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Mittwoch, August 8

Die seltsame Geschichte der Insel Sassau im Walchensee

Am Wochenende haben wir es endlich geschafft. Mit einer Biwakübernachtung ging es zum Angelcamp an den Walchensee. Der Walchensee ist ein See der Superlative, Mythen und Besonderheiten. Es ist der tiefste See Deutschlands mit 180 Metern. So tief dass sich unten immer noch unverändertes Wasser aus der Eiszeit befindet.

Er glänzt wunderbar blau und grün und bietet Sichtweiten unter Wasser von unfassbaren 8-20 Metern. Das Seewasser beinhaltet hier kaum organisches Material aus Landwirtschaft oder Totholz, sondern es wird nur Gestein (Kalziumkarbonat) aus den Bergen hinzugespült. Und das macht eben diese einmalige Farbe aus.

Vom Ufer des Sees hat man einen wunderbaren Blick ins Karwendel oder das direkt angrenzende Ester Gebirge. Die anliegenden Herzogstand und Heimgarten zählen zur ersten Güteklasse der Münchner Hausberge.

 


Walchensee Chaos am Wochenende


Motorboote und Elektroboote sind am Walchensee verboten. Durch den aufkommenden Wind, der immer pünktlich Mittags um 11:30 Uhr von Urfeld einsetzt, haben den See aber nicht nur Badende entdeckt, sondern auch Segler, Wind- und Kite Surfer. Dazukommen Massen an SUP Sportlern und Grillsportlern und Sonnenanbetern. Die Konsequenz ist leider ein Parkplatz-, Müll- und Menschenchaos an den Wochenenden.

Die vielen Besucher sind nicht nur der Schönheit des Sees sondern auch der wachsenden Metropolregion München geschuldet. Aber weiter gehts mit den Superlativen. Hier wurden schon in den 50er Jahren Hollywood Wikinger Filme gedreht. Die Filmerei fand Ihre Fortsetzung als Drehlocation für die "Wickie" Filme von Bully Herbig. Die Landschaft kann mit den Fjorden in Norwegen oder Island mithalten, liegt aber deutlich näher an den Filmstudios der Medien Metropole München.

Erstaunlicherweise liegen Wracks von Flugzeugen und Autos im See, die Faszination auf Taucher ausüben - und überhaupt zum Ende des Krieges wurde hier das Gold der Reichsbank aufbewahrt (und vielleicht auch versenkt?). Nicht zu vergessen, dass ich das Walchenseemonster schon fotografiert habe.

Ökologische Sensation Insel Sassau

 

Ausatmen. Kommen wir zu einer sensationellen Neuentdeckung. Der See beherbergt nämlich eine kleine Insel am Südostufer mit dem Namen Sassau.


Die Insel Sassau (2,9 ha) steht unter Naturschutz. Das Betreten der Insel ist ganzjährig verboten. Die Insel ist 367 m lang und im Westen bis 93 m breit (im Osten nur halb so breit). Sie erhebt sich bis zu 12 m über den Wasserspiegel.

Und am Wochenende haben wir Sie mit dem Ruderboot auf der Angeljagd nach der Walchenseerenke umrundet. In grossen Lettern steht auf einem Schild "Betreten verboten. Vogelbrutplatz und seltener Eibenbestand".


Zuhause habe ich mich ob diesen skurrilen Zusatzes "seltender Eibenbestand" ein wenig über die Insel informiert. 

  

Rückzugsort für die Kloster im Krieg


Für die Insel galt nicht immer das Betretverbot. Bis zur Säkularisierung gehörte der See und das Fischereirecht zum Kloster Schlehdorf und Benediktbeuern. Gerade in der Fastenzeit, dürfte man sicher erfreut gewesen sein über eine frische Ladung Saibling oder Renke, die im übrigen erst um 1500 vom Kloster in den See eingesetzt wurden. Bis Ende des 15. Jahrhunderts gab es im Walchensee nur Hechte, Forellen und Barsche.

Als im 30jährigen Krieg dann die Schweden in Süddeutschland Angst und Schrecken verbreiteten, kam den Klosteroberen die Insel auf dem See wieder in den Sinn. Sie wurde als Rückzugsort genutzt, befestigt und mit Abwehranlagen ausgestattet. So überlebten die Mönchen diese Zeit zum Teil auf der Insel. Gleiches gilt für den Spanischen Erbfolge Krieg ab 1700-1713. Wenn man mal über den Schmied von Kochel nachliest oder die Sendlinger Mordweihnacht, fällt einem wieder ein, dass es hier zu blutigen Kampfhandlungen im bayerischen Oberland kam.

Nahe dem südöstlichen Ufer der Insel befand sich sogar eine Kapelle. Über eine etwaige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der Klosterzeit ist nichts bekannt. Holzbringung und Besatz mit Weidetieren waren durch die isolierte Lage erschwert und auf Grund der geringen Flächengröße wenig lukrativ, können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

 

Die seltene Eibe findet auf Sassau einen Rückzugsort


Danach wurde es ruhiger um die Insel. Sie fiel mit der Säkulariaiserung 1806 in die Händer der bayerisch königlichen Forstverwaltung. Vom Festland abgetrennt konnte sich hier eine ungestörte Natur entwickeln. Eine Natur die noch so besteht wie rund um den Walchensee vor Jahrhunderten. Da weder Rotwild noch Rehwild die Insel auf natürlichem Wege betreten konnten, gab es hier keinen natürlichen Verbiss und die Natur konnte sich selbst erhalten und verjüngen.

Alte Urkunden bezeugen, dass auf der Insel bereits vor der Erfindung der Feuerwaffen Eiben wuchsen. Diese sollten vom Jäger gepflegt werden, da Ihr hartes Holz für den Bau von Armbrüsten benötigt wurde.
In der Neuzeit geriet dieser Baumbestand wohl in Vergessenheit, denn Eiben sind für Pferde giftig (Für Rehwild wiederum nicht) und wurde als natürlicher Bestand fast überall von den Forstbetrieben ausgerottet. Nur nicht auf der Sassau. Hier gibt es einen dichten Bestand an diesen einzigartigen Nadelbäumen.

Eine wissenschaftliche Arbeit der Goetheuniversität Frankfurt hat die Sassau mit dem benachbarten Wirtschaftswald am Festland verglichen. Sie kommen zum folgenden Schluss:


Die ungewöhnliche Rolle der Eibe im Naturschutzwald Sassau ist in erster Linie als Effekt der Insellage zu deuten. Zwar ist das Vorkommen von einzelnen Alteiben in den Nördlichen Kalkalpen, insbesondere rund um den Walchensee, keine Seltenheit, jedoch wird das Ankommen und Aufwachsen von Verjüngung durch Wildverbiss weitestgehend verhindert. Eiben erscheinen somit als Relikte einer wildärmeren Epoche, die nach der Säkularisation mit Einführung der Hofjagd, konsequenter Bekämpfung der Wilderei, Ausrottung der Großräuber und winterlicher Wildfütterung ihr Ende fand. Dadurch blieb nicht nur Eibenverjüngung aus, sondern es folgte eine großflächige Entmischung des Bergmischwaldes auf Kosten der Tanne, deren Anteil in jüngeren Beständen auf wenige Prozentpunkte zurückfiel Dem Wildverbiss entzogen, bewahrt die Insel Sassau eine von den verbissempfindlichen Schattbaumarten Tanne, Eibe und Buche dominierte Gesellschaft.


Die Insel wirkt dadurch von aussen richtig dicht und buschig. Einzelne Eiben sollen ein sagenumwobenes Alter von über 500 Jahren erreicht haben.
Ebenfalls durch die jahrhundertelange Ruhe hat sich eine Humusschicht von beinahe 1m gebildet, die in den Nutzwäldern um den See nur halb so stark ist. Als man es mit dem Betretungsverbot Mitte des 20ten Jahrhunderts noch nicht so ernst nahm, bekam die Insel den Beinamen "Liebesinsel". Es sollen Pärchen beobachtet worden sein, die zur Insel ruderten und sich ebenfalls dort zurückzogen. Die Gründe dürften allerdings andere als bei den Mönchen aus dem Kloster gewesen sein.

Heute dient die Insel vielen Vögeln als Rückzugsort oder Winter- bzw. Durchzugsquartier. Aufregung hat in letzer Zeit nur erzeugt, dass sich Mittelmeermöwen auf der Insel einquartiert haben. Vielleicht sehen Sie es ja so wie die Klosteroberen von 500 Jahren.

Keine Störung und umgeben von leckerem Saibling.  






Sonntag, August 3

Stand Up Paddler erobern die bayerischen Seen


Im Sommer locken die Bergseen im Münchner Süden immer für eine Abkühlung. Besonders schön finde ich die Bergseen direkt am Fuss der Berge, die ohne echte Zu oder Abflüsse auskommen, sondern vom Schmelzwasser der Berge gespeist werden. Seen, wie der Eibsee in Grainau oder der Walchensee bestechen durch Ihre grüne Farbe und faszinierende Klarheit. Taucht man unter fühlt man sich wie ein freischwebender Astronaut.

Stand-Up Paddling an den bayerischen Seen

Nun hat eine neue Wassersportart auch Oberbayern erreicht. Stand Up Paddler durchqueren die idyllische Berglandschaft mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Eigentlich will ich das auch gerne mal ausprobieren. Aber leider kosten die Surfboards um die 1.000 €, also doch besser mieten!

Während ich auf dem obigen Bild am Eibsee chille, trauen sich unten 2 Paddler die Schliersee Durchquerung zu. Fotographiert von der Besucherfähre, auf der ich vor zwei Wochen zu einer Hochzeitsgesellschaft aufgebrochen bin.

Montag, Juli 15

Münchner Hausberge: Tierischer Mythos an der Benewand

Endlich ist auch in München der Sommer vollends angekommen. Das heisst natürlich Biergarten, Sonnebrille, Isar und für mich in der letzten Zeit regelmäßig: Wandern.

Da ich eigentlich nicht jede Tour einzeln hier beschreiben möchte, picke ich einfach mal ein Schmankerl heraus. Die Münchener wandern ja nun schon seit über hundert Jahren. Nachdem das Wandern in den 90er Jahren noch als langweilig und uncool galt, haben die jüngere Generation und wohl auch die Sportindustrie einen hellen Moment gehabt und plötzlich wird wieder gewandert was das Zeug hält (und Geld dafür ausgegeben). Soeben habe ich gelesen, dass der Deutsche Alpenverein DAV sein 1.000.000tes Mitglied geehrt hat. Soviele Mitglieder wie noch nie. Sie werden jünger, sie werden weiblicher, unsere Wandersleute.

Lustigerweise haben sich die interessanten Berge rund um München natürlich in den letzten 100 Jahren nicht sehr verändert. Somit kann ich immer noch auf ein Buch zurückgreifen, welches Wanderungen auf die "Münchner Hausberge" beschreibt und schon über 30 Jahre alt ist. Um ein Münchner Hausberg zu werden, musst du mindestens 1600m hoch sein, am besten zum Startpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus München anreisbar sein, natürlich ein Gipfelkreuz besitzen und wenn möglich eine bewirtschaftete Hütte auf deiner Flanke haben.

Vor allem Berge rund um den Tegernsee, im Isartal, am Walchensee, im Estergebirge, den Ammergauer Alpen und im Chiemgau und dem Wetterstein erfüllen solche Kriterien. Unter den Hausbergern finden sich solch illustre Namen wie der Hirschberg, Wallberg, Heimgarten, Herzogstand, Kramer, Ettaler Mandl, Risserkogel, Rotwand, Wendelstein und -und nun kommen wir meiner Tour näher: die Benediktenwand.

Die Benediktenwand schafft es sogar mit Kosenamen angesprochen zu werden: Bezwinger und Bewunderer sprechen liebevoll von der "Benewand".

Die Benewand ist von München und dem Starnberger See der erste felsige Vorsprung der Alpen im Süden. Sie zieht sich in Ost West Richtung zwischen den Gräbern des Walchensee, des Loisachtals, der Isar und der Jachenau entlang. Der Name ist dem am Fusse des Berges gelegenem Kloster Benediktbeuern entnommen (- und wird dem ältesten Leser meines Blogs Bendikt G. sicherlich erfreuen).

Das Kloster ist nicht nur bekannt für seinen schönen Biergarten sondern gar weltberühmt in seiner lateinisierten Namensform. Kein geringerer als der der Komponist Carl Orff verarbeitete den Sensationsfund mittelalterlicher Mönchsgesänge aus dem Kloster zu dem welberühmten Chorstück "Carmina Burana" - was nichts anders als Lieder aus Benediktbeuren heisst (hier zum Beispiel im Animationsfilm 300 zu hören).

Aber zurück zur Benewand. Mit 1801m gehört sie nicht zu den höchsten Gipfeln der Alpen. Von der Jachenau ist Sie im strammen Marsch in 2 Stunden zu erreichen. Nur die letzten 300 Höhenmeter werden dabei zu einer mittleren Kraxelei. Beim Gipfelanstieg bin ich dann endlich auf das Mysterium gestoßen, weshalb der Berg schon lange auf meiner "must go" Liste steht.

Irgendwann Anfang der 60er Jahre soll sich ein mächtiger Steinbock (ja die Tiere, die man eigentlich nur aus der schweizer Tourismuswerbung kennt..) an den Fels der Benewand verirrt haben. Insgesamt gibt es in Deutschland nur an 3-4 Stellen Steinwildpopulationen, da die Tiere ruhige Hochgebirgslagen in den Südalpen präferieren. Der mächtige Steinbock an der Benewand war natürlich eine Sensation. Da die Benediktenwand, wie oben beschrieben recht isoliert liegt, war es für den armen Bock auch gar nicht so leicht den Münchner Hausberg wieder zu verlassen. Zum Glück erschreckte er keine Mountainbiker und frass keine Hühner und Hasen, so dass Ihm auch das Schicksal von Bruno Braunbär erspart blieb.

Ganz im Gegenteil: Mitte der 60er Jahre -der Steibock wurde immer mächtiger ob der fehlenden Nahrungskonkurrenz (die Hörner des Steinwildes wachsen ein Leben lang!)- entschied sich der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel (Vater vom Politiker Thomas Goppel) und der Verleger Franz Burda (Vater vom Verleger Hubert Burda) u.a. dazu dem einsamen Bock noch 4 weitere Stücke Steinwild aus der Schweiz hinzuzufügen. Eine Gedenktafel am Aufstieg erinnert an diesen heroischen Naturschutzakt.


Heute kann man das Steinwild bei guter Sicht an den Hängen der Nord und Südwand herumtollen sehen. Ein Steinbock kann immerhin bis zu 120 Kilo schwer werden gilt aber als äusserst graziler Kletterer. Leider hatte ich nicht das Glück einem Steinbock zu begegnen. Im Sommer halten Sie sich vermutlich eher auf der kühleren Nordseite auf. Den Steinböcken geht es hier so gut, dass alle paar Jahre die Kolonie wieder auf die maximale Anzahl von 80 Tieren durch Abschüsse reduziert werden muss.

Mit einem letzten Kraftakt ging es zum Gipfelkreuz, welches natürlich gut besucht war (es ist ja ein Münchner Hausberg). Hier habe ich mir eine westfälisch Brotzeit, bestehend aus Mettwurst, Brot und drei Schnaps gegönnt.


Somit konnten auf dem Weg nach unten wagemutige, schöne Bilder geschossen werden:
Bevor es durch die Jachenau nach dem Abstieg zum wunderbar blauen Walchensee ging. Der tiefste See Deutschlands glänzte mit kühlen Temperaturen, Badenixe und tollen Farben - ein Bad im See war ein Genuss.


Ebenso das Abendmahl im Kloster Benediktbeuern. Der Biergarten wurde von mir eindeutig unterschätzt. Wenn man nicht fahren muss macht es noch mehr Spass sich durch die Getränkekarte mit den süffigen Klosterbieren zu trinken.


Der Tag war ein echter bajuwarischer Klassiker. Benewand, ich muss aber leider nocheinmal wiederkommen, um die Nachkommen des mächtigen Steinbocks auch einmal aus der Nähe zu sehen.

 

Dienstag, Mai 29

Das Ungeheuer vom Walchensee!

Der Walchensee zählt zu meinen Lieblingsausflugsseen im bayerischen Oberland. Er ist ein klassischer Alpenseeund besticht mich immer wieder mit seiner grün schimmernden Oberfläche (auch wenn hier etwas nachgeholfen wurde).
Grünes Wasser Walchensee

Er ist wirklich fantastisch gelegen. Umrahmt wird er von vielen 2.000er Bergen, die wiederum zu den berühmten Münchner Hausbergen gehören. Münchner Wandersfreunden sin "Heimgarten" und "Herzogstand" seit früher Kindheit ein Begriff. Ich habe den Walchensee mittlerweile auch als Badesee im Sommer schätzen gelernt. Als tiefster deutscher See (190m) ist er selbst im Hochsommer erfrischender als jeglicher Baggersee.

Viele kuriose Geschichten hat er ob seiner Tiefe und spektakulären Lage auch zu bieten. So wurden hier nicht nur der Wikingerfilm von Bullie Herbig -Wickie- gedreht; nein bereits in den fünfziger Jahren dreht Hollywood hier Wikingerfilme mit Christopher Lee und Kirk Douglas gedreht.

Auch Schatzsucher werden hier fündig. Ein Teil der Goldreserven der Reichsbank wurde in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs in der Nähe des Sees aufbewahrt. Da immer noch haufenweise Goldbarren verschollen sind, glaubt so mancher Schatzsucher einen Niebelungenschatz im Walchensee.

Fündig werden Taucher aber nich beim Gold, sondern bei Flugzeugwracks. Neben einer Messerschmitt liegt im See auch noch das Wrack eines englischen Bombers. Sie werden gerne von Hobbytauchern aufgesucht. Keiner weiss wie die Flugzeuge in den See kamen.

Walchenseemonster entdeckt


Bei meinem Besuch am vorletzten Sonntag bin ich dem Walchenseemonster auf die Spur gekommen. Nun ja, eine echte Schlange sieht man in Deutschland auch nicht jeden Tag. Vom Geschrei einiger Kinder angelockt ging ich zur felsigen Uferböschung am Südwestufer. Entlang der Felsen im wasser schlängelte sich soeben einw ahres Prachtexemplar. Eine sicherlich deutlich über ein Meter lange Würgeschlange, die noch nicht lange aus der Winterstarre erwacht war. Auf der Suche nach Eidechsen und Entenküken schwamm Sie entlang des Ufers. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei um eine Ringelnatter, und damit eine der harmlosen, aber seltenen deutschen Würgeschlangen. Keine Gefahr also, aber auch nur ein schneller Schnappschuss.
 
Schlange Walchensee

Da ging es mir besser als meinem verehrten Tierfilmer Andreas Kieling. Den hat bei einer Wanderung im Berchtesgadener Land eine Kreuzotter erwischt (sicherlich nicht ganz zufällig, wie ich Herrn Kieling kenne). Gute Besserung auf diesem Wege!


Montag, August 22

Auf in die Berge - nicht zu Fuss

Schachenschloss von oben
Author vor Neuschwanstein
Das Schachenschloss ist eines der Schlösser vom "crazy king" Ludwig II und liegt auf 1866m. Auch wenn das bescheidenste von allen Schlössern (man denke nur an Neuschwanstein oder Linderhof) fehlt es an zwei Dingen nicht, die dem König wichtig waren: 


Zum einen ist es vielleicht klein, aber dafür spektakulär gelegen. Zur linken winden sich Zugspitze und Alpspitze in den Himmel, nach vorne reicht der Blick über Garmisch bis zum Starnberger See. Und hinter dem Schachenschloss ragt die gewaltige Felswände des Wettersteinmassivs hervor. 


Zum anderen ist es innen typisch ludwigverrückt eingerichtet. Ludwig II liess sich nämlich ein orientalisches/türkisches Zimmer einbauen. Dort soll er gerne seinem Hobby, dem Pfeife rauchen, nachgekommen sein. Was da wohl alles für Kräuterchen durchgequalmt wurden? Vielleicht existiert auch deshalb unterhalb des Schlosses ein alpiner botanischer Garten. So konnte Ludwig -der sich gerne aus der realen Welt zurückzog- dort oben ganz authark leben und rauchen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude für die Versorgung des Königs sind heute in eine herzhafte Berghütte umgewandelt worden, bekannt für Kaiserschmarrn und Schachennudeln. Was hat mich auf diese Höhe getrieben? Eine wunderbare Mountainbike-Tour. Und das am wärmsten Tag des Jahres!


Mountainbike Schachenschloss

Der Schotterweg, der in Mittenwald beginnt windet sich zunächst an 2 alpinen Badeseen vorbei, die man aber seufzend hinter sich lässt. Bald hat man auch schon die erste richtige Rampe erreicht (merke: Rampe hilft gegen Wampe!), und ab nun geht es auf und ab über Stock, Stein, Pfütze und Morast bis man plötzlich nach 2 Stunden ausgesetzt am Berg entlang rollt und davon noch eine halbe Stunde wunderbar auf einem Höhenweg. Bei den Temperaturen hiess das natürlich zusätzlich 3 Liter Wasser auf dem Rücken, 3 x eincremen mit Kindersonnenschutz, und einige (alkoholfreie) Weissbier am Gipfel.

Der Falke vom Schachenschloss mit über 60 km/h downhill


Alkoholisiert würde ich auch nicht die Downhill-Strecke antreten. Was hoch noch über 2 Stunden dauert hat man bergab in 30 mins geschafft. Mit bis zu 65,20 km/h habe ich mich ins Tal gestürzt. Danach brennen die Finger vom Bremsen und man schüttet gut Adrenalin aus. Ob es nun die gefährlichen Fels und Schotterstellen sind, oder entgegenkommende Wanderer -beides strahlt Gefahr aus. 


So gut durchgeölt und mit Schlamm bespritzt gibt es nur eines. Auf zum Walchensee. Deutschlands tiefster See läd mit seiner grün-blauen Färbung nur so zu einem Sprung ins Nass ein. Danach noch ein wenig Grillen (ich habe den Wurstburger neu erfunden!). Also das ist echt wie Urlaub. Nur das der Montag doch immer wieder kommt.
Grillen Walchensee


  

Sonntag, Januar 18

Schneewandern

Gestern abend, ein paar Tegernseer und ein Gustl waren schon getrunken, sagt mein Kumpel Simon plötzlich: was haltet Ihr davon wenn wir morgen Schneewandern gehen?

Mittlerweile sind wir im Zuge unserer Glockenbachtour vom "Cafe King" in den "Flaschenöffner" gewechselt und bei dem Gedanken an sehr frühes Aufstehen und gewaltige Anstrengung bin ich noch nicht wirklich begeistert.
Zudem kann man doch wohl nur zwischen Mai und Oktober wandern, oder?


Simon, der alte Grattler, hatte aber natürlich schon alles vorbereitet und sogar einen Tourenvorschlag ausgedruckt. Also musste nur noch verteilt werden, wer die Eier kocht, wer holt Semmeln, wer hat noch 3 Gustls im Kühlschrank und wer mich per Anruf um 7:30 Uhr weckt.

Früh geht es an meinen so geliebten Walchensee, Deutschlands tiefstem See, nur 45 mins im Süden von München. Von dem kleinen Örtchen "Einsiedl" am Ende des herrlichen Sees wollen wir 1.000 Höhenmeter bewältigen und den Simetsberg bezwingen.

Richtig, es herrscht Winter in Bavaria. Während am Parkplatz nur wenige cm Schnee liegen, sind es am Gipfel auf 1.880 m bis zu 50 cm. Der erste Teil führt zum Glück über einen gut begehbaren Wirtschaftsweg und wir kommen gut voran. Irgendwann geht der Wanderweg aber rechts ab, der Schnee ist zwar noch fest, aber 2 Schneeschuhwanderer nehmen uns trotzdem gut Meter ab. Zeit für eine erste Pause mit Thermoskannentee und ner Brezn.

Der nächste Teil der Strecke bis zu einer Schutzhütte 200 Höhenmeter unter dem Gipfel führt nämlich wie eine Waldabfahrt (als das wird sie wohl auch vermehrt genutzt) steil durch den Wald den Berg hinauf. Wir sind ganz schön am Prusten, ein Fehltritt und man liegt direkt wieder 20 m tiefer.
Ab der Hütte öffnet sich dann die Landschaft. Die Bäume verschwinden und wir stapfen als Dreiergruppe im alpinen Stil über Schneewachten und Traversen quer zum Gipfelkreuz. Von dort haben wir Blick zum Starnbergersee und Ammersee, vor uns liegt Deutschlands höchster Gipfel im Wetterstein, und unter uns schimmert bläulich der Walchensee. Traumhaft.

Auf dem Abstieg erkenne ich nach wenigen Metern, dass ich mit meiner Skihose, auf dem Hintern sitzend viel schneller vorankomme. Stefan und Simon haben leider nur Jeans an und müssen mit Plastiktüten vorlieb nehmen.

In rasender Fahrt erreichen wir wieder die Hütte wo wir uns eine Brotzeit gönnen.
Mit Eiern, Schninken, Salami, Semmeln, Käse, Karotten, Tomaten, Paprika, Tee und 2 Augustinern lassen wir es uns schmecken.
Nach weiteren Rutschfahrten und strammer Wanderung sind wir in Rekordzeit an unserem Auto in Einsiedl und schon um 16:30 Uhr wieder in Minga.



A Draaaum. Morgen geht es wieder schaffen bei Siemens. Schön war die Zeit.