Montag, August 28

Rastloses Leben für die Berge mit tragischem Ende: Hermann von Barth

An idyllischer Stelle im Herz des Karwendel liegt der kleine Ahornboden. Hier steht im Schatten der ältesten Bergahorne Europas das Denkmal für den Entdecker des Karwendels: Hermann Freiherr von Barth.



Für immer erhalten bleibt sein Name in den nördlichen Alpen durch Namen wie die von Barth Hütte, den von Barth Steig oder den Barthkamin. Ich selbst habe bei dem Namen Hermann von Barth immer an einen dieser abenteuerlustigen Adeligen gedacht, die im 19. Jahrhundert Wettrennen um die höchsten Alpengipfel aus Langeweile und als royalen Sport betrieben. Wie falsch ich liegen sollte!

Am Samstag stehe ich bei einer Karwendeldurchquerung zwischen Karwendelhaus und Falkenhütte erstmalig selber vor dem Gedenkstein.

Zwei Sachen auf seinem Gedenkstein machen mich  mehr als stutzig: von Barth (*1845) wurde nur 31 Jahre jung, und starb nicht beim Bergsteigen in den Alpen sondern in Angola, Afrika (*1876).

Es wird noch suspekter. Und zwar "jagte er sich in Westafrika eine Kugel in das fiebernde Herz" (wie in einem Nachruf des Magazins "Bergsteiger" steht).

Suizid des Karwendelentdeckers in Afrika!! Was für eine Wendung des Lebens! Da musste ich nachforschen!

Geboren und aufgewachsen ist von Barth in Eurasburg am Starnberger See. Als Sohn des königlichen Kämmerers war die Familie gut begütert, Barth zog nach München studierte Jura und strebte eine Karriere im Staatsdienst ab 1867 an.

Er ging gerne mit seinen älteren Brüdern zur Jagd, liebte die Natur, war aber bis 1868 nur einmal auf den Wendelstein gestiegen. Nun erfolgte die Versetzung von Regensburg nach Berchtesgaden ins Herz der deutschen Nordalpen und bei von Barth muss es "klick" gemacht haben! Von seinen Einsatzorten als Referendar in Traunstein und Sonthofen erkundet er die nördlichen Kalkalpen.

Zeit der ersten Gipfel


In den Berchtesgadener Alpen ersteigt er in seinem ersten Einsatzjahr 69 Gipfel. 10 davon als Erstbesteiger. Er ist als Einzelgänger unterwegs und holt sich nur selten Tips von Schäfern oder Jägern. Die Bergführer, welche immer die gleichen Gipfel bestiegen, verachtet er. Doch Barth erweist sich nicht als der ungestüme Draufgänger. Er beginnt seine Touren minutiös aufzuzeichnen, erlernt das Zeichnen und sammelt sogar nebenbei noch kistenweise Mineralien.

Seine äußerst strapaziösen Unternehmungen betreibt er mit ungeheurer Intensität, ja er scheint geradezu lichterloh vor Energie zu brennen. Als Rechtsreferndar muss er damals ein Exot gewesen sein, der sich kaum in die juristische Gesellschaft und fürstliche Sommerdrische integrierte. Dafür erledigte er aber alle juristischen Aufgaben zur höchsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten.

Er lässt sich 1869 ins Allgäu versetzen und erkundet von Sonthofen im Sommer 44 Gipfel, davon 3 als Erstbegeher.  B

Er muss eine ungeheure Ausdauer besessen haben. Überliefert sind 10 stündige Touren von Oberstdorf zum Grossen Krottenkopf in 8 Stunden und darauf folgend den Hochvogel von Sonthofen in 9 Stunden.

von Barth mit alpinen Stock

Besonders interessant ist ein Verpflegungsdetail: sein Trinkwasser nahm er stets in einer Champagnerflasche abgefüllt mit in die Berge. Ansonsten bevorzugte er unterwegs Kaffee und "Liebigs Fleischextrakt". Zudem hatte er noch einen Pinsel und Farbe dabei, um sich am Gipfel namentlich zu verewigen.

Entdecker des Karwendel


Um zum heutigen Entdecker des Karwendel zu werden, benötigt der rastlose Barth nur den einen Sommer 1870. Er bezwingt wahnsinnige 90 Gipfel, 12 davon als Erstbesteiger (u.a. Birkkarspitze, mittlere Lalidererspitze oder neue Wege aufs Lamsjoch). Es werden seine Lieblingsberge. Die tiefen Täler sind einsam sind bis dato und nur von wenigen Jägern und Schäfern aufgesucht werden. Viele der Berge haben noch nichtmal einen Namen. Er zeichnet und schreibt weiter minutiös. Alleine sein Manuskript über den Bereich "Aus dem Quellen-Gebiete der Isar: {Karwendel}" wächst am Ende auf über 970 Seiten an.



Mit seinem Ehrgeiz einen Wanderführer zu schreiben, um nicht mehr auf ortskundige Führer angewiesen zu sein, begründet er einen komplett neue Herangehensweise im Bergtourismus.
Enttäuscht muss er aber im Winter des Jahres feststellen, dass niemand seine Beschreibungen als Buch veröffentlichen möchte. Die Zeit ist noch nicht reif. Barth ist seiner Zeit einfach voraus.

Das Jahr 1871 wird sein Wettersteinjahr. Natürlich steigt er auch hier auf alle namenhaften Gipfel. So ist überliefert, dass Barth zunächst vom Reintaler Hof in Garmisch aus auf die Alpspitze und gleich am nächsten Tag im neunstündigen Marsch auf die Zugspitze lief! Welche sportliche Leistung! Ihm gelingen im bereits populären Wetterstein sogar Erstbegehungen u.a. auf den grossen Waxenstein und die mittlere Dreitorspitze.

Wanderung mit Blick auf Barths Erstbegehungen im Karwendel

Aus Enttäuschung über die mangelnde Nachfrage nach seinen Notizen, unterlässt er es aber im Wetterstein seine Aufzeichnungen weiterzuführen. Immerhin gibt er sich in den folgenden Jahren komplett seiner Passion hin, kündigt seine Stelle als Jurist 1872 und beginnt 1873 ein Studium der Geologie, Geografie und Paläonthologie in München.

Da meldet sich 1873 unerhofft der Amthor Verlag aus Leipzig und möchte seine Notizen als Buch veröffentlichen. Von Barth holt einige seiner Notizen nach und 1874 erscheint ein umfangreicher, absoluter Klassiker der deutschen Bergliteratur: Aus den nördlichen Kalkalpen.
Von Barth wird mit einem Schlag zum Begründer der alpinen Führerliteratur und mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Barth bleibt auch als Student ruhelos und zeigt seine Zielstrebigkeit, denn er promoviert bereits 1875 summa cum laude an der philosophischen Fakultät. Zerstreuung findet er angeblich nur als einer der ersten Hochradfahrer in München.

Rastlos geht es in Afrika weiter


Mit Abschluss seines Studiums sucht von Barth eine neue Herausforderung. Im Jahr 1871 war der Afrikaforscher David Livingstone mit einer grossen Pressekampagne von Sir Mortan Stanlay wiederentdeckt worden. Dass muss auch im damals beschaulichen München grosse Aufmerksamkeit in den Zeitungen und bei Barth gefunden haben.

Und so passte es der "Deutschen Afrikanischen Gesellschaft" wohl nur ganz gut, diesen intelligenten, draufgängerischen Wissenschaftler für eine Westafrikaexpedition zu verpflichten. Im Januar 1876 tritt Barth die Schiffsreise von Hamburg auf den schwarzen Kontinent an. Auf der Zwischenstation auf den Kapverdischen Inseln besteigt er schnell die wichtigsten Gipfel der Inseln und sammelt Daten.

Im Juli beginnt seine Reise ins innere der portugisische Kolonie Angola. Hier wird der robuste Barth von einer Tropenkrankheit infiziert. Mitte August entschliesst er sich zur Umkehr und trifft am 1. November völlig entkräftet mit nur noch wenigen Trägern wieder in Loanda ein. In seinem letzten Brief an die Familie vom 27. November vermerkt er: „… es liegt eine totale Erschütterung der ganzen Natur vor…“.

Am 7. Dezember 1876 macht Hermann von Barth, durch die tropische Krankheit gezeichnet im Fieberwahn, seinem kurzen Leben mit einem Herzschuss ein Ende. Er ist erst 31 Jahre alt. Man begräbt Ihn in Loanda.

Die DAV Sektion Augsburg errichtete bereits 1881 an Barths geliebten kleinen Ahornboden, mitten im Herzen des Karwendels das heutige Denkmal für eine der bedeutensten Persönlichkeiten der Alpingeschichte. Was hätte dieser tatendurstige Mann noch alles entdecken und welches ereignisreiche Leben leben können. Es blieb ihm verwehrt.

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Wehmütig blicke ich nun auf meine schönen Tage im Karwendel zurück. Im Gegensatz zu meinen Bergkameraden habe ich in diesem Jahr auf 2 Kraxelstecken verzichtet und setze auf den klassischen Bergstock, den ich von der Gamsjagd kenne.
Erstaunt lese ich, dass auch Barth den alpinen Stock als technisches Hilfsmittel gebrauchte:  "zur Überwindung von Spalten und Bächen benutzte er einen langen Alpenstock, den er gleichsam als Sprungstab einsetzte".

Sein alpiner Stock als Einsatzgerät für meine Touren, das bleibt mir vom Karwendelerschliesser!




Sonntag, April 23

2 Denkmäler und eine Entdeckung

Kurt Eisner haben wir die Ausrufung der Bayerischen Republik im Jahre 1919 zu verdanken. Aus den nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Räten kreirte er eine Staatsform:

„Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt!
Bayern ist fortan ein Freistaat!“
Kurt Eisner: Ausrufung der Republik am 8. November 1918

Er muss ein mutiger und kluger Mann gewesen sein:

„Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“
Kurt Eisner

Als er dann aber die ersten freien Wahlen auch für Frauen ausrief, gab es für seine Partei -die USPD- eine krachende Niederlage mit nur 3% der Stimmen. Das konservative Bayern entschied sich doch lieber für einen Vorgänger der CSU (die Bayerische Volkspartei).

In der antisemitischen Zeit hatte Eisner es als Jude und linker Politiker nicht leicht in Bayern. Er sah die Niederlagre ein und wollte am 21. Februar 1919 im Landtag seinen Rücktritt verkünden. Wegen verschiedentlicher Morddrohungen riet man ihm vorsichtig zu sein. Er reagierte darauf in lakonischer Art und wählte den direkten Weg in der Öffentlichkeit über den Promenadenplatz am Bayerischen Hof.

„Man kann einem Mordanschlag auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen.“   
Kurt Eisner

Genau dazu kam es leider und er wurde von einem nationalistischen adeligen Studenten Anton Graf Arco mit 2 Schüssen ermordet.

Ein interessantes Denkmal erinnert heute an die Stelle des Mordanschlages. Ein im Boden eingelassene Metallplatte trägt die Form des am Boden liegenden Kurt Eisners. Man kann natürlich kritisch sein ob es notwendig ist, dass sein Denkmal immerwährend mit Füssen getreten wird.

Kurt Eisner Denkmal

KURT EISNER, DER AM 8. NOVEMBER 1918
DIE BAYERISCHE REPUBLIK AUSRIEF,
NACHMALIGER MINISTERPRÄSIDENT
DES VOLKSSTAATES BAYERN, WURDE
AN DIESER STELLE AM 21. FEBRUAR 1919
ERMORDET.

Ein aktuelleres Denkmal habe ich an der Hopfenstrasse direkt am Hochhaus des BR gefunden. Obwohl ich die Börse am Karolienplatz vermute stehen hier Bulle und Bär. Die Zeichen für fallende und steigende Kurse an der Börse. Wie immer, alles was man an den Börsen in New York und Frankfurt vorfindet, soll auch in München zusehen sein. Allerdings in etwas bescheidender Form:

Bulle und Bär München Börse

Dabei sollen die Zeichen aus der rauhen Zeit der Stierkämpfe kommen. Nach erfolgreichen Börsengeschäften vertrieb man sich die Zeit bei Tierkämpfen. In den Arenen kam es auch zu Kämpfen zwischen Bulle und Bär. Während der Bulle nach oben stoss, versucht der Bär den Stier mit den Tatzen nach unten zu drücken.

Sonntag, Februar 26

Die Kirche an der Erdfunkstelle Raisting

Kirche Erdfunkstelle Raisting
Eine Kirche im barocken Stile

Eine barocke Kirche, alte Bäume mit Krähen und im Hintergrund die Berge. Ja man befindet sich in Oberbayern. Allerdings ist die Gemeinde Raisting am Südende des Ammersees für ein ganz anderes Wahrzeichen bekannt.

Erdfunkstelle aus dem kalten Krieg

Im Jahr 1963 wurden von der deutschen Bundespost hier mächtige Parabolantennen aufgestellt für die Kommunikation mit Nachrichtensatteliten. Beim zweiten Blick auf das Bild fällt dem geneigten Leser vielleicht schon die Sattellitenschüssel links neben dem Baum auf?

Insgesamt stehen dort 7 mächtige Schüsseln, die der Gegend ein bizarres Antlitz verleihen und schon von weitem sichtbar sind:

Kirche Raisting Sattelit
Eine Kirche mit surrealer Begleitung

Und wer das Kircherl einmal mit den Alpen im Hintergrund sehen möchte, muss sich an diesen Anblick gewöhnen:

Kirche Raisting Sattelit

Warum stehen die Antennen in Raisting?

Man suchte nach einem Punkt im Süden Deutschlands knapp vor den Alpen. Zusammen mit der natürlichen Beckenform des Ammerseer Tales können so andere störende Funkstrahlen natürlich abgehalten werden. Hinzukommt die räumliche Nähe zum Grossraum München.

Bedanken können wir uns für die Funkantennen auch für die Übertragung von Grossereignissen. Stolz erklären Schautafeln, dass ohne die Raistinger Erdfunkstelle keine Übertragung der Mondlandung und der Olmpischen Spiele 1972 in München möglich gewesen wäre.

Im Jahr 2006 wurden die Antennen von der Telekom an das US Unternehmen EMC verkauft. Das Unternehmen stellt im Auftrag u.a. der UN Satteliten gestützte Kommunikation für entlegene Regionen bereit. Auf welchen Servern in den USA diese Daten noch zur Verfügiung gestellt werden lässt sich leider nicht recherchieren.

Sonntag, Januar 1

Smog, Böller, Bürgerkrieg in der Schwanthaler Höhe

Neujahr Theresienwiese
Der Neujahrsspaziergang durch die Schwanthaler Höhe glich heut einem Gang durchs Schlachtfeld. Überall Böller, zerbrochene Flaschen, Plastik und im Hintergrund brummten noch vereinzelt Böller. Eine Mischung aus Waterloo, Verdun oder dem Gemälde von Eugène Delacroix "die Freiheit führt das Volk".

Delacroix und Pulverdampf in der Luft.

Auf der Theresienwiese haben wir das neue Jahr begrüsst. Das ist eigentlich wunderbar. Genug Platz um selber ein wenig zu böllern und gleichzeit hat man Sicht auf das bunte Spektakel der anderen. Gestern dann aber das: Es hing über München eine solche Nebelglocke, dass die bunten Silvesterraketen kurz nach dem Start verschluckt wurden und nur noch ein Leuchten im Nebel zu sehen war.

Heute hat sich dann der Nebel mit dem Qualm der Böller vereint und eine wunderbare Smog Glocke überdeckt München.


Smog München Schwanthaler Str
Smog über der Schwanthalter Strasse

Das macht aber in der Tat nicht ganz soviel aus, weil meine Freizeitpläne ob der gestrigen Silvesterveier eher begrenzt waren.



Das war auf jeden Fall ein feierlicher Start ins Jahr 2017.

PS: Nun hat es die SZ auch erkannt und berichtet von der sau hohen Feinstaubbelastung an Silvester!


Müll Neujahr Bavaria
Wer räumt das wieder auf?


Mittwoch, Oktober 19

Magische Orte: warum erinnert der Ahornboden noch heute an den 30 jährigen Krieg?

Im Karwendel habe ich einen neuen magischen Ort gefunden. Der große Ahornboden liegt am Ende des Risstales in Tirol, ist aber nur von Deutschland zu erreichen. Dafür muss man vom Sylvensteiner See oder über die Mautstrasse von Wallgau aus bis zum alten Posthof an der Isar nach Vorderriss folgen. Bereits an diesem abgelegenen Ort fühl man sich in eine andere Zeit versetzt. Die Isar wird hier noch nicht gestaut, so dass Sie ein beinahe 300m breites Urstromtal bildet.

der große Ahornboden

Und dann geht es erst los, man fährt noch 25km den Rissbach folgend ins Karwendel hinein. Irgendwann quert man den Rissbach und befindet sich in Österreich. Wie so oft erkennt man dies an den anders designten Strassenpfosten.

Nun geht es über Hinterriss (hier kann man Gämsen in einem Gatter sehen) an eine Mautstation und dann kündigen die ersten Ahornbäume auch schon die weite Alm am Ende an. Hier weitet sich nämlich plötzlich das schmale Rissbachtal zu einer weiten, grünen Talalm. Wegen der hohen Felswände an 3 Seiten hat es mich an das Yosemite Tal erinnert. Zwar wird das Tal mit Vieh bewirtschaftet ist aber als Sonderfall von über 2000 Ahornbäumen bewachsen (bei einer Zählung in den 60er Jahren waren es 2409). Die Bäume sind ziemlich knorrig und 300-600 Jahre alt.


knorrige Bergahorne am Ahornboden


Das Tal wir seit Jahrhunderten von Tiroler Bauern bewirtschaftet, trotz der völlig abgelegenen Lage. Ja man hat sogar ein Schwert aus der Bronzezeit gefunden. Die Engalm am Ende des Ahornbodens ist dabei im Winter wegen Lawinengefahr komplett verlassen.

Aber warum hat man dann nicht die Ahornbäume abgeholzt, um das Tal viel effizienter zu bewirtschaften?

Bergahorne Ahornboden Eng


Der 30-jährige Krieg muss eine furchtbare Zeit gewesen sein. Wenn man liest was ein Schwedentrunk ist, oder wie München oder Magdeburg geplündert wurden, kann man sich vorstellen, dass ganze Landstriche entvölkert waren. So muss es auch im Risstal gewesen sein. Viele der Bäume kann man ziemlich genau auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datieren (30 jähriger Krieg 1618-1648). Daher wuchsen über 30-50 Jahre Ahornbäume am Boden der Alm aus ohne von Vieh oder Menschen abgeholzt zu werden. Schliesslich müssen Sie zu gross geworden sein, als dass man Sie noch abholzen konnte.

alter Bergahorn am Ahornboden Eng Karwendel

Heute erreichen einige dieser alten Kriegsbäume Ihre natürliche Altersgrenze und zersplittern oder verfaulen. Immerhin gibt es ein Projekt, neue Ahornbäume anzupflanzen, damit die eindrucksvolle Kulturlandschaft erhalten bleibt (zur Baumpatenschaft).

Wenn ich beim Wandern unterwegs bin, bin ich oft von den Andenken-Materln fasziniert. Ein ganz besonderes habe ich kurz vor der Engalm entdeckt, etwas abseits des Weges an einer kleinen Baumgruppe. Hier muss ein Jäger beim edlen Waidwerken verstorben sein:

"Nach einem guten Schuss kam er in Gottes Schoss"

Materl Jäger Ahornboden

Dienstag, Februar 23

Was es mit den roten Kabeln im Münchener Westen auf sich hat

Rote Kabel Schwanthaler Höhe
Sie hängen lose von den Dachrinnen, Sie führen offen an den Gehwegen entlang, Sie liegen in Bündeln an den Strassenkreuzungen: Rote Kabel machen mich in der Schwanthaler Höhe seit Wochen stutzig. Geht es hier um Datenklau im großen Stil? oder wird hier etwa Strom abgezapft? NSA in München?

Rote Kabel Bündel Schwanthaler Höhe München

Rote Kabel übertragen Daten


Nach einigem Suchen habe ich tatsächlich eines der wenigen Infoposter gefunden. Die Stadtwerke München führt derzeit seismische Messungen durch. Seismische Messungen in München? Leben wir hier etwa auf einem Pulverfass von Erdbebengebiet? München in einer Reihe mit Tokio, San Francisco oder Neapel?

Nein so schlimm ist es dann doch nicht. Die seismischen Messungen sind scheinbar die Grundlage für spätere Bohrungen zur Anzapfung von Geothermie. Durch die Messungen soll ein detailliertes Bild der geologischen Beschaffenheit des Untergrundes erstellt werden.

 

Vibro Fahrzeuge erzeugen seismische Wellen


Damit die Kabel auch wirklich Messungen übertragen bedarf es der Vibration des Bodens durch spezielle Vibrations-Fahrzeuge (liebevoll von der SWM Vibro Fahrzeuge genannt). Und diesen Fahrzeugen möchte ich im Gegenverkehr lieber nicht begegnen:

Vibro Fahrzeuge München Geothermie Seismik
Quelle: geothermie-traunstein.de
Die SWM wollen München zur ersten deutschen Grossstadt machen, in der die Fernwärme zu 100% aus erneuerbaren Energien (Geothermie) kommt. Dabei ist der Münchner Süden scheinbar besser geeignet als der Norden. Das liegt daran, das die Kalksteinschicht zu den Alpen im Süden abfällt und das Wasser daher tiefer und somit mit höherer Temperatur vorhanden ist. Alle weiteren Details erfährt man auch im schönen Geothermie Video auf dem Youtube Kanal der Münchner Stadtwerke:



Bis März 2016 sollen die Seismik Messungen aber abgeschlossen werden und die roten Kabel dürften auch in der schwanthaler Höhe abmontiert sein.

Sonntag, Januar 3

Mit dem Wasser schwindet der Mythos: Alt-Fall taucht wieder auf

Der Silvensteiner Speichersee staut die Isar vor Bad Tölz und wurde in den 50er Jahren angelegt. Über eine gewaltige Staumauer konnte nun Energie gewonnen werden und der Wasserablass in die Isar kontrolliert werden. Bis dahin waren Städte wie Bad Tölz, Wolfratshausen oder auch München jedes Frühjahr von Hochwässern bedroht, nun wurde die Isar zu einem zahmen Gebirgsbach.

Silvenstein See Brücke

Die Brücke erinnert mich heute an einen norwegischen Fjord. Sie geht nicht nur gerade über das Tal, sondern schmiegt sich kurvig über den See.

Damit man überhaupt soviel Wasser aufstauen konnte musste damals der kleine Forstarbeiter - Weiler Fall den Wassermassen weichen und umgesiedelt werden. Fall? Ja, kleine Berühmtheit erlang der winzige Ort durch den Heimatroman von Ludwig Ganghofer: "Jäger von Fall" (hier bei Youtube als Verfilmung).

Der Mythos vom versunkenen Kirchturm

Kirche am Reschenpass/Südtirol
Lange ist es her, dass Fall also geräumt wurde und oberhalb des Sees eine neue Siedlung entstandt. Das Wasser bedeckte die Grundmauern von Alt-Fall für lange Zeit. Mythen ranken um die untergegangene Stadt. Bei Niedrigwasser soll man angeblich die Häuser und den alten Turm der Kapelle sehen können (wie am Reschenpass in Südtirol)

Alle 15 Jahre aber muss das Wasser des Sees abgelassen werden, damit die Stollen vor den Turbinen gereinigt werden. Nach 1999 ist das auch heuer wieder geschehen. Und die Aussicht auf einen Blick auf Alt Fall lockt viele Besucher in das tiefe Isartal. Die sozialen Netzwerke entfalten wohl Ihre Wirkung. Laut den Mitarbeitern des Kraftwerks waren 1999 lange nicht soviele Besucher dort.

Mehr zufällig bin ich am Samstag morgen über die Passstrasse von Wallgau herübergefahren. Das Wetter war klar und der sonst schlammige Grund des Sees tiefgefrohren. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und habe mir die Grundmauern von Fall angesehen.

Blick von der Brücke: der Author im Bild links
Eine Torauffahrt?
Ein alter Schacht unter den Mauern: 5-6 m tief

Ein versunkener Kirchturm ist nicht zu entdecken. Lediglich einige Schächte, die Grundmauern und Auffahrten zu alten Scheunen sind den Fluten entstiegen.

Sonntag, November 29

Deutsch-Französische Freundschaft: Was mich gefreut hat

Nach den Attentaten von Paris stand auch München unter Schock. Das alljährliche Oktoberfest bietet immer wieder ein potentielles Attentatsziel. Also war die Anteilnahme gross.

Aber wohin bloss mit den Trauergefühlen? Neben den Tricolore Flaggenmotiven bei Facebook hatte man in München einen realen Ort für die Trauer gefunden. Das Deutsch-Französische Konsulat München in der Schwanthaler Höhe. 
Neben viele Trauerkerzen, findet man auch Briefe, Tricolore Flaggen oder deutsch-französische Freundschaftsdrucke.
Eine tolle Geste der Münchener im Zeichen des Terrors wie bereits damals bei Dieter Hildebrandt und Michal Jackson. Meine Freude der Woche.

Samstag, Oktober 17

Lach- und Schiessgesellschaft - Das Kabarett beginnt im Namen

Die Lach- und Schiessgesellschaft genisst als politisches Kabarett Kultstatus in München. Wirklich eine Schande, dass ich erst einmal in den den letzten 9 Jahren dort war.

Die Spielstätte ist an der Münchener Freiheit in Richtung des englischen Gartens. In den anliegenden Strassen findet man zB. mit dem Lustspielhaus an der Occamstrasse noch weiteren Kleinkunst und Theaterbühnen. Hier kann man noch spüren, dass Schwabing einst eine intellektuelle, antibürgerlichen Athmosphäre barg. Immerhin gab es hier in Schwabing schon im Jahrzeht vor den 68er Krawallen in Paris und Berlin solche Tendenzen. Die "Schwabinger Krawalle" sind ein solches Zeugnis mit immerhin 40.000 jugendlichen Teilnehmern und berittenen Polizisten (laut Wikipedia).

Aber kommen wir zurück zur Lach- und Schiessgesellschaft. Von Dieter Hildebrandt 1956 gegründet spielten z.B. Bruno Jonas, Werner Schneyder und Jochen Busse in dem Kabarett. Wenn man sich die alte Aufnahme bei Youtube ansieht, kommt zwar einiges verstaubt rüber, aber man sehnt sich etwas weniger Comedy und mehr Inhalt in die deutsche Komikszene (aber das ist ja nichts Neues). 

 

Das Kabarett beginnt im Namen

Ehrlich gesagt tragen viele Kabaretts merkwürdige Namen. Man denke an die Wühlmäuse und Stachelschweine in Berlin, in München gibt es den Schlachthof und Kaktus. Was es aber mit der Lach- und Schiessgesellschaft auf sich hat, hatte sich mir nie erschlossen.

Kürzlich beim Geld abholen in einer alten Filiale der Hypo-Vereinsbank (mittlerweile Unicredit) in der Schwanthaler Höhe stosse ich beim Rausgehen auf ein dezent angebrachtes altes Blechschild einer Sicherheitsfirma. Siehe da! Es gibt Sie wirklich: die Münchener Wach- und Schliessgesellschaft.

Wach- und Schliessgesellschaft München