe ich mich ob diesen skurrilen Zusatzes "seltender Eibenbestand" ein wenig über die Insel informiert. 

  

Rückzugsort für die Kloster im Krieg


Für die Insel galt nicht immer das Betretverbot. Bis zur Säkularisierung gehörte der See und das Fischereirecht zum Kloster Schlehdorf und Benediktbeuern. Gerade in der Fastenzeit, dürfte man sicher erfreut gewesen sein über eine frische Ladung Saibling oder Renke, die im übrigen erst um 1500 vom Kloster in den See eingesetzt wurden. Bis Ende des 15. Jahrhunderts gab es im Walchensee nur Hechte, Forellen und Barsche.

Als im 30jährigen Krieg dann die Schweden in Süddeutschland Angst und Schrecken verbreiteten, kam den Klosteroberen die Insel auf dem See wieder in den Sinn. Sie wurde als Rückzugsort genutzt, befestigt und mit Abwehranlagen ausgestattet. So überlebten die Mönchen diese Zeit zum Teil auf der Insel. Gleiches gilt für den Spanischen Erbfolge Krieg ab 1700-1713. Wenn man mal über den Schmied von Kochel nachliest oder die Sendlinger Mordweihnacht, fällt einem wieder ein, dass es hier zu blutigen Kampfhandlungen im bayerischen Oberland kam.

Nahe dem südöstlichen Ufer der Insel befand sich sogar eine Kapelle. Über eine etwaige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der Klosterzeit ist nichts bekannt. Holzbringung und Besatz mit Weidetieren waren durch die isolierte Lage erschwert und auf Grund der geringen Flächengröße wenig lukrativ, können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

 

Die seltene Eibe findet auf Sassau einen Rückzugsort


Danach wurde es ruhiger um die Insel. Sie fiel mit der Säkulariaiserung 1806 in die Händer der bayerisch königlichen Forstverwaltung. Vom Festland abgetrennt konnte sich hier eine ungestörte Natur entwickeln. Eine Natur die noch so besteht wie rund um den Walchensee vor Jahrhunderten. Da weder Rotwild noch Rehwild die Insel auf natürlichem Wege betreten konnten, gab es hier keinen natürlichen Verbiss und die Natur konnte sich selbst erhalten und verjüngen.

Alte Urkunden bezeugen, dass auf der Insel bereits vor der Erfindung der Feuerwaffen Eiben wuchsen. Diese sollten vom Jäger gepflegt werden, da Ihr hartes Holz für den Bau von Armbrüsten benötigt wurde.
In der Neuzeit geriet dieser Baumbestand wohl in Vergessenheit, denn Eiben sind für Pferde giftig (Für Rehwild wiederum nicht) und wurde als natürlicher Bestand fast überall von den Forstbetrieben ausgerottet. Nur nicht auf der Sassau. Hier gibt es einen dichten Bestand an diesen einzigartigen Nadelbäumen.

Eine wissenschaftliche Arbeit der Goetheuniversität Frankfurt hat die Sassau mit dem benachbarten Wirtschaftswald am Festland verglichen. Sie kommen zum folgenden Schluss:


Die ungewöhnliche Rolle der Eibe im Naturschutzwald Sassau ist in erster Linie als Effekt der Insellage zu deuten. Zwar ist das Vorkommen von einzelnen Alteiben in den Nördlichen Kalkalpen, insbesondere rund um den Walchensee, keine Seltenheit, jedoch wird das Ankommen und Aufwachsen von Verjüngung durch Wildverbiss weitestgehend verhindert. Eiben erscheinen somit als Relikte einer wildärmeren Epoche, die nach der Säkularisation mit Einführung der Hofjagd, konsequenter Bekämpfung der Wilderei, Ausrottung der Großräuber und winterlicher Wildfütterung ihr Ende fand. Dadurch blieb nicht nur Eibenverjüngung aus, sondern es folgte eine großflächige Entmischung des Bergmischwaldes auf Kosten der Tanne, deren Anteil in jüngeren Beständen auf wenige Prozentpunkte zurückfiel Dem Wildverbiss entzogen, bewahrt die Insel Sassau eine von den verbissempfindlichen Schattbaumarten Tanne, Eibe und Buche dominierte Gesellschaft.


Die Insel wirkt dadurch von aussen richtig dicht und buschig. Einzelne Eiben sollen ein sagenumwobenes Alter von über 500 Jahren erreicht haben.
Ebenfalls durch die jahrhundertelange Ruhe hat sich eine Humusschicht von beinahe 1m gebildet, die in den Nutzwäldern um den See nur halb so stark ist. Als man es mit dem Betretungsverbot Mitte des 20ten Jahrhunderts noch nicht so ernst nahm, bekam die Insel den Beinamen "Liebesinsel". Es sollen Pärchen beobachtet worden sein, die zur Insel ruderten und sich ebenfalls dort zurückzogen. Die Gründe dürften allerdings andere als bei den Mönchen aus dem Kloster gewesen sein.

Heute dient die Insel vielen Vögeln als Rückzugsort oder Winter- bzw. Durchzugsquartier. Aufregung hat in letzer Zeit nur erzeugt, dass sich Mittelmeermöwen auf der Insel einquartiert haben. Vielleicht sehen Sie es ja so wie die Klosteroberen von 500 Jahren.

Keine Störung und umgeben von leckerem Saibling.  






Sonntag, Februar 26

Die Kirche an der Erdfunkstelle Raisting

Kirche Erdfunkstelle Raisting
Eine Kirche im barocken Stile

Eine barocke Kirche, alte Bäume mit Krähen und im Hintergrund die Berge. Ja man befindet sich in Oberbayern. Allerdings ist die Gemeinde Raisting am Südende des Ammersees für ein ganz anderes Wahrzeichen bekannt.

Erdfunkstelle aus dem kalten Krieg

Im Jahr 1963 wurden von der deutschen Bundespost hier mächtige Parabolantennen aufgestellt für die Kommunikation mit Nachrichtensatteliten. Beim zweiten Blick auf das Bild fällt dem geneigten Leser vielleicht schon die Sattellitenschüssel links neben dem Baum auf?

Insgesamt stehen dort 7 mächtige Schüsseln, die der Gegend ein bizarres Antlitz verleihen und schon von weitem sichtbar sind:

Kirche Raisting Sattelit
Eine Kirche mit surrealer Begleitung

Und wer das Kircherl einmal mit den Alpen im Hintergrund sehen möchte, muss sich an diesen Anblick gewöhnen:

Kirche Raisting Sattelit

Warum stehen die Antennen in Raisting?

Man suchte nach einem Punkt im Süden Deutschlands knapp vor den Alpen. Zusammen mit der natürlichen Beckenform des Ammerseer Tales können so andere störende Funkstrahlen natürlich abgehalten werden. Hinzukommt die räumliche Nähe zum Grossraum München.

Bedanken können wir uns für die Funkantennen auch für die Übertragung von Grossereignissen. Stolz erklären Schautafeln, dass ohne die Raistinger Erdfunkstelle keine Übertragung der Mondlandung und der Olmpischen Spiele 1972 in München möglich gewesen wäre.

Im Jahr 2006 wurden die Antennen von der Telekom an das US Unternehmen EMC verkauft. Das Unternehmen stellt im Auftrag u.a. der UN Satteliten gestützte Kommunikation für entlegene Regionen bereit. Auf welchen Servern in den USA diese Daten noch zur Verfügiung gestellt werden lässt sich leider nicht recherchieren.

Dienstag, August 6

Die Waldfeste am Tegernsee - zwischen Schick, Schnösel und Tradition

Der erste längere Ritt auf meiner Vespa "Johnny" brachte mich am Sonntag an den Tegernsee. Auf dem Programm stand neben einer Abkühlung im See endlich einmal der Besuch eines Waldfestes am Tegernsee. 

Laut dem Werbevideo des Tegernseer Tals gehören die "Waldfeste zum Tegernsee, wie die Wiesn zu München". Na denn.


Wirklich genaue Vorstellungen hatte ich eigentlich nicht, was es mit diesen Waldfesten auf sich hat. Ich stellte mir eigentlich immer ein Bierfest unter dunkelen Bäumen vor. Im kühlen Schatten von Eichen oder so.

Eines sei vorweggenommen. Wie auf der Wiesn ist es auf den Waldfesten nicht. Denn die Mass Bier
-es gibt auch Dunkeles- kostete nur 5,50 anstatt fast 10€ wie auf der echten Wiesn. Konkret war ich beim Waldfest des Ski Clubs Rottach Egern. 

Diese Waldfeste werden nämlich nicht vom Touristmusverband organisiert, nein örtliche Vereine organisieren das Event und stecken den Gewinn in die Jugendarbeit um weiterhin Nachwus im Bereich Trachtentanz und toller Skifahrer (ala Vicky Rebensburg aus Kreuth) zu haben.

Zum Glück konnte ich mit Vespa Johnny bis auf den vordersten Parkplatz durchfahren. Ein Blick über denselbigen verrät bereits das Besucherklientel der Waldfeste. Rottach-Egern zieht ob der schönen Lage die Reichen aus der ganzen Welt an. Mit einer ordentlichen Zweitwohnsitzsteuer, hat es Rottach Egern einer der reichsten Kommunen Deutschlands gebracht. Wenn Ihr hier Immobilien kaufen wollt: Neue Bauflächen werden nicht mehr ausgewiesen und mit der 14 höchsten Kaufkraft Deutschlands versehen habt Ihr ordentlich Konkurrenz.

Zurück zum Parkplatz am Waldfest. Für deutsche Automanager sei ein Besuch empfohlen. Der dürfte wie eine Frischzellenkur wirken. Hier merken Sie, dass der Markt für Edel- SUVs aus deutschem Haus so richtig brummt.Und Sie nicht für den Export nach China schuften.
Der Eintritt aufs Waldfest kostet 1 Euro. dafür wird dann mit einem wirklich liebevollem Fest belohnt. Die Trachtenjugend und Peitschenmänner (Goassnschnalzer) veranstalten ein Spektakel auf der zentralen Bühne. Über dem gesamten Fest schwebt trotz ca. 700-1000 Besucher eine angenehme Ruhe. Das Essen ist hochwertig und man nimmt eine Schlange gerne in Kauf. Selbst die Trachtenjugend packt mit an und 10jährige halfen schon mit Krüge einzusammeln.



Am Tegernsee scheint die Welt wirklich in Ordnung. Klingt bekloppt ist aber so. Mabn sitzt auf Bierbänken im freien und erfreut sich des Lebens. Die meisten Besucher sahen wie frisch aus dem neuen Landhaus-Trachtenmode Katalog entsprungen. Oder auf jeden Fall verhalten sich die Leute so. Denn auf dem Rückweg auf dem Parkplatz habe ich es enttarnt. Viele der Besucher hatten ein Kennzeichen mit großem M - (XX- 0815): München.

Vor einigen Jahren hatte ich zu der Begebenheit einmal eine witziges Bonmot in der SZ gelesen. Ein Tegernseer Gebirgsschütze wurde gefragt, wie er denn die Besucher aus München erkenne. Seine kurze Antwort: "Am Sonntag trägt der Tegernseer eine weisses festliches Hemd. Nur die Besucher aus der Landeshauptstadt kommen weiterhin mit bunten karierten Hemden".

Zwei Chancen habts Ihr noch heuer ein Waldfest zu besuchen:

  • Sonntag, 11.08.2013, 10 Uhr: Trachtenwaldfest der Wallberger (Lori-Feichta, Rottach-Egern)
  • Do. 08./Fr. 09./Sa. 10./So. 11.08.2013 17:00/15:00/15:00/15:00 Uhr Waldfest SC Ostin (Skilift Ostin, Gmund am Tegernsee)
  

Dienstag, Mai 29

Das Ungeheuer vom Walchensee!

Der Walchensee zählt zu meinen Lieblingsausflugsseen im bayerischen Oberland. Er ist ein klassischer Alpenseeund besticht mich immer wieder mit seiner grün schimmernden Oberfläche (auch wenn hier etwas nachgeholfen wurde).
Grünes Wasser Walchensee

Er ist wirklich fantastisch gelegen. Umrahmt wird er von vielen 2.000er Bergen, die wiederum zu den berühmten Münchner Hausbergen gehören. Münchner Wandersfreunden sin "Heimgarten" und "Herzogstand" seit früher Kindheit ein Begriff. Ich habe den Walchensee mittlerweile auch als Badesee im Sommer schätzen gelernt. Als tiefster deutscher See (190m) ist er selbst im Hochsommer erfrischender als jeglicher Baggersee.

Viele kuriose Geschichten hat er ob seiner Tiefe und spektakulären Lage auch zu bieten. So wurden hier nicht nur der Wikingerfilm von Bullie Herbig -Wickie- gedreht; nein bereits in den fünfziger Jahren dreht Hollywood hier Wikingerfilme mit Christopher Lee und Kirk Douglas gedreht.

Auch Schatzsucher werden hier fündig. Ein Teil der Goldreserven der Reichsbank wurde in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs in der Nähe des Sees aufbewahrt. Da immer noch haufenweise Goldbarren verschollen sind, glaubt so mancher Schatzsucher einen Niebelungenschatz im Walchensee.

Fündig werden Taucher aber nich beim Gold, sondern bei Flugzeugwracks. Neben einer Messerschmitt liegt im See auch noch das Wrack eines englischen Bombers. Sie werden gerne von Hobbytauchern aufgesucht. Keiner weiss wie die Flugzeuge in den See kamen.

Walchenseemonster entdeckt


Bei meinem Besuch am vorletzten Sonntag bin ich dem Walchenseemonster auf die Spur gekommen. Nun ja, eine echte Schlange sieht man in Deutschland auch nicht jeden Tag. Vom Geschrei einiger Kinder angelockt ging ich zur felsigen Uferböschung am Südwestufer. Entlang der Felsen im wasser schlängelte sich soeben einw ahres Prachtexemplar. Eine sicherlich deutlich über ein Meter lange Würgeschlange, die noch nicht lange aus der Winterstarre erwacht war. Auf der Suche nach Eidechsen und Entenküken schwamm Sie entlang des Ufers. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei um eine Ringelnatter, und damit eine der harmlosen, aber seltenen deutschen Würgeschlangen. Keine Gefahr also, aber auch nur ein schneller Schnappschuss.
 
Schlange Walchensee

Da ging es mir besser als meinem verehrten Tierfilmer Andreas Kieling. Den hat bei einer Wanderung im Berchtesgadener Land eine Kreuzotter erwischt (sicherlich nicht ganz zufällig, wie ich Herrn Kieling kenne). Gute Besserung auf diesem Wege!


Montag, August 22

Auf in die Berge - nicht zu Fuss

Schachenschloss von oben
Author vor Neuschwanstein
Das Schachenschloss ist eines der Schlösser vom "crazy king" Ludwig II und liegt auf 1866m. Auch wenn das bescheidenste von allen Schlössern (man denke nur an Neuschwanstein oder Linderhof) fehlt es an zwei Dingen nicht, die dem König wichtig waren: 


Zum einen ist es vielleicht klein, aber dafür spektakulär gelegen. Zur linken winden sich Zugspitze und Alpspitze in den Himmel, nach vorne reicht der Blick über Garmisch bis zum Starnberger See. Und hinter dem Schachenschloss ragt die gewaltige Felswände des Wettersteinmassivs hervor. 


Zum anderen ist es innen typisch ludwigverrückt eingerichtet. Ludwig II liess sich nämlich ein orientalisches/türkisches Zimmer einbauen. Dort soll er gerne seinem Hobby, dem Pfeife rauchen, nachgekommen sein. Was da wohl alles für Kräuterchen durchgequalmt wurden? Vielleicht existiert auch deshalb unterhalb des Schlosses ein alpiner botanischer Garten. So konnte Ludwig -der sich gerne aus der realen Welt zurückzog- dort oben ganz authark leben und rauchen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude für die Versorgung des Königs sind heute in eine herzhafte Berghütte umgewandelt worden, bekannt für Kaiserschmarrn und Schachennudeln. Was hat mich auf diese Höhe getrieben? Eine wunderbare Mountainbike-Tour. Und das am wärmsten Tag des Jahres!


Mountainbike Schachenschloss

Der Schotterweg, der in Mittenwald beginnt windet sich zunächst an 2 alpinen Badeseen vorbei, die man aber seufzend hinter sich lässt. Bald hat man auch schon die erste richtige Rampe erreicht (merke: Rampe hilft gegen Wampe!), und ab nun geht es auf und ab über Stock, Stein, Pfütze und Morast bis man plötzlich nach 2 Stunden ausgesetzt am Berg entlang rollt und davon noch eine halbe Stunde wunderbar auf einem Höhenweg. Bei den Temperaturen hiess das natürlich zusätzlich 3 Liter Wasser auf dem Rücken, 3 x eincremen mit Kindersonnenschutz, und einige (alkoholfreie) Weissbier am Gipfel.

Der Falke vom Schachenschloss mit über 60 km/h downhill


Alkoholisiert würde ich auch nicht die Downhill-Strecke antreten. Was hoch noch über 2 Stunden dauert hat man bergab in 30 mins geschafft. Mit bis zu 65,20 km/h habe ich mich ins Tal gestürzt. Danach brennen die Finger vom Bremsen und man schüttet gut Adrenalin aus. Ob es nun die gefährlichen Fels und Schotterstellen sind, oder entgegenkommende Wanderer -beides strahlt Gefahr aus. 


So gut durchgeölt und mit Schlamm bespritzt gibt es nur eines. Auf zum Walchensee. Deutschlands tiefster See läd mit seiner grün-blauen Färbung nur so zu einem Sprung ins Nass ein. Danach noch ein wenig Grillen (ich habe den Wurstburger neu erfunden!). Also das ist echt wie Urlaub. Nur das der Montag doch immer wieder kommt.
Grillen Walchensee


  

Samstag, Juli 16

Schiefe Türme im Herzen Deutschlands

In der letzten Zeit war ich viel zu Fuss und mit dem Radl im Herzen Deutschlands unterwegs. Zwischen Eisenach, Koblenz und Ingolstadt findet man wirklich wunderschöne Natur und eine uralte typisch deutsche Kultur. Ich mag es alte Städte zu finden, die ein wenig in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin schlummern. Hier erlebt man immer mal wieder Überraschungen. Von Zeit zu Zeit will ich mal kurioses hier offenbaren.

So lese ich auf der Landkarte von dem kleinen Städtchen Bad Frankenhausen hinter dem Kyffhäusergebirge in Thüringen. Der Name "Bad Frankenhausen" lässte es in meinen Ohren klingeln. Seit längerem habe ich ausgerechnet auf der Toilette einen SZ Bericht über die schiefsten Türme Deutschlands hängen. Und der "höchste, schiefste Turm" steht genau in der 5000 Einwohner Gemeinde Bad Frankenhausen.

Voila, der Kirchturm der Oberkirche in Bad Frankenhausen.
schiefster Turm DeutschlandsDer weiche Gips- und Kaarstboden hat dafür gesorgt, dass die direkten Nachbarn des Turmes nur noch unruhig schlafen können, aus Angst der Turm könne kippen. Die 56m hohe Turmspitze hat eine Abweichung von 4, 445m vom Lot.

schiefster Turm Deutschlands
Damit kann er es nicht nur mit dem "pendling tower" in Pisa aufnehmen, nein, er ist sogar schiefer!

Samstag, Juni 18

Unterwegs am Grünen Band

Wandern Grünes Band Thüringen

Angeregt vom Tierfilmer Andreas Kieling habe auch ich heuer einen Teil vom "Grünen Band" erwandert. Das grüne Band ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen den beiden wiedervereinigten deutschen Staaten. Seit dem Mauerbau 1961 ist der ca. 100m breite Grünstreifen quasi unberührt. Dadurch hat er sich zu einem ewig langen Biotop mit seltenen Pflanzen und Tieren entwickelt, die woanders ausgestorben sind.


Zudem befand sich in den Jahren der Teilung auf DDR Seite vor der Grenze ein 5km breites Sperrgebiet, wo sich Menschen nur mit Ausnahmegenehmigung bewegen durften. Da die westliche Seite als Randgebiet wirtschaftlich ebenfalls verkümmerte, haben sich Dörfer und Städte mit 50 Jahren Rückstand präserviert.

Zuletzt sind es die Grenzanlagen selber, die spannend sind. Während die Zäune komplett entfernt worden sind, findet man von Zeit zu Zeit noch Wachtürme, vergitterte Betonröhren und Fundamente. Leider soll es auch immer noch Landminen geben, die noch nicht gefunden wurden.

Das Wandern fällt einem denkbar leicht. Man kann eigentlich auf eine Karte verzichten, und sich immer auf dem Kolonnenweg bewegen. Der Kolonnenweg schloss die Grenze auf östlicher Seite ab und diente der Fortbewegung mit Militärfahrzeugen für die Grenzsoldaten. Er besteht aus tausenden hintereinanderliegenden Betonplatten. Wie mein Vater mir eingetrichtert hat, war das eine der weingen Sachen, die die DDR beherrschte. Betonplatten giessen! Man denke nur an die ostdeutschen Autobahnen oder den Plattenbau.

Auch ohne den Kolonnenweg ist die Grenze wirklich als grünes Strauch- und Buschband weithin deutlich durch die Felder zu erkennen. Hier im Bild links.
das grüne band

Das grüne Band wird heute aus guten Gründen als Naturerlebnis Grünes Band für Radfahrer und Wanderer vermarktet. Das es sich hauptsächlich gleich durch die Ränder von 5 Bundesländern (Bayern, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) zieht, erschwert die Vermarktung. Mein Start in Eisenach verlief auch gleich holprig. Die Lektorin in der Buchhandlung konnte mit dem Begriff nämlich nichts anfangen und hielt das Band für einen Wanderkartenverlag.

Viele der kleineren Tourist -Informationen in den idyllischen Städten des Thüringischen Eichsfeldes vermarkten es dagegen noch auf die "alte" Art.
Schäferhunde Todesstreifen DDR

Hier wird zwar für einen Besuch der Grenze geworben. Hauptsächliche Begriffe in den Flyern sind aber "Todesstreifen", "Selbstschussanlagen", "Bunker" und "Beobachtungstürme". Dazu gibt es gruselige Bilder von den vermeintlichen "Hundelaufanlagen" und Elektrozäunen.



Den von mir bewanderten Abschnitt in Thüringen möchte ich -bei gutem Wetter- allen absolut empfehlen. Eigentlich ist für jeden Typus Wandersmann etwas dabei. Eine abwechslungsreiche Landschaft, die Begegnung mit seltenen Tieren und auch mit freundlichen Menschen, die oft eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Nicht zuletzt der Abenteuerspielplatz Grenzanlage. Auch der Wanderer "on a Shoestring" mit engem Budeget ist in den heimeligen Wandererpensionen gut aufgehoben. Für im schnitt 20 € bekommt man ein Dach über dem Kopf, Bett und reichhaltiges Frühstück.

Während ich also Deutschland auf Schusters Rappen durchquere ist einer meiner Vorgänger leider von uns gegangen. Der Brite Sir Patrick Leigh Fermor hat Deutschland 1934 als 17-Jähriger durchwandert; aus seinen Tagebüchern entstand das beste Reisebuch was ich jemals lesen durfte. Die "Zeit der Gaben" beeindruckt und inspiriert mich immer wieder. 96 jährig ist er am vergangenen Wochenende verstorben.

Zu weiteren Wanderungen am Gründen Band bedarf es keiner weitern Inspiration. Ich werde mich sicherlich nach und nach noch weiteren Etappen widmen.


Update dank Renne: Hier findet Ihr eine Reportage über die Bereisung mit dem Radl. Viel Spass!

Freitag, Juni 10

Schlösser Flashmob auf der Großhesseloher Brücke




Das heroben ist eine Brücke über die Isar in München mit dem etwas sperrigen Namen Großhesseloher Brücke.
Sie verbindet Pullach mit Grünwald und thront 42m über der Isar. Während oben drauf BOB Bahn und S-Bahn rollen, kann man unten durch wunderbar die Isar zu Fuss oder mit dem Radl überqueren.
Die Aussicht bietet wahlweise einen Blick auf die Voralpen oder die Stadtshilouette Münchens.

Leider kam es bei der früherern Brückenkonstruktion nicht selten zu Selbstmordversuchen. Zwischen 1875 und 1995 sollen es etwa 290 gewesen sein. Daher ist der Fussgängerbereich mittlerweile vergittert und Sprungversuche somit zum Glück aussichstlos.


Die Brücke gehört dennoch zweifelsohne zu den romantischen Orten Münchens. Vielleicht hat sich deshalb ein Schlösser Flashmob dort etabliert. Was ist geschehen? Irgendwann muss ein Pärchen sich dort oben die ewige Liebe geschworen haben, indem es ein Vorhängeschloss an die Brücke kettete und danach den Schlüssel gemeinsam in die Isar beförderten. Diese Aktion hat Nachahmer gefunden und heute findet man eine Menge Schlösser am Zaun.
Schloss Brücke München Isar
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Fast jedes Schloss ist beschriftet. Man findet die Namen der Liebenden und einige mit dem ewigen Datum graviert. Interessant finde ich es von den Namen auf das jeweilige Alter des Schlosses zu tippen. So verordne ich "Gitta & Sepp" in die 50er 60er, Gerhard & Andrea in die 90er und so fort.


Ganz weit weg von München, ist mir so eine Flashmob-Verschmückung von Gittern schon einmal vorgekommen.

Nämlich an einem Highway auf der Südinsel in Neuseeland.

Genaugenommen in Cardrona im Cadriba Valley in der Nähe von Queenstown in Neuseeland. Dort gibt es grosse Schaffarmen, die durch kilometerlange Zäune vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann muss es einer Backpackerin zu heiss geworden sein, und sie hat ihren ausrangierten Büstenhalter einfach an den Zaun gehangen. Viele weitere folgten, so dass der Zaun des glücklichen Farmers mittlerweile auf einer Länge von mehreren Kilometern bunt verhangen ist und Gazetten aus aller Welt davon berichten.


In München wird es wohl vorläufig auf der Großhesseloher Brücke nicht zum BH-Flashmob kommen und bei den Liebesschlössern bleiben. Wobei man in einer Stadt mit "Nudebeach" im Englischen Garten und dem bayerischen Motto "Leben und Leben" lassen sicher auch BHs tolerieren wird.

Donnerstag, Mai 19

Im Schneckentempo zum Bräustüberl


Die neue Kamera im Gepäck eröffnen sich einem ganz neue Möglichkeiten der Betätigung auf einer Wanderung. Zum Beispiel Makro-Aufnahmen von Lebewesen machen! Während die Weinbergschnecke wohl jedem Franzosen dass Wasser hätte im Munde zusammenlaufen lassen, habe ich sie mal nicht als Lebensmittel sondern als Fotoobjekt angesehen.


Das Ziele der Wanderung von Lenggriess über die Berge war nämlich das Tegernseer Bräustüberl. Und jenes bietet doch sowieso immer bayrisch gastronomische Highlights. Mit der fantastischen Politik, das kein Gericht mehr als 10 € kostet.
Fast wäre mir aber der Appetit vergangen. Kurz nach der Kammhöhe entdecke ich eine herrliche Almwiese mit einem Verkehrsschild:Zeckenschild Lenggries TegernseeZeckenschild Lenggries Tegernsee

Was hat ein mit Stacheldraht umwickeltes Zeckenschild zu bedeuten? Zeckenalarm an der Grenze von Nordkorea oder am Zaun von Guantanamo?
Nun ja, zum Glück war die Wiese ja eingezäunt, so dass keine Zecken zu mir auf den Weg kommen konnten.

Und ich bin sicher ohne Zeck-Attack (Bin seit kurzem sowieso gegen "Zecke" (Zitat Arzthelferin) geimpft) zum Tegernsee gelangt. Schön ist es da, und von München mit der BOB super angeschlossen.

Dienstag, Januar 4

Vienna Calling



Die Silvester Gaudi wurde in diesem Jahr in Wien gesucht und gefunden.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich in Wien war. Wien liegt auch gar nicht so nah an München wie man meinen sollte. Die Fahrt dauerte uns (inklusive Trinkpausen) unge
fähr 4,5 Stunden.

Einmal angekommen ist und bleibt Wien aber unverwechselbar. Obwohl dort derzeit im Gegensatz zu Deutschland kein Schnee liegt. Wohl keine andere Stadt hat so eine Pracht an barocke
n, marmorfarbnen Häuserzeilen zu bieten. In Wien fühle ich mich schnell ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Es würde den Wiener sicherlich nicht wundern, wenn plötzlich Mozart, Sigmund Freud oder der Habsburger Kaiser höchstselbst um die Ecke stolzieren würden. Er würde ihn höflich grüssen und einfach weitergehen.



Den unzähligen Fiaker Fahrern geht es auch noch gut. Fü
r 60 € in der Stunde kann man sich einmal durch die Stadt kutschieren lassen. Und dass wurde um Silvester in der Tat häufig gemacht.

Die Neujahrsstunde haben wir am "Steffl" (Dom) verbracht. Zunächst filmten alle Menschen die dröhnenden Glocken und danach unsere mitgebrachten Feuerwerksraketen. Kein Wunder, denn ausser zu uns war es wohl zu den meisten vorgedrungen. In der Wiener Innenstadt herrschte eigentlich ein Böllerverbot.

Der Wiener an sich scheint mir immer noch sehr obrigkeitsorientiert und sehnt sich nach der Ruhe und Ordung der 1000jährigen k.u.k. Habsburgermonarchie. Wer etwas auf sich hält schreibt es auf eine goldner Tafel vor der Türe. "Sachverständig staatlich beeidigt, oder geprüfter, bestellter".....bla bla bla.

Im gehobenen Servicesektor arbeiten in Wien kurioserweise fas
t nur Männer. Der Beruf des Kaffeehauskellners, Kutschers oder Museumswächters scheint mir fest in maskuliner Hand zu sein.

Immerhin habe ich meinen Abscheu gegen den als Wiener Schmäh bezeichneten Dialekt etwas verringern könnern. Die wiener können nichts für ihre dekadent und arrogant wirkende Art. Es ist einfach der Dialekt. Wir ham Ihn wunderbar häufig kopiert indem wir "Wiener Dekadenz" oder einfach "ach ge`" gefaselt haben. Falco wird in Wien übriens spöttisch als das "Falcerl" bezeichnet. Die Wörter sind überhaupt ein wenig kurios. So spricht der Wiener nicht vom "Müll", sondern vom "Mist". Und der Fussgänger wird als "Fussgeher" bezeichnet. Immerhin weiss man meist schnell was gemeint ist.

Dass Kusriositätenkabinett am Schluss:

Wien liegt nicht an der Donau, sonder am Donauseitenkanal einige Kilometer von der Donau entfernt. Fährt man die Donau stromabwärts erreicht man nach 40 km Bratislava (Pressburg). Damit ergeben sich Europas am nächsten zusammenliegende Hauptstädte. Bleibt man in Wien findet man etwa am Naschmarkt auch einen Fluss. Der Name hat mich dann doch erstaunt. Die "Wien" schlänge
lt sich dort neben der Strassenbahn her.


Montag, September 6

Dachau und seine 2 Seiten

Die Kreisstadt Dachau liegt nur 60 Radlminuten entfernt im Münchner Nordwesten.

Dachau. Schon bei der Erwähnung des Wortes zuckte ich früher ein wenig zusammen.
Es hatte zwar nicht ganz das Niveau Orten wie Hiroshima, Tchernobyl oder Stalingrad. Aber spielte duraus in einer Liga mit Lockerbie oder Verdun. Ich erinnere mich noch gut an mein ungutes Gefühl, wenn in der ARD Sportschau -als noch echte Randsportarten gezeigt wurden- hin und wieder beim Thema Volleyball der Name des ASV Dachau fiel.

Die Stadt Dachau ist durch den Prototyp aller Konzentrationslager, das KZ Dachau, gebrandmarkt. Bereits im März 1933, also direkt nach der Machtübernahme Hitlers, wurde es vom damaligen Münchner Polizeipräsidenten (und späteren Holocaust-Chef Organisator) Heinrich Himmler eingerichtet.
Nach anfänglichen zaghaften Protesten entwickelte sich das KZ schnell zum
rechtsfreien Raum. Für Erschiessungen war nur noch der BEfehl des Lagerkommandanten und zweier Wächter erforderlich. Zunächst diente es der Abschreckung, indem v.a. prominente Oppositionelle in Dachau inhaftiert wurden.
Baracke KZ Dachau
Arbeit macht frei Dachau Eingang
Bildunterschrift hinzufügen
Später war es für die SS ein perfides Test-KZ. Organisation und Aufbau dienten später allen weiteren KZs im Reichsgebiet zum Vorbild. Hier finden sich im Kleinen alles was die späteren Lager bekannt machte. Die doppestöckigen Schlafgestelle in den langen Baracken, Krematorien und sogar der "Arbeit macht frei" Schriftzug. Gaskammern gab es aber hier nicht. Spätestens in den 1940er Jahren sterben tausende Häftlinge an Thyphus, Unterernährung oder werden einfach erschossen.


Von meinem Besuch vor 2 Jahren in der heutigen Gedenkstätte sind mir als besonders wiederliche Bilder von Versuchen an Gefangenen in
Erinnerung geblieben. Um die Überlebenschancen von Piloten der Luftwaffe bei einem Absturz im Meer zu verbessern, wurden Häftlinge solange in Eiswasser getaucht bis...-oder in einer Druckkammer wurde mit Probanten ein krasser plötzlicher Druckabfall wie beim Absturz aus grosser Höhe simuliert.
Mein komisches Gefühl beim Namen Dachau wurde damals voll bestätigt. In der FAZ habe ich sogar einen Artikel gefunden, der behauptet, dass das Goethe Institut an der Dachauer Str. in München sogar bis in die 90er seinen Hintereingang als Postadresse angegeben hat um keine KZ-Assoziationen mit der Adresse zu wecken!
Ich folgte damals vom Lager am östlichen Stadtrand der Stadt einem Schild "Schloss Dachau x kilometer" etwas beklommen mit dem Radl in die Altstadt. Dachau ist ca. 300 Jahre älter als München, und besitzt -sehr zu meinem damaligen Erstaunen- neben dem KZ am Stadtrand ein wunderbares Juwel von Altstadt. Die Altstadt duckt sich unter einem Felshügel der aus dem sonst rundherum flachen Land herausragt. Kopfsteinpflaster, enge Gassen, uralte Wirtshäuser. Man fühlt sich ins Mittelalter versetzt.

Fährt man dann entlang der alten Bürgerhäuser in Serpentinen den steilen Schlosshügel hinauf gelangt man an ein wunderbares Barockschloss, in dem bestimmt schon früher rauschende Feste gefeiert wurden. Absolut sehenswert.
Schloss Dachau
Man hat von hier nicht nur einen Blick auf die komplette Münchner Stadtshilouette, sondern auch auf die Alpen vom Berchtesgadener Watzmann bis zur Zugspitze!



Wow. Die Schlossgastronomie ist gerade neu verpachtet worden, an einen Schicki Gastronom vom Ammer-See und wird umgebaut. Dann wird man sicher wieder mehr vom Schloss hören. Ich werde sicherlich mal wieder vorbeischauen.

Dennoch wird Dachau seine beiden gegensätzlichen Seiten für mich wohl behalten. Ich kann einen Besuch -egal welcher Seite- nur empfehlen.

Sonntag, Mai 3

1. Mai - Neuschwanstein

Anstatt wie sonst den 1. Mai mit Kater, Bollerwagen oder Radltour um den See zu begehen, habe ich heuer eine Wanderung in der Nähe von Schloss Neuschwanstein gemacht.

Grund dafür war der Besuch von 4 Freunden aus Finnland, die diese Woche bei uns in München verbracht haben. Ansonsten zieht es mich nämlich nicht besonders zu diesem touristisch völlig ausgeschlagenen Märchenschloss König Ludwigs II. Zudem ist es ja gar nicht richtig "alt", sondern 1886 erbaut worden. Andererseits diente es als Vorlage für die Schlösser von "Walt Disney", weshalb es unter Amis häufig als "Cinderellas Castle" bezeichnet wird.

Die Finnen (mit den lustigen Namen Akseli, Pekka, Venla und Minna) aber waren natürlich hellauf begeistert und auch ich konnte dem Schloss-Trubel noch einige lustige Sachen abgewinnen.
Die Regionalbahn von München HBF nach Füssen z.B. war bereits ordentlich gefüllt mit Japanern, Chinesen und amerikanischen Besuchern (Die Amis wie immer in Flip - Flops...).

Um dann vom Füssener Bahnhof zu den Schlössern zu kommen, benötigt man noch einen Bustransfer. Idealerweise steht auf den eingesetzen Linienbussen "CASTLES" damit man auch ja nichts falsch machen kann.

Nach einer kurzen Wanderung, bei der man zahlreiche Souvenirshops passiert, ist man dann am Schloss, wo verzweifelte Gruppen auf Ihre Führung warten. Die Nummern der Führungen werden - so ähnlich wie die Wartenummern auf den Einwohnermeldeämtern - per LCD Display angezeigt.

Ob meiner Lederhose wurde dann auch ich zum begehrten Fotoobjekt einiger Besucher:



Zum Glück konnte uns dann unser Geburtstagskind und "Einheimischer" Sebas aus dem touristischen Tumult entführen. Ziel sollte die Jagdhütte "In der Bleckenau" von König Ludwig II (Kini) sein. Nach 20 minütiger Wanderung ist man dann auch schon ganz alleine unterwegs und uns und den Finnen eröffnete sich die wahre herrliche Gebirgslandschaft.
Angekommen waren die Finnen schnell von Weissbier, Wurstsalat und Apfelstrudel überzeugt. Ein Enzian zum Abschluss, und unsere Deutsch - Finnische Freundschaft wurde für immer besiegelt.