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Sonntag, Februar 26

Die Kirche an der Erdfunkstelle Raisting

Kirche Erdfunkstelle Raisting
Eine Kirche im barocken Stile

Eine barocke Kirche, alte Bäume mit Krähen und im Hintergrund die Berge. Ja man befindet sich in Oberbayern. Allerdings ist die Gemeinde Raisting am Südende des Ammersees für ein ganz anderes Wahrzeichen bekannt.

Erdfunkstelle aus dem kalten Krieg

Im Jahr 1963 wurden von der deutschen Bundespost hier mächtige Parabolantennen aufgestellt für die Kommunikation mit Nachrichtensatteliten. Beim zweiten Blick auf das Bild fällt dem geneigten Leser vielleicht schon die Sattellitenschüssel links neben dem Baum auf?

Insgesamt stehen dort 7 mächtige Schüsseln, die der Gegend ein bizarres Antlitz verleihen und schon von weitem sichtbar sind:

Kirche Raisting Sattelit
Eine Kirche mit surrealer Begleitung

Und wer das Kircherl einmal mit den Alpen im Hintergrund sehen möchte, muss sich an diesen Anblick gewöhnen:

Kirche Raisting Sattelit

Warum stehen die Antennen in Raisting?

Man suchte nach einem Punkt im Süden Deutschlands knapp vor den Alpen. Zusammen mit der natürlichen Beckenform des Ammerseer Tales können so andere störende Funkstrahlen natürlich abgehalten werden. Hinzukommt die räumliche Nähe zum Grossraum München.

Bedanken können wir uns für die Funkantennen auch für die Übertragung von Grossereignissen. Stolz erklären Schautafeln, dass ohne die Raistinger Erdfunkstelle keine Übertragung der Mondlandung und der Olmpischen Spiele 1972 in München möglich gewesen wäre.

Im Jahr 2006 wurden die Antennen von der Telekom an das US Unternehmen EMC verkauft. Das Unternehmen stellt im Auftrag u.a. der UN Satteliten gestützte Kommunikation für entlegene Regionen bereit. Auf welchen Servern in den USA diese Daten noch zur Verfügiung gestellt werden lässt sich leider nicht recherchieren.

Sonntag, November 9

Hindenburg in Bayern: Eine Büste wird vom Sockel gestoßen

Was man auf dem Bild sieht ist eine Gedenktafel für den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das mag im preussisch geprägten Teil Deutschlands nichts besonderes sein. Was aber hat Sie im bayerischen Voralpenland zu suchen? Und warum fehlt die Büste?

Das Resultat eines Literaturabends

 

Gehen wir chronologisch vor. Ich nutze das Wochenende in München zur Erholung. 2 Wochenenden am Stück war ich nicht in München, 2 kommende Reisewochenenden stehen mir bevor. Vielleicht kennt Ihr das. Verteilt in der Wohnung, auf dem Schreibtisch, Sofa und neben dem Bett liegen Bücher, die mal lesen möchte, aber noch nicht die Musse hatte tiefer einzusteigen.

So ging es mir also am Samstag Abend bei einer Kanne Roibos Tee und ich vertiefte mich in den Gesprächsband von Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt. Ein lesenswertes Buch, mit Statements eines wahren Stoikers, Hanseaten und Elder Statemens/Ex Bundeskanzlers. Häufiger geht es um politische Auseinandersetzungen mit dem langjährigen CSU Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß. Helmut Schmidt gibt zu FJS persönlich geschätzt zu haben und bezeichnet Ihn mehrfach als fabelhaften Rethoriker.

Als ich dass Buch von Schmidt/Lorenzo zurückstelle in die Politik Ecke des Bücherregals, bleibt mein Blick hängen an der FJS Autobiographie. Ich habe Sie schon vor Jahren aus neobajuwarischem Interesse in einem Antiquariat gekauft. 600 Seiten Politik hatte mich dann aber wohl jahrelang abgehalten einen tieferen Blick hineinzuwerfen.  

Ein Blick in die Strauss Autobiographie


Nun wage ich einen Blick und lese die ersten 30 Seiten der Strauss Autobiographie. FJS hat Sie nur ein halbes Jahr vor seinem Tod auf Band gesprochen und ich finde es hochspannend, dass er gegeüber der ersten NSDAP Parteizentrale an der Schellingstrasse als Sohn eines einfachen Metzgers grossgeworden ist.

Hängen bleibe ich aber an einem Zitat über den Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Als Reichspräsident hat er als Greis Hitler zum Kanzler gemacht, als Miterfinder der Dolchstosslegende die Weimarer Republik torpediert und als Generalfeldmarschall unter Wilhelm II den Tod hunderttausender Soldaten im WW I in die Schlachten um Verdun zu verantworten.

FJS in seiner Autobiographie über eine Unterhaltung mit dem Ex-Reichkanzler Brüning:

"Über Hindenburg, der Ihn (Brüning) rücksichtslos hatte fallen lassen, verlor Brüning kein schlechtes Wort. Eine ironische Anmerkung: Für mich hat Hindenburgs Metamorphose begonnen, als er seine Hirsche nicht mehr bei uns in Bayern, in Dietramszell, schoss, sondern in Neudeck in Westpreussen. Solanger er noch unter bayerischen Einfluss stand, nicht von ostelbischen Gutsbesitzern wie Oldenburg-Januschau, waren die Dinge noch in Ordnung."

Hindenburg, der Ultra Preusse -geboren 1845 in Posen- soll lange Jahre in Bayern, in Dietramszell, gejagt haben? Das begann mich zu interessieren.

Ja es stimmt. 1922 bis 1932 verbrachte Hindenburg seine Sommerfrische in Dietramszell. Ein wenig Google und dem Oberbayerischen Volksblatt sei Dank:

Hindenburg und Dietramszell – das ist eine besondere Geschichte. Sie führt zurück in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Der Forstfachmann Georg Escherich aus Isen bei Dorfen (Landkreis Erding) wird in das unwirtliche Waldgebiet Bialowies („Gouvernement Warschau“) entsandt. Er soll die Erschließung des Urwalds in Angriff nehmen. Bialowies ist auch ein Jagdrevier. Eine besondere Attraktion: Wisente. Escherich gibt nur einzelne Exemplare zum Abschuss frei, insgesamt acht Tiere. Zuerst darf am 12. November 1915 Kaiser Wilhelm II. ein Tier erlegen. Als nächster ist dann im Januar 1916 Kriegsheld Hindenburg an der Reihe. Er wird es Escherich nie vergessen. Die beiden bleiben befreundet. Sie sind auch Gesinnungsfreunde – für Demokratie und Republik haben beide nichts übrig. 
Es kommt die Kriegsniederlage, es kommt die Revolution und die Republikgründung. Hindenburg, der Held, mischt in der Politik mit, aber er ist noch nicht Reichspräsident (das wird er erst 1925). 1921 erleidet er einen Schicksalsschlag. An seinem Wohnort Hannover stirbt seine Frau Gertrud. „Nicht zuletzt, um sich nach dem Tod seiner Frau abzulenken“, schreibt der Historiker Wolfram Pyta, „besann Hindenburg sich wieder auf seine alte Jagdpassion.“ Sein alter Jagdkumpan Escherich setzt ihn auf die Gams an. Im Sommer 1922 logiert Hindenburg erstmals in Oberbayern, Escherich bringt ihn bei der mit ihm befreundeten Familie Schilcher unter, der das Dietramszeller Klosterschloss gehört. Hindenburgs Jagdausflüge in das Revier Fall an der Isar hinter Lenggries waren für den damals schon über 70-Jährigen eine Strapaze. Eine Lore der Holzabfuhrbahn, die mit Sitzen versehen und von Pferden gezogen wurde, brachte ihn ein Stück bergauf. Den Rest musste Hindenburg aber selber gehen. „Dass er diese Strapazen bis 1931 Jahr für Jahr auf sich nahm und mit einem oder mehreren guten Böcken belohnt wurde, zeugt von seiner Leidenschaft für das edle Waidwerk wie von seiner guten körperlichen Konstitution“, schreibt Historiker Pyta.

Die meisten Google Suchergebnisse nach "Hindenburg in Dietramszell" werden aber von einem aktuelleren Thema bezüglich Dietramszell und Hindenburg bestimmt. Vor dem Dietramszeller Klosterschloss -einem oberbayerischen Spät-Barock Juwel- stand seit Ende der 30er Jahre eine Hindenburg Büste. Aufgestellt von den ehemaligen Besitzern der Familie Schilcher, abgehängt niemals. Auch nicht von den heutigen Besitzern einem Selesianer Stift und einer Montessori Schule.

Wie man mit der Vergangenheit umgeht -Hindenburg war in weiten Kreisen der konservativen Gesellschaft ein angesehener Mann- ist so eine Sache. So lassen? Hinweistafel? Abreissen?

Meine Heimat Münster hat sich für folgende Lösung entschieden:



Ein Münchner Aktionskünstler entschied sich im Sommer 2014  in Dietramszell aktiv zu werden. Er entnah kurzerhand die Büste, versah Sie mit einem Hakenkreuz und setzte Sie in den Garten der Nachfahren derer von Schilcher.

Ein wahrer historischer Krimi entsponn sich nun. Wusste ich doch nicht, was seitdem mit der Büste geschehen war. Es nützte nicht. Ich musste heute in das 5000 Einwohner Dorf. Keinen Bahnhof gibt es dort, also beschloss ich das Mountainbike zu nehmen und 70 KM über Land gen Süden zu fahren. Die hüglige Moränenlandschaft trotzte mir einige Körner ab, aber ich war motiviert. Ein wenig fühlt ich mich wie in einem Dan Brown Roman, noch viel mehr aber wie Umberto Eco in seiner Vorschrift zum Roman "Im Namen der Rose":

"Am 16. August 1968 fiel mir ein Buch aus der Feder eines gewissen Abbé Vallet in die Hände: Le manuscript de Dom Adson de Melk, traduit en français d'après l'édition de Dom J. Mabillon (Aux Presses de l'Abbaye de la Source, Paris 1842). Das Buch versehen mit ein paar historischen Angaben, die in Wahrheit sehr dürftig waren,  präsentierte sich als die getreue Wiedergabe einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die der große Gelehrte angeblich seinerseits im Kloster Melk gefunden hat".

Mit diesem Satz beginnt der legendäre  Roman "Der Name der Rose". Umberto Eco warnt den Leser der deutschen Ausgabe augenzwinkernd aber ein paar Sätze später:  

"Der geneigte Leser möge bedenken: Was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes."

Mit dem Radl auf dem Weg nach Dietramszell


Ganz so verworren war es dann bei mir doch nicht und ich erfreute mich der zauberhaften Herbstbilder und immer andersartiger Blicke auf das Alpenpanorama von der Zugspitze bis zum Wendelstein.



Dietramszell ist eine beliebte Einfamilienhausstadt im Süden Münchens. Knapp über der Hälfte zwischen Landeshauptstadt und Tegernsee. Zwar stehen hier weniger Bonzenhäuser wie in den Münchner Vororten Grünwald oder Sauerlach, aber es geht gediegen zu. Auch Kulturschaffende wie die Autorin und Moderatorin Amelie Fried oder der Regisseur Marcus H. Rosenmüller sollen hier wohnen. Auf dem Weg dorthin fahre ich durch viele Dörfer, die durch Kircherl, Wirtshaus, Bauernhof und Dorfweiher geprägt sind. Idylle pur.

In Dietramszell ist es durch das Klosterschloss, was gleichzeitig die Pfarrkirche ist, anders. Vom Wirtshaus fährt man noch 300m einen steilen Berg runter und steht urplötzlich vor den massiven waldumrandeten Klostermauern.

Im Angesicht mit der Hindenburg Gedenktafel


Der geneigte Leser weiss es schon und ich sehe es auch schnell. Die Büste ist noch immer nicht wieder da. Hindenburg ist gone, un die Hinweistafel ohne Büste fällt kaum weiter auf. Ich nutze die darunterliegende Bank für eine lange Pause mit Brotzeit und geniesse die warme Novembersonne.


Immerhin die Einfahrt zum Klosterhof mit den Hirschgeweihen erinnert vielleicht noch an den alten Preussen in Bayern. Eine Geschichte nach meinem Geschmack. Ende offen.

Geschichtsnostalgie ala Dietramszell


Nachtrag:

Die Dietramzeller haben  es ein wenig mit Geschichtsnostalgie. Neben dem Kloster erinnert eine Wirtshauswandmalerei an die letzte Postkutsche Bayerns:



Nachtrag 2:

Im Dezember 2013 kam es zu einem Eklat als Hitler und Hindenburg die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dietramzell nochmals pro Forma entzogen werden sollte (laut bayerischer Gemeindeordnung erlischt Sie mit dem Tode). Brisantes Abstimmungsergebnis: 8:8 unentschieden. Im zweiten Wahlgang klappte es dann doch.

Nicht nur die süddeutschen Gazetten auch amerikanische Late Night Talker (Jaret Leno) amüsierten sich über das "kleine Dorf im Süden Deutschlands".


Sonntag, Dezember 22

Neue München Ansicht von einer geheimen Dachterasse

Über eine lange Zeit gab es in München ein Unterangebot an 5***** Hotels. In den letzten Jahren hat sich das mit dem Bau des Rocco Forte Charles Hotels und des Mandarin Oriental korrigiert. Die Hotels sind natürlich Top-Adressen, hier suchen steinreiche Business-Reisende, Promis (daher auch das Michael Jackson Denkmal am bayerischen Hof), russische Oligarchen, Fussball-Mannschaften und im Sommer viele Öl-Multis aus dem orientalischen Raum ein vorübergehendes Zuhause.

Was soll man als einfacher Münchner Bürger also in einem solchen Hotel? Wohl kaum übernachten! Zu teuer. Sehr wohl aber den Service und die Lage der Hotels nutzen. Seit einiger Zeit erst, öffnen die Hotels sich auch für Gäste, die nicht übernachten, sondern nur kurz zu Besuch sind.

So beherbergt der bayerische Hof am Promenadenplatz z.B. ein eigenes Theater (die Komödie im bayerischen Hof), in dem regelmässig TV-Schauspieler wieder auf die Bühne zurückkehren. Ich selbst konnte hier in diesem Jahr in "The Kings Speech" Götz Otto und Helmuth Markwort beim grandiosen schauspielern bewundern.

Wo aber könnten folgende Photos entstanden sein? Blick auf die Berge vor der untergehenden Sonne, ganz rechts als höchste Erhebung die Zugspitze?


oder  dieser einmalige Blick auf das Gewölbe der Frauenkirche?

Fraunkirche Dach Mandarin Oriental

Zu Beginn habe ich es bereits angesprochen und löse es gerne auf. Es ist das Mandarin Oriental Hotel und liegt in einer Seitenstrasse hinter dem Hofbräuhaus. Im Sommer befindet sich auf dem Dach ein Pool mit Endlosblick auf die Skyline Münchens. Eigens für den Winter hat das Hotel ähnlich dem Käferzelt eine gemütliche Almhütte auf der Dachterasse aufbauen lassen. Mit genialem Blick.

Als Besucher ist die Terasse -obwohl beschildert- gar nicht so leicht zu finden. Zunächst schleicht man sich selbstbewusst an der Rezeption vorbei und fährt mit dem Lift in Rekordzeit in die oberste Etage. Hier braucht man sich nur noch über 2 weitere Treppen diverse Reinigungskräfte und Toilettenschlangen durch 2 Flure zu kämpfen.

Betritt man nun durch die Tür nach draussen auf eine weitere Treppe stockt einem der Atem. Im Süden die Berge im Westen ein nie dagewesener Blick auf die Wahrzeichen Münchens. Vom Olympiastadion über Oper, Reseidenz und Theatinerkirche zur Fraunkirche, Altem Peter und der Bavaria.

Sogleich will man es den anderen Gästen gleich tun und den festlichen Moment ebenfalls mit Bollinger Champagner on Ice feiern. Ob der Preise besinnt man sich eines besseren und begnügt sich mit einem Weissbier (ca. 7 €).

Dennoch: das Personal ist ausgesprochen freundlich, die Almhütte (vom Mandarin Hotel konsequent international Wooden Chalet genannt) urig, und auf der Speisekarte stehen Wiener Schnitzel und Brotzeitbrettl. Um authentische Apres Ski Stimmung zu entfalten, schallt aus den Bose Boxen purer Apres Ski Schlager ala Mickey Krause und Marcus Becker wie "He-He-He- Helikopter".

Eine geniale Location, die gerne in zukünftige Stadtführungen aufgenommen wird! Ich wünschen Euch allen ein super Start ins Jahr 2014, und kommt mich alle gerne besuchen!

Blick vom Wooden Chalet auf München
  

Montag, Juli 29

Warum die Münchner Weisswurst das Läuten der Glocken nicht hören darf!?

Seit einigen Monaten gehöre ich gleich 2 traditionellen bajuwarischen Vereinigungen an. Ich spiele in einer Schafkopfrunde und treffe mich mit alteingesessenen Freunden aus dem Münchner Südwesten zum Stammtisch.

Am Sonntag stand heuer erneut ein Frühschoppen in Großhadern an. Wie in anderen katholischen Gegenden Deutschlands auch, wurde er auf 12 Uhr nach dem Kirchbesuch gelegt. Passend dazu gab es die Frühschoppenmahlzeit Süddeutschlands:

Weisswurst, Breze, süßer Senf und dazu Weißbier.  

Traumhaft. Zum Glück mussten wir nicht im angrenzenden Augustiner speisen, dort hätte es nach 12 Uhr keine Weiwurst mehr gegeben. In traditionellen Häusern gilt noch immer die strikte Regel, dass nach 12 Uhr keine Weißwurst mehr verkauft wird. Nicht wenige resolute Wirtsfrauen habe ich schon um Punkt 12 dabei beobachtet die Angebots-Schilder reinzuholen.

Bisher haben mir die aufgeklärten Bayern immer weissmachen wollen, dass es die Weißwurst nur bis 12 Uhr gibt, weil Sie früher morgendlich frisch gemacht wurde und ob fehlender Kühlmöglichkeit frühzeitig verzehrt werden müsse.


Die Handwerker sind Schuld an der Weisswurstverknappung



Nun habe ich von einer weiteren Theorie gelesen:

Die Weißwurst galt als morgendlicher Snack der Handwerker und ist bis heute eine günstige Angelegenheit (hier: 99 ct.) - zum 150 jährigen Jubiläum waren einen Sommer in ganz München 2 Würste für 150 ct zu bekommen. Damit die Wirtshäuser mittags Platz für spendierfreudigere Kundschaft hatten, wurden die Handwerker um 12 Uhr herauskomplimentiert. Irgendwie scheint mir das für Money-Munich die plausiblere Deutung.

Gerne gebe ich noch kurioses zur Weisswurst preis:

  • die weisse Farbe der Weißwurst kommt vom Salz. Anstatt dunkeleres Pökelsalz kommt normales Kochsalz in die Weißwurst. Dazu noch Schweine- und Rindsfleisch und Zitrone und Kräuter wie Petersilie.
  • in angesehenen bayerischen Kreisen ist das "wie" beim Essen der Wurst umstritten -  und nur auf drei Wegen darf gegessen werden. 1. Man lutscht bzw. "zutzelt" Sie aus dem Darm. 2. Man teilt Sie mit Messer und Gabel in 2 Hälften und nun schält man Sie aus dem Darm. 3. Mit einem Kreuzschnitt beginnt man nach und nach die Haut abzuziehen  und den Inhalt abzutrennen.
  • Weißwurst wird von den Bayern niemals als Paar bestellt, sondern es wird immer die korrekte Anzahl an Würsten genannt.
  • Serviert wird die Weißwurst in einer Art Suppenschüssel im warmen Wasser, damit Sie schön warm und geschmeidig bleibt. In touristischen Wirsthäusern versuche ich dann immer Amerikaner etc. dazu zu animieren das Wasser, in dem sich die Würste tummelten als Tagessuppe zu empfehlen. 
  • Ganz wichtig: Weisswürste niemals kochen, dann platzen Sie! Einfach Wasser aufkochen -Herdplatte aus- Sprudeln abwarten und hinein mit den Weiwürsten. Nach 10 Minuten sind Sie perfekt.
An Guadn.



Sonntag, November 25

Schilder-Rückblick 2012

Der November: Eigentlich ein Monat, der auch durchaus ein paar Tage weniger haben könnte. Zum Skifahren doch ein wenig zu früh, zum Wandern oft zu spät. In München können die Leute die Zeit bis zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte gar nicht mehr abwarten.

Salzburg hat da Nägel mit Köpfen gemacht. Hier ist der Chriskindlmarkt bereits seit einigen Tagen eröffnet. Auch einige deutsche Städte riechen den Profit und locken bereits jetzt mit Glühwein und Lebkuchen berichtet die SZ aus Rostock und Bielefeld.

Ich habe die Saison einfach umgedreht, war schon Skifahren am Gletscher und dann nochmal Wandern. Schön vom Schliersee zum Tegernsee. Das ist mit der BOB Bahn zu erreichen, Man hat eine ganzjährige Hütte (Neureuther) aufm Grat und strandet schliesslich unvermeitlich beim Tartar Anbieter meines Vertrauens: dem Tegernseer Bräustüberl.


Beim Abmarsch in Schliersee habe ich dieses lustige Wanderschild fotografiert. Die Aussage ist klar. Es handelt sich um einen Parklplatz für Wanderer. Die Grafik isolier könnte vieles bedeuten: "Märchenwald: Hänsel und Gretel unterwegs" - Frauen mit Sturmfrisur laufen bitte einen Schritt hinter Ihren Männern" oder meien Lieblingsdeutung: "Frauen wandern am Schliersee bitte nur mit Push Up BH und knappem Rock".

Schilder Schilder Schilder


Scheinbar habe ich im kompletten Jahresverlauf in München und Umgebung immer mal wieder Schilder fotografiert. Daher wage ich einen verfrühten Schilder Jahresrückblick. Los geht es mit einer Demonstration an der Feldherrnhalle. Da ich das Foto nur zugesandt bekommen habe, kann ich das Datum nicht genau nachverfolgen. Aber es hat mir einigen Spass bereitet und ist ja auch durch die Sozialen Netze gewandert. Herrlich.


Anfang Mai zu Besuch in der westfälischen Hauptstadt Münster. Auch in der katholischen Hochburg macht sich das Ausbleiben der Kirchenbesucher bemerkbar. Mit einer Anspielung auf Michelangelos "Erweckung Adams" wird für ein Immobilienprojekt in einer alten Kirche geworben.


Wie beliebt unser leckeres Augustiner Bier ist habe ich auf Schilderfotos im Mai dokumentiert. Mittlerweile wird das Bier ja auch in den Bars Berlins vermehrt ausgeschenkt. Die Verkaufsoffensive traf auf ein ungewöhnlich sonniges Frühjahr. Dies führte zu Lieferengpässen bei Augustiner. Da half auch schnelle eine Einstellungsoffensive an der viel befahrenen Landsberger Strasse nichts.
Bei der Brauerei kam es im Mai zu Lieferproblemen in vielen Tengelmann-Filialen. Groteskerweise liegt die Tengelmann Filiale bloss wenige hundert Meter vom Augustiner Braukessel entfernt.

Mit verantwortlich ist vielleicht dieses kleine Schild an einem Kiosk im Lehel. Gesehen im Juni beim Hinterhofflohmarkt in Münchens Viertel mit den teuersten Mieten. Die letzte "Augustiner Tankstelle vor der Isar" wurde angepriesen. Ein Top-Produkt wie Augustiner wird halt gern verzapft.


Irgendwann im Jahresverlauf war es dann auch mit den Hinterhoffklohmärkten im Westend wieder soweit. Beim Stöbern in den Hausfluren ist mir dieses schöne Namensschild aufgefallen. Der gute Herr Krinner bietet eine spezielle Dienstleistung an. Die Blitz-Entrümpelung.

Ein paar Meter weiter kam es zu einem Fall der Selbstjustiz mit Dialekterhalt. "Der, wo" einen Blumendieb findet konnte 300 € kassieren. Leider ist mir nichts über den Ausgang bekannt.

Gewandert wurde auch im Spätsommer. Ach ja der Hohe Fricken bei Farchant wird wohl schon für einige scherze hergehalten haben müssen. Aber vorsicht immer n.f. Geübte.

Bei einer radltour im Spätsommer entdeckte ich dann endlich meinen neuen Liblingsort. Den Weiler St. Heinrich. Immerhin mein Namenspatron. Das würde sich sicherlich gut im Pass machen.


Und schliesslich noch 2 kulinarische Schilder. In Bayern ist das Fest der Kirchweih im Kirchenkalender und in der Gastronomie fest eingeplant. Endlich kommen Gans und Ente auf den Tisch. Dass aber auch der Grieche in Pasing sich beteiligt war neue für mich. Das nenne ich gelungene Integration.
Döner gibt es schon lang im deutschen Imbissgeschäft. Die Umbenennung der Haltestelle in eine Imbissbude war dann doch ein wenig weit hergeholt. Mittlerweile ist das Schild an der meistbefahrenen Brücke Europas wieder gerichtet.
Und damit wären wir schon wieder bei der Kirche. Immer schön dran denken "Hölle besser umgehen".


Ich freue mich schon auf neue Schilder für 2013. Ich bleibe weiter wachsam.

Samstag, Juli 16

Schiefe Türme im Herzen Deutschlands

In der letzten Zeit war ich viel zu Fuss und mit dem Radl im Herzen Deutschlands unterwegs. Zwischen Eisenach, Koblenz und Ingolstadt findet man wirklich wunderschöne Natur und eine uralte typisch deutsche Kultur. Ich mag es alte Städte zu finden, die ein wenig in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin schlummern. Hier erlebt man immer mal wieder Überraschungen. Von Zeit zu Zeit will ich mal kurioses hier offenbaren.

So lese ich auf der Landkarte von dem kleinen Städtchen Bad Frankenhausen hinter dem Kyffhäusergebirge in Thüringen. Der Name "Bad Frankenhausen" lässte es in meinen Ohren klingeln. Seit längerem habe ich ausgerechnet auf der Toilette einen SZ Bericht über die schiefsten Türme Deutschlands hängen. Und der "höchste, schiefste Turm" steht genau in der 5000 Einwohner Gemeinde Bad Frankenhausen.

Voila, der Kirchturm der Oberkirche in Bad Frankenhausen.
schiefster Turm DeutschlandsDer weiche Gips- und Kaarstboden hat dafür gesorgt, dass die direkten Nachbarn des Turmes nur noch unruhig schlafen können, aus Angst der Turm könne kippen. Die 56m hohe Turmspitze hat eine Abweichung von 4, 445m vom Lot.

schiefster Turm Deutschlands
Damit kann er es nicht nur mit dem "pendling tower" in Pisa aufnehmen, nein, er ist sogar schiefer!

Dienstag, Mai 3

Ein Maibaum mit Tradition

Daheim macht man es sich mit der Tradition am 1. Mai einfach. Ein Bollerwagen wird grün geschmückt,mit kühlen Getränken gefüllt und so wandert man einmal um den See. In München gibt es solch eine Tradition nicht. Dafür wird in vielen Gemeinden ein Volksfest zur Errichtung des Maibaums veranstaltet.
Maibaum Aufstellen Großhadern
Die Maibäume in München sind blau - weiss angestrichen. Eigentlich dachte ich alle Maibaäume in Deutschland wären blau und weiss. Dachte ich. Ein Blick auf die Homepage der Stadt München hilft weiter:
"Ein richtig geschnürter (bemalter) Baum hat hier in München die Spirale von unten links nach oben rechts gedreht. Als Vorlage dient dabei die bayerisch Raute, die unseren weiss-blauen Himmel darstellt."

In diesem Jahr hatte ich das Glück beim Aufstellen eines Maibaumes dabei sein zu dürfen. Der Grosshaderner Maibaum misst 30, 1 m. Als einer der wenigen Maibäume Münchens wird er nach der Segnung noch von Hand aufgestellt. Seit es in den 80ern in München zu einem tödlichen Unfall beim Aufstellen per Hand kam, ist eigentlich nur noch das Aufstellen mit Kran erlaubt. Die clveren Haderner aber stellen ihren Baum nicht auf öffentlichen Grund, sondern auf das Kirchengrundstück. Somit dürfen die mutigen Haderner Burschen weiter munter an den sogenannten "Schwalben" den Maibaum hochdrücken.
Maibaum Aufstellen Großhadern
Der Maibaum in Grosshadern wurde schon im Dezember geschlagen. Bis zum Mai lagert er dann zum Trocknen und zur Bemalung im Dorf. Dabei ist Vorsicht geboten. Das grosse Ziel der Burschen in umliegenden Gemeinden ist der Diebstahl des Maibaumes. Wie mir berichtet wurde hatten die Burschen in Unterpfaffenhofen erklärt heuer den 60ten Maibaum ihrer Geschichte zu stehlen. Daher wird der Maibaum besonders in der "Freinacht" auf den 1. Mai streng bewacht.

Nun dürfen sich 30,1 Meter stolz in die Luft recken. Bis der TÜV Südbayern bei der jährlichen Prüfung der Maibäume bestimmt, dass ein neuer Baum aufgestellt werden muss. In München darf aus versicherungsrechtlichen Gründen ein Maibaum generell maximal nur fünf Jahre stehen.

Freitag, Dezember 17

St. Max und Sichtverschmutzung


Welch ein schöner Anblick. Die Isarauen sind verschneit, die Ufer klirren vom Frost. Die rote Abendsonne zieht sich wieder langsam hinter die Alpen zurück, und davor thront der neuromanische Chor der Kirche St. Maximilian.

Mich hat die St. Maximilian Kirche immer ein wenig an englische Kirchen wie Westminster Abbey oder die Kathedrale von Lincoln erinnert. Erinnerung trügt bekanntlich, die Münchner haben St. Maximilian früher "Notre Dame an der Isar" genannt. Von vielen Punkten an der Isar ist auf jeden Fall der Sakralbau gut sichtbar.

Die Kirche von innen gesehen habe ich noch nicht, doch liest man immer mal wieder vom unorthodoxen Pfarrer der Gemeinde. Pfarrer Rainer Maria Schießler steht ab und an im Brennpunkt der Medien. Mitten im alternativen Glockenbachviertel gelegen, sind bei Ihm z.B. auch schwule und lesbische Firmhelfer aktiv, er träg
t ein Tatoo und hat während der Fussball - WM als Volontär gearbeitet.

Alles noch kein Problem, doch seitdem er bereits seit mehreren Jahre hintereinander als Bier-Bedienung im Schottenhamel Festzelt auf der Wiesn arbeitet -16 Tage, 10-11 Stunden täglich und morgens vorher noch eine Messe- rümpfen seine Kirchenvorgesetzten angeblich mit der Nase.
Das Bistum München Freising soll dem 47jährigen schon mitgeteilt haben, dass er als Wiesn Bedienung
keine Karriere mehr in der Kirche erwarten könne. Pfarrer Sch
ießlers antwortet lapidar, das habe er auch nicht vor.
Sein Wiesn Einkommen hält er in Tradition der Bedienungen auf dem Oktoberfest natürlich geheim. Dass er aber alles für ein Aids Projekt in Afrika spendet gibt er offen zu.

Zurück zur sonnig abendlichen München Bild. Das Bild zeigt nur die halbe Wahrheit. Der ganze Ausschnitt zeigt nämlich auch das Heizkraftwerk Süd an der Isartalstraße.

Wie man sich in München entschliessen konnte mit einem solch hässlichen Energieklotz die Aussicht zu verschandeln wird mir für immer verschlossen bleiben.
Immerhin fühle ich mich an meine Heimat in Ruhrgebietsnähe erinnert. Aber darauf könnte ich verzichten und vielleicht sogar auf ein paar Grad Temperatur im Winter.