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Sonntag, April 28

Ashes of the Wenzcreek - Auf der Spur NS Verbrecher Überreste in München

Mein neues Joggingrevier ist die Isar zwischen Thalkirchen und Solln. Derzeit riecht es nach Bärlauch und Schmelzwasser wenn ich zwischen dem Isarseitenkanal, dem Flossländekanal und der Isar durch die Anlagen laufe. Mein Ziel ist meist die imposante Großhesseloherbrücke die sich 40m über der Isar erhebt. Ein tolles Joggingrevier mit ganz viel grün, man fühlt sich wirklich mitten in der Natur obwohl die Großstadt noch so nahe ist.

Beim Joggen höre ich oft Podcasts zB. politische Interviews mit dem Deutschlandfunk. So in dieser Woche über die Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten. Hierbei hat Amal Clooney (Frau George Clooney und Anwältin Menschenrechte) zusammen mit einem Opfer gesessen im Plenarsaal gesessen und eine eindrucksvolle Rede gehalten.


Viel zitiert wurde dabei Ihr Hinweis dass dieser Sicherheitsrat seinen "Nuremberg Moment" erleben könne. Die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse stehen noch immer als Beispiel für ein international abgestimmtes Vorgehen gegen Kriegsverbrecher.

Zeit, dass ich mich noch einmal mit den Prozessen in Nürnberg beschäftige. Am Ende der NS Schreckenszeit standen die folgenden Todesurteile (Hermann Göhring beging wie bekannt kurz vor der Hinrichtung Selbstmord):

Zum Tod verurteilt wurden:

Martin Bormann, Leiter der NSDAP-Kanzlei, persönlicher Sekretär Hitlers (in Abwesenheit).
Hans Frank, Generalgouverneur in Polen.
Wilhelm Frick, Innenminister und Reichsprotektor für Böhmen und Mähren.
Alfred Jodl, Chef des Wehrmacht-Führungsstabes.
Ernst Kaltenbrunner, Chef der Sicherheitspolizei.
Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW).
Joachim von Ribbentrop, Außenminister.
Alfred Rosenberg, NSDAP-Chefideologe und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete.
Fritz Sauckel, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz.
Arthur Seys-Inquart, Reichskommissar der Niederlande.
Julius Streicher, Herausgeber von „Der Stürmer“.


Auf der Anklagebank: Göring, Heß, von Ribbentrop, Keitel (vorne), Dönitz, Raeder, von Schirach und Sauckel (dahinter)
Die Todesurteile wurden am 16. Oktober 1946 vollstreckt.

Da sich über das Scheingrab Alfred Jodls auf der Insel im Chiemsee erst vor wenigen Wochen eine Diskussion über den Erhalt entsponnen hat (hier nachzulesen), habe ich mich gefragt was mit den Überresten der Hingerichteten geschehen ist? Dabei bin ich zu spannenden Erkenntnissen gekommen, die mich auf meine Joggingstrecke zurückbringen.

Wohin mit der Asche der Nürnberger Kriegsverbrecher?

 

Krematorium am Ostfriedhof München
Bei der Hinrichtung in der Sporthalle des Nürnberger Gefängnisses war es zu Problemen gekommen Einige Hingerichtete starben durch Ersticken am Seil erst nachdem sich der Henker an die Füße hängte. Dieses führte auf den Fotos der Toten zu recht entstellten Körpern. Danach wurden die Leichen von Nürnberg nach München gebracht. Am Ostfriedhof steht noch heute das Krematorium in dem die Leichen damals anonym verbrannt wurden.


In der öffentlichen amtlichen Mitteilung wird verlautbart: „Die Leiche Hermann Wilhelm Görings ist zusammen mit den Leichen der Kriegsverbrecher, die gemäß dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes am 16. Oktober in Nürnberg hingerichtet worden sind, verbrannt und die Asche im geheimen in alle Winde verstreut worden.“ Doch die Wirklichkeit ist anders, als diese offizielle Verlautbarung die Bevölkerung glauben läßt.
Danach bin ich immer davon ausgegangen, dass die Asche einfach in die Isar gestreut wurde.  

Die amerikanischen Soldaten fahren mit der Asche nach Solln


Zurück zum Mittwoch, dem 16. Oktober 1946. Wegen der massiven Eichensärge dauert die Einäscherung bis zum nächsten Tage. Vom Krematorium bringen US-amerikanische Soldaten am 17. Oktober 1946 die Asche der elf  Kriegsverbrecher des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses in die an der Heilmannstraße 25 gelegenen Villa Oberhummer. Die Villa liegt in der Villenkolonie Prinz Ludwigs Höhe elegant gelegen am Isar Hochufer zwischen Thalkirchen und Solln. Sicherlich haben sich hier führende Offiziere der US Army eine passende Einsatzzentrale oder ein Offizierscasino eingerichtet. 

In 11 schmucklosen Urnen in der Villa Oberhummer befindet sich nun die Asche der schlimmsten Nazi-Verbrecher, welche die Verantwortung für den Tod von Million unschuldiger Menschen trugen und ganze Länder in Schutt und Asche gelegt hatten.

Wenzbach unterhalb der Villa Oberhummer
Berichtet wird im weiteren Verlauf nun folgendes: "Drei oder vier Soldaten, ein hochrangiger US-Army-Offizier, der Chef-Bestatter der US-Armee, Major Rex S. Morgan, sowie ein ziviler Leichenbestatter steigen, die Aluminiumdosen in der Hand, eine Treppe hinunter zum tiefer gelegenen Garten. Durch diesen fließt der Wenzbach, ein kleiner, nichts-sagender Bach im Süden von München. Er entspringt in der Adolf-Wenz-Straße nahe der Großhesseloher Brücke und fließt auf nur etwa 1 km Länge entlang der Conwentzstraße und dem Isarwerkkanal, in den er beim „Isar-Flößerdenkmal“ mündet (siehe Bild ganz unten).

75 Meter unterhalb der Villa stellen die Soldaten neben dem, kaum drei Meter breiten Bach, die elf Zylinder in das Gras und beginnen mit Äxten auf die Urnen einzuschlagen bis sie aufplatzen.

Achtlos schütten sie den Inhalt, die sterblichen Überreste, der, am Vortag gehenkten deutschen Hauptkriegsverbrecher, in den Bach, der die Leichenasche davonträgt. Die leeren Behälter zerschlagen die Militärs mit Äxten und treten das zerfetzte Blech mit ihren Stiefeln platt. Nichts darf mehr von den Nazi-Verbrechern und deutschen Regierungsmitgliedern übrig bleiben, nichts soll mehr an den Abschaum der Menschheit erinnern."

Der Wenzbach verliert seine Unschuld


Die Sieger stellen sicher, dass niemand die Spur der sterblichen Überreste der Nazi-Führer aufnehmen konnte. Keine Reliquie, kein Andenken, keine Würdigung. Nichts. Die Asche der elf Nazi-Verbrecher sollte sich verdünnen mit allem Wasser dieser Welt, einer Welt, die durch deren Schuld und Barbarei, zu viel Leid ertragen musste. Niemand soll mehr den Totenkult huldigen wie er später z.B. an den Gräbern von Franco oder Rudolf Hess entehen wird.

Die Mündung des Wenzcreeks in den Floßkanal
Der unschuldige Wenzbach fliesst nach nur 1 km in den Flossländekanal. Mehrheitlich durch Privatgärten und einmal bildet er sogar einen idyllischen Teich aus. Beim Joggen quere ich Ihn regelmässig 2 mal. Nun hat er allerdings seine Unschuld verloren.  




Montag, Oktober 30

Mietbike Spam in München aus Fernost

Was ist eigentlich Spam?

"Als Spam [spæm] oder Junk (englisch für ‚Abfall‘ oder ‚Plunder‘) werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten (Informationen) bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden und häufig werbenden Inhalt enthalten. Dieser Vorgang wird Spamming oder Spammen genannt, der Verursacher Spammer."

So etwas ähnliches ereignet sich gerade in München auch mit Leihrädern in der Offline Welt. Die Firma Obike aus Singapur möchte nämlich die urbane Mobilität revolutionieren und setzt auf Fahrräder. Mit gelben Leihfahrrädern, einer App und günstigem Preis wollen Sie nun auch Europas Städte erobern. Es gibt hier an der Isar schon Nextbike (ca. 700 Räder) und CallaBike (ca. 700 Räder), aber Obike denkt sich: Think Big, und hat noch mal 7000 Räder hinzugestellt!

Kunst im öffentlichen Raum: #obikefail


Das Resultat sind in München überflutete Gehwege mit gelben Günstig-Bikes. An der Theresienwiese sieht es dann zum Beispiel so aus:




Weltweit ergiesst sich ein Shitstorm über die Spamattacke des asiatischen Anbieters. Sucht man nach #obikefail und ähnlichem ergeben sich herrliche Bilder:




Ein Beitrag geteilt von Michael Stapfer Photography (@michael_stapfer) am
Gut habe ich gedacht, am Markt vorbei gedacht. Die gelben Räder werden erst verhasst und dann verrrosten. Selbst der Preis von 2 € die Stunde kann Sie nicht retten. Qualität stimmt einfacht nicht.

Sieht man aber genauer hin fallen ein paar Sachen auf. Zunächst ist es völlig legal so viele Räder im öffentlichen Raum aufzustellen. Zeitungsständer oder Imbissbuden dürfen das nämlich auch in München. Und ein Verbot der Stadt Hamburg wurde vor einigen Jahren abgelehnt.

Noch spannender ist, dass das Konzept von Obikes wohlmöglich gar nicht Umsatz durch Kundenfahrten zu generieren ist. Jedes Radl ist mit einem GPS ausgestattet, welches auch während der Fahrt den Weg munter aufzeichnet. Die gewonnen Daten sind nun für viele Verkehrsplaner ein Traum. Und Obikes scheut Sie diversen Medienberichten zu folge nicht, diese wiederum den Städten zum Kauf anzubieten.

Masse statt Klasse, und ich habe mich schon gewundert warum man überhaupt zum Winter hin damit anfängt, diese Fahrräder aufzustellen?

Es sieht derzeit nicht gut aus für Obikes in München. Wenn die "gelbe Gefahr" es hier nicht packen sollte, stehen aber schon weitere Firmen bereit Leihräder anzubieten: Yobike oder Gobeebike aus Peking und Honkong. Es ist also nicht sobald vorbei mit den Bikes im Strassengraben. Erfreuen wir uns also noch weiterer Kunstwerke aus Fahrradblech:





Ein Beitrag geteilt von Alex Smith (@eyebonk) am

Ein von @krasskrassharras geteilter Beitrag am

Sonntag, April 23

2 Denkmäler und eine Entdeckung

Kurt Eisner haben wir die Ausrufung der Bayerischen Republik im Jahre 1919 zu verdanken. Aus den nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Räten kreirte er eine Staatsform:

„Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt!
Bayern ist fortan ein Freistaat!“
– Kurt Eisner: Ausrufung der Republik am 8. November 1918

Er muss ein mutiger und kluger Mann gewesen sein:

„Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“
– Kurt Eisner

Als er dann aber die ersten freien Wahlen auch für Frauen ausrief, gab es für seine Partei -die USPD- eine krachende Niederlage mit nur 3% der Stimmen. Das konservative Bayern entschied sich doch lieber für einen Vorgänger der CSU (die Bayerische Volkspartei).

In der antisemitischen Zeit hatte Eisner es als Jude und linker Politiker nicht leicht in Bayern. Er sah die Niederlagre ein und wollte am 21. Februar 1919 im Landtag seinen Rücktritt verkünden. Wegen verschiedentlicher Morddrohungen riet man ihm vorsichtig zu sein. Er reagierte darauf in lakonischer Art und wählte den direkten Weg in der Öffentlichkeit über den Promenadenplatz am Bayerischen Hof.

„Man kann einem Mordanschlag auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen.“   
– Kurt Eisner

Genau dazu kam es leider und er wurde von einem nationalistischen adeligen Studenten Anton Graf Arco mit 2 Schüssen ermordet.

Ein interessantes Denkmal erinnert heute an die Stelle des Mordanschlages. Ein im Boden eingelassene Metallplatte trägt die Form des am Boden liegenden Kurt Eisners. Man kann natürlich kritisch sein ob es notwendig ist, dass sein Denkmal immerwährend mit Füssen getreten wird.

Kurt Eisner Denkmal

KURT EISNER, DER AM 8. NOVEMBER 1918
DIE BAYERISCHE REPUBLIK AUSRIEF,
NACHMALIGER MINISTERPRÄSIDENT
DES VOLKSSTAATES BAYERN, WURDE
AN DIESER STELLE AM 21. FEBRUAR 1919
ERMORDET.

Ein aktuelleres Denkmal habe ich an der Hopfenstrasse direkt am Hochhaus des BR gefunden. Obwohl ich die Börse am Karolienplatz vermute stehen hier Bulle und Bär. Die Zeichen für fallende und steigende Kurse an der Börse. Wie immer, alles was man an den Börsen in New York und Frankfurt vorfindet, soll auch in München zusehen sein. Allerdings in etwas bescheidender Form:

Bulle und Bär München Börse

Dabei sollen die Zeichen aus der rauhen Zeit der Stierkämpfe kommen. Nach erfolgreichen Börsengeschäften vertrieb man sich die Zeit bei Tierkämpfen. In den Arenen kam es auch zu Kämpfen zwischen Bulle und Bär. Während der Bulle nach oben stoss, versucht der Bär den Stier mit den Tatzen nach unten zu drücken.

Sonntag, Januar 1

Smog, Böller, Bürgerkrieg in der Schwanthaler Höhe

Neujahr Theresienwiese
Der Neujahrsspaziergang durch die Schwanthaler Höhe glich heut einem Gang durchs Schlachtfeld. Überall Böller, zerbrochene Flaschen, Plastik und im Hintergrund brummten noch vereinzelt Böller. Eine Mischung aus Waterloo, Verdun oder dem Gemälde von Eugène Delacroix "die Freiheit führt das Volk".

Delacroix und Pulverdampf in der Luft.

Auf der Theresienwiese haben wir das neue Jahr begrüsst. Das ist eigentlich wunderbar. Genug Platz um selber ein wenig zu böllern und gleichzeit hat man Sicht auf das bunte Spektakel der anderen. Gestern dann aber das: Es hing über München eine solche Nebelglocke, dass die bunten Silvesterraketen kurz nach dem Start verschluckt wurden und nur noch ein Leuchten im Nebel zu sehen war.

Heute hat sich dann der Nebel mit dem Qualm der Böller vereint und eine wunderbare Smog Glocke überdeckt München.


Smog München Schwanthaler Str
Smog über der Schwanthalter Strasse

Das macht aber in der Tat nicht ganz soviel aus, weil meine Freizeitpläne ob der gestrigen Silvesterveier eher begrenzt waren.



Das war auf jeden Fall ein feierlicher Start ins Jahr 2017.

PS: Nun hat es die SZ auch erkannt und berichtet von der sau hohen Feinstaubbelastung an Silvester!


Müll Neujahr Bavaria
Wer räumt das wieder auf?


Dienstag, Februar 23

Was es mit den roten Kabeln im Münchener Westen auf sich hat

Rote Kabel Schwanthaler Höhe
Sie hängen lose von den Dachrinnen, Sie führen offen an den Gehwegen entlang, Sie liegen in Bündeln an den Strassenkreuzungen: Rote Kabel machen mich in der Schwanthaler Höhe seit Wochen stutzig. Geht es hier um Datenklau im großen Stil? oder wird hier etwa Strom abgezapft? NSA in München?

Rote Kabel Bündel Schwanthaler Höhe München

Rote Kabel übertragen Daten


Nach einigem Suchen habe ich tatsächlich eines der wenigen Infoposter gefunden. Die Stadtwerke München führt derzeit seismische Messungen durch. Seismische Messungen in München? Leben wir hier etwa auf einem Pulverfass von Erdbebengebiet? München in einer Reihe mit Tokio, San Francisco oder Neapel?

Nein so schlimm ist es dann doch nicht. Die seismischen Messungen sind scheinbar die Grundlage für spätere Bohrungen zur Anzapfung von Geothermie. Durch die Messungen soll ein detailliertes Bild der geologischen Beschaffenheit des Untergrundes erstellt werden.

 

Vibro Fahrzeuge erzeugen seismische Wellen


Damit die Kabel auch wirklich Messungen übertragen bedarf es der Vibration des Bodens durch spezielle Vibrations-Fahrzeuge (liebevoll von der SWM Vibro Fahrzeuge genannt). Und diesen Fahrzeugen möchte ich im Gegenverkehr lieber nicht begegnen:

Vibro Fahrzeuge München Geothermie Seismik
Quelle: geothermie-traunstein.de
Die SWM wollen München zur ersten deutschen Grossstadt machen, in der die Fernwärme zu 100% aus erneuerbaren Energien (Geothermie) kommt. Dabei ist der Münchner Süden scheinbar besser geeignet als der Norden. Das liegt daran, das die Kalksteinschicht zu den Alpen im Süden abfällt und das Wasser daher tiefer und somit mit höherer Temperatur vorhanden ist. Alle weiteren Details erfährt man auch im schönen Geothermie Video auf dem Youtube Kanal der Münchner Stadtwerke:



Bis März 2016 sollen die Seismik Messungen aber abgeschlossen werden und die roten Kabel dürften auch in der schwanthaler Höhe abmontiert sein.

Sonntag, November 29

Deutsch-Französische Freundschaft: Was mich gefreut hat

Nach den Attentaten von Paris stand auch München unter Schock. Das alljährliche Oktoberfest bietet immer wieder ein potentielles Attentatsziel. Also war die Anteilnahme gross.

Aber wohin bloss mit den Trauergefühlen? Neben den Tricolore Flaggenmotiven bei Facebook hatte man in München einen realen Ort für die Trauer gefunden. Das Deutsch-Französische Konsulat München in der Schwanthaler Höhe. 
Neben viele Trauerkerzen, findet man auch Briefe, Tricolore Flaggen oder deutsch-französische Freundschaftsdrucke.
Eine tolle Geste der Münchener im Zeichen des Terrors wie bereits damals bei Dieter Hildebrandt und Michal Jackson. Meine Freude der Woche.

Dienstag, Juli 14

Bootsfahrt auf der Isar: Sprung vom Georgenstein

Warum hat es nur so lange gedauert? Nach 9 Jahren in München habe ich erst heuer die Isar als schiffbares Gewässer entdeckt. Nein also nicht mit taiwanesischen Trawlern unter liberischer Flagge sondern mit Gummibooten, Paddeln und Dosenbier.

Die klassische Distanz ist analog zu den grossen Holzflossen die Strecke von Wolfratshausen nach München zur Flosslände. Im Gegensatz zu den riesigen Holzflossen hält man sich aber mehr auf der Isar statt auf dem Isarseitenkanal auf.

Es gibt Anbieter wie Dr. Boot, die einem 10 Mann Boote zur Verfügung stellen und am Ankunftsort abholen. Der Weg ist also das Ziel.

Und die Isar hat einiges zu bieten. Erst von der Mitte des Stroms entfaltet sich die ganze Pracht des Isartals. Weite Kiesbänke, ausgespülte Uferwände oder ins Wasser ragende Bäume, Schwemmholz oder felsige Abschnitte mit Stromschnellen.

Dabei bleibt die Isar ein ganz sauberer Fluss, wovon Eisvögel und badende Menschen zeugen. Hinter Wolfratshausen flisst die Loisach in die Isar und durch das ein oder andere Stauwehr mit Bootsrutsche bleibt es spannend.
Ein besonderes Schmankerl wartet auf der Isar nach einer schnittigen Kurve kurz vor dem Wirtshaus in Schäftlarn. Hier ragt der Georgenstein aus dem Wasser. Ein ca 5 m hoher und 8 Meter breiter Monolit.

Früher war er ein Schrecken für die Flösser, für die er ein gewaltiges Hindernis darstellte. Andere Quellen behaupten hier hätte einst eine römische Brücke gestanden. Man wollte Ihn bereits mehrfach sprengen, heute zählt er aber zum Highlight einer Isar Fahrt.
Der Georgenstein auf der Isar bei Baierbrunn
Bei meiner letzten Tour vor einigen Wochen hatte ich es nur beobachtet, nun wollte ich es wissen. Man kann auf den Georgenstein klettern und von dort in die grüne schimmernde Isar springen.

Bereits wenige 10 Meter vor dem Stein lasse ich mich in die Isar gleiten und flüge durch die Isar an die stromseite des Felsen. Nach einem kurzen Kampf gelingt es mir mich auf eine Felskante zu hieven. Meine Bootsgemeinschaft hat bis dahin schon auf der Südseite angelandet.

Das Aussteigen und Anlanden ist durch die geteilte Strömung hier spielend leicht. Nun klettere ich barfuss an der fast senkrechten Felswand empor. Das hatte ich mir nicht so schlimm vorgestellt.

Klettern auf den Georgenstein
Heiner Free solo! (Vielen Dank an die Fotografin Anne ((C) Anne C.)
Oben komme ich an und mittlerweile warten 2 weitere Boote mit freundlichen Bootskollegen, die nichts anderes als meinen wagemutigen Sprung erwarten. An einigen Stellen kann man die Isar auf dem Weg nach München problemlos durchwarten. Das wasser ist nicht überall tief genug für einen Sprung. Für einen 5 m Sprung sollte am Georgenfelsen also genügend Wasser im Fluss sein.

Ich lasse es drauf ankommen und stürze wie ein nasser Sack unelegant mit angezogenen Füssen in die Isar. Ziemlich tief stosse ich in das weiche, aufgewühlte Wasser hinab. Es dauert länger als im ruhigen Wasser bis ich durch die Wirbel wieder an die Oberfläche gelange.

Auf dem Georgenstein
Es macht Spass und nach wenigen Minuten stehe ich wieder oben. Nicht ich, sondern Wikipedia lässt wissen:

"Im Jahre 1805 kenterte an dem Felsblock der Flößer Georg Müller. Er rief in seiner Not seinen Namenspatron um Hilfe. Nach seiner Rettung ließ er das Heiligenbild auf dem Felsen anbringen. Seit dieser Zeit heißt der Stein Georgenstein. Früher wurde er Großer Heiner genannt. Kleiner Heiner war dagegen der frühere Name des Michaelsteins."

Montag, Juni 1

Frisbee und Hirsche im Bavariapark

Heute beim Joggen bin ich einmal wieder durch den Bavaria Park gelaufen. Wie es der Name vermuten lässt, liegt der Park direkt hinter der Bavaria Statue an der Theresienwiese. Getrennt nur vom Bavariaring, den vor allem Taxifahrer für Wettrennen lieben. Geplant wurde er als grüner Ruhmespark für die Gesamtanlage der Bavaria.



Um die Jahrtausendwende zog die Messe aus dem Gelände in dem Münchenener Aussenbereich nach Riem an den alten Flughafen. Nun war Platz für neue Immobilien (was sonst in München) aber auch für die Widerbelebung des Parks und des öffentlichen Raumes. 

Und das ist wie ich finde super gelungen. Die Parkmitte besteht aus einer grasbewachsenen Mulde wie eine umgedrehte Muschel und erinnert mich an den urbanen Campo in Siena. Dadurch kann man prima an den Rändern liegen und dem Treiben in der Mitte -Frisbee,  Fussball, Sonnenanbeter- zuschauen.

Aber auch die Geschichte des Parks kommt nicht zu kurz. Als Anhängsel der Rumeshalle fehlt es nicht an Gipsplastiken und Bronzestatuen:

 Gelungen neben dem Park ist die grosse freifläche vor den alten Messehallen, die nun das Verkehrszentrum des deutschen Museums beinhalten. Ein Biergarten darf für das Viertel natürlich nicht fehlen. Und ist mit dem Wirtshaus am Bavariapark prima gelungen. Ein super Mischung aus Kultur, bayerischer Lebensart und urbaner Erholung!

Mittwoch, April 1

Am Gipfel des Müllbergs! Spurensuche am versunkenen Dorf!

Fährt man die A9 entlang, oder besucht man die Arroganz Arena fällt es seit 1999 auf. Das Windrad auf derm Fröttmaninger Berg. Der Berg ist eine alte Mülldeponie und 75m hoch, das Windrad ragt nochmal 100m in die Höhe! In Anlehnung an das Lied der Mannschaft in der AA nennen es Siemens und die Stadt München: Stern des Südens.
Windrad am Müllberg Fröttmaning
Die Windräder sind mit tauenden LEDs beklebt, so dass es im Winter hell erstrahlt und munter dreht und blinkt. Die Eigentümer sind schnell mit Superlativen dabei und behaupten es sei der grösste Weihnachtsstern der Welt. Vielleicht strahlt hier ja das Selbsverständnis des angerenzendes Clubgeländes herüber?
Blick auf Arroganz Arena vom Müllberg

OK, nach etlichen Jahren in München bin auch ich mal hoch auf den Berg. Da es mich beim Fussball erwischt habe und meine Schneidezähne übel einen mitbekommen haben, reicht es derzeit nicht für die 3.000er, also war ich mal oben am Gipfel des Fröttmaninger Berges. Sicherlich auch für den Radlausflug ein Hit. Denn die Aussicht ist der Hit.
Man beachte übrigens die langsam entstehende Skyline in Freimann an der Auffahrt zur A9.

Blick auf München vom Müllberg

Ausserdem kann man oben auch Kultur und Natur erleben. Nicht dass einem langweilig wird. Viele Tafeln erklären die Fauna und Flora des Berges. Und dann gibt es da sogar noch eine Kunstinstallation mit dem Namen versunkenes Dorf.

Man lernt viel hinzu. das Dorf Fröttmaning gibt es nämlich gar nicht mehr, nur die abgebildete Kirche links. Sie scheint halb im Berg versunken wie das komplette Dorf Fröttmaning in der Realität ist.


Alles vorhanden also für einen prima Sonntagsspaziergang! OK ein Biergarten am Gipfel wäre nice to have!





Mit den Zähnen doch alles halb so schlimm, oder?



Freitag, März 27

Gedanken an die Heimat und neue Gedenktafel entdeckt

Aus meiner Heimat Haltern am See erreichen mich in diesen Tagen traurige Nachrichten. Im verunglückten Germanwingsflieger sassen Schüler und Leherer einer Schulklasse meines Gymnasiums. Ich selber habe am Dienstag morgen davon erfahren und mir selbst eingeredet, dass ich wahrscheinlich kein Opfer kenne. Als ich von den betroffenen Schülern gehört habe war ich vollkommen geschockt.

Stadtwappen HAltern Germanwings Katastrophe
Halterner Stadtwappen in Trauerfarbe

Da wohl keine andere Stadt soviele Opfer zu betrauern hat, sammelt sich die nationale und internationale Presse an meiner alten Schule. Der Direktor Ulrich Wessel hat ein ergreifendes Interview gegeben, wie die Stimmung in der Stadt ist, könnt Ihr in der Süddeutschen Zeitung nachlesen. Es ist einfach traurig.

Reisserisches über den NSU Prozess


In München findet derzeit immer noch der NSU Prozess statt. Da nicht mehr täglich davon berichtet wird, gerät er leider ein wenig in Vergessenheit. Vielleicht errinnert Ihr euch noch an den Anfang des Prozesses, an das Chaos als die Journalisten-Plätze ausgelost wurden. Für die SZ reportet Annette Ramelsberger vom Prozess, manchmal gut auf Seite 3 oder in einem beeindruckenden Audio Interview.

Dennoch kamen in den letzten Wochen nach den Zeugenaussagen einer Nachbarin andere Schlagzeilen vom Prozess an die Öffentlichkeit:

"Beate Zschäpe soll heimlich Döner gegessen haben"*

Schade, dass sich nur noch die Boulevardpresse Gehör vom Prozess erschafft. Dabei brauche ich bei mir nur um die Ecke zu gehen, um ganz direkt mit den NSU Morden konfrontiert zu werden.

Weniger als 100m von mir entfernt wurde im vergangenen Jahr eine Gedenktafel (hab schon mal über Tafeln in München berichtet) an die Morde der NSU angebracht:
Gedenktafel NSU München Theodoros Boulgarides Donnersberger Brücke
An der Trappentreustr. wurde der gebürtige Grieche Theodoros Boulgarides am 15.06.2006 in seinem vor 2 Wochen eröffneten Schlüsselladen erschossen. Er hinterliess eine Frau und 2 Töchter. 

Zwei Wochen später bin ich aus Münster nach München gezogen und wusste lange nichts von dem NSU Toten in unmittelbarer Nähe. Wie auch? Schliesslich titelte die Münchner Presse:
"Türken-Mafia schlug wieder zu".
 Auch die Polizei  und Staatsanwaltschaft tappte im Dunkeln und dann wurde es beinahe pervers: Sie befragten Geschäftspartner und Angehörige ob das Opfer "sexsüchtig war oder spielsüchtig".

Immerhin wurde mit den Gedenktafeln, die in allen Städten mit Opfern der NSU enthüllt wurden, späte Sühne getan.

*Anmerkung: Auch an einen Vorfall mit einem Döner erinnert sich die Zeugin. Sie habe Beate Zschäpe alias "Lisa" Döner-kauend getroffen und Lisa habe gesagt, das sei ihrem Freund nicht Recht. "Sie kam um die Ecke und hat Döner gemampft. Sie sagte, eigentlich darf ich nicht, aber ich hatte so einen Appetit. Ich hab' jetzt einen Döner geholt."

Sonntag, Januar 18

Ukraine Konflikt und Kalter Krieg mitten in München: Ein Grab polarisiert noch heute

Am 16. August 2014 ist der Fernsehjournalist Peter Scholl-Latour gestorben. Sein Grab befindet sich in Rhöndorf, auf demselben Friedhof wo auch der erste Kanzler der Bundesrepublik -Konrad Adenauer- begraben liegt. Den Friedhof habe ich 2011 bei einer Radlreise entlang der deutschen Flüsse besucht. Vom Friedhof aus hat man einen idyllischen Blick auf eine Rheinschleife. Warum er dort begraben werden wolle?, wurde Scholl-Latour gefragt: "Konzentriertes Abendland" antwortete der Journalist lapidar.
Quelle: http://www.intersciencefilm.de/archives/1832
Ich habe Scholl-Latour unheimlich gerne in Talkshows zugesehen. Seine lakonische Art, seine überraschenden historischen Einwände gepaart mit überragendem Wissen um den Nahen Osten und persönlichen Begegnungen. Immerhin hatte er als einer der wenigen Menschen alle Länder der Erde bereist ("bis auf ein paar kleine Atolle im Pazifik" so PSL). Überhaupt liebte ich seine oft völlig Mainstream-konträren Einschätzungen. Sie haben meine Meinung zum Nahen Osten und anderen Krisenherden der Welt nicht selten beeinflusst. Bis zuletzt war er mit über 90 Jahren noch journalistisch aktiv und hatte seine schwere Erkrankung erfolgreich verschleiert.

Scholl Latour verblüfft in der ARD zu Ukraine Konflikt  


So konnte man Ihn noch Mitte des Jahres bei Maischberger in einer ARD Talkshow sehen (oder bei Youtube). Es ging um den Ukraine Konflikt und die heterogenen Bevölkerungsgruppen der Ukraine. Scholl Latour mit herrlichen Bonmots. Chrustschow habe die Krim der Ukraine im Vodka-Rausch geschenkt, oder Scholl Latour hat noch Krim-Tataren in der Wehrmacht kämpfen gesehen. Nun dreht es sich um die Situation im europäischen Teil der Ukraine rund um die Stadt Lemberg (Lwiw).

Lemberg interessiert mich schon lange. Diese alte österreich-ungarische Stadt, die nach dem ersten Weltkrieg polnisch war, dann von der Wehrmacht besetzt und schliesslich sowjet-russisch wurde bevor es unter ukrainische Verwaltung kam. Gelegen im entsetzlich umkämpften Grenzgebiet der verschiedenen Einflussbereiche im zweiten Weltkrieg, geschüttelt von ethnischen Säuberungen und staatlich angeordneten Hungersnöten (Holodomor).

Peter Scholl-Latour ist bei Maischberger schon viel weiter und wie immer haben alle Mühe im zu folgen. Er spricht nun von den "alten Leuten, die noch in Lemberg leben und mit Bandera wacker gekämpft haben".

Bandera? Den Namen habe ich noch nie gehört und muss erst einmal recherchieren.

Kollaborateur oder Freiheitskämpfer?

Stephan Bandera war ein Partisan und Politiker, der vor allem die sowjetische Besatzung bekämpfte
und an eine unabhängige Westukraine dachte. Ebenso war er aber wohl auch mitverantwortlich an ethnischen Säuberungen an Juden und Kommunisten im Sinne der SS. Erst wurde er von den Polen verhaftet, dann von den Deutschen begnadigt. Bandera wurde wieder nach Lemberg verfrachtet um die Bevölkerung gegen die Russen zu mobilisieren.

Eine unabhängige Westukraine war den Deutschen dann aber doch wieder zuviel, er wurde in ein KZ gesperrt, dann wieder entlassen, und dann war es eh zu spät, weil die Rote Armee Lemberg überrannte. Ein bewegtes Leben in einer schrecklichen, schnellebigen Phase des Jahrhunderts.

War er nun Nazi, Nationalist, Separatistenführer oder einfach radikaler Politiker. Ich wage mir kein Urteil. Während er in der Ostukraine als Kollaborateur gilt, wird er im Westen des Landes als Widerstands- oder gar Freiheitskämpfer verehrt (wie von den Fans von Karparty Lwiw)


Genauere Details dieser Reizfigur könnt Ihr bei Wikipedia nachlesen. Bandera setzte sich schliesslich nach Österreich ab und wurde nach dem 2. Weltkrieg unter falschem Namen in München sesshaft. Hier glaubte er sich vor seinen russischen Verfolgern verstecken zu können.

Banderas Grab ist in München


Bei meiner Recherche kommt nun etwas erstaunliches zu Tage. Banderas Grab ist auf dem Waldfriedhof in München Grosshadern. Im letzten August wurde es von seinen Gegnern geschändet. Das fast 2m hohe Kreuz wurde umgestossen und in der Erde wurde herumgewühlt.

Quelle: http://www.fs-blog.de/index.php
Grabschändung hat -wie ich finde- immer etwas leicht perverses und ist eine sehr emotionale Art zu protestieren. Illegal ist es ohnehin. Verantwortlich waren wohl pro-russische Personen, die im Zuge der aktuellen Kämpfe in der Ukraine noch einmal auf Ihre Situation hinweisen wollen. Die Polizei hat bislang vergeblich ermittelt.  

Die ukrainischen Gemeinde in München regiert allerdings erschüttert. Bandera sein "zum zweiten mal umgebracht worden". Zum zweiten mal?

KGB schlägt 1959 in München zu


Bandera gelang es nach den Kriegswirren erfolgreich in München unterzutauchen. Dennoch können die Häscher des russischen KGBs in den 50er Jahren seinen Aufenthaltsort ermitteln. Am Eingang seines Wohhauses in der Kreittmayrstraße 7 in München-Schwabing wurde Bandera auf besonders grausame Art von KGB Agenten ermordet. Sie spritzten Ihm Zyankali ins Gesicht, woraufhin die Ärzte Ihn nicht mehr retten konnten. Das Ort des Attentats habe ich heute besucht und es war ein mulmiges Gefühl genau dort zu stehen, wo ein solcher Lebenslauf, der bis heute polarisiert, durch Agenten sein Ende fand. Eine unscheinbare Hofeinfahrt.



        

Sonntag, Dezember 7

Wanderer über dem Nebelmeer

Obwohl es einen goldigen Herbst in München gab mit später Biergartensaison, liegt die Landeshauptstadt Bayerns seit Wochen nun unter einer Nebelglocke.

Im letzten Winter habe ich es nicht verwirklicht - nun habe ich Besserung gelobt. Sollte es in München schlecht sein, prüfe ich das Ski, Wander und Bergwetter, um noch was vom Wochenende zu haben.

Gesagt getan bot sich mir erst letztes Wochenende nach ca. 45 Minuten Anfahrt und 2:07 Minuten Wanderung auf die Notkarspitze folgendes Bild:

Blick hinunter vom Vorgipfel der Norkarspitze (1900m). Unten links erkennt man auf dem Bild die letzte Almhütte des Klosteranwesends Ettal.

Während München und das Oberland noch im Nebel liegen, wird oberhalb von 1.300 Metern schon über die Entfernung des nächsten Kleidunggstücks nachgedacht.

Dazu noch ein Gipfelbier bei fast 15 Grad, Sonne und grandioser Aussicht, machten es zu einer speziellen Tour. Und das Anfang Dezember. Dem Klimawandel sei Dank ist der Dezember scheinbar der neue Wander-Oktober.

Irgendwie war es ein grandioser Moment über der Wolkendecke zu stehen. So dass ich mich zu einem Rückenportrait hinreissen liess, was einem Maler der deutschen Romantik zu aller Ehre gereicht hätte. Abends habe ich es dann aneinandergefügt.

Voila: Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" und Heiner Tappes "Rückenansicht über Farchant mit Instagram Filter".

Wanderer Über dem Nebelmeer
Das Bild von Caspar David Friedrich beeindruckt mich schon lange. Irgendwie beschäftigt es mich, welche Gefühlsregung der Herr im Gehrock hat. Gerade weil ich sein Gesicht nicht sehe.

Zudem mag ich die Stimmung und Tiefe im Bild. Caspar David Friedrich war eine Maler der in der Nähe von Dresden zuhause war. Zwar hat er auch den Watzmann gezeichnet, dennoch hielt ich den Hintergrund seines Gemäldes immer für ein Teil des Elbsandsteingebirges hinter Dresden.
  
Die Recherche um das Bild hat nun erstaunliches zu Tage gebracht. Friedrich hat für sein Bild verschiedene Berge des Sandsteingebirges zusammengesetzt. Die Bergekomposition gab es nur in seinem Kopf. Bei Wikipedia findet man Vermutungen welche Felsen Friedrich nachgezeichnet haben könnte. Unter Ihnen findet vor allem der hinten rechts im Bild befindliche Zirkelstein bei Bad Schandau meine Bewunderung.

Zirkelstein Bad Schandau

Immer wieder bin ich erstaunt, welche geologische Vielfalt Deutschland zu bieten hat und glaube kaum, dass es sowas in Deutschland gibt.

Aber das es in das Ölgemälde von 1818 noch soviel mehr hinein zu interpretieren gibt hätte auch ich nicht gedacht. Das Rückengemälde von Friedrich steht auch für die deutsche Seele, die von den romantischen Malern befeuert wurde.

So sieht es beispielsweise die Welt in bei einem Kommentar zur Deutschlandumfrage:

Wenn es ein Bild gibt, auf dem ein Künstler die deutsche Seele eingefangen hat, dann ist es wohl Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer".
Das berühmte Ölgemälde entstand im Jahre 1818 und zeigt eine bürgerlich gekleidete Figur in einer imaginären Landschaft des Elbsandsteingebirges. Ganz in Schwarz gewandet, steht sie mit dem Rücken zum Betrachter; stützt sich auf einen Gehstock, blickt ins Tal und sinnt vor sich hin. Unten, im Nebel, wabert die Welt.
Das Bild machte als Ikone der deutschen Romantik Karriere.
Und wenn ein Historiker in Harvard, Yale oder Oxford erklären möchte, was mit den Deutschen im Moment nicht stimmt, dann braucht er bloß Friedrichs Nebelwanderer mit einem Overhead-Projektor an die Leinwand des Hörsaals zu werfen........

Eine schöne Erklärung der deutschen Romantik bietet auch das ZDF derzeit in der Histotainment Reihe mit dem grossartigen australischen Historiker Christipher Clark.

Soviel habe ich mir bei meiner Rückenansicht über Farchant nicht gedacht. Aber ein Gefühl der Freiheit, der Liebe zur Natur und der Zufriedenheit mit dem Einfachen will ich nicht abstreiten.

Auf dem Rückweg fand der Nebel dann auch Einzug ins Ettal und zwar mit Hochdruck. Unser Auto stand schon wieder im Grau. 

Nebel Ettal

Donnerstag, September 4

Die "Big Five in München" - und was eine Kuh auf der Theresienwiese treibt

Die Abendzeitung ist mit einem spannenden Titel auf der Jagd nach Lesern.
         Die Big Five in München laut der Abendzeitung
Das ist wirklich spannend. Fast alle abgebildeten Spezies habe ich schon in München gesehen. Rehe sieht man zB beim Joggen im Schlosspark Nymphenburg. Erst kürzlich bin ich einem weiblichen Reh gefolgt, welches vor mir über einen schmalen Brückensteg gewechselt ist. Wahnsinn wie sicher und ruhig das Reh unterwegs war. Ob des wenigen Drucks durch Spaziergänger und Jäger (der Park ist nachts geschlossen, die Wälder dürfen nicht betreten werden), sind die Rehe recht zahm und lassen sich gut beobachten.
Füchse habe ich schon zweimal in der Nähe der S-Bahn Linien im Stadtgebiet gesehen. Hier gibt es ebenfalls wenig Besuch durch die Spezies Mensch und Sie scheinen clever genug der Bahn aus dem Weg zu gehen. Nachts machen Sie sicher auch den ein oder anderen Mülleimer leer. Viele Mülleimer  z.B. im E-Garten oder auf der Theresienwiese, haben wegen der Füchse und Krähen daher mittlerweile einen Wildschutz, damit die Müllentsorger nicht die herausgezogenen Reste erneut einsammeln müssen.

Und der Steinmarder, nun den sieht man wirklich in ganz München in den Morgenstunden umherschweifen. Ich vermute der braucht nur 3-4 Bäume und viele parkende Autos. Ein schlechtes Gewissen hatte ich, als ich einen Mietwagen zur späten Stunde vor der Station abstellen musste. Keine 20 m entfernt hatte sich schon ein Steinmarder unter das Auto verzogen. Laut der SZ ein Hauptgrund für Bissschäden sind Autos, die von anderen Marderrevieren in ein neues geparkt werden. 
gefällter Baum im Egarten? Biberspur?
Während ich höchstselbst noch keinen Dachs tot oder lebendig in München aufgespürt habe, bin ich aber der Bibersuche einmal nachgegangen. Der Nordteil des englischen Gartens ist viel wilder und ursprünglicher als der Südteil mit seinen lieblichen Hügeln, Häuseln und Biergärten. Hier oben weiden Schafherden, hier findet man uralte morsche Bäume und viel weniger Besucher. Es fliessen hier noch mehr Bäche durch die Parkflächen, die direkten Zugang zur Isar haben.
Bereits vor einigen Jahren sind Biber aus den Isarauen eingewandert, die die bayerische Schlösser und Parkverwaltung mächtig auf Trab halten.

Ich habe mich an den heissesten Stellen um das Tivoli Kraftwerk und im Nordwest-Teil hinter der Studentenstadt umgesehen, aber weder Biber noch gefällte Biberbäume finden können. Immerhin bin ich an ein paar Bibervorsichtsmassnahmen -mit Draht umwickelte Bäume- vorbeigekommen.

Big Six auf der Theresienwiese: Kuhattacke

Soweit so gut. In diesen Wochen mehren sich auch wieder die Berichte über die Gefahr, die von Kühen auf Wanderer ausgeht. Gerade wenn man mit einem Hund unterwegs ist, sollte man ein Kuh oder Rinderherde in den Alpen meiden. Leider ist so eine Kuh deutlich stärker als eines der Münchner Big Five. Und hat nun auch mitten in München zugeschlagen:

Aus dem Schlachthof in Untersendling ist eine Kuh am Dienstag in der früh von der Laderampe gesprungen und hatte keinen Lust aufs Schafott. Ob Sie so einen friedlicheren Tod gefunden hat bleibt fraglich.
Sie entschied sich nämlich über die Poccistrasse am Kreisverwaltungsreferat durch und über das Gelände einer Moschee zu einem Ausflug auf die Theresienwiesn. Leider ist die Landwirtschaftsausstellung nur alle Jahre einmal, also hatte Sie hier nichts verloren.

Im Gegenteil, durch die Verfolgungjagd war Sie mittlerweile völlig durchgedreht. Eine Joggerin wurde auf die Hörner genommen, die anderen flüchteten Panikartik. Es müssen sich abstruse Szenen abgespielt haben morgens um halb Sieben, weil die Kuh das Gelände, welches durch den Aufbau der Festzelte komplett gesperrt ist, gleich 2mal umrundete.

Irgendwann stellte die Polizeit die Kuh mit einem Streifenwagen und um weiteres Unheil zu vermeiden schossen die Polizisten mit Ihren Dienspistolen.
Die tote Kuh hinterm Schützenzelt ((c) Rehm/TZ München)
Weder haben die meisten Polizisten Ahnung wie man ein tier schonend erlegt, noch sind die Pistolen dafür geignet. Eine Pistole soll ja schliesslich einen Gegner auch eher kampunfähig machen, denn töten. Erst ein herbeigebrachtes G3 Gewehr konnte dann der erschöpften Kuh den Gnadenschuss antragen. Schauriges Szenen müssen das unterhalb der Bavaria gewesen sein.

Die Berichterstattung in den lokalen Boulevardzeitungen hat gewirkt. Bei einem Spaziergang am heutigen Donenrstag habe ich gesehen, dass erste Kuhfans Blumen niedergelegt haben. Wofür dabei ACAB steht, dass weiss ich auch nicht.


Leider hatte die Polizei auch wenig Sinn für Humor. Wie wäre denn der Gnadenschuss nicht hinterm Schützenzelt (dafür waren die Polizeischützen auch zu schlecht), sondern hinter der Ochsenbraterei gewesen? Kurze Wege, nachhaltiger Fleischgenuss!


Sonntag, Juni 29

....und das nimmt man doch gerne mit: 2 mal kostenlos in München....

Zwei sehr gegensätzliche, aber kostenlose, Veranstaltungen fanden am Samstag in München statt.
Hineingeraten bin ich am Viktualienmarkt in die Freisprechungszeremonie der Bierbrauer. Der neuer OB Dieter Reiter durfte wohl hier einer seiner schöneren Aufgaben nachkommen. Mit einem Mords Holzschwert (der Kerola?) nahm er das Freischlagen der Braugesellen/innen vor. Alles schön im Video dokumentiert:
Die Freischlagezeremonie habe ich gar nicht mehr mitbekommen, weil meine Konzentration auf den Ausschank des Bieres lag.

Konnte ich es doch erst gar nicht glauben, als ich an Holzfässern vorbeiflanierte an denen Münchener Bürger, Touristen und Brauereiangestellte fröhlich Bier  tranken. Eine Kasse oder irgendeine Zahlungsform konnte ich nicht erkennen. Bei Spaten Bier konnte ich noch widerstehen, beim Hacke Pschorr fiel es mir schon schwer und als das blaue Augustiner Zeichen und Holzfässer in Sicht kamen war es um mich geschehen.


Augustiner Freibier Viktualienmarkt
Auch ich ging an die Theke vor und entnahm ein exzellent schmeckendes und kostenloses Bier.
Kommentar einer Gruppe amerikanischer Touristen, die ob der ganzen Folklore und freigiebigkeit der Müncher Brauereien beeindruckt waren:

"This is beer-heaven!"
Ein kostenloses Event der anderen Art fand am Abend vor der Staatsoper statt. Bei der "Oper für alle" sponsort BMW die Übertragung einer Aufführung nach draussen auf den Max-Joseph Platz. Tolle Atmosphäre und alles kostenlos, leider aber auch ein bisl umsonst, denn um ca. 19 Uhr gin ein herzlicher Regenschauer runter, der so sicher einige Opernbesucher vertrieb.