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Sonntag, April 28

Ashes of the Wenzcreek - Auf der Spur NS Verbrecher Überreste in München

Mein neues Joggingrevier ist die Isar zwischen Thalkirchen und Solln. Derzeit riecht es nach Bärlauch und Schmelzwasser wenn ich zwischen dem Isarseitenkanal, dem Flossländekanal und der Isar durch die Anlagen laufe. Mein Ziel ist meist die imposante Großhesseloherbrücke die sich 40m über der Isar erhebt. Ein tolles Joggingrevier mit ganz viel grün, man fühlt sich wirklich mitten in der Natur obwohl die Großstadt noch so nahe ist.

Beim Joggen höre ich oft Podcasts zB. politische Interviews mit dem Deutschlandfunk. So in dieser Woche über die Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten. Hierbei hat Amal Clooney (Frau George Clooney und Anwältin Menschenrechte) zusammen mit einem Opfer gesessen im Plenarsaal gesessen und eine eindrucksvolle Rede gehalten.


Viel zitiert wurde dabei Ihr Hinweis dass dieser Sicherheitsrat seinen "Nuremberg Moment" erleben könne. Die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse stehen noch immer als Beispiel für ein international abgestimmtes Vorgehen gegen Kriegsverbrecher.

Zeit, dass ich mich noch einmal mit den Prozessen in Nürnberg beschäftige. Am Ende der NS Schreckenszeit standen die folgenden Todesurteile (Hermann Göhring beging wie bekannt kurz vor der Hinrichtung Selbstmord):

Zum Tod verurteilt wurden:

Martin Bormann, Leiter der NSDAP-Kanzlei, persönlicher Sekretär Hitlers (in Abwesenheit).
Hans Frank, Generalgouverneur in Polen.
Wilhelm Frick, Innenminister und Reichsprotektor für Böhmen und Mähren.
Alfred Jodl, Chef des Wehrmacht-Führungsstabes.
Ernst Kaltenbrunner, Chef der Sicherheitspolizei.
Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW).
Joachim von Ribbentrop, Außenminister.
Alfred Rosenberg, NSDAP-Chefideologe und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete.
Fritz Sauckel, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz.
Arthur Seys-Inquart, Reichskommissar der Niederlande.
Julius Streicher, Herausgeber von „Der Stürmer“.


Auf der Anklagebank: Göring, Heß, von Ribbentrop, Keitel (vorne), Dönitz, Raeder, von Schirach und Sauckel (dahinter)
Die Todesurteile wurden am 16. Oktober 1946 vollstreckt.

Da sich über das Scheingrab Alfred Jodls auf der Insel im Chiemsee erst vor wenigen Wochen eine Diskussion über den Erhalt entsponnen hat (hier nachzulesen), habe ich mich gefragt was mit den Überresten der Hingerichteten geschehen ist? Dabei bin ich zu spannenden Erkenntnissen gekommen, die mich auf meine Joggingstrecke zurückbringen.

Wohin mit der Asche der Nürnberger Kriegsverbrecher?

 

Krematorium am Ostfriedhof München
Bei der Hinrichtung in der Sporthalle des Nürnberger Gefängnisses war es zu Problemen gekommen Einige Hingerichtete starben durch Ersticken am Seil erst nachdem sich der Henker an die Füße hängte. Dieses führte auf den Fotos der Toten zu recht entstellten Körpern. Danach wurden die Leichen von Nürnberg nach München gebracht. Am Ostfriedhof steht noch heute das Krematorium in dem die Leichen damals anonym verbrannt wurden.


In der öffentlichen amtlichen Mitteilung wird verlautbart: „Die Leiche Hermann Wilhelm Görings ist zusammen mit den Leichen der Kriegsverbrecher, die gemäß dem Urteil des Internationalen Gerichtshofes am 16. Oktober in Nürnberg hingerichtet worden sind, verbrannt und die Asche im geheimen in alle Winde verstreut worden.“ Doch die Wirklichkeit ist anders, als diese offizielle Verlautbarung die Bevölkerung glauben läßt.
Danach bin ich immer davon ausgegangen, dass die Asche einfach in die Isar gestreut wurde.  

Die amerikanischen Soldaten fahren mit der Asche nach Solln


Zurück zum Mittwoch, dem 16. Oktober 1946. Wegen der massiven Eichensärge dauert die Einäscherung bis zum nächsten Tage. Vom Krematorium bringen US-amerikanische Soldaten am 17. Oktober 1946 die Asche der elf  Kriegsverbrecher des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses in die an der Heilmannstraße 25 gelegenen Villa Oberhummer. Die Villa liegt in der Villenkolonie Prinz Ludwigs Höhe elegant gelegen am Isar Hochufer zwischen Thalkirchen und Solln. Sicherlich haben sich hier führende Offiziere der US Army eine passende Einsatzzentrale oder ein Offizierscasino eingerichtet. 

In 11 schmucklosen Urnen in der Villa Oberhummer befindet sich nun die Asche der schlimmsten Nazi-Verbrecher, welche die Verantwortung für den Tod von Million unschuldiger Menschen trugen und ganze Länder in Schutt und Asche gelegt hatten.

Wenzbach unterhalb der Villa Oberhummer
Berichtet wird im weiteren Verlauf nun folgendes: "Drei oder vier Soldaten, ein hochrangiger US-Army-Offizier, der Chef-Bestatter der US-Armee, Major Rex S. Morgan, sowie ein ziviler Leichenbestatter steigen, die Aluminiumdosen in der Hand, eine Treppe hinunter zum tiefer gelegenen Garten. Durch diesen fließt der Wenzbach, ein kleiner, nichts-sagender Bach im Süden von München. Er entspringt in der Adolf-Wenz-Straße nahe der Großhesseloher Brücke und fließt auf nur etwa 1 km Länge entlang der Conwentzstraße und dem Isarwerkkanal, in den er beim „Isar-Flößerdenkmal“ mündet (siehe Bild ganz unten).

75 Meter unterhalb der Villa stellen die Soldaten neben dem, kaum drei Meter breiten Bach, die elf Zylinder in das Gras und beginnen mit Äxten auf die Urnen einzuschlagen bis sie aufplatzen.

Achtlos schütten sie den Inhalt, die sterblichen Überreste, der, am Vortag gehenkten deutschen Hauptkriegsverbrecher, in den Bach, der die Leichenasche davonträgt. Die leeren Behälter zerschlagen die Militärs mit Äxten und treten das zerfetzte Blech mit ihren Stiefeln platt. Nichts darf mehr von den Nazi-Verbrechern und deutschen Regierungsmitgliedern übrig bleiben, nichts soll mehr an den Abschaum der Menschheit erinnern."

Der Wenzbach verliert seine Unschuld


Die Sieger stellen sicher, dass niemand die Spur der sterblichen Überreste der Nazi-Führer aufnehmen konnte. Keine Reliquie, kein Andenken, keine Würdigung. Nichts. Die Asche der elf Nazi-Verbrecher sollte sich verdünnen mit allem Wasser dieser Welt, einer Welt, die durch deren Schuld und Barbarei, zu viel Leid ertragen musste. Niemand soll mehr den Totenkult huldigen wie er später z.B. an den Gräbern von Franco oder Rudolf Hess entehen wird.

Die Mündung des Wenzcreeks in den Floßkanal
Der unschuldige Wenzbach fliesst nach nur 1 km in den Flossländekanal. Mehrheitlich durch Privatgärten und einmal bildet er sogar einen idyllischen Teich aus. Beim Joggen quere ich Ihn regelmässig 2 mal. Nun hat er allerdings seine Unschuld verloren.  




Sonntag, Januar 3

Mit dem Wasser schwindet der Mythos: Alt-Fall taucht wieder auf

Der Silvensteiner Speichersee staut die Isar vor Bad Tölz und wurde in den 50er Jahren angelegt. Über eine gewaltige Staumauer konnte nun Energie gewonnen werden und der Wasserablass in die Isar kontrolliert werden. Bis dahin waren Städte wie Bad Tölz, Wolfratshausen oder auch München jedes Frühjahr von Hochwässern bedroht, nun wurde die Isar zu einem zahmen Gebirgsbach.

Silvenstein See Brücke

Die Brücke erinnert mich heute an einen norwegischen Fjord. Sie geht nicht nur gerade über das Tal, sondern schmiegt sich kurvig über den See.

Damit man überhaupt soviel Wasser aufstauen konnte musste damals der kleine Forstarbeiter - Weiler Fall den Wassermassen weichen und umgesiedelt werden. Fall? Ja, kleine Berühmtheit erlang der winzige Ort durch den Heimatroman von Ludwig Ganghofer: "Jäger von Fall" (hier bei Youtube als Verfilmung).

Der Mythos vom versunkenen Kirchturm

Kirche am Reschenpass/Südtirol
Lange ist es her, dass Fall also geräumt wurde und oberhalb des Sees eine neue Siedlung entstandt. Das Wasser bedeckte die Grundmauern von Alt-Fall für lange Zeit. Mythen ranken um die untergegangene Stadt. Bei Niedrigwasser soll man angeblich die Häuser und den alten Turm der Kapelle sehen können (wie am Reschenpass in Südtirol)

Alle 15 Jahre aber muss das Wasser des Sees abgelassen werden, damit die Stollen vor den Turbinen gereinigt werden. Nach 1999 ist das auch heuer wieder geschehen. Und die Aussicht auf einen Blick auf Alt Fall lockt viele Besucher in das tiefe Isartal. Die sozialen Netzwerke entfalten wohl Ihre Wirkung. Laut den Mitarbeitern des Kraftwerks waren 1999 lange nicht soviele Besucher dort.

Mehr zufällig bin ich am Samstag morgen über die Passstrasse von Wallgau herübergefahren. Das Wetter war klar und der sonst schlammige Grund des Sees tiefgefrohren. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und habe mir die Grundmauern von Fall angesehen.

Blick von der Brücke: der Author im Bild links
Eine Torauffahrt?
Ein alter Schacht unter den Mauern: 5-6 m tief

Ein versunkener Kirchturm ist nicht zu entdecken. Lediglich einige Schächte, die Grundmauern und Auffahrten zu alten Scheunen sind den Fluten entstiegen.

Dienstag, Juli 14

Bootsfahrt auf der Isar: Sprung vom Georgenstein

Warum hat es nur so lange gedauert? Nach 9 Jahren in München habe ich erst heuer die Isar als schiffbares Gewässer entdeckt. Nein also nicht mit taiwanesischen Trawlern unter liberischer Flagge sondern mit Gummibooten, Paddeln und Dosenbier.

Die klassische Distanz ist analog zu den grossen Holzflossen die Strecke von Wolfratshausen nach München zur Flosslände. Im Gegensatz zu den riesigen Holzflossen hält man sich aber mehr auf der Isar statt auf dem Isarseitenkanal auf.

Es gibt Anbieter wie Dr. Boot, die einem 10 Mann Boote zur Verfügung stellen und am Ankunftsort abholen. Der Weg ist also das Ziel.

Und die Isar hat einiges zu bieten. Erst von der Mitte des Stroms entfaltet sich die ganze Pracht des Isartals. Weite Kiesbänke, ausgespülte Uferwände oder ins Wasser ragende Bäume, Schwemmholz oder felsige Abschnitte mit Stromschnellen.

Dabei bleibt die Isar ein ganz sauberer Fluss, wovon Eisvögel und badende Menschen zeugen. Hinter Wolfratshausen flisst die Loisach in die Isar und durch das ein oder andere Stauwehr mit Bootsrutsche bleibt es spannend.
Ein besonderes Schmankerl wartet auf der Isar nach einer schnittigen Kurve kurz vor dem Wirtshaus in Schäftlarn. Hier ragt der Georgenstein aus dem Wasser. Ein ca 5 m hoher und 8 Meter breiter Monolit.

Früher war er ein Schrecken für die Flösser, für die er ein gewaltiges Hindernis darstellte. Andere Quellen behaupten hier hätte einst eine römische Brücke gestanden. Man wollte Ihn bereits mehrfach sprengen, heute zählt er aber zum Highlight einer Isar Fahrt.
Der Georgenstein auf der Isar bei Baierbrunn
Bei meiner letzten Tour vor einigen Wochen hatte ich es nur beobachtet, nun wollte ich es wissen. Man kann auf den Georgenstein klettern und von dort in die grüne schimmernde Isar springen.

Bereits wenige 10 Meter vor dem Stein lasse ich mich in die Isar gleiten und flüge durch die Isar an die stromseite des Felsen. Nach einem kurzen Kampf gelingt es mir mich auf eine Felskante zu hieven. Meine Bootsgemeinschaft hat bis dahin schon auf der Südseite angelandet.

Das Aussteigen und Anlanden ist durch die geteilte Strömung hier spielend leicht. Nun klettere ich barfuss an der fast senkrechten Felswand empor. Das hatte ich mir nicht so schlimm vorgestellt.

Klettern auf den Georgenstein
Heiner Free solo! (Vielen Dank an die Fotografin Anne ((C) Anne C.)
Oben komme ich an und mittlerweile warten 2 weitere Boote mit freundlichen Bootskollegen, die nichts anderes als meinen wagemutigen Sprung erwarten. An einigen Stellen kann man die Isar auf dem Weg nach München problemlos durchwarten. Das wasser ist nicht überall tief genug für einen Sprung. Für einen 5 m Sprung sollte am Georgenfelsen also genügend Wasser im Fluss sein.

Ich lasse es drauf ankommen und stürze wie ein nasser Sack unelegant mit angezogenen Füssen in die Isar. Ziemlich tief stosse ich in das weiche, aufgewühlte Wasser hinab. Es dauert länger als im ruhigen Wasser bis ich durch die Wirbel wieder an die Oberfläche gelange.

Auf dem Georgenstein
Es macht Spass und nach wenigen Minuten stehe ich wieder oben. Nicht ich, sondern Wikipedia lässt wissen:

"Im Jahre 1805 kenterte an dem Felsblock der Flößer Georg Müller. Er rief in seiner Not seinen Namenspatron um Hilfe. Nach seiner Rettung ließ er das Heiligenbild auf dem Felsen anbringen. Seit dieser Zeit heißt der Stein Georgenstein. Früher wurde er Großer Heiner genannt. Kleiner Heiner war dagegen der frühere Name des Michaelsteins."

Freitag, Juni 20

Von sympathisch bis entsetzlich: Kuriose Strassennamen in München

In München bin ich regelmässig mit dem Radl unterwegs. Ich empfehle es immer allen neu Zugroisten (bayerisch für Zugereister), damit man sich besser in München orientieren kann. U-Bahn fahren hilft bei der Orientierung leider nur bedingt.

Dabei fallen mir auch allenthalben kuriose Strassenschilder auf. Einige Strassenzüge oder Plätze mit interessantem Namen sind sicherlich noch vielen bekannt: Im Tal, Am Platzl oder Am Stachus (benannt nach dem Wirt Eustachius Föderl). 
Andere Strassen wie die "Papa-Schmidt-Str." bringen mich dann doch zum Schmunzeln wen ich vorbei radle. "Papa Schmidt" war der Inhaber des Marionettentheaters ums Eck im Gärtnerplatz-Viertel.

Bei einer Fahrt durch Untergiesing war ich bei einem mir neuen Strassennamen regelrecht entsetzt. Ich kenne die Blumenau bei München-Pasing, es gibt einen einigermassen berühmten Biergarten die Hirschau, und nun habe ich in Untersendling Au mit Birken gesehen. Birkenau.

Birkenau Strasse Untersendling
2006 war ich höchstselbst im Aussenlager Birkenau des Konzentrationslagers Auschwitz als Besucher. Ein grauenvoller Ort wo mir die Technisierung und ungeheure Dimensionen des Holocaust erst bewusst wurden.

Dass es eine Birkenau auch in andern Städten gibt und sogar als Gemeinde in Hessen war mir nicht bewusst und hat einige Zeit gedauert. Nun denn.

Freitag, Juni 10

Schlösser Flashmob auf der Großhesseloher Brücke




Das heroben ist eine Brücke über die Isar in München mit dem etwas sperrigen Namen Großhesseloher Brücke.
Sie verbindet Pullach mit Grünwald und thront 42m über der Isar. Während oben drauf BOB Bahn und S-Bahn rollen, kann man unten durch wunderbar die Isar zu Fuss oder mit dem Radl überqueren.
Die Aussicht bietet wahlweise einen Blick auf die Voralpen oder die Stadtshilouette Münchens.

Leider kam es bei der früherern Brückenkonstruktion nicht selten zu Selbstmordversuchen. Zwischen 1875 und 1995 sollen es etwa 290 gewesen sein. Daher ist der Fussgängerbereich mittlerweile vergittert und Sprungversuche somit zum Glück aussichstlos.


Die Brücke gehört dennoch zweifelsohne zu den romantischen Orten Münchens. Vielleicht hat sich deshalb ein Schlösser Flashmob dort etabliert. Was ist geschehen? Irgendwann muss ein Pärchen sich dort oben die ewige Liebe geschworen haben, indem es ein Vorhängeschloss an die Brücke kettete und danach den Schlüssel gemeinsam in die Isar beförderten. Diese Aktion hat Nachahmer gefunden und heute findet man eine Menge Schlösser am Zaun.
Schloss Brücke München Isar
Bildunterschrift hinzufügen

Fast jedes Schloss ist beschriftet. Man findet die Namen der Liebenden und einige mit dem ewigen Datum graviert. Interessant finde ich es von den Namen auf das jeweilige Alter des Schlosses zu tippen. So verordne ich "Gitta & Sepp" in die 50er 60er, Gerhard & Andrea in die 90er und so fort.


Ganz weit weg von München, ist mir so eine Flashmob-Verschmückung von Gittern schon einmal vorgekommen.

Nämlich an einem Highway auf der Südinsel in Neuseeland.

Genaugenommen in Cardrona im Cadriba Valley in der Nähe von Queenstown in Neuseeland. Dort gibt es grosse Schaffarmen, die durch kilometerlange Zäune vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann muss es einer Backpackerin zu heiss geworden sein, und sie hat ihren ausrangierten Büstenhalter einfach an den Zaun gehangen. Viele weitere folgten, so dass der Zaun des glücklichen Farmers mittlerweile auf einer Länge von mehreren Kilometern bunt verhangen ist und Gazetten aus aller Welt davon berichten.


In München wird es wohl vorläufig auf der Großhesseloher Brücke nicht zum BH-Flashmob kommen und bei den Liebesschlössern bleiben. Wobei man in einer Stadt mit "Nudebeach" im Englischen Garten und dem bayerischen Motto "Leben und Leben" lassen sicher auch BHs tolerieren wird.

Donnerstag, März 31

Der sterbende Schwan

Die ersten Frühlingstage und die hellen Stunden am abend haben mich wieder aufs Mountainbike gehievt. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man aus Münchens Mitte an der Isar entlang in das bayerische Oberland vorstossen kann. Hat man einmal bei Pullach den Radweg am Isar-Hochufer erreicht ist es einfach nur traumhaft. Die Strecke hat einiges zu bieten: Schotterwege, schmale Trails über Buchenwurzeln, herrliche Aussichten und immer wieder Biergärten, Biergärten, Biergärten.

Mountainbike Isar Trails Grünwald
Nach 25 km hat man dann mit der Benediktinerabtei Schäftlarn einen idealen Scheitelpunkt erreicht. Natürlich einen Scheitel mit Bräustüberl und Biergarten.

Am anderen Isarufer geht es dann über Grünwald zurück nach München. Im Moment ist das Isarufer so weit draussen vielleicht ob der Jahreszeit noch nicht zu sehr mit Bikern und Spaziergängern gefüllt. Die Isar ist hier noch ein richtig wilder Strom. Bevor er bis München durch diverse Flossschleussen und Wasserkraftwerke gezähmt wird. An diesem wilden Strom habe ich aus dem Augenwinkel im Schilf plötzlich einen weisslich schimmernden Fleck auf braunem Grund erhascht.
Die Überraschung ist gross als ich einen brütenden Höckerschwan auf einem Schilfnest identifiziere. Irgendwie habe ich mir noch nicht konkrete Gedanken gemacht, wo all die hübschen Schwäne in Münchens Parkanlagen herkommen. Sie werden also von eleganten, hübsch schlafenden Schwäninnen auf schwimmenden Schilfinseln im beschaulichen Isartal ausgebrütet.Brütender schwan GrünwaldDem Schwan werden wohl -wie nur wenigen anderen Tieren- edle humane Eigenschaften angedichtet. Ein Schwan wirkt anmutig, elegant ja gar romantisch, musisch. Der Schwanengesang bezeichnet die letzte Rede eines Politikers oder das letzte Werk eines bedeutenden Künstlers. Der sterbende Schwan und Schwanensee sind weltberühmt. Der Schwan kommt im Märchen vor, Richard Wagner verewigt Ihn in der Lohengrin Oper und die irische und griechische Mythologie (Leda..) handelt von Schwänen als Symbol der Reinheit.

Am Ortseingang von Grünwald werde ich jäh aus meinem Schwanentraum gerissen. Erzürnte Bürger haben einen Zeitungsartikel an einen der letzten Bäume vor Grünwald geheftet. Es geht um die Jagd auf Schwäne im Dezember letzten Jahres, die von Spaziergängern beobachtet wurde. Der Artikel stellt gleich zu Beginn fest, dass die Schwanenjagd rechtmässig war (unterliegen dem Jagdrecht). Dennoch haben sich die Jäger auch wohl etwas ungeschickt angestellt. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass es wohl kaum Proteste gegeben hätte wenn Jäger die Wanderratten Grünwalds bejagt hätten (unterliegen allerdings nicht dem Jagdrecht).

Das es eine Menge Schwäne in München gibt, stelle ich regelmäßig am beliebten Grillplatz auf dem Isarkies an der Tierparkbrücke fest. Hier wimmelt es von Schwänen, sicherlich auch weil sie den ein oder anderen Happen von tierfreundlichen(feindlichen) Grillern abbekommen.
Meine Schwanrecherche in Grünwald hat mich leider auf dem Bike aufgehalten. Angekommen bin ich nach knapp 4 Stunden 56 km später im dunkeln und kalten Regen. Am Wochenende soll es aber 25 Grad werden. Da bin ich sicher wieder on tour. Und diesmal fahre ich nicht nur vorbei an den Biergärten, Biergärten, Biergärten...

Freitag, Dezember 17

St. Max und Sichtverschmutzung


Welch ein schöner Anblick. Die Isarauen sind verschneit, die Ufer klirren vom Frost. Die rote Abendsonne zieht sich wieder langsam hinter die Alpen zurück, und davor thront der neuromanische Chor der Kirche St. Maximilian.

Mich hat die St. Maximilian Kirche immer ein wenig an englische Kirchen wie Westminster Abbey oder die Kathedrale von Lincoln erinnert. Erinnerung trügt bekanntlich, die Münchner haben St. Maximilian früher "Notre Dame an der Isar" genannt. Von vielen Punkten an der Isar ist auf jeden Fall der Sakralbau gut sichtbar.

Die Kirche von innen gesehen habe ich noch nicht, doch liest man immer mal wieder vom unorthodoxen Pfarrer der Gemeinde. Pfarrer Rainer Maria Schießler steht ab und an im Brennpunkt der Medien. Mitten im alternativen Glockenbachviertel gelegen, sind bei Ihm z.B. auch schwule und lesbische Firmhelfer aktiv, er träg
t ein Tatoo und hat während der Fussball - WM als Volontär gearbeitet.

Alles noch kein Problem, doch seitdem er bereits seit mehreren Jahre hintereinander als Bier-Bedienung im Schottenhamel Festzelt auf der Wiesn arbeitet -16 Tage, 10-11 Stunden täglich und morgens vorher noch eine Messe- rümpfen seine Kirchenvorgesetzten angeblich mit der Nase.
Das Bistum München Freising soll dem 47jährigen schon mitgeteilt haben, dass er als Wiesn Bedienung
keine Karriere mehr in der Kirche erwarten könne. Pfarrer Sch
ießlers antwortet lapidar, das habe er auch nicht vor.
Sein Wiesn Einkommen hält er in Tradition der Bedienungen auf dem Oktoberfest natürlich geheim. Dass er aber alles für ein Aids Projekt in Afrika spendet gibt er offen zu.

Zurück zur sonnig abendlichen München Bild. Das Bild zeigt nur die halbe Wahrheit. Der ganze Ausschnitt zeigt nämlich auch das Heizkraftwerk Süd an der Isartalstraße.

Wie man sich in München entschliessen konnte mit einem solch hässlichen Energieklotz die Aussicht zu verschandeln wird mir für immer verschlossen bleiben.
Immerhin fühle ich mich an meine Heimat in Ruhrgebietsnähe erinnert. Aber darauf könnte ich verzichten und vielleicht sogar auf ein paar Grad Temperatur im Winter.