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Sonntag, August 31

Neuer Italiener - neue Sprache

Bie mir in der Bergmannstrasse herrscht ein kulinarisches Kommen und Gehen.
Eigentlich bietet die Strasse im Münchener Westend einen typischen Querschnitt durch die gastronomische Fülle Münchens.

Angefangen vom Norden findet man eine Voll Assi Boazn, wo mich morgens schon Trinker begrüssen, gefolgt von einem griechischen Migranten Lokal, bevor es endlich mit einem Italiener (man sagt das immer so in München, nie bloss "italienisches Restaurant) und einem Augustiner Wirtshaus weitergeht. Schliesslich rundet ein derzeit angesagter Burgerrestaurant (Hans im Glück) das Essensangebot ab.

Der Italiener wird gerade umgebaut und bekommt wohl einen neuen Pächter. Die Fenster sind daher zu geklebt und geben dem interessierten Spaziergeänger eine geheime, mehrsprachige Botschaft mit:
Zunächst mal gibt es die Info, dass das Restaurant im Oktober (ottobre) eröffnet wird, nur auf italienisch. Schade, hätte vielleicht auch die nicht italienisch sprechenden Gäste interessiert.

Aber auch die Info in der deutschen Mundart dürfte im Süden für Verwirrung sorgen.

"Dann lur`n Sie doch mal rein!"

Wenn ich nicht den ein oder anderen Karnevalshit gehört hätte, wäre ich nun am Ende. Scheinbar meint der Münchner Italiener luren=schauen aus dem kölschen. Meine Sucher hat ergeben dass die Kölner sogar zu einer Brille=Luurmaschine sagen. Wann auch immer sestosenso eröffnet, ich freu mich drauf, die ham nämlich gute Google Bewertungen!

"et kütt wie et kütt..."

Mittwoch, August 15

Was macht die Klobürste im Hirschgarten? Masskrugtradition im Biergarten

Damhirsch im Hirschgarten
Der Hirschgartenbiergarten ist mit seinen fast 10.000 Plätzen nicht nur der größte Biergarten Europas. Er gehört auch zu den ursprünglichsten Biergärten Münschens. Heute ist der Hirschgarten ein Stadtpark, umgeben von den Vierteln Nymphenburg, Laim und Neuhausen. 
Früher aber bis ins 19te Jahrhundert muss er vor der Stadt gelegen haben, und die Kurfürsten fröhnten hier Ihrer Jagdleidenschaft. Neben dem Hirschen im Namen kann man sich ein Jagdrevier vielleicht am immer noch vorhanden Wildtiergatter vorstellen, wo Mufflons und Damhirsche friedlich zusammen grasen. Heute werden Sie nur noch von kleinen Kindern gefährdet, die durch Schilder extra darauf hingewiesen werden, diese wilden Tier nicht mit Abfällen aus dem Biergarten, wie Pommes oder Steckerlfisch zu füttern.

Alles in allem ist der Hirschgarten ein traditioneller Biergarten, den ich gerne aufsuche, wenn sich in den vielen anderen zentralen Biergärten Horden von Touristen und Businessleuten treffen. Für den gemeinen Tourist ist es nämlich nicht so leicht den Biergarten trotz seiner Größe zu erreichen. Zum einen liegt er nicht in Fussdistanz zum Marienplatz und zweitens braucht man von der Tram oder S-Bahn Haltsstelle noch gut und gerne 15 min bis in den Park. 

Im Hirschgarten ticken die Uhren noch ein wenig anders. Das merkt man schon bei der Abholung des Bieres an Schänke 1. Nein, man geht nicht hin und bestellt brav ein Helles, zahlt und sagt Danke! 
Nein vorher ist man selbst mit der Vorbereitung des Masskruges beschäftigt, was den einen oder anderen Erstling im Hirschgarten etwas ratlos zurücklässt.

Zunächst sieht er einen halb geöffneten Schrank mit hunderten von Masskrügen, dann ein Wasserbecken in dem einzelne Klobürsten liegen. Normalerweise sieht man zu Stosszeiten immer einige Touristen heimlich zugucken, die es dann einem nachmachen. Mir macht es dann immer Spass routiniert vorzupreschen und den Weg zu weisen. Das läuft im Hirschgarten folgendermaßen. 

Punkt 1: Man nehme sich einen leeren Maßkrug aus dem Schrank und prüfe Ihn auf Beschädigung oder grobe Verschmutzung. Sonst wird ein anderer genommen.
dieser Herr stiehlt keinen Masskrug im Hirschgarten......
Punkt 2: Ist der Masskrug unbeschädigt, geht es zum Wasserbecken, in dem ständig Wasser nachlaufen sollte. Hier nimmt man sich mit etwas Überwindung die Klobürste und wischt damit einmal durch das Innere des Masskruges. Eigentlich muss er nur vom Staub befreit werden.

Die Herren spülen freiwillig und unentgeltlich
Die königlich hirschgärtliche Klobürste
Punkt 3: Zur Schänke gehen und mit Bier füllen lassen. Hernach in die Sonne setzen und geniessen. Mitgebrachte Brotzeit verspeisen. Was lesen. Prosit!


    

Mittwoch, Juli 20

Machs mit

Vielleicht vom erfolgreichen McDonald`s Franchise abgekupfert, erfährt das Apostroph bei Ladenlokalen in München eine wahre Renaissance.

Eigentlich wollte ich nun ordentlich über die fehlerhafte Apostrophsetzung - auch Apostrophitis oder Idiotenapostroph genannt- herziehen. Schliesslich wird doch der Genitiv nur im Englischen ("david`s car"), nicht aber im deutschen Genitiv gesetzt. Gel? Das dachte ich.

Ein Blick in den Duden verrät mir, dass ich wohl nur bis 2006 recht hatte. Nämlich bis es "Willi`s Würstchenbude" in den Duden schaffte. Nun muss ich mich leider in die Tiefen der
Rechtschreiberegeln begeben.

Der Duden sagt klipp und klar:
"Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen."

1. Ausnahme: "Andrea's Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)"

(...leuchtet mir ein....)

2. Ausnahme: "Willi's Würstchenbude"

Das leuchtet mir gar nicht ein. Gibt es eine weibliche Form von Willi?

Ich halte die Regel eher für ein Einknicken vor dem englischen Apostroph. Oder die nachträgliche Genehmigung der massenhaften Verwendung des Apostrophs im Gastrogewerbe durch die Rechtschreibehüter. Verheimlichen will ich nicht, dass es im Münchner Gastrogewerbe auch (wenige) löbliche Ausnahmen gibt:

Pauls München

Durch die Ausnahme in Form von Willi`s Würstchenbude wird mir nun das Auffinden von "Deppen Apostrophs" in München deutlich erschwert.


Beliebt ist aber zum Glück immer noch das Setzen von "Apostroph`s" im Plural. Man google nur mal nach "Link`s" oder "Auto`s". Mein Traum wäre mal die Entdeckung von Worten mit falscher Pluralbildung und Apostroph, wie "Lexica`s" oder "Scampi`s". Gleich ein Haufen Rechtschreibfehler! Google gibt für die "Scampi`s" immerhin noch 1420 Suchergebnisse auf deutsch raus.

Ein richtiges Deppenapostroph habe ich aber schon entdeckt. Nicht in München, sondern im beschaulichen Werratal. Auf der thüringischen Seite nur knapp vor der Grenze zu Hessen liegt das Städtchen Treffurt. Die einzige passable Kneipe zum Durstlöschen nach einem Wandertag war das.......:


Mittwoch, März 23

Haustiere

In München ist das klassiche Haustier der Zamperl. Um 1900 noch zwischen Bierdackl, Salondackl und Gebrauchsdackl unterschieden, schafft er es heute noch maximal in die Souvenirläden Münchens. So gesehen in meinem Favorite Mitbringsel-Shop "Servus Heimat" als Häkeldackel:



Nun bin ich im Westend auf ein ganz anderes Haustier aufmerksam geworden. Ein trauriger Haustierfreund hat nämlich sein Alpen - Steinhuhn verloren:




Auf der Suche nach diesem possierlichen Tierchen plakatiert er nicht nur viele Ampeln voll, nein er lobt sogar noch eine Finderprämie von 200€ aus. Leider ist das Tier nicht zahm, und somit wohl etwas schwer zu fangen. Ich habe natürlich schon überlegt was so ein Steinhuhn (
A. g. saxatilis) wohl in einer gut sortierten Zoohandlung kostet. Sicherlich weniger als 200 €. Der Rest wäre dann Gewinn.

Ich mag es bei der Haustierwahl natürlich eher klassisch. Ausser dem Wolpertinger (lupus bavarensis nonsensis)
kommt mir nichts ins Haus.

Wer mir einen Lebenden bringt, dem gelobe ich meinen Gewinn aus der Steinhuhnaktion aus. Prosit!

Sonntag, Januar 30

Münchner Wintersport Nummer 1

Der Münchner Wintersport Nummer 1 ist nicht olympisch. Also zumindest nicht in seiner ursprünglichen Form. Er kann nur bei zapfigem Frost ausgeübt werden. Besonders eignen sich schmale lange Gewässer ohne weite Wege zum Ufer. Im Idealfall sportelt man mitten in der Stadt vor einer Kulisse mit Ambiente. Warme Getränke und a weng Schnappes zum warm bleiben dürfen nicht fehlen.


Lange Rede kurzer Sinn. Hierbei handelt es sich natürlich um das Eisstockschiessen. In München vor allem auf dem Nymphenburger Schlosskanal ausgeübt. Wegen seiner geringen Tiefe ist er eines der ersten Gewässer in München was zufriert. Der Kanal bietet Sicht auf das vor der untergehenden Sonne liegende Nymphenburger Schloss; und das lockt Horden von Münchner auf das Eis. Ein Pächter hat hier liebevoll und mit Mühe zig Eisbahnen präpariert und vom Schnee befreit. Sogar abends unter Flutlicht kann geschossen werden. Eine Eisbahn endet dann immer mit einem Kantholz.


Als Zugroister darf man sich zum Glück auch Eisstöcke und "Taube" ausleihen. Die "Taube", das ist der Holzblock an den es besonders nahe ranzukommen gilt. Und dann kann es eigentlich losgehen. Und so lange gespielt werden bis man seine Zehen nicht mehr spürt...

Montag, November 15

hinter oder vor?


Ich habe in neues Lieblingswort im bayerischen.
Vorher war es ja lange das Wörtchen "fei". Das finde ich so genial, weil man es quasi überall einsetzen darf.
Fei ist ein Wörtchen, mit dem man unterstreicht, was man gesagt hat. Es entspricht im Hochdeutschen am ehesten halt oder eben oder echt.

"Das hast du `fei` gut gemacht"
oder "Hui, Ich habe `fei` starke Kopfschmerzen".Nun hat das Fei aber Konkurrenz bekommen durch das Wort "hinter". Meines Erachtens wird es nämlich im baierischen ebenso fei kurios eingesetzt wie "Fei" selber.

In Bayern sag
t man nämlich zu etwas "hinter", wenn man voran gehen soll. Also nach vorne, oder weiter entlang.
Da macht für mich überhaupt keinen Sinn, und gerade deshalb liebe ich es fei so. Wenn etwas "hinter" etwas anderem ist liegt es ja wohl irgendwo Rückwärts gewandt. Aber nein. Der Bayer meint etwas was vor einem liegt. Fragt man zum Beispiel in München nach dem Weg zur nächsten Bier-Boazn sagt der Bayer:

"Doa gehst g`schwind die Strasse hinter, und loass dias schmeck`n"

Über dies bayerische Kauzigkeit kann ich noch schmunzeln. Die CSU aber kennt bei Immigranten kein Erbarmen. Gerade wurde auf eine Frist von einem Jahr zum Erlernen der deutschen Sprache bestanden.

Vielleicht gebe ich der benachbarten Gemeins(c)haft hier im Westend mal einen Rechts(c)hreibehinweis, damit Sie wie seit vielen Jahren schon, weiter Ihre Vereinsaktivitäten in Bayern ausüben kann!