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Sonntag, Oktober 19

Die Sache mit dem Bier....

Vor einigen Jahren habe ich mir einen Artikel ausgeschnitten, der nun meine Collage auf der Toilette ziert:

Jeder 4 Bayer trinkt täglich Bier!

Wenn es so wundervolle Herbsttage sind wie derzeit kann ich dass gut nachvollziehen - und addiert man die Biere aus der Oktoberfestzeit hinzu, kommt das bei mir für die letzten 4 Wochen wahrscheinlich auch hin:


Weissbier im königlichen Hirschgarten!
Belohnungs-Weissbier im Rißtal/Karwendel aka auf dem Weg zum Biermodel!

Natürlich legen viele Münchner eine Pause zwischen dem Ende des Oktoberfestes und der kommenden Weihnachtszeit ein, damit der Körper sich gut erholen kann, aber ich denke ein-zwei alkoholfreie Weissbiere tun es auch. Zudem verzichte ich meist auf jegwelche Schnäpse, weshalb mich auch die Whiskey Messe in München "Classic Whiskey" nicht locken kann:


Schmunzeln musste ich aber über die Namensgebung der Messe. Immerhin unterscheiden viele Schnapsliebhaber WhiskY aus Irland und WhiskEY aus Schottland. Die Veranstalter lösen es geschickt indem Sie das "e" klein und schräggestellt andeuten. Auf dem Plakat und in der URL wird es wiederum ohne "e" geschrieben.

Also wie denn nun? Fragen wir doch einfach Mama Google, und siehe da, in Deutschland wird die ohne "e" Variante doppelt so oft gesucht!



Aber den Spruch der Messe Veni Vidi Whiskey kontere ich lieber mit:


Sonntag, Oktober 13

Auf eine friedliche Wiesn - das Oktoberfestattentat

Oktoberfest Eingang


Das Oktoberfest ist vorbei. Bei der morgendlichen Joggingrunde sehe ich einen Bauzaun vor dem Haupteingang. Durchfahrt mit dem Radl verboten. Beim Aufbau bin ich mal mitten durch die Zelte gejoggt, wurde aber von einer korpulenten Frau mit dem Hinweis "dies ist eine Baustelle" vertrieben. Ich hätte damals auch auf meine Kopfhörer zeigen und einfach davonlaufen können.

Der Wiesnabbau dauert gefühlt viel länger als der Aufbau. Es fehlt ja auch die Vorfreude. Eher herrscht in München Katerstimmung und Zeitungen titeln "jeder 3 Münchner ist krank". Zum Glück hatte ich bereits einige Wochen vor der Wiesn eine Erkältung, so dass ich heuer immun gegen alle Viren war. Während die Kirmesfahrgeschäfte schnell abgebaut sind und eine Schlammwüste hinterlassen, bleiben die Zelte noch einige Wochen trostlos und trotzig stehen. Erst Anfang Dezember beginnt an hiesiger Stelle das Winter - Tollwood.

Was bleibt? Schöne Stunden in den Zelten sicherlich. Viele Eindrücke vom Rummel, ganz sicher die Besoffenen am Kotzhügel und auch der Wiesnabschluss mit VIP watching im Käferzelt. Was ebenfalls noch länger bleibt, sind die Blumenkränze und Plastikrosen am Oktoberfestattentatsmahnmal.

Mahnmal Oktoberfest Attentat

Ein Attentat beim Oktoberfest? Ja es gab tatsächlich ein Attentat: 1980. Seit einigen Jahren wird mit einem Mahnmal direkt neben dem Eingang daran gedacht. Zwar setzt die Metallummantelung einer Säule schon Rost an, dennoch finde ich es sehr gelungen. Die Ummantelung sieht aus als seien Fetzen herausgerissen worden. Das erinenrt an die fiese Wirkung der Nägel, die in die Rohrbombe -gespickt mit kiloweise TNT- gesteckt wurden.

 

Plastikrosen für die Toten und Verletzten 

 

Inschrift Säule Oktoberfest Attentat13 Menschen wurden bei dem Attentat getötet, darunter der Attentätet selber. Über 200 wurden verletzt. Damit war es dass schlimmste Attentat der deutschen Nachkriegsgeschichte. Auf der Säule findet man die Namen der Toten. Den Attentäter hat man nicht hinzugefügt.

Heuer hat man zudem die Namen der zum Teil schwerverletzten Überlebenden auf Blätter gedruckt und an den Fuss des Denkmals gelegt. Nach einigen Tagen fangen Oktoberfestbesucher meist an neben echten Blumen auch Plastikblumen von den Schiesständen an der Gedenksäule zu befestigen. Auch ich habe dies schon getan.

Gewissensfrage: Ist das Ablegen einer Plastikrose am Denkmal -auch weil man froh ist sie los zu werden, oder keine Herzensdame in der Nähe- pietätlos?
 
Ich finde nicht. Und das nicht nur, weil Plastikrosen nie verblühen. Eine abgelegt Rose heisst zumindest dass man sich für wenige Sekunden mit dem Denkmal befasst hat. Man wird sich bewusst, dass der Ausspruch beim Anstick von Christian Ude "auf eine friedliche Wiesn" keine inhaltsleere Floskel ist. Wir können uns glücklich schätzen in einem Land zu leben wo sich an einem Samstag 100.000 Menschen versammeln können um friedlich zusammenzusitzen und zu feiern. Und Bier zu trinken.

Terrorauswirkungen auch in den letzten 13 Jahren

Übrigens gab es auch in jüngster Zeit Auswirkungen durch Terrorakte. Im Jahr 2001 wurde der Anstich abgesagt, weil man noch unter dem Eindruck von 09-11 stand. Und es muss ungefährt 2 Jahre her sein, dass von einem auf den anderen tag spürbar weniger auf der Wiesn los war. Al Kaida hatte ein Video mit möglichen Attentatszielen veröffentlicht. Neben dem Brandenburger Tor war da auch das Oktoberfest zusehen. Ein Tag später wurde der Ring, um die Wiesn gesperrt und im nächsten Jahr waren Panzersperren vorhanden. Die Sperrung des Ring stellt nun eine erholsame Ruhezone rund um das Festgelände dar. Nich einmal Taxis dürfen in die Sperrzone. Sehr zur Freude der Rikscha Fahrer die sich gerne abstrampeln.

Das Attentat von 1980 wurde zu großer Wahrscheinlichkeit von einem verbitterten, verwirrten rechtsradikalen Einzeltäter ausgeführt. Da er unter den Opfern war, konnte man leider nie 100% ermitteln ob die Einzeltäterthese stimmig war. Vieles spricht dagegen. Erst 2013 wurde der Fall erneut aufgerollt (siehe hier SZ Artikel).

Dienstag, August 6

Die Waldfeste am Tegernsee - zwischen Schick, Schnösel und Tradition

Der erste längere Ritt auf meiner Vespa "Johnny" brachte mich am Sonntag an den Tegernsee. Auf dem Programm stand neben einer Abkühlung im See endlich einmal der Besuch eines Waldfestes am Tegernsee. 

Laut dem Werbevideo des Tegernseer Tals gehören die "Waldfeste zum Tegernsee, wie die Wiesn zu München". Na denn.


Wirklich genaue Vorstellungen hatte ich eigentlich nicht, was es mit diesen Waldfesten auf sich hat. Ich stellte mir eigentlich immer ein Bierfest unter dunkelen Bäumen vor. Im kühlen Schatten von Eichen oder so.

Eines sei vorweggenommen. Wie auf der Wiesn ist es auf den Waldfesten nicht. Denn die Mass Bier
-es gibt auch Dunkeles- kostete nur 5,50 anstatt fast 10€ wie auf der echten Wiesn. Konkret war ich beim Waldfest des Ski Clubs Rottach Egern. 

Diese Waldfeste werden nämlich nicht vom Touristmusverband organisiert, nein örtliche Vereine organisieren das Event und stecken den Gewinn in die Jugendarbeit um weiterhin Nachwus im Bereich Trachtentanz und toller Skifahrer (ala Vicky Rebensburg aus Kreuth) zu haben.

Zum Glück konnte ich mit Vespa Johnny bis auf den vordersten Parkplatz durchfahren. Ein Blick über denselbigen verrät bereits das Besucherklientel der Waldfeste. Rottach-Egern zieht ob der schönen Lage die Reichen aus der ganzen Welt an. Mit einer ordentlichen Zweitwohnsitzsteuer, hat es Rottach Egern einer der reichsten Kommunen Deutschlands gebracht. Wenn Ihr hier Immobilien kaufen wollt: Neue Bauflächen werden nicht mehr ausgewiesen und mit der 14 höchsten Kaufkraft Deutschlands versehen habt Ihr ordentlich Konkurrenz.

Zurück zum Parkplatz am Waldfest. Für deutsche Automanager sei ein Besuch empfohlen. Der dürfte wie eine Frischzellenkur wirken. Hier merken Sie, dass der Markt für Edel- SUVs aus deutschem Haus so richtig brummt.Und Sie nicht für den Export nach China schuften.
Der Eintritt aufs Waldfest kostet 1 Euro. dafür wird dann mit einem wirklich liebevollem Fest belohnt. Die Trachtenjugend und Peitschenmänner (Goassnschnalzer) veranstalten ein Spektakel auf der zentralen Bühne. Über dem gesamten Fest schwebt trotz ca. 700-1000 Besucher eine angenehme Ruhe. Das Essen ist hochwertig und man nimmt eine Schlange gerne in Kauf. Selbst die Trachtenjugend packt mit an und 10jährige halfen schon mit Krüge einzusammeln.



Am Tegernsee scheint die Welt wirklich in Ordnung. Klingt bekloppt ist aber so. Mabn sitzt auf Bierbänken im freien und erfreut sich des Lebens. Die meisten Besucher sahen wie frisch aus dem neuen Landhaus-Trachtenmode Katalog entsprungen. Oder auf jeden Fall verhalten sich die Leute so. Denn auf dem Rückweg auf dem Parkplatz habe ich es enttarnt. Viele der Besucher hatten ein Kennzeichen mit großem M - (XX- 0815): München.

Vor einigen Jahren hatte ich zu der Begebenheit einmal eine witziges Bonmot in der SZ gelesen. Ein Tegernseer Gebirgsschütze wurde gefragt, wie er denn die Besucher aus München erkenne. Seine kurze Antwort: "Am Sonntag trägt der Tegernseer eine weisses festliches Hemd. Nur die Besucher aus der Landeshauptstadt kommen weiterhin mit bunten karierten Hemden".

Zwei Chancen habts Ihr noch heuer ein Waldfest zu besuchen:

  • Sonntag, 11.08.2013, 10 Uhr: Trachtenwaldfest der Wallberger (Lori-Feichta, Rottach-Egern)
  • Do. 08./Fr. 09./Sa. 10./So. 11.08.2013 17:00/15:00/15:00/15:00 Uhr Waldfest SC Ostin (Skilift Ostin, Gmund am Tegernsee)
  

Donnerstag, September 27

Name für den Wall hinter den Zelten gesucht..

Kotzhügel vor der Invasion
Hier sitzen Sie. Hier schlafen Sie Ihren Rausch aus. Hier lieben Sie sich. Hier übergeben Sie sich. Hier denken Sie nach. Hier sammeln Sie neue Kraft für die nächste Mass. Hier lassen Sie Ihre letzte Mass verdaut zurück. Hier rutschen Sie auf allen Vieren den Hang hinunter.

 Die Rede ist vom westlichen, halbkreisförmigen Hang hinter den Zelten Hippodrom, Ambrustschützen, Hofbräuzelt, Hackerzelt und Schottenhamel. Eigentlich ist der Hang ein ganz normaler Fortsatz des Isarurstromtales, der sich komplett durch München zieht. An der Theresienwiese ist er nicht bebaut und wird somit im Winter zum Rodeln benutzt. Auch die Treppe vor der Bavariastatue gehört quasi zum Hang.

Nur in den 3 Oktoberfestwochen bekommt er eine gänzlich neue Funktion auf dem oben genannte Tätigkeiten ausgeführt werden. Nicht wenige Schaulustig werden oft Zeugen der Vorgänge am Hang.

Meinen Name:"Hang der tausend Ströme". Immerhin schon viele Ströme an Flüssigkeiten selber gesehen.

Derzeit mache ich gerade eine Liste auf, wie Freunde und Bekannte den Hang noch so nennen. Dies ist mein Ergebnis:

Vögelwiese -- Surprise Sex Hill -- Kotzhügel -- Sexhügel -- Vögelwall -- tbc

Vögelwall
Vögelwall von Besuchern besetzt
Nachdem es schoneinmal ein ähnliches Kunstprojekt gab, hat zum Glück auch 2012 wieder ein Onliner sich die Mühe gemacht uns stellt die lustigsten Bilder online. Unter wiesnkotzer.de könnt Ihr euch auch einen Eindruck machen.

Dienstag, Juni 12

Durstige Bayern

Endlich habe ich nun einmal Beweise gefunden für das Gerücht um die Augustiner Brauerei. Als letzte Brauerei Münchens ist der Augustiner Bräu noch im Zentrum der Stadt ansässig und produziert ausschließlich an der Landsberger Strasse. Ob der begrenzten Platz Kapazitäten und weil es einfach ein beliebtes, leckeres Bier ist, heisst es immer wieder, dass Augustiner gerade im Sommer nicht den Bedarf an Hellem für seine durstigen Konsumenten decken kann.

Nun habe ich Beweise, dass der Fall der Fälle echt eingetreten ist und nicht ins Reich der Legenden um die Kult Brauerei gehört. Im Tengelmann habe ich folgendes Schild entdeckt:

 
Wohl ob der überraschend warmen Mai Temparaturen und weil die Produktion des Gerstensaftes noch nicht bei 100% war kam es tatsächlich zu Lieferengpässen, wie auch verschiedene Müchner Gazetten bestätigen.

Heute hat der Roiderer Tonei -Sprecher der Wiesnwirte- auch die neuen Masspreise für die Wiesn bekannt gegeben. Die 10€ Grenze wird heuer noch nicht gebrochen. Die Mass Bier wird zwischen € 9,10 und € 9,50 € kosten. Und damit nur 4% teurer als 2011. Das kann man verkraften, da viele wahrscheinlich weiter 10€ geben werden.

Samstag, September 24

Eindrücke vom Hang der tausend Ströme

Riesenrad Oktoberfest

Der Trubel rund um das Oktoberfest hat mein Stadtviertel fest im Griff. Am späten Nachmittag ergibt das in den Strassenzügen eine bunte Mischung. Betrunkene Menschen in Tracht stolpern umher und verzweifelte Italiener suchen Ihr Auto. Die Pizzabäcker haben gut zu tun, ebenso die Discounter und Taxifahrer. Beim Aldi stehen erschöpfte Wiesnbesucher Schlange um sich mit nicht alkoholischen Getränken zu versorgen. 
Dazwischen wuseln nüchterne Westend-Bewohner und gehen ihrem Alltag nach. Junge Mütter bugsieren Ihren Nachwuchs im Kinderwagen durch die Horden Betrunkener. Die türkischen Gemüsehändler können leider keinen Vorteil aus den vielen Betrunkenen ziehen. Ich glaube, sie staunen eher über das kulturell wertvolle bayerische Besäufnis.


freefall tower westend oktoberfest
Das Westend grenzt nun einmal direkt an den Ort des täglichen Bierkampfes von hunderttausenden. Von vielen Straßenzügen kann man sogar Fahrgeschäfte des Wiesnrummels sehen. Manchmal sogar die Schreie der Mutigen hören, die sich den Free Fall Tower hinunterstürzen. Die Einsatzsirenen der Notarztwagen gehören in diesen Wochen zum Alltag.


Bei mir überwiegt die Freude so nahe am Ort des Geschehens zu wohnen. Schliesslich kommen Leute aus aller Welt freiwillig nach München. Zum Beispiel gar nicht wenige Australier, die das Oktoberfest Package über festivaltravel.com buchen und nur zum Feiern für 4 Tage nach Europa kommen. Zudem freue ich mich immer über Besuch aus meiner westfälischen Heimat.
Viele schaffen es meist nur einmal im Jahr -natürlich während des Oktoberfestes- mich zu besuchen. Ebenso verhält es sich mit den Anfragen bezüglich Couchsurfing. Verhältnis von Anfragen vor und während der Wiesn zu Anfragen im Restjahr: Ungefähr 50 zu 1.


Während mein Besuch sich in der Regel beim Thema Alkoholkonsum im Griff hat, bin ich mir bei den festivaltravel - Reisenden aus Übersee nicht so sicher. Die meisten Oktoberfestbesucher fallen irgendwann betrunken aus den Zelten. Und dann scheint eine unsichtbare Kraft den Meisten dieser angeschlagenen Trinker den gleiche Weg zu weisen. Es geht zum Hang der tausend Ströme!   


Der Hang der tausend Ströme ist der Grünhügel im ersten Viertel der Theresienwiese. Vor allem Besucher des Hacker- und Hofbräuzeltes schlafen hier Ihren Rausch aus. Alle Körperteile von sich gestreckt, liegen Sie oft stundenlang regungslos da. Wenn das Schlafen das einzige wäre. Leider verlieren die Wiesenkämpfer hier auch sämtliche Körperflüssigkeiten. Vor allem natürlich Ihr teuer erkauftes Bier durch natürliche Verdauung, aber auch andersherum.


Schon nach einem Tag sieht der Hügel nicht mehr grün aus, sondern nimmt eine bräunliche Farbe an. Viele nennen Ihn daher auch Kotzhügel oder Promillehügel. Zwischen den Schlafenden bessern Flaschensammler Ihre Pfandgeld auf. Dazu wuseln immerzu Sanitäter und die Polizei umher.


Die Polizei hat gut zu tun. Für Taschendiebe sind wehrlose, schlafende Trinker ein einfaches Opfer. Zudem muss die Sittenpolizei immer mal wieder eingreifen wenn es Pärchen -die sich meist erst seit wenigen Stunden kennen- es zu weit treiben. Allzu oft bleibt es nämlich nicht bei zärtlichen Küssen, sondern die Pärchen wollen mehr. Wenn Sie noch können. Daher hat der Kotzhügel noch weitere Namen. Ein Kollege nennt Ihn aus diesen Gründen, den "Surprise Sex Hügel". Direkter gesprochen hört man auch von "Vögelwiese" oder "Vögelwall".


Ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Schliesslich machen die Menschen seit der Erfindung des Bieres bestimmt komische Sachen nach einigen Litern desselben. Nur sah das dann früher ganz anständig etwa so aus. Der Bayer mit dem Hut auf dem Kopf gönnt sich mal eine Auszeit.




Heute sieht das mehrheitlich so aus. Italiener mit Kaputzenpulli und Jeans liegt eingenässt in eignem Erbrochenen und röchelt.



Das ist teilweise schon heftig, wie Sie frierend  daliegen in Scherben, Kronkorken und Nässe. Vielleicht werde ich ob des Papstbesuches doch etwas nachdenklich. Schliesslich bin ich heute über 2 Schlafende gestoßen, deren Motiv mich unbewusst an ein Ölgemälde von Breughel erinnert hat. Es heisst "Schlaraffenland" und hängt in der Alten Pinakothek zu München. Ausserdem wird es gerne in Schulbücher abgedruckt:







Brueghel hat es 1567 gemalt und es soll zwar das Paradies darstellen, aber eben auch auf zwei der sieben Totsünden hinweisen. Trägheit und Faulheit. Die Bildbeschreibung gleicht fast 1 zu 1 dem Treiben um die Bierzelte:


Am Boden liegen drei dicke, vollgefressene Männer herum. Sie schlafen und träumen. Einer ist gekleidet wie ein Ritter, der andere wie ein Bauer und der dritte schaut aus wie ein Kaufmann.

Auf dem Kotzhügel findet man auch überwiegend Männer. Alle Nationalitäten und Berufe sind vertreten. Einige sehen aus wie BWLer.


Sie sind so vollgefressen, dass sie die Umgebung nicht mehr wahr nehmen.
Ohne Kommentar.

Um ins Schlaraffenland zu gelangen, muss sich ein Anwärter erst einmal durch einen Brei- oder Teigberg fressen.
Beim Oktoberfest reicht es sich mit Bier zu betrinken.


Bei allem Überfluss strahlt Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ jedoch keinen Optimismus aus. Die Bewohner wirken in ihrem Phlegma beinahe wie Leichen, ihre Körper haben gesunde Proportionen verlassen, die Kleidung reißt und wird mit wenig würdevoll anmutenden Behelfsmitteln zusammengehalten. Es findet keine Kommunikation statt, Lanze, Dreschflegel und Buch liegen nutzlos herum. Faulheit ist dort eine Tugend und Fleiß eine Sünde. Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ zeigt eine Welt, in der alles Leben zum Stillstand gekommen ist.

Das Oktoberfest soll ja ein fröhliches Fest bleiben. Aber wie die Bierleichen hinter den Zelten liegen, dass ist schon ein wenig nicht-würdevoll. Es macht mich etwas nachdenklich. Kann es alles sein, sich so zu betrinken, dass man am Hang hinter den Zelten vegetiert...Sind diese Menschen glücklich und zufrieden? Auf den Oktoberfestkonsum will ich aber nicht verzichten. Nur sollte er heuer etwas ausgewählter stattfinden. Bei gutem Bier, netten Gesprächen und einem warmen Bett zum Schlafen.

Auch die Schlafenden hätten eine Alternative, würden Sie sich nur auskennen. Nur eine Gehminute weiter beginnt der idyllische ruhige und immernoch grüne Bavariapark. Hierhin zieht sich der ortserfahrene Münchner zum Schlummerchen zurück.

Sonntag, Oktober 10

rauch auf der wiesn - nur heimlich


Das Rauchverbot auf der Wiesn hat echt ganz gut gegriffen. Mein SZ Lieblingskarikaturist Dieter Hanitzsch hatte in einer symphatischen art und Weise auf das Verbot hingewiesen.


Nachdem dann einige Raucher nach dem Genuss einer Zi
garette des Zeltes verwiesen wurde, wurden die Raucher vorsichtig.
Option war es, sich am Ausgang ein Raucherbändchen für den Wiedereinlass zu holen und draussen zu rauchen. Diejenigen, die das Zelt eh verlassen wollten, konnten zum Teil dieses Bändchen an Leute, die vor dem Zelt anstanden verkaufen. Ein Freund hat für ein Band sogar 8 € gezahlt.


Die zweite Option war es, auf Schnupftabak umzusteigen. Ich konsumiere es aus Kult-Gründen
schon seit Jahren auf der Wiesn. Ist ein wenig ekelhaft sich das braune Zeug am nächsten Tag wieder aus der Nase zu bohren. Aber mei. Im Wiesnjargon spricht man bei dem Schnupftabak auf dem Oktoberfest auch von "Wiesnkoks". Er wurde aber nach meiner Beobachtung kaum vermehrt als Alternative zum Glimmstängel genutzt.


Hauptsächlich wurde einfach weniger und zudem heimlich
geraucht. Das nahm dann witzige Züge an. Die Zeltbesucher lehnten sich unter den Tisch um einen Zug zu nehmen. Oder wenn die Stimmung richtig kochte und alle auf den Bänken standen wurde heimlich unten am Tisch geraucht. Eine Freundin macht das einmal hier exemplarisch vor. Die Arme.


Nun sind die Wiesn zum Glück vorbei. Die Gazetten berichten nicht mehr über Wiesntratsch. Endlich sind es wieder sinnvolle Hinweise für den Alltag (nach der Feierei).

Mittwoch, September 29

Wahnsinn, warum schickst du mich auf die Wiesn..Hölle hölle hölle


Des is aber mal wirklich der Wahnsinn.
Aus Interesse checke ich gerade mal die Angebote für Tisc
hreservierungen für ein Zelt auf der Wiesn bei ebay.

Mit den Reservierungen läuft es folgerndermaßen ab:
Im Januar - Februar schickt man ein klassisches Telefax an das
Wiesnwirtbüro, mit dem Wunsch einen Tisch
für 10 Personen zu reservieren. Die meisten Zelte reservieren meist zweimal am Tag. D.h. z.B. von 12-17 Uhr, und von 17-22 Uhr. Hat man Glück noch was zu bekommen, gilt Sofortüberweisung an den Wirt. Im April-Mai sind eigentlich alle Reservierungen vergeben.
Die Reservierung an sich ist kostenlos. Damit versichert wird, dass die Leute aber auch was verzehren, sind Gutscheine für 2 Massen Bier und ein Gutschein für 1 Hendl Pf
lichtabnahme.

Der Preis erechnet sich also folgendermaßen:
2 Bier (incl. Trinkgeld) (20€) + 1 Hendl (12€) = 32 € x 10 Personen = 320 €

Und das als Sofortkasse für den Wirt schon im Februar. Das schreckt dann doch einige ab. Mich auch.

Das ist dumm. Denn für den Wirtschaftswissenschaftler liegt hier ein klassischer Fall von "hidden information" vor. Erst "ex post" erkenne ich den Wert einer solchen Reservierung.
Wenn man nämlich wie jetzt an den Wochenenden schon nachmittags ohne Reservierung in kein Zelt auf der Wi
esn mehr rein kommt. Oder wenn man eigentlich immer Frauen vorschicken muss, um zu fragen damit man ansatzweise noch eine Chance auf Plätze am fremden Tisch hat.
Was ich aber nun bei ebay entdeckt habe, kann ich mir selber nicht erklären. Wie gesagt. Gegenwert der Reservierung 320 €. Seht selbst!








Freitag, September 17

O zapft is`

...erklingt es heute um Punkt 12:00 Uhr wieder aus dem Schottenhamel-Zelt zur Eröffnung der Wiesn.
Wer es live verfolgen möchte, dem sei der Livestream vom Bayrischen Rundfunk ans Herz gelegt. Immerhin darf mit Spannung verfolgt werden wieviele Schläge Oberbürgermeister Ude zum Anstich des Fasses heuer benötigt. Traditionell krempelt der amtierende Oberbürgermeister die Ärmel hoch, zieht sich eine Kellnerschürze an, sticht das erste Fass an und übereicht die erste Mass an den bayrischen Ministerpräsidenten. Während Ude schon seit 1993 agiert, ist bei den bayerischen MP`s in den letzten Jahren ein erstaunlicher Trend zum Wechsel erkennbar. Dann ruft er "O zapft is", und es ertönen 3 Böller Schüsse. Die Schüsse sind eminent wichtig. Erst so erfahren 60.000 durstige Kehlen, die in den anderen Zelten seit Stunden ausharren, das es nun endlich Bier gibt!


Für OB Christian Ude sind nach jahrelanger Übung höchstens drei Schläge eine Selbstverständlichkeit. Im Jahr 2005 stellte er einen Rekord von zwei Schlägen auf, im vorvergangenen und im letzten Jahr gelang ihm das Kunststück wieder. Nun neigt sich seine Amtszeit dem Ende zu und er hat noch grosses angekündigt. 2010 will er tatsächlich das Bierfasserl mit einem einzigen Schlag anzapfen. Ich bin gespannt.

So richtig gezählt werden die Schläge eigentlich auch erst seit 1986. Thomas Wimmer -OB 1953 und Begründer der Schläge auf das Fass- brauchte 1953 angeblich noch 19 Schläge, um das Fass anzuzapfen. Es gibt ja wirklich
einige solche Gschichten um das Oktoberfest. Diese finde ich aber wirklich interessant:
Dass sich jemand als Bürgermeister und Mitglied der Obrigkeit dazu herabliess Schankkellner zu spielen war nämlich damals wirklich ungewöhnlich.

Es spiegelte aber den Zeitgeist der Nachkriegszeit wieder und wurde bewusst von Wimmer eingeführt. München lag immer noch in Schutt, ein jeder sollte durch diese Aktion angehalten werden mit anzufassen wieder neu anzufangen. Ganz unabhängig von Rank und Stand.

Und warum findet das ganze immer in Boxe 17 im Schottenhamel (dem zugegebenermassen unschönsten Zelt von allen) statt? Es ist folgendes überliefert:
Nun ja, OB Wimmer musste 1953 noch kurz vorher eine Elektro Messe eröffnen. Das Messegelände lag in meinem heutigen Wohnviertel Westend. So stolperte er von dort zu Fuss kurzerhand missmutig den Hang hinunter zum Festgelände. So landete er zufällig im erst-besten Zelt. Dem Schottenhamel. Mehr von solchen interessanten Anekdoten finden sich übrigens im Oktoberfest Blog.

Auf eine friedliche Wiesn!

Samstag, Oktober 11

die Wiesn sind vorbei....

.....und ich bin froh darüber.

Schliesslich hatte ich einigen netten Besuch während der 2 Wochen. Aber nun eine derbe Wiesnerkältung. Wie die T.Z. meldet: "Jeder 4. Münchener ist krank".

Devid, Renne, Bernd, Markus F., Markus T., Thomas T., Thomas W., Dübby und Susi T. haben hier gepennt. Einen super Tag habe ich mit der Truppe aus Münster verbracht. Viele weitere Leute in den Wiesnzelten getroffen.

Meine "richtigen" Wiesnbesuche fanden meist samstags statt. Nämlich ziemlich früh, um am WE einen nicht reservierten Platz zu ergattern. Und 2 x im Schottenhamel. Normalerweise schnell noch vorher zum Metzger meines Vertrauens Vinzenz Murr, ne Leberkassemmel zum Frühstück und dann anstehen am Festzelt.
Über Kamerad "Bunde" Fels haben wir Connection zum Dietmar, ner Bedienung im Festzelt. Er bedient 5 Tische links von der Musikkapelle und ist im wahren Leben Wirt in einem Tennisclub nahe der tschechischen Grenze. Er läd uns immer mal zu sich ein, vielleicht klappts in diesem Jahr ja einmal.
Na ja und die Dietmar Connection ist sehr hilfreich. Während ca. 10.000 Feierwütige morgens um 7:30 Uhr !! vor der Festhalle stehen, verteilt auf den Haupteingang (der übrigens nie geöffnet wird, womit schon mal nen paar tausend weg sind) und die Seiteneingänge, stehen Bunde oder ich halt am Hintereingang W1 oder W3, völlig allein und warten auf Dietmars Einlass.

Dietmar öffnet so gegen 8:30 Uhr, und während die Pforten offiziell erst um 9 Uhr geöffnet werden, kann einer von uns so entspannt zum Tisch laufen und diesen für uns besetzen. Dann hilft man Dietmar noch ein wenig beim Tische säubern, begrüsst die Nachbarbedienungen Heinz und Alex und schmunzelt über die Menschenmassen vorm Zelt.

Ab 9 Uhr wirds dann etwas stressig, weil man allein an nem super gelegenen Tisch sitzt und allen erklären muss "der tisch ist besetzt es kommen noch 17-18 Leute" sorry (immer zuviele sagen auch wenn es nie stimmt. Auf dem Ofest ist der ehrliche der dumme!). Na ja, und wenn die Kumpanen endlich ins Zelt kommen kann der Spass dann los gehen.
Hab es 2 mal tatsächlich bis 9 Uhr abends im Zelt ausgehalten. Für die After Wiesn Partys hat es dann aber leider (siehe Poster) heuer nimmer gereicht.

Prosit





Mittwoch, Oktober 1

wahlen und die wiesn

Servus,

wie ihr ja schon gehört habt, wurde am Sonntag in Bayern gewählt. Mit dem Ergebnis, dass die längste Alleinherrschaft Deutschlands ihr Ende hat. Genutzt hat auch wohl der Wahlkampfendspurt am Freitag auf dem Marienplatz nichts mehr.
Ich bin nach der Arbeit mit dem Radl schnell hin, habe aber Frau Dr. Merkel verpasst und nur noch Frau (Ex-Generalsekretärin) Haderthauer beim Autogramme schreiben angetroffen.

Nachdem wir Samstag auf der Wiesn schön gefeiert haben bin ich mit nem Freund, der bei mir sein Wiesn-Wochenende verbracht hat am Wahlsonntag nochmals aufs Volksfest. Leider hatte ich noch kein Kreuzchen gemacht aber meine Wahlbenachrichtigung war dubai.


Also wurden mir nix dir nix im Augustiner Biergarten und dann bei Dietmar und Martin im Schottenhamel 2 Mass geleert, bis ich um 17:30 Uhr entsetzt feststellte, dass ich nur noch 30mins für die Fahrt zu meinem Wahlbüro in der Guldeinstr. hatte.
Flux hingeflogen fiel mir das Ausfüllen der riesigen Stimmzettel gar nicht mehr so leicht, und um 18:05 Uhr wurde ich sogar genötigt abzugeben.


Na ja, morgen gehts noch einmal zur Arbeit und ab Freitag freue ich mich auf 2 schöne Tage mit meinen Freunden aus der Seestadt. Noch ist nicht sicher in welchem Zelt wir anzutreffen sind: Hacker (Himmel der Bayern) oder Schottenhamel....? Na ja jedenfalls heissts früh aufzustehen am Samstag......


Stimmung!!!!

Freitag, September 19

Oktoberfest

Morgen geht sie wieder los, die 5. Jahreszeit.

2 1/2 Wochen ist ganz München fest in der Hand der Wiesn.
Da mein Viertel, das Westend, direkt an die Theresienwiese grenzt, bekomme ich täglich Eindrücke von den Wiesn.
Leider sind das häufig campierende Italiener, oder übriggebliebende apres Wiesn Feierwütige.

Egal, auch ich freue mich auf den morgigen Anstich, wenn es wieder heisst "O zapft is", und unser Oberbürgermeister Ude im Schotenhamel- Festzelt den ersten Krug an unseren Landesvater Beckstein überreicht!

Prosit!