Montag, Juli 29

Warum die Münchner Weisswurst das Läuten der Glocken nicht hören darf!?

Seit einigen Monaten gehöre ich gleich 2 traditionellen bajuwarischen Vereinigungen an. Ich spiele in einer Schafkopfrunde und treffe mich mit alteingesessenen Freunden aus dem Münchner Südwesten zum Stammtisch.

Am Sonntag stand heuer erneut ein Frühschoppen in Großhadern an. Wie in anderen katholischen Gegenden Deutschlands auch, wurde er auf 12 Uhr nach dem Kirchbesuch gelegt. Passend dazu gab es die Frühschoppenmahlzeit Süddeutschlands:

Weisswurst, Breze, süßer Senf und dazu Weißbier.  

Traumhaft. Zum Glück mussten wir nicht im angrenzenden Augustiner speisen, dort hätte es nach 12 Uhr keine Weiwurst mehr gegeben. In traditionellen Häusern gilt noch immer die strikte Regel, dass nach 12 Uhr keine Weißwurst mehr verkauft wird. Nicht wenige resolute Wirtsfrauen habe ich schon um Punkt 12 dabei beobachtet die Angebots-Schilder reinzuholen.

Bisher haben mir die aufgeklärten Bayern immer weissmachen wollen, dass es die Weißwurst nur bis 12 Uhr gibt, weil Sie früher morgendlich frisch gemacht wurde und ob fehlender Kühlmöglichkeit frühzeitig verzehrt werden müsse.


Die Handwerker sind Schuld an der Weisswurstverknappung



Nun habe ich von einer weiteren Theorie gelesen:

Die Weißwurst galt als morgendlicher Snack der Handwerker und ist bis heute eine günstige Angelegenheit (hier: 99 ct.) - zum 150 jährigen Jubiläum waren einen Sommer in ganz München 2 Würste für 150 ct zu bekommen. Damit die Wirtshäuser mittags Platz für spendierfreudigere Kundschaft hatten, wurden die Handwerker um 12 Uhr herauskomplimentiert. Irgendwie scheint mir das für Money-Munich die plausiblere Deutung.

Gerne gebe ich noch kurioses zur Weisswurst preis:

  • die weisse Farbe der Weißwurst kommt vom Salz. Anstatt dunkeleres Pökelsalz kommt normales Kochsalz in die Weißwurst. Dazu noch Schweine- und Rindsfleisch und Zitrone und Kräuter wie Petersilie.
  • in angesehenen bayerischen Kreisen ist das "wie" beim Essen der Wurst umstritten -  und nur auf drei Wegen darf gegessen werden. 1. Man lutscht bzw. "zutzelt" Sie aus dem Darm. 2. Man teilt Sie mit Messer und Gabel in 2 Hälften und nun schält man Sie aus dem Darm. 3. Mit einem Kreuzschnitt beginnt man nach und nach die Haut abzuziehen  und den Inhalt abzutrennen.
  • Weißwurst wird von den Bayern niemals als Paar bestellt, sondern es wird immer die korrekte Anzahl an Würsten genannt.
  • Serviert wird die Weißwurst in einer Art Suppenschüssel im warmen Wasser, damit Sie schön warm und geschmeidig bleibt. In touristischen Wirsthäusern versuche ich dann immer Amerikaner etc. dazu zu animieren das Wasser, in dem sich die Würste tummelten als Tagessuppe zu empfehlen. 
  • Ganz wichtig: Weisswürste niemals kochen, dann platzen Sie! Einfach Wasser aufkochen -Herdplatte aus- Sprudeln abwarten und hinein mit den Weiwürsten. Nach 10 Minuten sind Sie perfekt.
An Guadn.



Montag, Juli 15

Münchner Hausberge: Tierischer Mythos an der Benewand

Endlich ist auch in München der Sommer vollends angekommen. Das heisst natürlich Biergarten, Sonnebrille, Isar und für mich in der letzten Zeit regelmäßig: Wandern.

Da ich eigentlich nicht jede Tour einzeln hier beschreiben möchte, picke ich einfach mal ein Schmankerl heraus. Die Münchener wandern ja nun schon seit über hundert Jahren. Nachdem das Wandern in den 90er Jahren noch als langweilig und uncool galt, haben die jüngere Generation und wohl auch die Sportindustrie einen hellen Moment gehabt und plötzlich wird wieder gewandert was das Zeug hält (und Geld dafür ausgegeben). Soeben habe ich gelesen, dass der Deutsche Alpenverein DAV sein 1.000.000tes Mitglied geehrt hat. Soviele Mitglieder wie noch nie. Sie werden jünger, sie werden weiblicher, unsere Wandersleute.

Lustigerweise haben sich die interessanten Berge rund um München natürlich in den letzten 100 Jahren nicht sehr verändert. Somit kann ich immer noch auf ein Buch zurückgreifen, welches Wanderungen auf die "Münchner Hausberge" beschreibt und schon über 30 Jahre alt ist. Um ein Münchner Hausberg zu werden, musst du mindestens 1600m hoch sein, am besten zum Startpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus München anreisbar sein, natürlich ein Gipfelkreuz besitzen und wenn möglich eine bewirtschaftete Hütte auf deiner Flanke haben.

Vor allem Berge rund um den Tegernsee, im Isartal, am Walchensee, im Estergebirge, den Ammergauer Alpen und im Chiemgau und dem Wetterstein erfüllen solche Kriterien. Unter den Hausbergern finden sich solch illustre Namen wie der Hirschberg, Wallberg, Heimgarten, Herzogstand, Kramer, Ettaler Mandl, Risserkogel, Rotwand, Wendelstein und -und nun kommen wir meiner Tour näher: die Benediktenwand.

Die Benediktenwand schafft es sogar mit Kosenamen angesprochen zu werden: Bezwinger und Bewunderer sprechen liebevoll von der "Benewand".

Die Benewand ist von München und dem Starnberger See der erste felsige Vorsprung der Alpen im Süden. Sie zieht sich in Ost West Richtung zwischen den Gräbern des Walchensee, des Loisachtals, der Isar und der Jachenau entlang. Der Name ist dem am Fusse des Berges gelegenem Kloster Benediktbeuern entnommen (- und wird dem ältesten Leser meines Blogs Bendikt G. sicherlich erfreuen).

Das Kloster ist nicht nur bekannt für seinen schönen Biergarten sondern gar weltberühmt in seiner lateinisierten Namensform. Kein geringerer als der der Komponist Carl Orff verarbeitete den Sensationsfund mittelalterlicher Mönchsgesänge aus dem Kloster zu dem welberühmten Chorstück "Carmina Burana" - was nichts anders als Lieder aus Benediktbeuren heisst (hier zum Beispiel im Animationsfilm 300 zu hören).

Aber zurück zur Benewand. Mit 1801m gehört sie nicht zu den höchsten Gipfeln der Alpen. Von der Jachenau ist Sie im strammen Marsch in 2 Stunden zu erreichen. Nur die letzten 300 Höhenmeter werden dabei zu einer mittleren Kraxelei. Beim Gipfelanstieg bin ich dann endlich auf das Mysterium gestoßen, weshalb der Berg schon lange auf meiner "must go" Liste steht.

Irgendwann Anfang der 60er Jahre soll sich ein mächtiger Steinbock (ja die Tiere, die man eigentlich nur aus der schweizer Tourismuswerbung kennt..) an den Fels der Benewand verirrt haben. Insgesamt gibt es in Deutschland nur an 3-4 Stellen Steinwildpopulationen, da die Tiere ruhige Hochgebirgslagen in den Südalpen präferieren. Der mächtige Steinbock an der Benewand war natürlich eine Sensation. Da die Benediktenwand, wie oben beschrieben recht isoliert liegt, war es für den armen Bock auch gar nicht so leicht den Münchner Hausberg wieder zu verlassen. Zum Glück erschreckte er keine Mountainbiker und frass keine Hühner und Hasen, so dass Ihm auch das Schicksal von Bruno Braunbär erspart blieb.

Ganz im Gegenteil: Mitte der 60er Jahre -der Steibock wurde immer mächtiger ob der fehlenden Nahrungskonkurrenz (die Hörner des Steinwildes wachsen ein Leben lang!)- entschied sich der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel (Vater vom Politiker Thomas Goppel) und der Verleger Franz Burda (Vater vom Verleger Hubert Burda) u.a. dazu dem einsamen Bock noch 4 weitere Stücke Steinwild aus der Schweiz hinzuzufügen. Eine Gedenktafel am Aufstieg erinnert an diesen heroischen Naturschutzakt.


Heute kann man das Steinwild bei guter Sicht an den Hängen der Nord und Südwand herumtollen sehen. Ein Steinbock kann immerhin bis zu 120 Kilo schwer werden gilt aber als äusserst graziler Kletterer. Leider hatte ich nicht das Glück einem Steinbock zu begegnen. Im Sommer halten Sie sich vermutlich eher auf der kühleren Nordseite auf. Den Steinböcken geht es hier so gut, dass alle paar Jahre die Kolonie wieder auf die maximale Anzahl von 80 Tieren durch Abschüsse reduziert werden muss.

Mit einem letzten Kraftakt ging es zum Gipfelkreuz, welches natürlich gut besucht war (es ist ja ein Münchner Hausberg). Hier habe ich mir eine westfälisch Brotzeit, bestehend aus Mettwurst, Brot und drei Schnaps gegönnt.


Somit konnten auf dem Weg nach unten wagemutige, schöne Bilder geschossen werden:
Bevor es durch die Jachenau nach dem Abstieg zum wunderbar blauen Walchensee ging. Der tiefste See Deutschlands glänzte mit kühlen Temperaturen, Badenixe und tollen Farben - ein Bad im See war ein Genuss.


Ebenso das Abendmahl im Kloster Benediktbeuern. Der Biergarten wurde von mir eindeutig unterschätzt. Wenn man nicht fahren muss macht es noch mehr Spass sich durch die Getränkekarte mit den süffigen Klosterbieren zu trinken.


Der Tag war ein echter bajuwarischer Klassiker. Benewand, ich muss aber leider nocheinmal wiederkommen, um die Nachkommen des mächtigen Steinbocks auch einmal aus der Nähe zu sehen.

 

Freitag, April 26

Kostenloses in München

Was ist heute schon kostenlos in München?

Umsonst ist derzeit aber wahrscheinlich vieles:

  • eine Heimniederlage vom FCB zu erleben
  • in der Mittagspause jemanden ohne Sonnenbrille zu treffen
  • einen geschlossenen Biergarten vorfinden
  • abends alleine an der Isar zu sitzen
Spass beiseite. Ein Besuch in Berlin am Wochenende hat mir Lust auf ein kostenloses Experiment gemacht. Bei einem Spaziergang aus Prenzelberg über die Bernauerstraße zurück nach Mitte habe ich eine interessante Entdeckung gemacht.

In Berlin wird Pfandsammlern nun geholfen. Zugegeben als Werbemaßnahme auch, hat der Brausehersteller Lemonaid Kisten an Ampeln angebracht, in denen Pfandpflaschen abgestellt werden können. Dann landen Sie nicht mehr als Scherben auf dem Boden und auch nicht da, wo Hunde sich erleichtern! Und Bedürftige freuen sich über 8 oder 12 oder 20 ct.



München ist da noch nicht ganz soweit. Wenn man etwas loswerden will, haben mir schon Freunde empfohlen, Sachen auf die Straße zu stellen und extra anzuketten oder einen Preis daranzuschreiben, damit Passanten es mitnehmen oder besser klauen!

Nun ja ich zu meinem Teil habe es auf einen Versuch im Westend ankommen lassen. Bücher, die ich doppelt habe, oder seit Jahren mein Bücherregal belagern ohne zu lesen haben Ihre Daseinsberechtigung nun verloren und sollten verschenkt werden!
Ergo habe ich Sie einfach in eine Kiste gepackt, vor die Haustüre gestellt und einen Zettel mit der Aufschrift "kostenlos draufgelgt".


Und siehe Da. Nach nur 2 Stunden war alles verschenkt! Und ich war froh etwas loszuwerden!

Freue mich schon auf den nächsten Verschenk-Test. Dann mit etwas mehr als nur Büchern!

Samstag, April 13

Ein leerer Sockel am Wittelsbacher Platz

leere Sockel auf dem Wittelsbacher Platz

Der Wittelsbacher Platz. Eine neoklassizistische Komposition im Herzen Münchens. Gegen Anfang des 19. Jahrhunderts entworfen wird er von Gebäuden des Architekten Leo von Klenze flankiert. Links liegt das Graf Arco Palais, rechts das Odeon (Konzerthaus), wo heute das bayerische Innenministerium gastiert.

Baut weiter kräftig um: Siemens-Chef Peter Löscher
Peter Löscher Quelle:Siemens AG
Viel interessanter ist aber das Gebäude am Abschluss des Platzes, sowie die Statuen auf dem Platz. Im zartrosa gehaltenen Palais auf dem Bild hofiert nämlich kein geringerer als der Vorstand der weltumspannenden Siemens AG. Wird ein neuer Vorstandsvorsitzender vom Aufsichtsrat gewählt, muss er auf exakt jenen Stufen vor dem rosa Gebäude seine erste Rede halten.

Viel markanter ist natürlich das zentral stehende Reiterstandbild (1839) des bayerischen Kurfürsten und Herzogs Maximilian I., der Bayern durch die Wirren des 30 jährigen Krieges lenkte.

Trafalgar Square Kunst auf dem Wittelsbacher Platz

Im Winter findet auf dem Platz ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt statt. Nette -natürlich stilistisch völlig unpassende- Kulisse. Mir bleiben meist die teuren Pfandpreise für den Feuerzangenbowle Becher und die Tatsache dass man in Gulden zahlt (1€ = 1 Gulden) in Erinnerung. Auch der Hamburger Fischmarkt mit Aale Dieter hat es auf einer Auswärtstournee schon auf diesen Platz geschafft. Stilistisch noch viel unpassender.

Nun habe ich von einem viel interessanteren Projekt erfahren. Bei einer nächtlichen Fahrradfahrt habe ich recht erstaunt anhalten müssen, weil sich plötzlich ein zweiter, leerer Sockel auf dem Platz in die Höhe reckte. Bayern ist ja immer für eine Überraschung gut, hier werden noch neue Kirchen gebaut, aber allein an ein 2. Reiterstandbild auf dem Platz für Franz Josef Strauss I. konnte ich nicht glauben. 
Natürlich musste das recherchiert werden und ich landete virtuell in London am Trafalgar Square. Um den Trafalgar Square herum stehen 4. Sockel für Statuen. Aus Kostengründen konnten bei der Errichtung 1841 aber nur 3. Sockel mit Bronzegüssen fertig gestellt werden. Der 4. Sockel -auf dem ein Reiterstandbild William des IV stehen sollte- blieb aus Kostengründen unfertig und leer.

Über 150 Jahre wurde der sogenannte "Fourth Plint" zum Gespött und Tratsch der Londoner. Erst 1999 kam man auf die Idee den Sockel für einen zeitgenössisches Kunstprojekt freizugeben, so dass der Sockel nun endlich seine Bestimmung gefunden hat! Wechselnde Skulpturen, wie ein Schlachtschiff in der Flasche oder ein Knabe auf einem Schaukelpferd, lassen den Sockel nun zu einer wechselnden Attraktion für Touristen und einheimische Londoner werden.


Mit dem Kunstprojekt "A space called public" verfolgt die Stadt München ein ganz ähnliches Konzept und lässt es sich 1,3 Mio Euro kosten. Kuratoren des Kunstprojektes mit verschiedenen Aktionen im öffentlichen Raum sind die beiden Skandinavier Michael Elmgreen und Ingar Dragset, die sich derzeit auch für den schaukelnden Jungen auf dem "Fourth Plint" in London verantwortlich zeigen.

Was sich allerdings auf dem Sockel am Wittelsbacher Platz einfinden wird bleibt noch geheim. Hiess es lange.

Nun ist es doch herausgesickert: Eine Jury wählte den Entwurf des Münchner Künstlers Alexander Laner. Er wird den Sockel zu einem Luxusapartement mit Garten und Dachterasse umgestalten und damit auf die Wohnungsraumnot in München hinweisen.

Ab Ende Mai kann man dann das Sockelapartment temporär anmieten. Man darf gespannt sein! Persönlich hätte ich mir aber lieber eine weitere Skulptur auf dem Platz gewünscht.

Freuen tue ich mich aber in jedem Fall auf viele weitere Installationen in München und seinem so schönen öffentlichen Raum!

Montag, April 8

Schweineskulpturen München - was hat das Schwein vorm Jagdmuseum mit Sydney und Florenz zu tun?

Seit meinem ersten München Besuch bewundere ich diese Statue. Wahrscheinlich habe auch ich beim ersten mal seine Schnauze berührt und dann ein Foto von mir mit dieser Skulptur gemacht. Es geht um das bronzene Schwein auf der Neuhauser Straße.

Bronzeskulptur Schwein Eber Keiler Jagdmuseum München

 Gemeinsam mit einer Welsskulptur ziert es den Eingang des deutschen Fischerei und Jagdmuseums (findet gerade eine Wolpertinger Ausstellung statt!) in der Münchner Fußgängerzone. Ziemlich martialisch mit geöffnetem Brecher, aber dennoch scheinbar zufrieden hockt der Eber auf einem niedrigen Sockel. Ob seiner niedrigen Höhe wird es leider auch schon mal zum Opfer rangierender LKWs, die die Geschäfte in der Innenstadt beliefern. Schlagzeile daraufhin in den lokalen Gazetten:

"Wildunfall in der Münchner Innenstadt"

Mich fasziniert die Bronzestatue irgendwie. Bei der Recherche bin ich nun auf eine weltumspannende Geschichte gestoßen.

Geschaffen hat die Skulptur "Sitzender Keiler" der Bildhauer Martin Meyer, der auch noch für einige weitere tierische Skulpturen in München verantwortlich ist. Das Modell des Keilers in der Innenstadt ist allerdings ein Abguss (1978) einer früher gefertigten Keilerskulptur, die bereits 1960 in einer Münchner Wohnanlage der Borstei aufgestellt wurde. Dies ist das Original in der Borstei:

Bronzestatue Schwein Borstei Keiler Eber
Ein wenig größer und nicht so blank poliert von sovielen Touristenhänden. Das Berühren der Keilernase soll Glück bringen, was den goldenen Riechkolben erklärt. Auch vom Original war ich beeindruckt. Nun stelle ich aber beim recherchieren fest, dass ich in der Borstei eigentlich immer noch nicht zum Original vorgestoßen bin...

Entworfen hat die Schweineskulptur nämlich bereits im Frühbarock ein italienischer Bildhauer namens Pietro Tacca. Seine Version kann man seit ca. 1640 am Mercato Nuovo in Florenz bestaunen. Und bis auf ein etwas struppigeres Fell ähnelt Sie den Münchnern Nachfolgern sehr.



Doch selbst der begnadete Tacca hatte kein Original geschaffen. Seine Version geht auf eine römische Kopie einer griechischen Marmorskulptur zurück und ist somit noch älter. Nun ähnelt es ja fast schon einem Dan Brown Thriller!

Drehen wir das Rad der Geschichte aber wieder einmal in die andere Richtung. Die Schweineskulptur erfreut sich bereits seit Jahrhunderten enormer Beliebtheit, so dass es weltweit verstreut Nachahmungen dieser Statue gibt.

Dabei muss ich nun schmunzeln. Nicht nur dass einiger der Taccaschen Skulpturen im Schlosspark von Nordkirchen -nur weniger Kilometer von meiner Heimat entfernt- stehen, nein ein Schwein hat es sogar nach Sydney vor das dortige Hospital geschafft. Und genau über dieses Schwein habe ich bereits 2008 bei meinem Australien Aufenthalt begeistert berichtet und ein super Touri Foto geschossen:
Schwein Sydney Hospital Keiler Eber

Die Italiener nennen die  Skulptur liebevoll Ferkelchen (Porcellino). Der Wikipedia Eintrag gibt Auskunft über weitere Standorte der Schweine. Sogar als Skulptur in einen Harry Potter Film soll es das Schweinchen geschafft haben. Wirklich eine beachtliche Karriere.

Samstag, April 6

Video Eisbachwelle bei Nacht im Winter

Der Winter war lang. Irgendwo habe ich gelesen, dass es zudem der dunkelste Winter seit über 60 Jahren war.

Mit nur 48 Sonnenstunden war der kahle Asten -der höchste Berg meines Heimatbundeslandes NRW- heuer am dunkelsten. Der Spitzenreiter bei der Anzahl der Sonnenstunden liegt natürlich wieder einmal in Bayern. Oberstdorf, die südlichste Stadt Deutschlands im Oberallgäu mit 178 Stunde, also mehr als der dreifachen Menge.

Die Sonnenstunden sind ein nicht zu unterschätzender Vorteil im bayerischen Winter. Zwar können bayerische Skigebiete nicht mehr unbedingt die besten Schneebedingungen liefern, dafür ist es aber im deutschlandweiten Vergleich im Süden immer deutlich sonniger.

Auf jegliches Licht verzichtet haben 2 Eisbachsurfer und in einem lässigen Video bewiesen, dass man den Eisbach auch bei Nacht und im Winter surfen kann. Wenn ich endlich einen günstigen Wetsuit finde und die Temperaturen sich verdreifachen werde auch ich meine ersten Gehversuche auf den Wellen Münchens wagen!

Montag, März 18

Dachlawinen Warnschilder München

Die "Vorsicht Dachlawinen" Schilder werden wegen des herannahenden Frühlings in München leider bald reingeholt. Ich mag Sie aus zweierlei Gründen. Der Name ist genial. Obwohl es sich nur um herabfallenden Schnee handelt, denke ich an Lawinenpieps und den Schneesportkracher "the Art of flight"vom großen Zuckerwasserhersteller RB.

Übrigens fällt mir der Name eigentlich nur südlich des Mains auf. Oder gibt es im pedantischen Preussen auch Dachlawinen?

Zweitens ist die individuelle Ausgestaltung der Warnschilder schön. Jeder Hausbesitzer warnt auf andere Art und weise vor den Dachlawinen. Leider mit ernstem Hintergrund, tut er es nicht kann er für entstehende Schäden haften.



Hier könnt Ihr den Trailer vom RedBull Movie sehen:

Montag, Januar 21

Typische Maroni

Bei einem Einkaufsbummel durch die Stadt ist es mir aufgefallen: München wirkt derzeit sehr authentisch und echt. Was meine ich damit? Während in München durch Messen, Volksfeste oder Sportereignisse oft viele Touristen in die Stadt gespült werden, ist es derzeit recht still.

Es liegt Schnee, der bereits vom bestens funktionierenden Schneeräumdienst zu Haufen aufgetürmt wurde. An vielen Stellen wir er schon etwas bräunlich und verfärbt sich durch Streugut und Verkehr.
Maroni Stand München

Und auf der Kaufingerstrasse stehen wie seit etlichen Jahren viele Stände an denen man Esskastanien kaufen kann. Oder Maroni. Komischer Name, ein Blick zu Wikipedia hilft nicht weiter. dafür erfährt man, dass Kastanien bis weit ins 19 Jahrhundert das Hauptessen in der ländlichen Bergbevölkerung war. Aha!

Während ich es von zuhause gewohnt bin, Kastanien zusammenzufegen und zu entsorgen, werden Sie hier zu Geld gemacht. Ich glaube mit einem Maronistand auf einem Markt in der norddeutschen Tiefebene würde man nicht reich werden. In München aber gibt es allein auf den Konsummetern der Kaufingerstrasse ca 5 Stände.Wem`s schmeckt!



Sonntag, November 25

Schilder-Rückblick 2012

Der November: Eigentlich ein Monat, der auch durchaus ein paar Tage weniger haben könnte. Zum Skifahren doch ein wenig zu früh, zum Wandern oft zu spät. In München können die Leute die Zeit bis zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte gar nicht mehr abwarten.

Salzburg hat da Nägel mit Köpfen gemacht. Hier ist der Chriskindlmarkt bereits seit einigen Tagen eröffnet. Auch einige deutsche Städte riechen den Profit und locken bereits jetzt mit Glühwein und Lebkuchen berichtet die SZ aus Rostock und Bielefeld.

Ich habe die Saison einfach umgedreht, war schon Skifahren am Gletscher und dann nochmal Wandern. Schön vom Schliersee zum Tegernsee. Das ist mit der BOB Bahn zu erreichen, Man hat eine ganzjährige Hütte (Neureuther) aufm Grat und strandet schliesslich unvermeitlich beim Tartar Anbieter meines Vertrauens: dem Tegernseer Bräustüberl.


Beim Abmarsch in Schliersee habe ich dieses lustige Wanderschild fotografiert. Die Aussage ist klar. Es handelt sich um einen Parklplatz für Wanderer. Die Grafik isolier könnte vieles bedeuten: "Märchenwald: Hänsel und Gretel unterwegs" - Frauen mit Sturmfrisur laufen bitte einen Schritt hinter Ihren Männern" oder meien Lieblingsdeutung: "Frauen wandern am Schliersee bitte nur mit Push Up BH und knappem Rock".

Schilder Schilder Schilder


Scheinbar habe ich im kompletten Jahresverlauf in München und Umgebung immer mal wieder Schilder fotografiert. Daher wage ich einen verfrühten Schilder Jahresrückblick. Los geht es mit einer Demonstration an der Feldherrnhalle. Da ich das Foto nur zugesandt bekommen habe, kann ich das Datum nicht genau nachverfolgen. Aber es hat mir einigen Spass bereitet und ist ja auch durch die Sozialen Netze gewandert. Herrlich.


Anfang Mai zu Besuch in der westfälischen Hauptstadt Münster. Auch in der katholischen Hochburg macht sich das Ausbleiben der Kirchenbesucher bemerkbar. Mit einer Anspielung auf Michelangelos "Erweckung Adams" wird für ein Immobilienprojekt in einer alten Kirche geworben.


Wie beliebt unser leckeres Augustiner Bier ist habe ich auf Schilderfotos im Mai dokumentiert. Mittlerweile wird das Bier ja auch in den Bars Berlins vermehrt ausgeschenkt. Die Verkaufsoffensive traf auf ein ungewöhnlich sonniges Frühjahr. Dies führte zu Lieferengpässen bei Augustiner. Da half auch schnelle eine Einstellungsoffensive an der viel befahrenen Landsberger Strasse nichts.
Bei der Brauerei kam es im Mai zu Lieferproblemen in vielen Tengelmann-Filialen. Groteskerweise liegt die Tengelmann Filiale bloss wenige hundert Meter vom Augustiner Braukessel entfernt.

Mit verantwortlich ist vielleicht dieses kleine Schild an einem Kiosk im Lehel. Gesehen im Juni beim Hinterhofflohmarkt in Münchens Viertel mit den teuersten Mieten. Die letzte "Augustiner Tankstelle vor der Isar" wurde angepriesen. Ein Top-Produkt wie Augustiner wird halt gern verzapft.


Irgendwann im Jahresverlauf war es dann auch mit den Hinterhoffklohmärkten im Westend wieder soweit. Beim Stöbern in den Hausfluren ist mir dieses schöne Namensschild aufgefallen. Der gute Herr Krinner bietet eine spezielle Dienstleistung an. Die Blitz-Entrümpelung.

Ein paar Meter weiter kam es zu einem Fall der Selbstjustiz mit Dialekterhalt. "Der, wo" einen Blumendieb findet konnte 300 € kassieren. Leider ist mir nichts über den Ausgang bekannt.

Gewandert wurde auch im Spätsommer. Ach ja der Hohe Fricken bei Farchant wird wohl schon für einige scherze hergehalten haben müssen. Aber vorsicht immer n.f. Geübte.

Bei einer radltour im Spätsommer entdeckte ich dann endlich meinen neuen Liblingsort. Den Weiler St. Heinrich. Immerhin mein Namenspatron. Das würde sich sicherlich gut im Pass machen.


Und schliesslich noch 2 kulinarische Schilder. In Bayern ist das Fest der Kirchweih im Kirchenkalender und in der Gastronomie fest eingeplant. Endlich kommen Gans und Ente auf den Tisch. Dass aber auch der Grieche in Pasing sich beteiligt war neue für mich. Das nenne ich gelungene Integration.
Döner gibt es schon lang im deutschen Imbissgeschäft. Die Umbenennung der Haltestelle in eine Imbissbude war dann doch ein wenig weit hergeholt. Mittlerweile ist das Schild an der meistbefahrenen Brücke Europas wieder gerichtet.
Und damit wären wir schon wieder bei der Kirche. Immer schön dran denken "Hölle besser umgehen".


Ich freue mich schon auf neue Schilder für 2013. Ich bleibe weiter wachsam.

Donnerstag, September 27

Name für den Wall hinter den Zelten gesucht..

Kotzhügel vor der Invasion
Hier sitzen Sie. Hier schlafen Sie Ihren Rausch aus. Hier lieben Sie sich. Hier übergeben Sie sich. Hier denken Sie nach. Hier sammeln Sie neue Kraft für die nächste Mass. Hier lassen Sie Ihre letzte Mass verdaut zurück. Hier rutschen Sie auf allen Vieren den Hang hinunter.

 Die Rede ist vom westlichen, halbkreisförmigen Hang hinter den Zelten Hippodrom, Ambrustschützen, Hofbräuzelt, Hackerzelt und Schottenhamel. Eigentlich ist der Hang ein ganz normaler Fortsatz des Isarurstromtales, der sich komplett durch München zieht. An der Theresienwiese ist er nicht bebaut und wird somit im Winter zum Rodeln benutzt. Auch die Treppe vor der Bavariastatue gehört quasi zum Hang.

Nur in den 3 Oktoberfestwochen bekommt er eine gänzlich neue Funktion auf dem oben genannte Tätigkeiten ausgeführt werden. Nicht wenige Schaulustig werden oft Zeugen der Vorgänge am Hang.

Meinen Name:"Hang der tausend Ströme". Immerhin schon viele Ströme an Flüssigkeiten selber gesehen.

Derzeit mache ich gerade eine Liste auf, wie Freunde und Bekannte den Hang noch so nennen. Dies ist mein Ergebnis:

Vögelwiese -- Surprise Sex Hill -- Kotzhügel -- Sexhügel -- Vögelwall -- tbc

Vögelwall
Vögelwall von Besuchern besetzt
Nachdem es schoneinmal ein ähnliches Kunstprojekt gab, hat zum Glück auch 2012 wieder ein Onliner sich die Mühe gemacht uns stellt die lustigsten Bilder online. Unter wiesnkotzer.de könnt Ihr euch auch einen Eindruck machen.

Schnaps in Bayern

Ein einfacher Liefer-LKW hat mich auf dem Heimweg auf die Idee gebracht mal etwas über den Schnapskonsum in Bayern zu schreiben. Zugegebenermaßen bei den derzeit konsumierten Biermengen auf der Wiesn ein kurioses Unterfangen. 

Bei mir im Westend stand also ein Lieferwagen mit der Aufschrift "Korn: der Partner für den guten Tropfen". Das ist nämlich in Bayern ein Widerspruch in sich. Der Korn-Schnaps findet in Westfalen als traditionelles Digestiv in Gaststätten und Kneipen seine Berechtigung. Noch zu gut erinnere ich mich, wie mein Opa mir erklärte, dass Korn eigentlich bei Zimmertemperatur getrunken wird, damit man Ihn besser schmeckt. Bestellt man in Westfalen ein Herrengedeck oder einfach "Kurz-Lang" heisst es nur eines: Pils und Korn!

In Bayern hat es der Korn dagegen nur in die Nähe der Supermarktkassen geschafft, wo er dann Alkohol zugeneigten Personen als günstiges Suffgetränk dient. Daher nennen die Bayern den Korn einfach nur "Pennerglück". 

Nicht ganz zu Unrecht zugegebenermaßen. In Wirtshäusern oder auf dem Oktoberfest, findet man einfach kaum Schnaps auf der Getränkekarte. Vielleicht mal hier einen Obstbrand, dort einen Gebirgsenzianschnaps (Klarer) oder im bayerischen Wald einen Blutwurz (Kräuterschnaps). Korn dagegen wird hier als billigstes Suffgetränk vermarktet.

Bester Whiskey Kontinentaleuropas - ein Korn!


Daher bin ich schon seit längerem in westfälischer Mission unterwegs und versuche mich an der Ehrerrettung des Korns. Etwas leichter macht es mir dabei der Korn der Feinkornbrennerei Sasse aus dem gemütlichen Schöppingen. Der Korn der Brennerei Sasse hat eine goldig-warme Farbe und schmeckt nicht so scharf sondern vollmundiger, holziger und reifer als viele andere Korne. Grund dafür ist die Lagerung in alten Barrique-Wein Fässern. Ja es stimmt, diese Lagerung erinnert beinahe an die Whiskey Einlagerung. Deshalb hat jemand den Sasse Korn einfach bei Internationalen Wine & Spirit Competition (IWSC) in London angemeldet. Und prompt hat die Brennerei einen Preis für den besten Whiskey Kontinentaleuropas gewonnen. Allerdings weiss ich nicht wieviele Whiskeys in Kontinentaleuropa gebrannt werden!? Trotzdem: Chapeu!

 

Gibt es den typisch bayerischen Schnaps?    


Zu einiger Berühmtheit hat es in Bayern die einzige Whiskey Destillerie Oberbayerns gebracht. Sie liegt am idyllischen Schliersee und nimmt bezug auf den alten Namen des Ortes "Schliers". Um den ganzen einen gälisch klingendem Namen zu geben heisst die Destillerie "Slyrs". Die ungewöhnliche Lage der Whiskeydestillerie ist der eine Punkt. Mir hat Ihr Marketingkonzept der künstlichen Verknappung mehr interessiert. Ihr Produkt wird hauptsächlich nur vor Ort verkauft und jeder Käufer darf nur eine geringe Literanzahl des Qualitätsproduktes erwerben. Das führt dazu, dass jeder Eigentümer des Syrs Ihn als einen ganz besonders edlen Tropfen preist. Slyrs bietet mittlerweile auch einen Wodka an. Der Name dieses russischen Getränks iet ebenfalls sehr einfallsreich. Er heisst bayerisch-russisch schlicht: "Bavarka".

Eine andere Schnapserfolgsgeschichte ist der "The Duke" aus Münschen. Ein Gin mit dem Untertitel -in Anlehnung an englische Vorbilder- Munich Dry. Angeblich von zwei Geschichtsstudenten in einer Hinterhofgarage in Schwabing hergestellt hat der Schnaps auch einen gewissen Mythos. Und nun hat dieser Schnaps eine beachtliche Karriere hinter sich. Gewinnt ähnlich dem Bionade Konzept erst die In Bars Münchens und dann die Feinkostabteilungen der Supermärkte.

Dennoch bleibe ich dabei. Bayern ist kein Schnapsland. Hier trinkt man Bier.