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Dienstag, Februar 23

Was es mit den roten Kabeln im Münchener Westen auf sich hat

Rote Kabel Schwanthaler Höhe
Sie hängen lose von den Dachrinnen, Sie führen offen an den Gehwegen entlang, Sie liegen in Bündeln an den Strassenkreuzungen: Rote Kabel machen mich in der Schwanthaler Höhe seit Wochen stutzig. Geht es hier um Datenklau im großen Stil? oder wird hier etwa Strom abgezapft? NSA in München?

Rote Kabel Bündel Schwanthaler Höhe München

Rote Kabel übertragen Daten


Nach einigem Suchen habe ich tatsächlich eines der wenigen Infoposter gefunden. Die Stadtwerke München führt derzeit seismische Messungen durch. Seismische Messungen in München? Leben wir hier etwa auf einem Pulverfass von Erdbebengebiet? München in einer Reihe mit Tokio, San Francisco oder Neapel?

Nein so schlimm ist es dann doch nicht. Die seismischen Messungen sind scheinbar die Grundlage für spätere Bohrungen zur Anzapfung von Geothermie. Durch die Messungen soll ein detailliertes Bild der geologischen Beschaffenheit des Untergrundes erstellt werden.

 

Vibro Fahrzeuge erzeugen seismische Wellen


Damit die Kabel auch wirklich Messungen übertragen bedarf es der Vibration des Bodens durch spezielle Vibrations-Fahrzeuge (liebevoll von der SWM Vibro Fahrzeuge genannt). Und diesen Fahrzeugen möchte ich im Gegenverkehr lieber nicht begegnen:

Vibro Fahrzeuge München Geothermie Seismik
Quelle: geothermie-traunstein.de
Die SWM wollen München zur ersten deutschen Grossstadt machen, in der die Fernwärme zu 100% aus erneuerbaren Energien (Geothermie) kommt. Dabei ist der Münchner Süden scheinbar besser geeignet als der Norden. Das liegt daran, das die Kalksteinschicht zu den Alpen im Süden abfällt und das Wasser daher tiefer und somit mit höherer Temperatur vorhanden ist. Alle weiteren Details erfährt man auch im schönen Geothermie Video auf dem Youtube Kanal der Münchner Stadtwerke:



Bis März 2016 sollen die Seismik Messungen aber abgeschlossen werden und die roten Kabel dürften auch in der schwanthaler Höhe abmontiert sein.

Donnerstag, September 4

Die "Big Five in München" - und was eine Kuh auf der Theresienwiese treibt

Die Abendzeitung ist mit einem spannenden Titel auf der Jagd nach Lesern.
         Die Big Five in München laut der Abendzeitung
Das ist wirklich spannend. Fast alle abgebildeten Spezies habe ich schon in München gesehen. Rehe sieht man zB beim Joggen im Schlosspark Nymphenburg. Erst kürzlich bin ich einem weiblichen Reh gefolgt, welches vor mir über einen schmalen Brückensteg gewechselt ist. Wahnsinn wie sicher und ruhig das Reh unterwegs war. Ob des wenigen Drucks durch Spaziergänger und Jäger (der Park ist nachts geschlossen, die Wälder dürfen nicht betreten werden), sind die Rehe recht zahm und lassen sich gut beobachten.
Füchse habe ich schon zweimal in der Nähe der S-Bahn Linien im Stadtgebiet gesehen. Hier gibt es ebenfalls wenig Besuch durch die Spezies Mensch und Sie scheinen clever genug der Bahn aus dem Weg zu gehen. Nachts machen Sie sicher auch den ein oder anderen Mülleimer leer. Viele Mülleimer  z.B. im E-Garten oder auf der Theresienwiese, haben wegen der Füchse und Krähen daher mittlerweile einen Wildschutz, damit die Müllentsorger nicht die herausgezogenen Reste erneut einsammeln müssen.

Und der Steinmarder, nun den sieht man wirklich in ganz München in den Morgenstunden umherschweifen. Ich vermute der braucht nur 3-4 Bäume und viele parkende Autos. Ein schlechtes Gewissen hatte ich, als ich einen Mietwagen zur späten Stunde vor der Station abstellen musste. Keine 20 m entfernt hatte sich schon ein Steinmarder unter das Auto verzogen. Laut der SZ ein Hauptgrund für Bissschäden sind Autos, die von anderen Marderrevieren in ein neues geparkt werden. 
gefällter Baum im Egarten? Biberspur?
Während ich höchstselbst noch keinen Dachs tot oder lebendig in München aufgespürt habe, bin ich aber der Bibersuche einmal nachgegangen. Der Nordteil des englischen Gartens ist viel wilder und ursprünglicher als der Südteil mit seinen lieblichen Hügeln, Häuseln und Biergärten. Hier oben weiden Schafherden, hier findet man uralte morsche Bäume und viel weniger Besucher. Es fliessen hier noch mehr Bäche durch die Parkflächen, die direkten Zugang zur Isar haben.
Bereits vor einigen Jahren sind Biber aus den Isarauen eingewandert, die die bayerische Schlösser und Parkverwaltung mächtig auf Trab halten.

Ich habe mich an den heissesten Stellen um das Tivoli Kraftwerk und im Nordwest-Teil hinter der Studentenstadt umgesehen, aber weder Biber noch gefällte Biberbäume finden können. Immerhin bin ich an ein paar Bibervorsichtsmassnahmen -mit Draht umwickelte Bäume- vorbeigekommen.

Big Six auf der Theresienwiese: Kuhattacke

Soweit so gut. In diesen Wochen mehren sich auch wieder die Berichte über die Gefahr, die von Kühen auf Wanderer ausgeht. Gerade wenn man mit einem Hund unterwegs ist, sollte man ein Kuh oder Rinderherde in den Alpen meiden. Leider ist so eine Kuh deutlich stärker als eines der Münchner Big Five. Und hat nun auch mitten in München zugeschlagen:

Aus dem Schlachthof in Untersendling ist eine Kuh am Dienstag in der früh von der Laderampe gesprungen und hatte keinen Lust aufs Schafott. Ob Sie so einen friedlicheren Tod gefunden hat bleibt fraglich.
Sie entschied sich nämlich über die Poccistrasse am Kreisverwaltungsreferat durch und über das Gelände einer Moschee zu einem Ausflug auf die Theresienwiesn. Leider ist die Landwirtschaftsausstellung nur alle Jahre einmal, also hatte Sie hier nichts verloren.

Im Gegenteil, durch die Verfolgungjagd war Sie mittlerweile völlig durchgedreht. Eine Joggerin wurde auf die Hörner genommen, die anderen flüchteten Panikartik. Es müssen sich abstruse Szenen abgespielt haben morgens um halb Sieben, weil die Kuh das Gelände, welches durch den Aufbau der Festzelte komplett gesperrt ist, gleich 2mal umrundete.

Irgendwann stellte die Polizeit die Kuh mit einem Streifenwagen und um weiteres Unheil zu vermeiden schossen die Polizisten mit Ihren Dienspistolen.
Die tote Kuh hinterm Schützenzelt ((c) Rehm/TZ München)
Weder haben die meisten Polizisten Ahnung wie man ein tier schonend erlegt, noch sind die Pistolen dafür geignet. Eine Pistole soll ja schliesslich einen Gegner auch eher kampunfähig machen, denn töten. Erst ein herbeigebrachtes G3 Gewehr konnte dann der erschöpften Kuh den Gnadenschuss antragen. Schauriges Szenen müssen das unterhalb der Bavaria gewesen sein.

Die Berichterstattung in den lokalen Boulevardzeitungen hat gewirkt. Bei einem Spaziergang am heutigen Donenrstag habe ich gesehen, dass erste Kuhfans Blumen niedergelegt haben. Wofür dabei ACAB steht, dass weiss ich auch nicht.


Leider hatte die Polizei auch wenig Sinn für Humor. Wie wäre denn der Gnadenschuss nicht hinterm Schützenzelt (dafür waren die Polizeischützen auch zu schlecht), sondern hinter der Ochsenbraterei gewesen? Kurze Wege, nachhaltiger Fleischgenuss!


Sonntag, August 31

Neuer Italiener - neue Sprache

Bie mir in der Bergmannstrasse herrscht ein kulinarisches Kommen und Gehen.
Eigentlich bietet die Strasse im Münchener Westend einen typischen Querschnitt durch die gastronomische Fülle Münchens.

Angefangen vom Norden findet man eine Voll Assi Boazn, wo mich morgens schon Trinker begrüssen, gefolgt von einem griechischen Migranten Lokal, bevor es endlich mit einem Italiener (man sagt das immer so in München, nie bloss "italienisches Restaurant) und einem Augustiner Wirtshaus weitergeht. Schliesslich rundet ein derzeit angesagter Burgerrestaurant (Hans im Glück) das Essensangebot ab.

Der Italiener wird gerade umgebaut und bekommt wohl einen neuen Pächter. Die Fenster sind daher zu geklebt und geben dem interessierten Spaziergeänger eine geheime, mehrsprachige Botschaft mit:
Zunächst mal gibt es die Info, dass das Restaurant im Oktober (ottobre) eröffnet wird, nur auf italienisch. Schade, hätte vielleicht auch die nicht italienisch sprechenden Gäste interessiert.

Aber auch die Info in der deutschen Mundart dürfte im Süden für Verwirrung sorgen.

"Dann lur`n Sie doch mal rein!"

Wenn ich nicht den ein oder anderen Karnevalshit gehört hätte, wäre ich nun am Ende. Scheinbar meint der Münchner Italiener luren=schauen aus dem kölschen. Meine Sucher hat ergeben dass die Kölner sogar zu einer Brille=Luurmaschine sagen. Wann auch immer sestosenso eröffnet, ich freu mich drauf, die ham nämlich gute Google Bewertungen!

"et kütt wie et kütt..."

Freitag, April 26

Kostenloses in München

Was ist heute schon kostenlos in München?

Umsonst ist derzeit aber wahrscheinlich vieles:

  • eine Heimniederlage vom FCB zu erleben
  • in der Mittagspause jemanden ohne Sonnenbrille zu treffen
  • einen geschlossenen Biergarten vorfinden
  • abends alleine an der Isar zu sitzen
Spass beiseite. Ein Besuch in Berlin am Wochenende hat mir Lust auf ein kostenloses Experiment gemacht. Bei einem Spaziergang aus Prenzelberg über die Bernauerstraße zurück nach Mitte habe ich eine interessante Entdeckung gemacht.

In Berlin wird Pfandsammlern nun geholfen. Zugegeben als Werbemaßnahme auch, hat der Brausehersteller Lemonaid Kisten an Ampeln angebracht, in denen Pfandpflaschen abgestellt werden können. Dann landen Sie nicht mehr als Scherben auf dem Boden und auch nicht da, wo Hunde sich erleichtern! Und Bedürftige freuen sich über 8 oder 12 oder 20 ct.



München ist da noch nicht ganz soweit. Wenn man etwas loswerden will, haben mir schon Freunde empfohlen, Sachen auf die Straße zu stellen und extra anzuketten oder einen Preis daranzuschreiben, damit Passanten es mitnehmen oder besser klauen!

Nun ja ich zu meinem Teil habe es auf einen Versuch im Westend ankommen lassen. Bücher, die ich doppelt habe, oder seit Jahren mein Bücherregal belagern ohne zu lesen haben Ihre Daseinsberechtigung nun verloren und sollten verschenkt werden!
Ergo habe ich Sie einfach in eine Kiste gepackt, vor die Haustüre gestellt und einen Zettel mit der Aufschrift "kostenlos draufgelgt".


Und siehe Da. Nach nur 2 Stunden war alles verschenkt! Und ich war froh etwas loszuwerden!

Freue mich schon auf den nächsten Verschenk-Test. Dann mit etwas mehr als nur Büchern!

Montag, März 18

Dachlawinen Warnschilder München

Die "Vorsicht Dachlawinen" Schilder werden wegen des herannahenden Frühlings in München leider bald reingeholt. Ich mag Sie aus zweierlei Gründen. Der Name ist genial. Obwohl es sich nur um herabfallenden Schnee handelt, denke ich an Lawinenpieps und den Schneesportkracher "the Art of flight"vom großen Zuckerwasserhersteller RB.

Übrigens fällt mir der Name eigentlich nur südlich des Mains auf. Oder gibt es im pedantischen Preussen auch Dachlawinen?

Zweitens ist die individuelle Ausgestaltung der Warnschilder schön. Jeder Hausbesitzer warnt auf andere Art und weise vor den Dachlawinen. Leider mit ernstem Hintergrund, tut er es nicht kann er für entstehende Schäden haften.



Hier könnt Ihr den Trailer vom RedBull Movie sehen:

Donnerstag, September 27

Schnaps in Bayern

Ein einfacher Liefer-LKW hat mich auf dem Heimweg auf die Idee gebracht mal etwas über den Schnapskonsum in Bayern zu schreiben. Zugegebenermaßen bei den derzeit konsumierten Biermengen auf der Wiesn ein kurioses Unterfangen. 

Bei mir im Westend stand also ein Lieferwagen mit der Aufschrift "Korn: der Partner für den guten Tropfen". Das ist nämlich in Bayern ein Widerspruch in sich. Der Korn-Schnaps findet in Westfalen als traditionelles Digestiv in Gaststätten und Kneipen seine Berechtigung. Noch zu gut erinnere ich mich, wie mein Opa mir erklärte, dass Korn eigentlich bei Zimmertemperatur getrunken wird, damit man Ihn besser schmeckt. Bestellt man in Westfalen ein Herrengedeck oder einfach "Kurz-Lang" heisst es nur eines: Pils und Korn!

In Bayern hat es der Korn dagegen nur in die Nähe der Supermarktkassen geschafft, wo er dann Alkohol zugeneigten Personen als günstiges Suffgetränk dient. Daher nennen die Bayern den Korn einfach nur "Pennerglück". 

Nicht ganz zu Unrecht zugegebenermaßen. In Wirtshäusern oder auf dem Oktoberfest, findet man einfach kaum Schnaps auf der Getränkekarte. Vielleicht mal hier einen Obstbrand, dort einen Gebirgsenzianschnaps (Klarer) oder im bayerischen Wald einen Blutwurz (Kräuterschnaps). Korn dagegen wird hier als billigstes Suffgetränk vermarktet.

Bester Whiskey Kontinentaleuropas - ein Korn!


Daher bin ich schon seit längerem in westfälischer Mission unterwegs und versuche mich an der Ehrerrettung des Korns. Etwas leichter macht es mir dabei der Korn der Feinkornbrennerei Sasse aus dem gemütlichen Schöppingen. Der Korn der Brennerei Sasse hat eine goldig-warme Farbe und schmeckt nicht so scharf sondern vollmundiger, holziger und reifer als viele andere Korne. Grund dafür ist die Lagerung in alten Barrique-Wein Fässern. Ja es stimmt, diese Lagerung erinnert beinahe an die Whiskey Einlagerung. Deshalb hat jemand den Sasse Korn einfach bei Internationalen Wine & Spirit Competition (IWSC) in London angemeldet. Und prompt hat die Brennerei einen Preis für den besten Whiskey Kontinentaleuropas gewonnen. Allerdings weiss ich nicht wieviele Whiskeys in Kontinentaleuropa gebrannt werden!? Trotzdem: Chapeu!

 

Gibt es den typisch bayerischen Schnaps?    


Zu einiger Berühmtheit hat es in Bayern die einzige Whiskey Destillerie Oberbayerns gebracht. Sie liegt am idyllischen Schliersee und nimmt bezug auf den alten Namen des Ortes "Schliers". Um den ganzen einen gälisch klingendem Namen zu geben heisst die Destillerie "Slyrs". Die ungewöhnliche Lage der Whiskeydestillerie ist der eine Punkt. Mir hat Ihr Marketingkonzept der künstlichen Verknappung mehr interessiert. Ihr Produkt wird hauptsächlich nur vor Ort verkauft und jeder Käufer darf nur eine geringe Literanzahl des Qualitätsproduktes erwerben. Das führt dazu, dass jeder Eigentümer des Syrs Ihn als einen ganz besonders edlen Tropfen preist. Slyrs bietet mittlerweile auch einen Wodka an. Der Name dieses russischen Getränks iet ebenfalls sehr einfallsreich. Er heisst bayerisch-russisch schlicht: "Bavarka".

Eine andere Schnapserfolgsgeschichte ist der "The Duke" aus Münschen. Ein Gin mit dem Untertitel -in Anlehnung an englische Vorbilder- Munich Dry. Angeblich von zwei Geschichtsstudenten in einer Hinterhofgarage in Schwabing hergestellt hat der Schnaps auch einen gewissen Mythos. Und nun hat dieser Schnaps eine beachtliche Karriere hinter sich. Gewinnt ähnlich dem Bionade Konzept erst die In Bars Münchens und dann die Feinkostabteilungen der Supermärkte.

Dennoch bleibe ich dabei. Bayern ist kein Schnapsland. Hier trinkt man Bier.

Dienstag, Juni 12

Durstige Bayern

Endlich habe ich nun einmal Beweise gefunden für das Gerücht um die Augustiner Brauerei. Als letzte Brauerei Münchens ist der Augustiner Bräu noch im Zentrum der Stadt ansässig und produziert ausschließlich an der Landsberger Strasse. Ob der begrenzten Platz Kapazitäten und weil es einfach ein beliebtes, leckeres Bier ist, heisst es immer wieder, dass Augustiner gerade im Sommer nicht den Bedarf an Hellem für seine durstigen Konsumenten decken kann.

Nun habe ich Beweise, dass der Fall der Fälle echt eingetreten ist und nicht ins Reich der Legenden um die Kult Brauerei gehört. Im Tengelmann habe ich folgendes Schild entdeckt:

 
Wohl ob der überraschend warmen Mai Temparaturen und weil die Produktion des Gerstensaftes noch nicht bei 100% war kam es tatsächlich zu Lieferengpässen, wie auch verschiedene Müchner Gazetten bestätigen.

Heute hat der Roiderer Tonei -Sprecher der Wiesnwirte- auch die neuen Masspreise für die Wiesn bekannt gegeben. Die 10€ Grenze wird heuer noch nicht gebrochen. Die Mass Bier wird zwischen € 9,10 und € 9,50 € kosten. Und damit nur 4% teurer als 2011. Das kann man verkraften, da viele wahrscheinlich weiter 10€ geben werden.

Dienstag, Oktober 25

Schlecker Denglisch

Schlecker. FOR YOU VOR ORT.


Immer wenn ich diesen Spruch lese wird mir bange um die deutsche Sprache, und um die englische erst recht. Eindeutig einer der schlechtesten Werbesprüche des Jahres. Grauenhaft.


Hier in München ist das Schlecker-Netz ziemlich engmaschig, so dass auch ich immer einmal wieder eine Filiale der Drogeriekette hineinstolpere. Immer das gleiche Bild. Trostlos angerichtete Ware. Nur eine einzige überforderte Verkäuferin vornehmlich aus Osteuropa. Und in Kassennähe warme Getränke und bald ablaufende Süßigkeiten. Die Süßigkeiten mit orangenen Preisen aus der Preispistole beklebt. Na klar nur 0,59 €cent. Erlebnis Einkauf ist was anderes.


Bei der Recherche um den schlechten Werbespruch bin ich auf interessante News gestoßen. Ich war wohl nicht der einzige, der sich an dem Slogan gestoßen hat. Nach einem Einspruch des Vereins für Sprachpflege sah sich Schlecker gerechtfertigt den Werbeslogan zu erläutern:


"Der Claim richte sich nun einmal an die Schlecker Kunden aus den ...niedrigen Bildungsniveaus. Das provokant kalauernde Denglisch bleibt eine optimal Parole"


Das kann man zum Glück auch anders sehen, ohne freiwillig für ewig bei Schlecker arbeiten zu müssen.

Samstag, September 24

Eindrücke vom Hang der tausend Ströme

Riesenrad Oktoberfest

Der Trubel rund um das Oktoberfest hat mein Stadtviertel fest im Griff. Am späten Nachmittag ergibt das in den Strassenzügen eine bunte Mischung. Betrunkene Menschen in Tracht stolpern umher und verzweifelte Italiener suchen Ihr Auto. Die Pizzabäcker haben gut zu tun, ebenso die Discounter und Taxifahrer. Beim Aldi stehen erschöpfte Wiesnbesucher Schlange um sich mit nicht alkoholischen Getränken zu versorgen. 
Dazwischen wuseln nüchterne Westend-Bewohner und gehen ihrem Alltag nach. Junge Mütter bugsieren Ihren Nachwuchs im Kinderwagen durch die Horden Betrunkener. Die türkischen Gemüsehändler können leider keinen Vorteil aus den vielen Betrunkenen ziehen. Ich glaube, sie staunen eher über das kulturell wertvolle bayerische Besäufnis.


freefall tower westend oktoberfest
Das Westend grenzt nun einmal direkt an den Ort des täglichen Bierkampfes von hunderttausenden. Von vielen Straßenzügen kann man sogar Fahrgeschäfte des Wiesnrummels sehen. Manchmal sogar die Schreie der Mutigen hören, die sich den Free Fall Tower hinunterstürzen. Die Einsatzsirenen der Notarztwagen gehören in diesen Wochen zum Alltag.


Bei mir überwiegt die Freude so nahe am Ort des Geschehens zu wohnen. Schliesslich kommen Leute aus aller Welt freiwillig nach München. Zum Beispiel gar nicht wenige Australier, die das Oktoberfest Package über festivaltravel.com buchen und nur zum Feiern für 4 Tage nach Europa kommen. Zudem freue ich mich immer über Besuch aus meiner westfälischen Heimat.
Viele schaffen es meist nur einmal im Jahr -natürlich während des Oktoberfestes- mich zu besuchen. Ebenso verhält es sich mit den Anfragen bezüglich Couchsurfing. Verhältnis von Anfragen vor und während der Wiesn zu Anfragen im Restjahr: Ungefähr 50 zu 1.


Während mein Besuch sich in der Regel beim Thema Alkoholkonsum im Griff hat, bin ich mir bei den festivaltravel - Reisenden aus Übersee nicht so sicher. Die meisten Oktoberfestbesucher fallen irgendwann betrunken aus den Zelten. Und dann scheint eine unsichtbare Kraft den Meisten dieser angeschlagenen Trinker den gleiche Weg zu weisen. Es geht zum Hang der tausend Ströme!   


Der Hang der tausend Ströme ist der Grünhügel im ersten Viertel der Theresienwiese. Vor allem Besucher des Hacker- und Hofbräuzeltes schlafen hier Ihren Rausch aus. Alle Körperteile von sich gestreckt, liegen Sie oft stundenlang regungslos da. Wenn das Schlafen das einzige wäre. Leider verlieren die Wiesenkämpfer hier auch sämtliche Körperflüssigkeiten. Vor allem natürlich Ihr teuer erkauftes Bier durch natürliche Verdauung, aber auch andersherum.


Schon nach einem Tag sieht der Hügel nicht mehr grün aus, sondern nimmt eine bräunliche Farbe an. Viele nennen Ihn daher auch Kotzhügel oder Promillehügel. Zwischen den Schlafenden bessern Flaschensammler Ihre Pfandgeld auf. Dazu wuseln immerzu Sanitäter und die Polizei umher.


Die Polizei hat gut zu tun. Für Taschendiebe sind wehrlose, schlafende Trinker ein einfaches Opfer. Zudem muss die Sittenpolizei immer mal wieder eingreifen wenn es Pärchen -die sich meist erst seit wenigen Stunden kennen- es zu weit treiben. Allzu oft bleibt es nämlich nicht bei zärtlichen Küssen, sondern die Pärchen wollen mehr. Wenn Sie noch können. Daher hat der Kotzhügel noch weitere Namen. Ein Kollege nennt Ihn aus diesen Gründen, den "Surprise Sex Hügel". Direkter gesprochen hört man auch von "Vögelwiese" oder "Vögelwall".


Ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein. Schliesslich machen die Menschen seit der Erfindung des Bieres bestimmt komische Sachen nach einigen Litern desselben. Nur sah das dann früher ganz anständig etwa so aus. Der Bayer mit dem Hut auf dem Kopf gönnt sich mal eine Auszeit.




Heute sieht das mehrheitlich so aus. Italiener mit Kaputzenpulli und Jeans liegt eingenässt in eignem Erbrochenen und röchelt.



Das ist teilweise schon heftig, wie Sie frierend  daliegen in Scherben, Kronkorken und Nässe. Vielleicht werde ich ob des Papstbesuches doch etwas nachdenklich. Schliesslich bin ich heute über 2 Schlafende gestoßen, deren Motiv mich unbewusst an ein Ölgemälde von Breughel erinnert hat. Es heisst "Schlaraffenland" und hängt in der Alten Pinakothek zu München. Ausserdem wird es gerne in Schulbücher abgedruckt:







Brueghel hat es 1567 gemalt und es soll zwar das Paradies darstellen, aber eben auch auf zwei der sieben Totsünden hinweisen. Trägheit und Faulheit. Die Bildbeschreibung gleicht fast 1 zu 1 dem Treiben um die Bierzelte:


Am Boden liegen drei dicke, vollgefressene Männer herum. Sie schlafen und träumen. Einer ist gekleidet wie ein Ritter, der andere wie ein Bauer und der dritte schaut aus wie ein Kaufmann.

Auf dem Kotzhügel findet man auch überwiegend Männer. Alle Nationalitäten und Berufe sind vertreten. Einige sehen aus wie BWLer.


Sie sind so vollgefressen, dass sie die Umgebung nicht mehr wahr nehmen.
Ohne Kommentar.

Um ins Schlaraffenland zu gelangen, muss sich ein Anwärter erst einmal durch einen Brei- oder Teigberg fressen.
Beim Oktoberfest reicht es sich mit Bier zu betrinken.


Bei allem Überfluss strahlt Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ jedoch keinen Optimismus aus. Die Bewohner wirken in ihrem Phlegma beinahe wie Leichen, ihre Körper haben gesunde Proportionen verlassen, die Kleidung reißt und wird mit wenig würdevoll anmutenden Behelfsmitteln zusammengehalten. Es findet keine Kommunikation statt, Lanze, Dreschflegel und Buch liegen nutzlos herum. Faulheit ist dort eine Tugend und Fleiß eine Sünde. Pieter Bruegels ‚Schlaraffenland‘ zeigt eine Welt, in der alles Leben zum Stillstand gekommen ist.

Das Oktoberfest soll ja ein fröhliches Fest bleiben. Aber wie die Bierleichen hinter den Zelten liegen, dass ist schon ein wenig nicht-würdevoll. Es macht mich etwas nachdenklich. Kann es alles sein, sich so zu betrinken, dass man am Hang hinter den Zelten vegetiert...Sind diese Menschen glücklich und zufrieden? Auf den Oktoberfestkonsum will ich aber nicht verzichten. Nur sollte er heuer etwas ausgewählter stattfinden. Bei gutem Bier, netten Gesprächen und einem warmen Bett zum Schlafen.

Auch die Schlafenden hätten eine Alternative, würden Sie sich nur auskennen. Nur eine Gehminute weiter beginnt der idyllische ruhige und immernoch grüne Bavariapark. Hierhin zieht sich der ortserfahrene Münchner zum Schlummerchen zurück.

Dienstag, September 6

ABC-Schützen unterwegs

In München geht es ab Montag wieder rund. Mit der Einschulung werden wieder Erstklässler ABC-Schützen in den Straßen unterwegs sein. Mein geliebtes Bürgerheim hat extra für die Erstklässler sogar ein spezielles Speisenangebot auf Lager:

ABC Schützen Angebot Wirtschaft
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Neulich habe ich im übrigen gelesen, dass sich Deutschland weit immer mehr der Begriff i-Dötzchen für Erstklässler durchsetzt. Laut den Sprachforschern kommt das i-Dötzchen kommt eigentlich aus dem Rheinland. Im Ruhrgebiet und im Plattdeutschen wird dann synonym vom i-Dötzken gesprochen. Nur in Bayern werden die ABC-Schützen noch hochgehalten.

Wie dem auch sei. Schön finde ich es auf jeden Fall auch, dass in München noch viele Renter etc. als Schülerlotsen fungieren. Die stehen dann mit einer Kelle und Warnweste bekleidet an den Zebrastreifen und winken böse, wenn man mit dem Radl heranfährt!

Montag, November 15

hinter oder vor?


Ich habe in neues Lieblingswort im bayerischen.
Vorher war es ja lange das Wörtchen "fei". Das finde ich so genial, weil man es quasi überall einsetzen darf.
Fei ist ein Wörtchen, mit dem man unterstreicht, was man gesagt hat. Es entspricht im Hochdeutschen am ehesten halt oder eben oder echt.

"Das hast du `fei` gut gemacht"
oder "Hui, Ich habe `fei` starke Kopfschmerzen".Nun hat das Fei aber Konkurrenz bekommen durch das Wort "hinter". Meines Erachtens wird es nämlich im baierischen ebenso fei kurios eingesetzt wie "Fei" selber.

In Bayern sag
t man nämlich zu etwas "hinter", wenn man voran gehen soll. Also nach vorne, oder weiter entlang.
Da macht für mich überhaupt keinen Sinn, und gerade deshalb liebe ich es fei so. Wenn etwas "hinter" etwas anderem ist liegt es ja wohl irgendwo Rückwärts gewandt. Aber nein. Der Bayer meint etwas was vor einem liegt. Fragt man zum Beispiel in München nach dem Weg zur nächsten Bier-Boazn sagt der Bayer:

"Doa gehst g`schwind die Strasse hinter, und loass dias schmeck`n"

Über dies bayerische Kauzigkeit kann ich noch schmunzeln. Die CSU aber kennt bei Immigranten kein Erbarmen. Gerade wurde auf eine Frist von einem Jahr zum Erlernen der deutschen Sprache bestanden.

Vielleicht gebe ich der benachbarten Gemeins(c)haft hier im Westend mal einen Rechts(c)hreibehinweis, damit Sie wie seit vielen Jahren schon, weiter Ihre Vereinsaktivitäten in Bayern ausüben kann!

Mittwoch, Oktober 1

wahlen und die wiesn

Servus,

wie ihr ja schon gehört habt, wurde am Sonntag in Bayern gewählt. Mit dem Ergebnis, dass die längste Alleinherrschaft Deutschlands ihr Ende hat. Genutzt hat auch wohl der Wahlkampfendspurt am Freitag auf dem Marienplatz nichts mehr.
Ich bin nach der Arbeit mit dem Radl schnell hin, habe aber Frau Dr. Merkel verpasst und nur noch Frau (Ex-Generalsekretärin) Haderthauer beim Autogramme schreiben angetroffen.

Nachdem wir Samstag auf der Wiesn schön gefeiert haben bin ich mit nem Freund, der bei mir sein Wiesn-Wochenende verbracht hat am Wahlsonntag nochmals aufs Volksfest. Leider hatte ich noch kein Kreuzchen gemacht aber meine Wahlbenachrichtigung war dubai.


Also wurden mir nix dir nix im Augustiner Biergarten und dann bei Dietmar und Martin im Schottenhamel 2 Mass geleert, bis ich um 17:30 Uhr entsetzt feststellte, dass ich nur noch 30mins für die Fahrt zu meinem Wahlbüro in der Guldeinstr. hatte.
Flux hingeflogen fiel mir das Ausfüllen der riesigen Stimmzettel gar nicht mehr so leicht, und um 18:05 Uhr wurde ich sogar genötigt abzugeben.


Na ja, morgen gehts noch einmal zur Arbeit und ab Freitag freue ich mich auf 2 schöne Tage mit meinen Freunden aus der Seestadt. Noch ist nicht sicher in welchem Zelt wir anzutreffen sind: Hacker (Himmel der Bayern) oder Schottenhamel....? Na ja jedenfalls heissts früh aufzustehen am Samstag......


Stimmung!!!!