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Montag, April 8

Schweineskulpturen München - was hat das Schwein vorm Jagdmuseum mit Sydney und Florenz zu tun?

Seit meinem ersten München Besuch bewundere ich diese Statue. Wahrscheinlich habe auch ich beim ersten mal seine Schnauze berührt und dann ein Foto von mir mit dieser Skulptur gemacht. Es geht um das bronzene Schwein auf der Neuhauser Straße.

Bronzeskulptur Schwein Eber Keiler Jagdmuseum München

 Gemeinsam mit einer Welsskulptur ziert es den Eingang des deutschen Fischerei und Jagdmuseums (findet gerade eine Wolpertinger Ausstellung statt!) in der Münchner Fußgängerzone. Ziemlich martialisch mit geöffnetem Brecher, aber dennoch scheinbar zufrieden hockt der Eber auf einem niedrigen Sockel. Ob seiner niedrigen Höhe wird es leider auch schon mal zum Opfer rangierender LKWs, die die Geschäfte in der Innenstadt beliefern. Schlagzeile daraufhin in den lokalen Gazetten:

"Wildunfall in der Münchner Innenstadt"

Mich fasziniert die Bronzestatue irgendwie. Bei der Recherche bin ich nun auf eine weltumspannende Geschichte gestoßen.

Geschaffen hat die Skulptur "Sitzender Keiler" der Bildhauer Martin Meyer, der auch noch für einige weitere tierische Skulpturen in München verantwortlich ist. Das Modell des Keilers in der Innenstadt ist allerdings ein Abguss (1978) einer früher gefertigten Keilerskulptur, die bereits 1960 in einer Münchner Wohnanlage der Borstei aufgestellt wurde. Dies ist das Original in der Borstei:

Bronzestatue Schwein Borstei Keiler Eber
Ein wenig größer und nicht so blank poliert von sovielen Touristenhänden. Das Berühren der Keilernase soll Glück bringen, was den goldenen Riechkolben erklärt. Auch vom Original war ich beeindruckt. Nun stelle ich aber beim recherchieren fest, dass ich in der Borstei eigentlich immer noch nicht zum Original vorgestoßen bin...

Entworfen hat die Schweineskulptur nämlich bereits im Frühbarock ein italienischer Bildhauer namens Pietro Tacca. Seine Version kann man seit ca. 1640 am Mercato Nuovo in Florenz bestaunen. Und bis auf ein etwas struppigeres Fell ähnelt Sie den Münchnern Nachfolgern sehr.



Doch selbst der begnadete Tacca hatte kein Original geschaffen. Seine Version geht auf eine römische Kopie einer griechischen Marmorskulptur zurück und ist somit noch älter. Nun ähnelt es ja fast schon einem Dan Brown Thriller!

Drehen wir das Rad der Geschichte aber wieder einmal in die andere Richtung. Die Schweineskulptur erfreut sich bereits seit Jahrhunderten enormer Beliebtheit, so dass es weltweit verstreut Nachahmungen dieser Statue gibt.

Dabei muss ich nun schmunzeln. Nicht nur dass einiger der Taccaschen Skulpturen im Schlosspark von Nordkirchen -nur weniger Kilometer von meiner Heimat entfernt- stehen, nein ein Schwein hat es sogar nach Sydney vor das dortige Hospital geschafft. Und genau über dieses Schwein habe ich bereits 2008 bei meinem Australien Aufenthalt begeistert berichtet und ein super Touri Foto geschossen:
Schwein Sydney Hospital Keiler Eber

Die Italiener nennen die  Skulptur liebevoll Ferkelchen (Porcellino). Der Wikipedia Eintrag gibt Auskunft über weitere Standorte der Schweine. Sogar als Skulptur in einen Harry Potter Film soll es das Schweinchen geschafft haben. Wirklich eine beachtliche Karriere.

Montag, März 18

Dachlawinen Warnschilder München

Die "Vorsicht Dachlawinen" Schilder werden wegen des herannahenden Frühlings in München leider bald reingeholt. Ich mag Sie aus zweierlei Gründen. Der Name ist genial. Obwohl es sich nur um herabfallenden Schnee handelt, denke ich an Lawinenpieps und den Schneesportkracher "the Art of flight"vom großen Zuckerwasserhersteller RB.

Übrigens fällt mir der Name eigentlich nur südlich des Mains auf. Oder gibt es im pedantischen Preussen auch Dachlawinen?

Zweitens ist die individuelle Ausgestaltung der Warnschilder schön. Jeder Hausbesitzer warnt auf andere Art und weise vor den Dachlawinen. Leider mit ernstem Hintergrund, tut er es nicht kann er für entstehende Schäden haften.



Hier könnt Ihr den Trailer vom RedBull Movie sehen:

Sonntag, November 25

Schilder-Rückblick 2012

Der November: Eigentlich ein Monat, der auch durchaus ein paar Tage weniger haben könnte. Zum Skifahren doch ein wenig zu früh, zum Wandern oft zu spät. In München können die Leute die Zeit bis zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte gar nicht mehr abwarten.

Salzburg hat da Nägel mit Köpfen gemacht. Hier ist der Chriskindlmarkt bereits seit einigen Tagen eröffnet. Auch einige deutsche Städte riechen den Profit und locken bereits jetzt mit Glühwein und Lebkuchen berichtet die SZ aus Rostock und Bielefeld.

Ich habe die Saison einfach umgedreht, war schon Skifahren am Gletscher und dann nochmal Wandern. Schön vom Schliersee zum Tegernsee. Das ist mit der BOB Bahn zu erreichen, Man hat eine ganzjährige Hütte (Neureuther) aufm Grat und strandet schliesslich unvermeitlich beim Tartar Anbieter meines Vertrauens: dem Tegernseer Bräustüberl.


Beim Abmarsch in Schliersee habe ich dieses lustige Wanderschild fotografiert. Die Aussage ist klar. Es handelt sich um einen Parklplatz für Wanderer. Die Grafik isolier könnte vieles bedeuten: "Märchenwald: Hänsel und Gretel unterwegs" - Frauen mit Sturmfrisur laufen bitte einen Schritt hinter Ihren Männern" oder meien Lieblingsdeutung: "Frauen wandern am Schliersee bitte nur mit Push Up BH und knappem Rock".

Schilder Schilder Schilder


Scheinbar habe ich im kompletten Jahresverlauf in München und Umgebung immer mal wieder Schilder fotografiert. Daher wage ich einen verfrühten Schilder Jahresrückblick. Los geht es mit einer Demonstration an der Feldherrnhalle. Da ich das Foto nur zugesandt bekommen habe, kann ich das Datum nicht genau nachverfolgen. Aber es hat mir einigen Spass bereitet und ist ja auch durch die Sozialen Netze gewandert. Herrlich.


Anfang Mai zu Besuch in der westfälischen Hauptstadt Münster. Auch in der katholischen Hochburg macht sich das Ausbleiben der Kirchenbesucher bemerkbar. Mit einer Anspielung auf Michelangelos "Erweckung Adams" wird für ein Immobilienprojekt in einer alten Kirche geworben.


Wie beliebt unser leckeres Augustiner Bier ist habe ich auf Schilderfotos im Mai dokumentiert. Mittlerweile wird das Bier ja auch in den Bars Berlins vermehrt ausgeschenkt. Die Verkaufsoffensive traf auf ein ungewöhnlich sonniges Frühjahr. Dies führte zu Lieferengpässen bei Augustiner. Da half auch schnelle eine Einstellungsoffensive an der viel befahrenen Landsberger Strasse nichts.
Bei der Brauerei kam es im Mai zu Lieferproblemen in vielen Tengelmann-Filialen. Groteskerweise liegt die Tengelmann Filiale bloss wenige hundert Meter vom Augustiner Braukessel entfernt.

Mit verantwortlich ist vielleicht dieses kleine Schild an einem Kiosk im Lehel. Gesehen im Juni beim Hinterhofflohmarkt in Münchens Viertel mit den teuersten Mieten. Die letzte "Augustiner Tankstelle vor der Isar" wurde angepriesen. Ein Top-Produkt wie Augustiner wird halt gern verzapft.


Irgendwann im Jahresverlauf war es dann auch mit den Hinterhoffklohmärkten im Westend wieder soweit. Beim Stöbern in den Hausfluren ist mir dieses schöne Namensschild aufgefallen. Der gute Herr Krinner bietet eine spezielle Dienstleistung an. Die Blitz-Entrümpelung.

Ein paar Meter weiter kam es zu einem Fall der Selbstjustiz mit Dialekterhalt. "Der, wo" einen Blumendieb findet konnte 300 € kassieren. Leider ist mir nichts über den Ausgang bekannt.

Gewandert wurde auch im Spätsommer. Ach ja der Hohe Fricken bei Farchant wird wohl schon für einige scherze hergehalten haben müssen. Aber vorsicht immer n.f. Geübte.

Bei einer radltour im Spätsommer entdeckte ich dann endlich meinen neuen Liblingsort. Den Weiler St. Heinrich. Immerhin mein Namenspatron. Das würde sich sicherlich gut im Pass machen.


Und schliesslich noch 2 kulinarische Schilder. In Bayern ist das Fest der Kirchweih im Kirchenkalender und in der Gastronomie fest eingeplant. Endlich kommen Gans und Ente auf den Tisch. Dass aber auch der Grieche in Pasing sich beteiligt war neue für mich. Das nenne ich gelungene Integration.
Döner gibt es schon lang im deutschen Imbissgeschäft. Die Umbenennung der Haltestelle in eine Imbissbude war dann doch ein wenig weit hergeholt. Mittlerweile ist das Schild an der meistbefahrenen Brücke Europas wieder gerichtet.
Und damit wären wir schon wieder bei der Kirche. Immer schön dran denken "Hölle besser umgehen".


Ich freue mich schon auf neue Schilder für 2013. Ich bleibe weiter wachsam.

Freitag, August 31

Die Bombe von Schwabing

Bombe schwabing Absperrung
Die Süddeutsche hatte einen Live Ticker mit 4 Reportern vor Ort. Neben mir stand RTL und BR Fernsehen. Erst berichtete die Tagesschau, dann das heute-journal. Mario Gomez wurde evakuiert. Christian Ude war betroffen. Gleicher verkürzte seinen Interviewauftritt mit dem größten Vorbild aller und sogar coolsten Deutschen Helmut Schmidt um nach Schwabing zu gelangen.

Bei meiner abendlichen Radltour durch München stutzte ich. War doch die Ludwigstraße schon zwischen Feldherrnhalle und Siegestor gesperrt. Ein gern angenommener Anlass um einfach einmal über Münchens - Prachtboulevard in Schlangenlinien zu radeln. Natürlich hatte ich von der gefundenen Fliegerbombe unter der Schwabinger 7 gehört. Allerdings schon längst mit einer Entschärfung gerechnet. Pustekuchen: Es sollte noch sehr spannend werden.

Wer unter 70 Jahren kann schon behaupten bei der Explosion einer Fliegerbombe aus dem Weltkrieg dabei gewesen zu sein? Also umrundete ich mit dem Radl zunächst einmal die Fundstelle. Die allerdings konsequent von Polizisten mit Megaphonen durch Flatterband abgesperrt war. Im Umkreis von 300 Meter kam keiner mehr in sein Haus/ oder aus dem Haus heraus. Und das bereits seit mehr als 24 Stunden. Also verbrüderte ich mich mit ungefähr 50 Menschen, die einen Gürtel um die Absperrung am östlichen Ende der Feilitzschstraße (hier lag die Bombe) -fast am E-Garten- bildeten.

Druckwelle einer Bombe


Wahrscheinlich wäre ich nach 3 Minuten einfach weitergefahren. Wenn ich nicht umgehend von einem Polizisten aus 3 Metern Entfernung mit einem Megaphon freundlich angebrüllt worden wäre: "BITTE VERLASSEN SIE SOFORT DIE STRASSE; SIE STEHEN DIREKT IN DER DRUCKWELLE DER BOMBE". Großartig. Wußte ich bis dato gar nicht, dass die Bombe wirklich gesprengt wird und dann auch noch solch eine Wirkung entfaltet. Das klang spannend, also wartete ich und hörte weiter zu. Ich sollte es nicht bereuen.

Einige Anwohner waren am Dienstag abend bereits über 26 Stunden aus Ihren Wohnungen ausgesperrt. Einige waren schon erschöpft und kurz davor, die Absperrung eigenhändig zu durchbrechen um Ihre Hunde und Katzen aus der Wohnung zu retten oder Familienangehörige zu evakuieren. Sie schimpften auf dilletanttische Sprengexperten und inkompetente Feuerwehrmänner, die nicht in der Lage seien, eine Bombe zu beseitigen.

Sprengmeister im Einsatz fürs Foto (Kurzendoerfer, Merkur Online)
Die "dilletanttischen Sprengmeister" waren aber Experten, die extra aus Norddeutschland bestellt worden waren, da Sie als Spezialisten für Fliegerbomben mit zeitverzögerter Zündung gelten. Einer der Meister soll bei erster Sichtung der Bombe aus Schreck einen Satz nach hinten gemacht haben, ob der Gefahr die von der Bombe ausging. Problematisch: Es handelte sich um eine Bombe mit zeitverzögerter Zündung. Diese Art Bomben sollte Aufräumarbeiten im Krieg verhindern. Und Ihre tödliche Wirkung auf Rettungskräfte und Räumdienste verspätet entfalten.  Pervers. Krieg.

Dafür sehen die beiden Jungs im Overall aber noch echt ruhig aus, als hätten Sie den entspanntesten Job der Welt. Es war sogar Zeit für ein Poserfoto auf der Bombe! Ist das ein Sprengstoffspürhund? Jedenfalls leckt er sich die Nase auf dem Pulverfass. 

Aber zurück zum Bürgermob vor den Polizisten im Megaphon. Mittlerweile war der Zorn eher Sarkasmus gewichen. Mir wurde sogar mit dem Radl die Ehre zu Teil Bier vom Kiosk zu holen. Was ich gerne machte, zumal ich ja nur interessierter Beobachter war und die BEtroffenen gerne unterstützte.

Hashtag und späte Rache


Jüngere Anwohner erklärten derweil älteren Nachbarn, was der Nachrichtendienst Twitter (Hashtag #Bombe) sei. Nämlich so eine Art "Bürgerfunk". Viel wurde über das "alte" Schwabing mit Künstlern und Kneipen philsophiert, die dem Kapital und Büros weichen mussten. Die Bombe lag direkt unter der Theke der alten Kultinstititution und Kneipe "Schwabinger" für die lange vergeblich gekämpft wurde. Liebevoll "Schwasi" oder nur 7 genannt. Schnell macht daher der flotte Spruch der "späten Rache der Schwabinger 7" die Runde.

Bombe schwabing Absperrung
Langsam wurde es dann aber wieder ernst am Flatterband. Über eine Stunde warnte ein Auto mit Lautsprechern vor der bevorstehenden Sprengung der Bombe. Bewohner im Sperrgürtel wurden aufgefordert die Fenster zu schließen und die Hörgeräte herauszunehmen. Niemand war sich zu diesem Zeitpunkt klar, welche Wirkung eine solche Bombe entfaltet. Auch die Polizisten trugen mit Megaphon Spekulation nicht zur Beruhigung der Lage bei. Wieviel sind 250kg Sprengstoff? Antwort der Polizei: "Weniger schlimm als 500kg Sprengstoff".

Countdown 2 Minuten


Um kurz vor 10 Uhr wurde es entgültig ernst. Selbst die Pozilei bekam den Befehl sich in die Mannschaftswagen zurückzuziehen, während wir weiterhin neben der vermeitlichen Druckwell ausharrten. Per Megaphon wurde ein Countdown von 2 Minuten angekündigt. Die ersten hielten sich die Ohren zu. Kameras und Mikrophone richteten sich gen Bombenort. Die Ersten hielten sich die Ohren zu. Andere empfohlen den Mund zu öffnen um den Druckauszugleichen un die Trommelfelle zu behalten. Es wurde totenstill. Es war 21:56 Uhr.

21:57 ein ohrenbetäubender Knall, wie von einer Rohrbombe oder einem Chinaböller XXL in der Telefonzelle neben an. Aber leider keine Druckwelle. Neben uns schäppert es plötzlich. Tatsächlcih kommt ein Bombensplitter aus Metall neben uns runter. Halbsogroß wie ein Gullideckel. Glühend heiss. Der erste Verlezte der Bombennacht wird beklagt. Er verbrennt sich die Hände als er sich den Bombensplitter als Souvenier sichern will. Der Himmelwird von der Explosion kurz hell erleuchtet, überall fliegendes glühendes Stroh im Nachthimmel. Schnell bildet sich eine Ascheschicht auf den Schultern. Alle atmen aber erleichtert auf. Der Schrecken ist vorbei. Eine der letzten Bombenkriegdetonationen ist überstanden. Und das nicht im Luftschutzkeller, sonder mit nem Bierchen am Rand des englischen Gartens unter grünen Bäumen.

Leider zerbersten rund um die Detonation viele Scheiben und Schaufenster. Auch kann die Feuerwehr einige kleiner Brände nicht verhindern. Insgesamt wird aber ein positives Fazit gezogen werden. Ich kann von mir behaupten, ich war mal bei einer Bombennacht dabei.

Nicht aber kann ich das behaupten was Hertha Wimmer eine 92 jährige Anwohnerin der TZ erzählte:


"Diese Bombe hat uns gegolten"  

Dienstag, September 6

ABC-Schützen unterwegs

In München geht es ab Montag wieder rund. Mit der Einschulung werden wieder Erstklässler ABC-Schützen in den Straßen unterwegs sein. Mein geliebtes Bürgerheim hat extra für die Erstklässler sogar ein spezielles Speisenangebot auf Lager:

ABC Schützen Angebot Wirtschaft
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Neulich habe ich im übrigen gelesen, dass sich Deutschland weit immer mehr der Begriff i-Dötzchen für Erstklässler durchsetzt. Laut den Sprachforschern kommt das i-Dötzchen kommt eigentlich aus dem Rheinland. Im Ruhrgebiet und im Plattdeutschen wird dann synonym vom i-Dötzken gesprochen. Nur in Bayern werden die ABC-Schützen noch hochgehalten.

Wie dem auch sei. Schön finde ich es auf jeden Fall auch, dass in München noch viele Renter etc. als Schülerlotsen fungieren. Die stehen dann mit einer Kelle und Warnweste bekleidet an den Zebrastreifen und winken böse, wenn man mit dem Radl heranfährt!

Mittwoch, Juli 20

Machs mit

Vielleicht vom erfolgreichen McDonald`s Franchise abgekupfert, erfährt das Apostroph bei Ladenlokalen in München eine wahre Renaissance.

Eigentlich wollte ich nun ordentlich über die fehlerhafte Apostrophsetzung - auch Apostrophitis oder Idiotenapostroph genannt- herziehen. Schliesslich wird doch der Genitiv nur im Englischen ("david`s car"), nicht aber im deutschen Genitiv gesetzt. Gel? Das dachte ich.

Ein Blick in den Duden verrät mir, dass ich wohl nur bis 2006 recht hatte. Nämlich bis es "Willi`s Würstchenbude" in den Duden schaffte. Nun muss ich mich leider in die Tiefen der
Rechtschreiberegeln begeben.

Der Duden sagt klipp und klar:
"Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen."

1. Ausnahme: "Andrea's Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)"

(...leuchtet mir ein....)

2. Ausnahme: "Willi's Würstchenbude"

Das leuchtet mir gar nicht ein. Gibt es eine weibliche Form von Willi?

Ich halte die Regel eher für ein Einknicken vor dem englischen Apostroph. Oder die nachträgliche Genehmigung der massenhaften Verwendung des Apostrophs im Gastrogewerbe durch die Rechtschreibehüter. Verheimlichen will ich nicht, dass es im Münchner Gastrogewerbe auch (wenige) löbliche Ausnahmen gibt:

Pauls München

Durch die Ausnahme in Form von Willi`s Würstchenbude wird mir nun das Auffinden von "Deppen Apostrophs" in München deutlich erschwert.


Beliebt ist aber zum Glück immer noch das Setzen von "Apostroph`s" im Plural. Man google nur mal nach "Link`s" oder "Auto`s". Mein Traum wäre mal die Entdeckung von Worten mit falscher Pluralbildung und Apostroph, wie "Lexica`s" oder "Scampi`s". Gleich ein Haufen Rechtschreibfehler! Google gibt für die "Scampi`s" immerhin noch 1420 Suchergebnisse auf deutsch raus.

Ein richtiges Deppenapostroph habe ich aber schon entdeckt. Nicht in München, sondern im beschaulichen Werratal. Auf der thüringischen Seite nur knapp vor der Grenze zu Hessen liegt das Städtchen Treffurt. Die einzige passable Kneipe zum Durstlöschen nach einem Wandertag war das.......:


Samstag, Juli 16

Schiefe Türme im Herzen Deutschlands

In der letzten Zeit war ich viel zu Fuss und mit dem Radl im Herzen Deutschlands unterwegs. Zwischen Eisenach, Koblenz und Ingolstadt findet man wirklich wunderschöne Natur und eine uralte typisch deutsche Kultur. Ich mag es alte Städte zu finden, die ein wenig in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin schlummern. Hier erlebt man immer mal wieder Überraschungen. Von Zeit zu Zeit will ich mal kurioses hier offenbaren.

So lese ich auf der Landkarte von dem kleinen Städtchen Bad Frankenhausen hinter dem Kyffhäusergebirge in Thüringen. Der Name "Bad Frankenhausen" lässte es in meinen Ohren klingeln. Seit längerem habe ich ausgerechnet auf der Toilette einen SZ Bericht über die schiefsten Türme Deutschlands hängen. Und der "höchste, schiefste Turm" steht genau in der 5000 Einwohner Gemeinde Bad Frankenhausen.

Voila, der Kirchturm der Oberkirche in Bad Frankenhausen.
schiefster Turm DeutschlandsDer weiche Gips- und Kaarstboden hat dafür gesorgt, dass die direkten Nachbarn des Turmes nur noch unruhig schlafen können, aus Angst der Turm könne kippen. Die 56m hohe Turmspitze hat eine Abweichung von 4, 445m vom Lot.

schiefster Turm Deutschlands
Damit kann er es nicht nur mit dem "pendling tower" in Pisa aufnehmen, nein, er ist sogar schiefer!

Freitag, Juni 10

Schlösser Flashmob auf der Großhesseloher Brücke




Das heroben ist eine Brücke über die Isar in München mit dem etwas sperrigen Namen Großhesseloher Brücke.
Sie verbindet Pullach mit Grünwald und thront 42m über der Isar. Während oben drauf BOB Bahn und S-Bahn rollen, kann man unten durch wunderbar die Isar zu Fuss oder mit dem Radl überqueren.
Die Aussicht bietet wahlweise einen Blick auf die Voralpen oder die Stadtshilouette Münchens.

Leider kam es bei der früherern Brückenkonstruktion nicht selten zu Selbstmordversuchen. Zwischen 1875 und 1995 sollen es etwa 290 gewesen sein. Daher ist der Fussgängerbereich mittlerweile vergittert und Sprungversuche somit zum Glück aussichstlos.


Die Brücke gehört dennoch zweifelsohne zu den romantischen Orten Münchens. Vielleicht hat sich deshalb ein Schlösser Flashmob dort etabliert. Was ist geschehen? Irgendwann muss ein Pärchen sich dort oben die ewige Liebe geschworen haben, indem es ein Vorhängeschloss an die Brücke kettete und danach den Schlüssel gemeinsam in die Isar beförderten. Diese Aktion hat Nachahmer gefunden und heute findet man eine Menge Schlösser am Zaun.
Schloss Brücke München Isar
Bildunterschrift hinzufügen

Fast jedes Schloss ist beschriftet. Man findet die Namen der Liebenden und einige mit dem ewigen Datum graviert. Interessant finde ich es von den Namen auf das jeweilige Alter des Schlosses zu tippen. So verordne ich "Gitta & Sepp" in die 50er 60er, Gerhard & Andrea in die 90er und so fort.


Ganz weit weg von München, ist mir so eine Flashmob-Verschmückung von Gittern schon einmal vorgekommen.

Nämlich an einem Highway auf der Südinsel in Neuseeland.

Genaugenommen in Cardrona im Cadriba Valley in der Nähe von Queenstown in Neuseeland. Dort gibt es grosse Schaffarmen, die durch kilometerlange Zäune vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann muss es einer Backpackerin zu heiss geworden sein, und sie hat ihren ausrangierten Büstenhalter einfach an den Zaun gehangen. Viele weitere folgten, so dass der Zaun des glücklichen Farmers mittlerweile auf einer Länge von mehreren Kilometern bunt verhangen ist und Gazetten aus aller Welt davon berichten.


In München wird es wohl vorläufig auf der Großhesseloher Brücke nicht zum BH-Flashmob kommen und bei den Liebesschlössern bleiben. Wobei man in einer Stadt mit "Nudebeach" im Englischen Garten und dem bayerischen Motto "Leben und Leben" lassen sicher auch BHs tolerieren wird.

Mittwoch, März 23

Haustiere

In München ist das klassiche Haustier der Zamperl. Um 1900 noch zwischen Bierdackl, Salondackl und Gebrauchsdackl unterschieden, schafft er es heute noch maximal in die Souvenirläden Münchens. So gesehen in meinem Favorite Mitbringsel-Shop "Servus Heimat" als Häkeldackel:



Nun bin ich im Westend auf ein ganz anderes Haustier aufmerksam geworden. Ein trauriger Haustierfreund hat nämlich sein Alpen - Steinhuhn verloren:




Auf der Suche nach diesem possierlichen Tierchen plakatiert er nicht nur viele Ampeln voll, nein er lobt sogar noch eine Finderprämie von 200€ aus. Leider ist das Tier nicht zahm, und somit wohl etwas schwer zu fangen. Ich habe natürlich schon überlegt was so ein Steinhuhn (
A. g. saxatilis) wohl in einer gut sortierten Zoohandlung kostet. Sicherlich weniger als 200 €. Der Rest wäre dann Gewinn.

Ich mag es bei der Haustierwahl natürlich eher klassisch. Ausser dem Wolpertinger (lupus bavarensis nonsensis)
kommt mir nichts ins Haus.

Wer mir einen Lebenden bringt, dem gelobe ich meinen Gewinn aus der Steinhuhnaktion aus. Prosit!

Sonntag, Januar 23

Schneestadt München


Schnee in München ist eigentlich im Winter ob der Lage auf 519 m Meereshöhe ein gewohntes Bild.
Die üblichen Geschehnisse sind dann, dass z.B. die Häuslbesitzer ihre Schilder "Vorsicht Dachlawine" heraus holen, um übervorsichtige Passanten zu warnen. Biergartenbesucher können sich bei sonnigem Wetter auch erfreuen. Der Biergarten am Viktualien Markt und am chinesischen Turm sind auch im Winter geöffnet. Der Promibiergarten "am Seehaus" im E-garten läd sogar zur Schlittschuhfahrt ein.

In der vergangenen Woche wurde das Winterwetter dann vom Alpenföhn überrascht. Wie die Abendzeitung titelte war den Münchenern "100 Stunden Frühling" vergönnt. Bei Schnee finden in München derzeit immer häufiger irgendwelche "Snow Events" statt. Im Olympiapark hat erfolgreich vor 20.000 Menschen ein Weltcup im Parallelslalom stattgefunden. Um die Zuschauer unterzubringen, wurde sogar der Olympiasee leergepumpt. Wie mir Freunde berichteten, war es ein einmaliges Erlebnis, der Eintritt von ca. 20€ aber happig.

Dann wurde in der letzten Woche im Olympiapark auch noch der Weltmeister im Ice Cross Race gesucht. Marketinggerecht wurde der Wettbewerb dann" Red Bull Crashed Ice 2011" genannt. Auf all diesen Veranstaltungen kann nämlich derzeit mächtig für die Olympischen Spiele 2018 geworben werden. München ist ja
"Candidate - City", und die Chancen stehen für 2018 gut. Eine Mehrheit von 70% der Deutschen sind für die Spiele und der Widerstand der "Bauern" in Garmisch bröckelt (irgendjemand hat herausgefunden, dass von den hartnäckigen 59 Landwirten nur 6 wirklich noch Landwirte sind).

Als aufrichtiges Münchener Unternehmen hat sich auch die Siemens AG ganz altruistisch auf den Zug der Olympia Unterstützer geschwungen. Da ja siehe oben Wintersportevents ganz en vogue sind nimmt Siemens die Ski WM in Garmisch zum Anlass ein eigenes Event namens "Snow City" mitten in München vor der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz abzuhalten:

Hier soll eine 40m lange und 9,50 m hohe Ski- und Schlittenrampe für Gaudirennen entstehen. Anwohner kritisieren das Event mit einer Wortneuschöpfung: Die "Verballermannisierung" des Wittelsbacherplatzes wird befürchtet! Auch ich denke, dass Siemens hiermit ein wenig über das Ziel hinausschiesst. Der Kurfürst Maximilian II auf dem Reiterstandbild in der Mitte des Platzes schaut sicherlich etwas verwundert hinüber; er verschwindet ja ganz und gar neben der Rampe.


Zurück zum winterlichen Wetter. Während man in München bei Schnee also von Dachlawinen verfolgt wird und sich Gedanken über Tagesskiausflüge machen muss, ging es beim Heimatbesuch im winterlichen Münsterland beschaulicher zu. Im Dezember und um Weihnachten lag im Westen einmal mehr viel mehr Schnee als in Bayern.
Ein Spaziergang im Münsterland war dem Spaziergang im bayerischen Oberland oder Allgäu plötzlich zum Verwechseln ähnlich.

Die Offiziellen waren aber etwas überfordert mit 20cm Naturschnee. Öffentliche Gebäude wurden gesperrt, Weihnachtsgottesdienste fielen aus.
Mir hat der Schnee viel Freude bereitet. Unseren Hunden auch!


Montag, November 22

Feldherrnhalle - passiver Widerstand


Die Feldherrnhalle ist in München ein beliebter Treffpunkt für Touristen. Auf den Stufen lassen sich prima "I was here" Fotos schiessen. Dabei werden die Löwen an den Treppen gekrault und das Treiben auf dem Odeonsplatz beobachtet. Der überteure "Frai Latte Chai Caramel Coffee To Go" einer der amerikanischen Kaffeeketten am Odeonsplatz darf natürlich nicht fehlen.

Die Feldherrenhalle schliesst.....shit...schon wieder falsch geschrieben....Die Feldherrnhalle schliesst die Ludwigstrasse prächtig, protzig zur Altstadt hin ab. Eigentlich ist es gar keine Halle, wo man reingehen kann. Eher eine Art Baldachin mit gewaltigen Säulen. Von der Residenz und der Theatinerkirche umgeben, erzeugen die 3 Gebäude mit ihren warmen Farben ein italienisches Flair und machen den Odeonsplatz zu einem richtig südlichen "Campo".

Leider hat der "Campo" eine dunkle Vergangenheit. Die Widmung "dem bayrischen Heere" mag ja i
m 19. Jahrhundert noch akzeptabel gewesen sein.
Am 9. November 1923 aber startete Adolf Hitler seinen Putschversuc
h in München mit einem "Marsch auf Berlin". Die Putschisten kamen aber leider nur vom Bürgerbräukeller ca. 900m weiter bis zur Feldherrnhalle, wo der Putschversuch mit einem Schusswechsel zwischen Polizei und Hitler-Anhängern endete.
Anstelle Hitler für den Staatsstreich hinzurichten (was fü
r linke Putschisten damals Mindeststrafmass war), kam Hitler in die ehrenvolle Festungshaft nach Landsberg. Hier konnte er dann in Ruhe die Machtübernahme -bekanntlich 10 Jahre später- planen.

Kurioserweise finden trotz der Geschichte auch heute noch viele Kundgebungen und Demonstrationen aller gesellschaftlichen Gruppen vor der Feldherrenhalle statt.


Einer der ersten Akte der neuen Machthaber war es 1933, aus der Feldherrnhalle einen Kultort für die getöteten Nazis der ersten Stunde zu machen. Die Toten wurden kurzerhand zu "Blutzeugen" und eine Tafel, Fackeln und Mahnwache wurden an der östlichen Seite der Feldherrnhalle installiert. Jeder Passant war verpflichtet beim Passieren den Arm zum Hitlergruss zu erheben.

Das war den Münchner natürlich nicht Recht und viele entschieden sich daher angeblich zum passiven Widerstand. Anstelle die Ehrentafel zu passieren machten sie einen Umweg durch die Viscardigasse und gingen somit am westlichen Ende der Halle vorbei, ohne den Arm heben zu müssen. Treffenderweise wurde die Viscardigasse im Volksmund zur "Drückebergergasse" getauft.
Eine goldene Linie auf dem Pflaster der Viscardigasse erinnert heute an den Widerstand.



Zufälligerweise passiere ich in den späten Abendstunden des 9. Novembers die Feldh
errnhalle. Eigentlich erwarte ich am Schicksalstag der Deutschen Lichter oder ähnliches, die an den 87. Jahrestag des Putsches oder die Judenprogrome erinnern.
Stattdessen liegt die Feldherrenhalle dunkel vor mir und hinter den Treppen sitzen dunkle Gestalten und klirren mit Bierflaschen. Ich denke schon an eine illegale Kundgebung von Rechten und zücke mein Handy, um ein Beweisfoto zu schiessen. Bei näherem hinsehen sind es aber eher schwarzgekleidete Punks, die Zuflucht unter dem Dach gefunden haben, um dem Nieselregen zu entgehen. Ich überlege kurz, ob Sie überhaupt wissen wo und an welchem Datum sie sich gerade befinden.

Schliesslich mache ich mich auf, die Gedenktafel für die getöteten Polizisten des Putsches zu suchen. Wenn ich
am 9. November schon einmal hier bin, will ich dort innehalten. Als ich die Tafel nicht an altbekannter Stelle finde, wittere ich einen neuen Skandal. Jemand muss die Tafel entwendet haben!
Erst ein Blick in die Zeitung am Folgetag hilft mir weiter. Die Stadt hat just erst einige Stunden vor mir eine nagelneue Gedenktafel an der Residenzwand gegenüber eingeweiht. Na also. Alles ist gut. Mein passiver Widerstand ist aufgehoben.


Montag, November 15

hinter oder vor?


Ich habe in neues Lieblingswort im bayerischen.
Vorher war es ja lange das Wörtchen "fei". Das finde ich so genial, weil man es quasi überall einsetzen darf.
Fei ist ein Wörtchen, mit dem man unterstreicht, was man gesagt hat. Es entspricht im Hochdeutschen am ehesten halt oder eben oder echt.

"Das hast du `fei` gut gemacht"
oder "Hui, Ich habe `fei` starke Kopfschmerzen".Nun hat das Fei aber Konkurrenz bekommen durch das Wort "hinter". Meines Erachtens wird es nämlich im baierischen ebenso fei kurios eingesetzt wie "Fei" selber.

In Bayern sag
t man nämlich zu etwas "hinter", wenn man voran gehen soll. Also nach vorne, oder weiter entlang.
Da macht für mich überhaupt keinen Sinn, und gerade deshalb liebe ich es fei so. Wenn etwas "hinter" etwas anderem ist liegt es ja wohl irgendwo Rückwärts gewandt. Aber nein. Der Bayer meint etwas was vor einem liegt. Fragt man zum Beispiel in München nach dem Weg zur nächsten Bier-Boazn sagt der Bayer:

"Doa gehst g`schwind die Strasse hinter, und loass dias schmeck`n"

Über dies bayerische Kauzigkeit kann ich noch schmunzeln. Die CSU aber kennt bei Immigranten kein Erbarmen. Gerade wurde auf eine Frist von einem Jahr zum Erlernen der deutschen Sprache bestanden.

Vielleicht gebe ich der benachbarten Gemeins(c)haft hier im Westend mal einen Rechts(c)hreibehinweis, damit Sie wie seit vielen Jahren schon, weiter Ihre Vereinsaktivitäten in Bayern ausüben kann!