Die "Vorsicht Dachlawinen" Schilder werden wegen des herannahenden Frühlings in München leider bald reingeholt. Ich mag Sie aus zweierlei Gründen.
Der Name ist genial. Obwohl es sich nur um herabfallenden Schnee handelt, denke ich an Lawinenpieps und den Schneesportkracher "the Art of flight"vom großen Zuckerwasserhersteller RB.
Übrigens fällt mir der Name eigentlich nur südlich des Mains auf. Oder gibt es im pedantischen Preussen auch Dachlawinen?
Zweitens ist die individuelle Ausgestaltung der Warnschilder schön. Jeder Hausbesitzer warnt auf andere Art und weise vor den Dachlawinen. Leider mit ernstem Hintergrund, tut er es nicht kann er für entstehende Schäden haften.
Hier könnt Ihr den Trailer vom RedBull Movie sehen:
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Montag, März 18
Donnerstag, Juli 19
Denglish in München und deutsche Sprache schwere Sprache
Münchens PPP Viertel ist um eine Institution reicher geworden. PPP ist dem schmutzigen Teil des Internets entlehnt. Es steht für Porn, Poker und Pills und bezeichnet für mich das Viertel rund um den Hauptbahnhof, wo München noch ein wenig internationaler aber auch dreckiger, verruchter, schlichtweg ehrlicher ist als in den geleckten Edelvierteln. Hier habe ich neben dem Matthäser Kino eine neue Spielhölle entdeckt: das Las Vegas City!
Untertitel: The Greatest Gambling Hall in Europe. Frei übersetzt also die großartigste Spielhölle in Europa. Bestimmt lockt der Titel aber des Englischen oder der Anglizismen nicht ganz mächtigen Deutsche an. Für die lautet es vielleicht frei übersetzt: die größte Spielhalle Europas! Und Spieler kommen in Scharen.
Eigentlich kann es aber auch nur die gößte Spielhalle heißen. Denn in der Wertung der großartigsten Spielhallen Europas dürfte ein Laden aus Gelsenkirchen Hassel an der Polsumer Straße ganz vorne liegen: Zocky`s Play. Für mich der Inbegriff einer Spielhalle im Ruhrgebiet. Inklusive einem Idiotenapostroph im Firmennamen. Wunderbar!
Aber auch hier in München glänzen einige Firmen nicht gerade mit Ihrer Rechtschreibekompetenz. Die Firma Akta macht also in Diensleistungen. In was? Ja genau Diensleistungen.
Untertitel: The Greatest Gambling Hall in Europe. Frei übersetzt also die großartigste Spielhölle in Europa. Bestimmt lockt der Titel aber des Englischen oder der Anglizismen nicht ganz mächtigen Deutsche an. Für die lautet es vielleicht frei übersetzt: die größte Spielhalle Europas! Und Spieler kommen in Scharen.
Eigentlich kann es aber auch nur die gößte Spielhalle heißen. Denn in der Wertung der großartigsten Spielhallen Europas dürfte ein Laden aus Gelsenkirchen Hassel an der Polsumer Straße ganz vorne liegen: Zocky`s Play. Für mich der Inbegriff einer Spielhalle im Ruhrgebiet. Inklusive einem Idiotenapostroph im Firmennamen. Wunderbar!
Aber auch hier in München glänzen einige Firmen nicht gerade mit Ihrer Rechtschreibekompetenz. Die Firma Akta macht also in Diensleistungen. In was? Ja genau Diensleistungen.
Samstag, September 24
Eindrücke vom Hang der tausend Ströme
Der Trubel rund um das Oktoberfest hat mein Stadtviertel fest im Griff. Am späten Nachmittag ergibt das in den Strassenzügen eine bunte Mischung. Betrunkene Menschen in Tracht stolpern umher und verzweifelte Italiener suchen Ihr Auto. Die Pizzabäcker haben gut zu tun, ebenso die Discounter und Taxifahrer. Beim Aldi stehen erschöpfte Wiesnbesucher Schlange um sich mit nicht alkoholischen Getränken zu versorgen.
Dazwischen wuseln nüchterne Westend-Bewohner und gehen ihrem Alltag nach. Junge Mütter bugsieren Ihren Nachwuchs im Kinderwagen durch die Horden Betrunkener. Die türkischen Gemüsehändler können leider keinen Vorteil aus den vielen Betrunkenen ziehen. Ich glaube, sie staunen eher über das kulturell wertvolle bayerische Besäufnis.
Das Westend grenzt nun einmal direkt an den Ort des täglichen Bierkampfes von hunderttausenden. Von vielen Straßenzügen kann man sogar Fahrgeschäfte des Wiesnrummels sehen. Manchmal sogar die Schreie der Mutigen hören, die sich den Free Fall Tower hinunterstürzen. Die Einsatzsirenen der Notarztwagen gehören in diesen Wochen zum Alltag.
Bei mir überwiegt die Freude so nahe am Ort des Geschehens zu wohnen. Schliesslich kommen Leute aus aller Welt freiwillig nach München. Zum Beispiel gar nicht wenige Australier, die das Oktoberfest Package über festivaltravel.com buchen und nur zum Feiern für 4 Tage nach Europa kommen. Zudem freue ich mich immer über Besuch aus meiner westfälischen Heimat.
Viele schaffen es meist nur einmal im Jahr -natürlich während des Oktoberfestes- mich zu besuchen. Ebenso verhält es sich mit den Anfragen bezüglich Couchsurfing. Verhältnis von Anfragen vor und während der Wiesn zu Anfragen im Restjahr: Ungefähr 50 zu 1.
Während mein Besuch sich in der Regel beim Thema Alkoholkonsum im Griff hat, bin ich mir bei den festivaltravel - Reisenden aus Übersee nicht so sicher. Die meisten Oktoberfestbesucher fallen irgendwann betrunken aus den Zelten. Und dann scheint eine unsichtbare Kraft den Meisten dieser angeschlagenen Trinker den gleiche Weg zu weisen. Es geht zum Hang der tausend Ströme!
Der Hang der tausend Ströme ist der Grünhügel im ersten Viertel der Theresienwiese. Vor allem Besucher des Hacker- und Hofbräuzeltes schlafen hier Ihren Rausch aus. Alle Körperteile von sich gestreckt, liegen Sie oft stundenlang regungslos da. Wenn das Schlafen das einzige wäre. Leider verlieren die Wiesenkämpfer hier auch sämtliche Körperflüssigkeiten. Vor allem natürlich Ihr teuer erkauftes Bier durch natürliche Verdauung, aber auch andersherum.
Schon nach einem Tag sieht der Hügel nicht mehr grün aus, sondern nimmt eine bräunliche Farbe an. Viele nennen Ihn daher auch Kotzhügel oder Promillehügel. Zwischen den Schlafenden bessern Flaschensammler Ihre Pfandgeld auf. Dazu wuseln immerzu Sanitäter und die Polizei umher.
Die Polizei hat gut zu tun. Für Taschendiebe sind wehrlose, schlafende Trinker ein einfaches Opfer. Zudem muss die Sittenpolizei immer mal wieder eingreifen wenn es Pärchen -die sich meist erst seit wenigen Stunden kennen- es zu weit treiben. Allzu oft bleibt es nämlich nicht bei zärtlichen Küssen, sondern die Pärchen wollen mehr. Wenn Sie noch können. Daher hat der Kotzhügel noch weitere Namen. Ein Kollege nennt Ihn aus diesen Gründen, den "Surprise Sex Hügel". Direkter gesprochen hört man auch von "Vögelwiese" oder "Vögelwall".
Ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Schliesslich machen die Menschen seit der Erfindung des Bieres bestimmt komische Sachen nach einigen Litern desselben. Nur sah das dann früher ganz anständig etwa so aus. Der Bayer mit dem Hut auf dem Kopf gönnt sich mal eine Auszeit.
Heute sieht das mehrheitlich so aus. Italiener mit Kaputzenpulli und Jeans liegt eingenässt in eignem Erbrochenen und röchelt.
Brueghel hat es 1567 gemalt und es soll zwar das Paradies darstellen, aber eben auch auf zwei der sieben Totsünden hinweisen. Trägheit und Faulheit. Die Bildbeschreibung gleicht fast 1 zu 1 dem Treiben um die Bierzelte:
Am Boden liegen drei dicke, vollgefressene Männer herum. Sie schlafen und träumen. Einer ist gekleidet wie ein Ritter, der andere wie ein Bauer und der dritte schaut aus wie ein Kaufmann.
Auf dem Kotzhügel findet man auch überwiegend Männer. Alle Nationalitäten und Berufe sind vertreten. Einige sehen aus wie BWLer.
Sie sind so vollgefressen, dass sie die Umgebung nicht mehr wahr nehmen.
Ohne Kommentar.
Um ins Schlaraffenland zu gelangen, muss sich ein Anwärter erst einmal durch einen Brei- oder Teigberg fressen.
Beim Oktoberfest reicht es sich mit Bier zu betrinken.
Bei allem Überfluss strahlt Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ jedoch keinen Optimismus aus. Die Bewohner wirken in ihrem Phlegma beinahe wie Leichen, ihre Körper haben gesunde Proportionen verlassen, die Kleidung reißt und wird mit wenig würdevoll anmutenden Behelfsmitteln zusammengehalten. Es findet keine Kommunikation statt, Lanze, Dreschflegel und Buch liegen nutzlos herum. Faulheit ist dort eine Tugend und Fleiß eine Sünde. Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ zeigt eine Welt, in der alles Leben zum Stillstand gekommen ist.
Das Oktoberfest soll ja ein fröhliches Fest bleiben. Aber wie die Bierleichen hinter den Zelten liegen, dass ist schon ein wenig nicht-würdevoll. Es macht mich etwas nachdenklich. Kann es alles sein, sich so zu betrinken, dass man am Hang hinter den Zelten vegetiert...Sind diese Menschen glücklich und zufrieden? Auf den Oktoberfestkonsum will ich aber nicht verzichten. Nur sollte er heuer etwas ausgewählter stattfinden. Bei gutem Bier, netten Gesprächen und einem warmen Bett zum Schlafen.
Auch die Schlafenden hätten eine Alternative, würden Sie sich nur auskennen. Nur eine Gehminute weiter beginnt der idyllische ruhige und immernoch grüne Bavariapark. Hierhin zieht sich der ortserfahrene Münchner zum Schlummerchen zurück.
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Mittwoch, Juli 20
Machs mit
Vielleicht vom erfolgreichen McDonald`s Franchise abgekupfert, erfährt das Apostroph bei Ladenlokalen in München eine wahre Renaissance.

Eigentlich wollte ich nun ordentlich über die fehlerhafte Apostrophsetzung - auch Apostrophitis oder Idiotenapostroph genannt- herziehen. Schliesslich wird doch der Genitiv nur im Englischen ("david`s car"), nicht aber im deutschen Genitiv gesetzt. Gel? Das dachte ich.
Ein Blick in den Duden verrät mir, dass ich wohl nur bis 2006 recht hatte. Nämlich bis es "Willi`s Würstchenbude" in den Duden schaffte. Nun muss ich mich leider in die Tiefen der
Rechtschreiberegeln begeben.
Der Duden sagt klipp und klar:
"Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen."
1. Ausnahme: "Andrea's Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)"
(...leuchtet mir ein....)
2. Ausnahme: "Willi's Würstchenbude"
Das leuchtet mir gar nicht ein. Gibt es eine weibliche Form von Willi?
Ich halte die Regel eher für ein Einknicken vor dem englischen Apostroph. Oder die nachträgliche Genehmigung der massenhaften Verwendung des Apostrophs im Gastrogewerbe durch die Rechtschreibehüter. Verheimlichen will ich nicht, dass es im Münchner Gastrogewerbe auch (wenige) löbliche Ausnahmen gibt:
Durch die Ausnahme in Form von Willi`s Würstchenbude wird mir nun das Auffinden von "Deppen Apostrophs" in München deutlich erschwert.
Beliebt ist aber zum Glück immer noch das Setzen von "Apostroph`s" im Plural. Man google nur mal nach "Link`s" oder "Auto`s". Mein Traum wäre mal die Entdeckung von Worten mit falscher Pluralbildung und Apostroph, wie "Lexica`s" oder "Scampi`s". Gleich ein Haufen Rechtschreibfehler! Google gibt für die "Scampi`s" immerhin noch 1420 Suchergebnisse auf deutsch raus.
Ein richtiges Deppenapostroph habe ich aber schon entdeckt. Nicht in München, sondern im beschaulichen Werratal. Auf der thüringischen Seite nur knapp vor der Grenze zu Hessen liegt das Städtchen Treffurt. Die einzige passable Kneipe zum Durstlöschen nach einem Wandertag war das.......:
Dienstag, Mai 3
Ein Maibaum mit Tradition
Daheim macht man es sich mit der Tradition am 1. Mai einfach. Ein Bollerwagen wird grün geschmückt,mit kühlen Getränken gefüllt und so wandert man einmal um den See. In München gibt es solch eine Tradition nicht. Dafür wird in vielen Gemeinden ein Volksfest zur Errichtung des Maibaums veranstaltet.
Die Maibäume in München sind blau - weiss angestrichen. Eigentlich dachte ich alle Maibaäume in Deutschland wären blau und weiss. Dachte ich. Ein Blick auf die Homepage der Stadt München hilft weiter:
"Ein richtig geschnürter (bemalter) Baum hat hier in München die Spirale von unten links nach oben rechts gedreht. Als Vorlage dient dabei die bayerisch Raute, die unseren weiss-blauen Himmel darstellt."
In diesem Jahr hatte ich das Glück beim Aufstellen eines Maibaumes dabei sein zu dürfen. Der Grosshaderner Maibaum misst 30, 1 m. Als einer der wenigen Maibäume Münchens wird er nach der Segnung noch von Hand aufgestellt. Seit es in den 80ern in München zu einem tödlichen Unfall beim Aufstellen per Hand kam, ist eigentlich nur noch das Aufstellen mit Kran erlaubt. Die clveren Haderner aber stellen ihren Baum nicht auf öffentlichen Grund, sondern auf das Kirchengrundstück. Somit dürfen die mutigen Haderner Burschen weiter munter an den sogenannten "Schwalben" den Maibaum hochdrücken.
Der Maibaum in Grosshadern wurde schon im Dezember geschlagen. Bis zum Mai lagert er dann zum Trocknen und zur Bemalung im Dorf. Dabei ist Vorsicht geboten. Das grosse Ziel der Burschen in umliegenden Gemeinden ist der Diebstahl des Maibaumes. Wie mir berichtet wurde hatten die Burschen in Unterpfaffenhofen erklärt heuer den 60ten Maibaum ihrer Geschichte zu stehlen. Daher wird der Maibaum besonders in der "Freinacht" auf den 1. Mai streng bewacht.
Nun dürfen sich 30,1 Meter stolz in die Luft recken. Bis der TÜV Südbayern bei der jährlichen Prüfung der Maibäume bestimmt, dass ein neuer Baum aufgestellt werden muss. In München darf aus versicherungsrechtlichen Gründen ein Maibaum generell maximal nur fünf Jahre stehen.
Freitag, Dezember 17
St. Max und Sichtverschmutzung
Welch ein schöner Anblick. Die Isarauen sind verschneit, die Ufer klirren vom Frost. Die rote Abendsonne zieht sich wieder langsam hinter die Alpen zurück, und davor thront der neuromanische Chor der Kirche St. Maximilian.
Mich hat die St. Maximilian Kirche immer ein wenig an englische Kirchen wie Westminster Abbey oder die Kathedrale von Lincoln erinnert. Erinnerung trügt bekanntlich, die Münchner haben St. Maximilian früher "Notre Dame an der Isar" genannt. Von vielen Punkten an der Isar ist auf jeden Fall der Sakralbau gut sichtbar.
Die Kirche von innen gesehen habe ich noch nicht, doch liest man immer mal wieder vom unorthodoxen Pfarrer der Gemeinde. Pfarrer Rainer Maria Schießler steht ab und an im Brennpunkt der Medien. Mitten im alternativen Glockenbachviertel gelegen, sind bei Ihm z.B. auch schwule und lesbische Firmhelfer aktiv, er trägt ein Tatoo und hat während der Fussball - WM als Volontär gearbeitet.
Alles noch kein Problem, doch seitdem er bereits seit mehreren Jahre hintereinander als Bier-Bedienung im Schottenhamel Festzelt auf der Wiesn arbeitet -16 Tage, 10-11 Stunden täglich und morgens vorher noch eine Messe- rümpfen seine Kirchenvorgesetzten angeblich mit der Nase.
Das Bistum München Freising soll dem 47jährigen schon mitgeteilt haben, dass er als Wiesn Bedienung
keine Karriere mehr in der Kirche erwarten könne. Pfarrer Schießlers antwortet lapidar, das habe er auch nicht vor.
Sein Wiesn Einkommen hält er in Tradition der Bedienungen auf dem Oktoberfest natürlich geheim. Dass er aber alles für ein Aids Projekt in Afrika spendet gibt er offen zu.
Zurück zur sonnig abendlichen München Bild. Das Bild zeigt nur die halbe Wahrheit. Der ganze Ausschnitt zeigt nämlich auch das Heizkraftwerk Süd an der Isartalstraße.
Wie man sich in München entschliessen konnte mit einem solch hässlichen Energieklotz die Aussicht zu verschandeln wird mir für immer verschlossen bleiben.
Immerhin fühle ich mich an meine Heimat in Ruhrgebietsnähe erinnert. Aber darauf könnte ich verzichten und vielleicht sogar auf ein paar Grad Temperatur im Winter.
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