Sonntag, Mai 18

Ende des bayerischen Wahlmarathons: Posselt und die Europawahl

Mit der kommenden Europawahl geht in Bayern ein wahrer Wahlmarathon zuende. Nach Landtagswahl und Bundestagswahl standen Olympia Entscheide, standen Kommunalwahlen an, standen Stichwahlen zum OB an, und nun also Europa.
Mittlerweile versuche ich meistens Briefwahl zu machen; so hat man auch viel mehr Zeit sich mit den schönen Wahlzetteln zu beschäftigen.
Wahlzettel Bayern Kommunalwahl Europawahl
Höhepunkt waren die Unterlagen zur Kommunalwahl. Gefühlte 2 Quadratmeter Papier. Das passt in eine Wahlkabine sowieso nicht rein. Wie der BR berichtet solle es einige Wahlbüros geben, die den Wählern erlauben auf dem Boden kniend Ihrer Demokratiepflicht nachzukommen.

Panaschieren und Kumulieren


Der Wahlzettel zur Kommunalwahl in Bayern ist so gross weil ich nicht nur 1 Stimme sondern gleich 80 Stimmen verteilen darf. Man kann die Stimmen sogar auf verschieden Parteien verteilen (panschieren) und auch die Listenanordnung selbst bestimmen in dem man einem Kandidaten bis zu 3 Stimmen gibt (kumulieren). 
Beim Ankreuzen geniesse ich es jedes mal ausführlich die Berufe der Kandidaten zu studieren und habe bei meiner Partei so versucht mir genehmere Berufe nach vorne zu wählen (und die hohe Anzahl der öffentlich Beschäftigten im Parlament zu verringern..).

Nun Europawahl: Stiere auf Wahlplakaten


Der Wahlkampf zur Europawahl gestaltet sich in Bayern -wie vermutlich in ganz Deutschland- eher fad. Gerade SPD Kandidat Schulz mag ein guter Bürokrat sein, aber seine Aussenwirkung ist bescheiden. Spitzenkandidat für die CSU ist auf den ersten Blick ein bayerisches Gegenstück zu Martin Schulz: Sein Name ist Bernd Posselt.
Da auch Posselt nicht zwingend charismatisch ist und ein wahres bayerisches Mannsbild ist, plakatiert die CSU einfach einen mächtigen Stier.


Posselt sieht für mich auf dem ersten Blick aus wie ein netter Vertreter der deutschen Wirtschaftswunderzeit. Das Stierplakat wirkt zunächst befremdlich und erinnert mich auf den ersten Blick an Parteiplakate vom linken oder rechten Spektrum. Wenn es aber wirklich den Kandidaten darstellen soll kann man Ihm eine gewissen Selbstironie nicht absprechen: Massiver Posselt massiver Stier - und "kraftvoll" möchte er für ein "schlankes Europa" kämpfen. He He.

In der Süddeutschen Zeitung habe ich ein Portrait über Posselt gelesen. Er besitzt kein Handy als einziger Abgeordneter im EU-Parlament. Er ist bei den Sudetendeutschen aktiv und lässt sich gerne in Tracht abbilden. Also kann man meinen er sei ein bayerischer Hinterwäldler. Als langjähriger Assistent des letzen Kaisersohns Otto von Habsburg ist er aber überzeugter Europäer und Vorsitzender der Paneuropa Union die von von Habsburg gegründet wurde. Er bildet in der CSU in etwa das Gegenstück zum Europakritiker Gauweiler.

Und dennoch wird er es wohl kaum schaffen die Wahlbeteiligung 2014 in die Höhe schiessen zu lassen. Leider gilt für Postenbesetzung der Parteien auf europäischer Ebene weiter der weise Satz:

"Hast du einen Opa, schick Ihn nach Europa"

Juncker, Stoiber, Oettinger und Co lassen grüßen! Dabei bleibt Europa leider wichtig und einfach war es noch nie....



 


Sonntag, April 27

Tierische Gedenksteine: Meine Besuche bei den letzten Ihrer Art

Felsen in NRW zu finden ist gar nicht so einfach. Zwar lebe ich in München auf 550m Meereshöhe, meine Heimatstadt Haltern am See bringt es aber nur auf 40m über NN. Die nächsten Felsen findet man mit Glück im Teutoburger Wald oder aber im Siebengebirge oder der Eifel.

Das Sauerland wird am Kahlen Asten bis zu beeindruckenden 840m über NN hoch und es ist daher und ob der Besucher auch als die holländischen Alpen bekannt. Bildlich denkt man allerdings eher an Fachwerkhäuser mit Schieferdächern und vor allem sanft, bewaldete Hügel mit Fichtenbewuchs.

Die Google Bildersuche bestätigt meine Annahme:


Und so ward ich lange Zeit nicht im Sauerland gesehen mich zog es eher in die Alpen, die sowieso näher lagen. Ich glaube es war ein Bildband NRW, der mich staunen lies. Denn es gibt eine Ausnahme von der immergleichen Landschaft im Sauerland.
Author in Wandererkluft an den Bruchhauser Steinen

Südlich von Meschede ragen aus der üblichen Sauerlandschaft nämlich 4 Felsen empor mit bis zu 90m senkrechter Felswand. Sie heißen die Bruchhausener Steine, und sind eruptierte Lavaklötze, die einfach trotzig einige Millonen Jährchen stehen geblieben sind, während sich die Welt rundherum veränderte. Ein lohnenswertes Wanderziel, leider fast unbekannt für die 15 Millionen Menschen im 100km Umkreis.

Felsen Sauerland Bruchhauser steine
Die Bruchhauser Steine vom höchsten Punkt

Der letzte Uhu, der letzte Wanderfalke: Zeugen einer kulturellen und ökologischen Wende


Was mich neben der geologischen Sensation noch viele mehr interessierte war die Flora und Fauna rund um die Steine. Kälte und Felsen lassen hier im Sauerland Blumen erblühen wie die Alpen Gänsekresse, die sich nur hier und sonst erst wieder 600 KM südlich in den Alpen finden lassen.

Ob der einzigartigen Felsformation fanden hier auch 2 der beeindruckendsten und seltensten Vogelarten vorerst für lange Zeit Ihr letztes zuhause in NRW. Im ausgehenden 19. Jahrhundert bereits nistete das letzte Uhu Pärchen NRWs auf dem Felsen in Bruchhausen.

Uhus bauen keine eigenen Nester und lieben daher Felsen oder Türme. Von allen Türmen in Westfalen war die größte Eule Europas aber als Nahrungskonkurrent bereits erfolgreich vertrieben worden. Als man von den letzten Uhus hier im tiefen Sauerland hörte, war auch Ihr Schicksal schnell besiegelt. Man entschied sich zwar nicht Sie direkt auszulöschen, aber brachte die 3 Nestlinge und den Altvogel in den Zoo nach Münster. Von Ihrem weiteren Schicksal ist wohl nicht viel bekannt. Ein erfolgreiches Nachzuchtprogramm war es wohl auch nicht.
Immerhin habe ich selber mit eigenen Augen wieder Uhus in abgelegenen Teilen des Münsterlandes fliegen sehen. Das veränderte Bewusstsein in der Bevölkerung lässt die Population wieder wachsen. Auch auf den Steinen habe ich große Eulenkotflecken gesehen, so dass ich den Uhu wieder dort vermute.

Ebenso für den Wanderfalken waren die Bruchhausener Steine das allerletzte Refugium. Als einer der schnellsten flugfähigen Vögel ernährt er sich von Vögeln bis Krähengröße, die er im Flug durch den Aufprall schlägt. Außer unter Taubenzüchtern dürfte er eigentlich ein zwar seltener aber akzeptierter Gast in der Gegend gewesen sein.



Beim Wanderfalken war es daher nicht der Mensch, sondern Umweltgifte, welche ab den 60er Jahren in der Forst und Landwirtschaft eingesetzt wurden. Da der Wanderfalke am Ende der Nahrungskette steht, bekam er die volle Dröhnungab. Die Gifte führten dazu, dass die Eier des größten Falken Deutschlands beim Brüten zerbrachen.

Der letze Falke dieser Art wurde in den 70er Jahren an den Steinen gesichtet. Durch das Verbot der Umweltgifte und das Überleben der Vögel in Baden Württemberg kam es zur Zuwanderung neuer Falken. Neben der Brutstätte im Sauerland fand die zweite Brut ausgerechnet auf der bekanntesten Kirche NRWs statt. Der hohe Kölner Dom und die tausenden von Stadttauben waren ein ideales Brutrevier für den Wanderfalken.

Der letzte Wolf, Bär und Luchs als Denkmal vereint

Kneipe Herbern zum letzten Wolf

Bei großen Raubtieren spielt nicht nur die Nahrungskonkurrenz zum Mensch eine Rolle. Getrieben durch Grimms Märchen vom bösen Wolf und Rotkäppchen, Werwolfgeschichten und Horrorfilme blieb das Verhältnis von Mensch und Ihnen angespannt. Als Gefahr für den Menschen identifiziert wurde so lange Jagd auf Sie gemacht, bis man Sie in Deutschland ausgerottet hatte.

In Herbern bei Ascheberg südlich von Münster steht ein Gedenkstein, der an die Erlegung des vermeintlich letzten Wolfs Westfalens im Jahr 1835 erinnert. Praktischerweise befindet sich gegenüber eine echt urige Westfälische Kneipe mit dem Namen „zum letzten Wolf“.


Gedenkstein letzter Wolf Westfalen


Der Erleger des letzten Wolfs war ein Vorfahr des letzten Kneipiers. Denn die urige Kneipe musste leider schließen, die Kundschaft aus Bauern und Milch-LKW-Fahrern hat sich genauso verändert wie die Aussage des Gedenksteins. Vor ungefähr 2 Jahren wurde nämlich der erste Wolf wieder in Westfalen gesichtet. Eingewandert aus Niedersachsen tappte er im Raum Höxter in eine Wildkamera.      

Eine ähnliche Gaststätte befindet sich an einem nördlichen Ausläufer des Thüringer Waldes im langgezogenen dunklen Luisental. Mit der Mitfahrgelegenheit fuhr ich von München nach Eisenach, von wo ich zur Wanderung am „grünen Band“ aufbrach. Der etwas verschrobene Fahrer entpuppte sich als redseliger Mitarbeiter im Forstministerium und machte mich auf eine ebenfalls bereits geschlossene Gaststätte mit dem Namen „zum  Luchs“ aufmerksam.
Der letzte Luchs des Thüringer Waldes wurde im März 1819 nach wochenlanger Nachstellung im Stutzhäuser Forst am Böhler bei Luisenthal zur Strecke gebracht. Ein Luchsstein erinnert noch heute an das denkwürdige Ereignis. Das Wirtshaus, in dem damals der „Jagderfolg“ gefeiert wurde, trägt deshalb den obigen Namen ”Zum Luchs”.

Die größte Raubkatze Europas ist mittlerweile wieder in vielen Mittelgebirgen Deutschlands wieder heimisch. Auch wenn er hier und da immer noch illegal verfolgt wird.

Unterhalb der Zugspitze in Garmisch –Partenkirchen befindet sich das Dorf Grainau. Etwas höher gelegen liegt mit dem Eibsee der schönste und klarste Gebirgssee Deutschlands. Die letzten wilden Braunbären Deutschlands hielten sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den bayerischen Alpen auf.

Eibsee Grainau Zugspitze Bären
Der Eibsee: Hier waren die letzten Bären Oberbayerns zu Hause. Und 2006 erneut.

Die vermehrte Nutzung der Berge zum Waldbau, die Rodung der Flächen für Schafe und Kühe führten zum Aufeinandertreffen und Konkurrenz der Spezies Mensch und Bär. Zwar soll der allerletzte Bär in der Nähe von Lenggries erlegt worden sein, aber auch in der Ortsmitte von Grainau erinnert ein Schild an das Vorkommen der letzten Bären in Grainau in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Das der Bär 2006 zurückgekommen ist und erneut vertrieben wurde ist ein anderes unrühmliches Kapitel.

Der letzte Beutelwolf  für immer


Alle oben genannten Beispiele zeigen, dass sich Raubtiere wieder ansiedeln können, wenn sich die kulturellen und ökologischen Rahmenbedingungen verändern. Das wäre dem Beutelwolf vielleicht auch gelungen. Nur hinkt man am anderen Ende der Welt der zeit hinterher. Die Insel Tasmanien gehört zu den abgelegensten Flecken der Erde. Ab hier kommt nur noch das ewige Eis im Süden und nach 30.000 km im Westen Argentinien. Australien –als Strafkolonie der Engländer gegründet, sickte wiederum seine Sträflinge nach Tasmanien.

Ungestört wurden hier bis ins späte 19te Jahrhundert Aboriginies willkürlich ermordet. Wer seine Ureinwohner in 72 Jahren erbarmungslos ausrottet, dem werden ein paar fleischfressende Känguruhs wohl erst recht egal sein.  Denn soetwas war der Beutelwolf. Er bewegte sich zwar wieder auf 4 Beinen fort, aber seine Vorderläufe waren viel kürzer und der Schwanz recht steif. Man vermutet, dass er gar nicht richtig sprinten konnte, sondern nur traben. Das reichte aber um im fast menschenleeren Tasmanien erfolgreich einige tausend Jahre zu leben.

Die Siedler schafften es den Beutelwolf in 100 Jahren komplett auszurotten. Zunächst gab es Prämien für den vermeindlichen Schafdieb (obwohl er vermutlich nie Schafe riss), später verkaufte man die Tasmanischen Tiger an Zoos weltweit (wo Sie sich nie forpflanzten).

Ich hatte das Glück Tasmanien im Jahr 2008 zu bereisen. In meinem Guiness Buch der Rekorde 1990 wurde der Beutelwolf noch als das seltenste Tier der Erde genannt, aber ein Foto oder totes Tier konnte man seit 1936 nicht mehr machen oder finden.



Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen die Orte der letzten lebenden Tiere aufzusuchen. In Mbwanna südwestlich von Launceston fand ich ein Schild mit dem Hinweis auf den letzten erlegten Tiger. Der Farmer Wilf Batty posiert hier stolz mit dem erlegten Tier.

An diesem Ort hatte man nun wirklich das allerletzte Individuum einer faszinierenden Tierart erlegt. Hier bringen auch ökologische Projekte, Wildbrücken und kulturelles Umdenken nichts mehr. Ein denkwürdiger Ort.

Das Schild wurde vom Tourismusamt aufgestellt, die den „Tiger Trail“ vermarkten. Es steht neben der Garage der freiwilligen Feuerwehr. Ziemlich schräg hing es über seinem Sockel. Ein Farmer mit Güllefass, der das angrenzende Feld beackerte hatte es wohl kurz vorher fast plattgefahren.        


Sonntag, März 23

Die schönsten Plätze Münchens I - Sitzen Hackerbrücke!

Nein, auf diesem Photo ist nicht Instagramm beteiligt oder Photoshop. Das ist ein abendlicher Schnappschuss von der Hackerbrücke in Münchens Westen.

Mit ein wenig Akrobatik kann man sich auf die erste Etage der gusseisernern Brückenbefestigung schwingen und eine Feierabend-Augustiner mit Blick auf die untergehende Sonne verzehren.
Hackerbrücke Sonne Sitzen Abend Bier

Die Brückensitzer trinken das gute Augustiner, immerhin verbindet die Trasse die Augustiner Brauerei mit dem Augsutiner Keller -einem der meistbesuchten innerstädtischen Biergärten. Dennoch sprechen wir nicht von der Augustiner-Brücke sondern von der Hacker-Brücke -ob einer weiteren nahe gelegenen Brauerei (Hacker Pschorr). Der Blick schweift über das Gleisbett der Anfahrtstrasse des HBF München. Immerhin das breiteste Gleisbett Deutschlands - Industrieromantik pur.

Während der Wiesn ist die Brücke für den motorisierten Verkehr komplett gesperrt (Ausnahme Brauereipferde), weil es der nächstgelegenen S-Bahnhof zur Theresienwiese ist. Ich selber habe dabei schon beobachtet, dass die Polizei aus Ihren Lautsprechern zur Deeskalation Schlager-Wiesn-Hits spielt. Nette Aktion.

Während der restlichen Jahreszeit aber ist die Hackerbrücke für den ganz normalen Fuss, Radl und Autoverkehr geöffnet. Leider hat man bei der Konstruktion der Brücke im späten 19. Jahrhundert wohl noch nicht an den gemeinsamen Verkehr von Auto und Radlern gedacht. Wie man unten im Bild sieht fehlt der Platz für einen Fahrradstreifen oder gar Radweg. Durch die Leitplanken wird das Ausweichen damit leider unmöglich; und die Hackerbrücke zu einer gefährlichsten Stellen für Radlfahrer in München

Sitzen Hackerbrücke Sonne Bier

Die beengte Fahrbahn scheint auch den Macher der 80er TV Serie SOKO 5113 aufgefallen zu sein. Ich hatte es mir schon lange gedacht und heute wurde es zur Vergewissheit. Im Vorspann läuft ein Mann vor einem aufholenden Auto davon und scheint eingeholt und überfahren zu werden.  Das Ausweichen scheint Ihm und mir als Radler unmöglich. Ja es stimmt, seht selber die Aufnahmen wurden auf der Hackerbrücke gedreht.





Samstag, März 8

Englische Wochen als Fussballfan

Als andersartiger Fussballfan hat man es in Schnösel München derzeit gar nicht so leicht. Die Bayern haben seit einer gefühlten Ewigkeit nicht verloren (gerade recherchiert, es waren nur 37 Spiele), und Bayern-Kunden laufen gerade leider zurecht mit stolz geschwellter Brust umher.

Aber zurück zur letzten Woche, ich meine damit in Business Deutsch WN (Week Number) 8. Hier habe ich als Fan alle Tiefen und Tiefen des Fan seins mitgenommen. Hinzu kam noch ein recht ungewöhnlicher Trip zu einem Euro League Away Match.

Ich versuche mich einmal mit einer neuen Ausdrucksform. Der Blog-Bilder-Slide Show.

Vor dem Spiel von Schalke gegen Real Madrid, sass ich vor Vorfreude im Augustiner Bürgerheim und habe mich auf einen aufregenden Abend mit Freunden und dem Wunder von Gelsenkirchen 2014 gefreut. Mit dabei, Augustiner, gute Freunde, Isarschalker und mein Ur Schalke Schal von 1996! Die gelbliche Farbe sind keine Bilderflecken.

Schalke schal Bürgerheim Isarschalker
Aus dem erhofften Wunder sollte natürlich nix werden. Stattdessen lange Gesichter, eine extra Runde Williams Birnen Schnaps und aufmunternde Grafiken ob des geschossenen Tores (1:6):


Nun ja, weiter gings am Donnerstag, wo ich als neutraler Zuschauer das aussichtslose Bemühen Ajax Amsterdams um einen Sieg in Red Bull Salzburg sehen durfte. Nach Salzburg sind es nur 1,5 Stunden, das Stadion liegt recht nahe an der Autobahn. Heimmannschaft ist der Retortenverein Red Bull Salzburg. Liebevoll wurden die Salzburg Fans von den Ajax Fans daher auch die "Dosen" genannt. Und mit sehr viele Liebe das Red Bull Logo umgestaltet:


Überhaupt waren die Ajax Fans etwas krass drauf. Man stimmte sich schon auf das Derby am Wochenende gegen Feynoord Rotterdam ein. Kurzerhand wurde der Schlager "Tulpen aus Amsterdam" zu einem Gesang mit Inhalten wie "Bomben auf Rotterdam" umgewandelt. Die massenhafte Provokation der Polizei endete nachher noch in Steinwurfattacken. Völlig unnötig.



Da waren wir zum Glück schon auf dem Heimweg. Endergebnis Ajax (trotz Krcic, Powlsen) 1, Dosen 3.

Volle Konzentration galt nun dem Spiel am Samstag meiner Mannschaft gegen die Jungs aus der Arroganz Arena. Irgendwie schafft man es immer wieder vor einem solchen Spiel im Gespräch mit Freunden und Fans an einen glücklichen Ausgang zu glauben. Schön war es einmal wieder in München am Marienplatz Ruhr Pott Slang zu hören (Wat Iss? Wie geht et?), und die Isarschalker haben die komplette Muffathalle angemietet und eine bayerische Blaskapelle hat mal wieder für uns "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" spielen dürfen. Inclusive des jüngsten Trompetenspielers der Welt:


Eine Schalker Uschi bekam einen Heiratsantrag. Alle Fans stimmten mit "ein Leben lang, blau und weiss" ein. Ich habe meinen Bruder getroffen, und alte Freunde aus der Heimat. Alles Gut.


Auf dem Weg ins Stadion machten wir uns einmal wieder über die Bayern lustig:

Auch im Stadion haben wir scheinbar immer noch an das Unmögliche gedacht:


Nach 3 Minuten war die Illusion zerstört und ich habe nur noch deprimierende Fotos aus dem Bereich vor der Tribüne zu präsenteren:


Ich glaube oben fiel gerade der Ehrentreffer, während unten im Bild gerade über den Sinn einer 600 km weiten Auswärtsfahrt nachgedacht wird.


Wenn ich dann am kommenden Freitag meinen Ausflug nach Augsburg absolviert habe, dürfte es aber wieder ruhig werden. Meinen Besuch in Madrid verbuche ich als Citytrip übers verlängerte Wochenende.

Es sollen 15 Grad in München werden, die Umbaumaßnahmen am Biergarten am Chinaturm wurden um ein Jahr verlegt. Wegen Wetter, man kann heuer schon im März Bier verkaufen!

 

Donnerstag, Februar 20

Sahara in München!

Auf diesen Bilder seht Ihr wie seit gestern Nachmittag die Autos im Süden von München aussehen. Normalerweise sind die BMWs und Mercedes vor meiner Konzernzentrale dunkelschimmernd und hochglanzpoliert. Gestern hae ich zunächst gedacht unsere Manager hätten ein Offroad Training bei Jochen schweizer gemacht, oder aber unsere mietwagenkunden seinen nun komplett übergeschnappt und durch den Isarkies nach Pullach gefahren!



Nicht in den Zusammenhang gebracht habe ich das ganze mit einem merkwürdigen Wetterphänomen, von welchem ich bereits gestern in der Zeitung gelesen habe.

Wenn sich Sturm und Sand und Regen vereinen

Vielleicht kennt ihr den Fön.Wenn die Münchner Damen Kopfweh haben kommt warmer Mittelmeerwind über die Alpen und fällt auf München hernieder. Durch Windverwirbelung war diesmal eine Menge Saharasandstaub dabei. Und urch einen heftigen regen ist er just auf München runtergespült worden. In solch einer Konzentration habe ich das auch noch nicht gesehen!

Fehlt eigentlich der nächste Sturzregen, der alles wieder sauberspült. Beeinträchtigungen für Astmathiker, Flugzeuge oder Stauballergiker gabs zum Glück nicht. Fällt der Sand übrigens auf Schnee färbt sich dieser rötlich. Der fachmeterologe hat dafür einen Begriff: Blutschnee.

Mittwoch, Januar 22

Mein Besuch in der alten Pinakothek - Nichts wie hin!

Vornehmlich an regnerischen Tagen zieht es mich schon einmal in eines der Kunstmuseen Münchens. Durch die lange Herrschaft der Kurfürsten und später Könige der Wittelsbacher wurden in Bayern bereits seit dem 14. Jahrhundert Kunstwerke zur Machtdarstellung gekauft.

Der bayerische Staat hat diese Tradition fortgeführt, so dass München zu einer der bedeutensten Kunststädte Deutschlands/Europas wurde. Die meisten Kunstgemälde sind auf die drei Pinakotheken (Alte, Neue und Moderne) in der Maxvorstadt aufgeteilt.

Um die Pinakotheken herum ist zusammen mit weiteren Museen ein wahres Kunstviertel mit Gallerien und Kunsthändlern entstanden. Oben seht Ihr die alte Pinakothek. Es zieht mich meist in diese. Zum einen gehe ich chronologisch vor und versuche die Geschichte der Kunst und Entwicklungen zu verstehen, zum anderen haben ausgestellte Bilder auch viel mit der Geschichte und Kultur Europas zu tun. In der alten Pinakothek werden nämlich ausschliesslich Gemälde aus der Zeit zwischen 14-18 Jahundert ausgestellt.

Auch mit Besuchern gehe ich gerne in die Pinakothek. Gerne halte ich daher einmal hier mein nebulöses Halbwissen fest, warum mich die Pinakothek und welche Werke so faszinieren. Dabei verzichte ich gänzlich auf Google und Wikipedia - jeder kann mich daher gerne widerlegen!

Zunächst einmal ist es das Gebäude der Pinakothek. Auf alten Bildern sieht man es alleine vor den Toren Münchens stehen. Heute steht es nur noch alleine eingerahmt von 2 Plätzen auf denen man prima Frisbee oder Fussball spielen kann. Überall rundherum ist Maxvorstadt, Verkehr und Studenten!

Schaut man sich die Bilder ganau an, sieht man dass der mittlere Teil einen anderen Klinker hat als der äussere Teil. Ebenso ist es mit zugemauerten Fenstern der Fall. Das liegt an einem Bombenvolltreffer in WW2. Zum Glück war die Kunst bereits ausgelagert. Nach dem Krieg hat man ganz bewusst die Narben des Krieges nicht übertünchen wollen und man hat die Schäden und das Leid kenntlich machen wollen. Auch das ist Kunst!

Im inneren führen 2 Treppenhäuser in das zweite Stockwerk des Kunstmuseums. Am Sonntag kostet der Eintritt nur einen einzigen Euro. Das innere ist klassisch rot und grün gehalten. Es herrscht eine angenehme Kunststille, nur das Holzparkett knarrzt ein wenig beim Laufen. Die vielen Räume sind meist geographisch nach Herkunft geordnet.

Gemälde von deutschen Malern (Dürer, Altdorfer, Cranach), Gemälde von italienischen Meistern (Da vinci, Tintoretto, Tizian), die Holländer oder Flamen (Rubens, Rembrandt, Breughel) und Spanier (El Greco, Murillo). Grob gibt es dann nochmal eine Einteilung nach Zeitalter (14-16 Jahd oder später)


Gerne fange ich auch schon gleich mit einem der Bilder an die mich faszinieren. Eigentlich sind es zwei Schinken von Rubens, die in der Mitte der Pinakothek hängen. Das Bild aus dem frühen 17. Jahrhundert ist wohl schon lange im Besitz der Wittelsbacher. Angeblich soll die Höhe der Pinakothek genau nach dem Rubens Bild "das letzte Gericht" -zu sehen in der Mitte- bemessen worden sein. Nimmt man den Großvater mit seinem Enkel als Massstab sieht man wie groß es wirklich ist.


Erst mal ist Rubens geboren in Siegen -dem heutigen NRW- was Ihn wohl zu einem der berühmtesten NRWler macht. Dann bin ich beindruckt, wie Rubens es geschafft hat so ein großes aber dennoch vollkommenes Gemälde mit dem Pinsel zu schaffen. Man muss fast 15 m zurücktreten um die volle Wirkung und Tiefe des Gemäldes zu begreifen. Man mag von seinen voluminösen Figuren (sie werden etwas abwertend oft Rubens Frauen genannt) halten was man mag, bei Rubens ist was los.

Das sieht man auch in seinem Gemälde links daneben. Das ist die sogenannte "Löwenjagd". Zwei Reiter verfolgen einen Löwen und wir sehen die Milisekunde bevor sich alles entscheidet. Wird der Löwe erschlagen, aufgespiesst? oder aber tötet er Ross und Reiter? Wieviel tausend Menschen mögen sich genau diese Fortsetzung der Szene bereits gefragt haben?
Auf der Rückseite eines anderen Gemäldes hat man vor einigen Jahre erst Rubens Skizze für genau dieses Gemälde entdeckt. Hier kann man sehen, dass es zwischen Skizze und Endprodukt noch einige Abänderungen von Peter Paul Rubens gab!

Das nächste Gemälde was ich jedes mal besuche und mir immer neue Details auffallen ist das Bild "Alexanderschlacht" von Albrecht Altdorfer. Er stellt die Schalcht Alexander des Großen gegen den Perserkönig dar. Entweder hiess der Perserkönig so oder der Ort, jedenfalls gilt der Merksatz den (früher) jedes Schulkind kannte: "333 war Issos Keilerei".

333 vor Christus als eine Schalcht in Mittelasien, die Albrecht Altdorfer im 16 Jahrhundert mit unglaublicher Miniaturmalerei wiedergibt. Noch nie soll es einem gelangweilten Kunsthistoriker gelungen sein, alle Personen auf dem Bild zu zählen. Soviele und so fein sind Sie dargestellt. Dennoch konzentriert sich alles auf die mitte des Bildes in der man Alexander den Großen seinen Gegner auf einem Streitwagen vertreiben sieht.

Im Hintergrund kann man die Insel Kreta und das Rote Meer dowie das Nildelta erkennen. auch das gibt Anlass zu Spekulationen. Heute gibt es keine Karte aus seiner Zeit, die die Welt sm Mittelmeer dermassen detailgetreu wiedergibt.
Meine Lieblingsstory bezieht sich auf die bewegte Vergangenheit des Gemäldes. Kein geringerer als Napoleon I. war ein so großer Verehrer des Gemädes, dass er es als Kriegskunst aus München mitnehmen liess. Es hing daraufhin einige Jahre in seinem privaten Badezimmer. Ob er es wohl vom Klo sehen konnt?

Ja ich könnte noch über das einzige DaVinci Gemälde in Deutschland schreiben. Über das großartige Tizian Gemälde von Kaiser Karl dem V. oder El Grecos Jesus, das aussieht als sei es gerade von der Staffelei genommen worden.

Aber ein Must See ist für mich Dürers Selbstportrait im Alter von 25 Jahren (von 1500). Auf Englisch heisst es "Durers Christian like Selfportrait" was eine Anspielung auf seine segnende Geste und "bewusste" Ähnlichkeit zu Jesus Christus Darstellungen ist.

christian like selfportrait

Dürer sieht den Betrachter frontal an, was einem noch heute nach 500 Jahren ein unangenehmes Gefühl vermittelt. Dürer hat sich so perfekt dargestellt, man kann es kaum glauben, dass man den Maler selbst  -geht man nahe heran- im Spiegel der Augen erkennen kann.

Ausgestattet mit den Grundzügen der Kunst der Renaissance und des Barock soll es nun 2014 vornehmlich in die neueren Kunstmuseen gehen. Mit dem wiedereröffneten Lenbachhaus ist noch ein weiteres hinzugekommen. Ansonsten sind gerade die Museeumscafés auch ohne den Besuch der Ausstellung immer einen Besuch wert. Sonntags 1 €. Nichts wie hin!

Sonntag, Dezember 22

Neue München Ansicht von einer geheimen Dachterasse

Über eine lange Zeit gab es in München ein Unterangebot an 5***** Hotels. In den letzten Jahren hat sich das mit dem Bau des Rocco Forte Charles Hotels und des Mandarin Oriental korrigiert. Die Hotels sind natürlich Top-Adressen, hier suchen steinreiche Business-Reisende, Promis (daher auch das Michael Jackson Denkmal am bayerischen Hof), russische Oligarchen, Fussball-Mannschaften und im Sommer viele Öl-Multis aus dem orientalischen Raum ein vorübergehendes Zuhause.

Was soll man als einfacher Münchner Bürger also in einem solchen Hotel? Wohl kaum übernachten! Zu teuer. Sehr wohl aber den Service und die Lage der Hotels nutzen. Seit einiger Zeit erst, öffnen die Hotels sich auch für Gäste, die nicht übernachten, sondern nur kurz zu Besuch sind.

So beherbergt der bayerische Hof am Promenadenplatz z.B. ein eigenes Theater (die Komödie im bayerischen Hof), in dem regelmässig TV-Schauspieler wieder auf die Bühne zurückkehren. Ich selbst konnte hier in diesem Jahr in "The Kings Speech" Götz Otto und Helmuth Markwort beim grandiosen schauspielern bewundern.

Wo aber könnten folgende Photos entstanden sein? Blick auf die Berge vor der untergehenden Sonne, ganz rechts als höchste Erhebung die Zugspitze?


oder  dieser einmalige Blick auf das Gewölbe der Frauenkirche?

Fraunkirche Dach Mandarin Oriental

Zu Beginn habe ich es bereits angesprochen und löse es gerne auf. Es ist das Mandarin Oriental Hotel und liegt in einer Seitenstrasse hinter dem Hofbräuhaus. Im Sommer befindet sich auf dem Dach ein Pool mit Endlosblick auf die Skyline Münchens. Eigens für den Winter hat das Hotel ähnlich dem Käferzelt eine gemütliche Almhütte auf der Dachterasse aufbauen lassen. Mit genialem Blick.

Als Besucher ist die Terasse -obwohl beschildert- gar nicht so leicht zu finden. Zunächst schleicht man sich selbstbewusst an der Rezeption vorbei und fährt mit dem Lift in Rekordzeit in die oberste Etage. Hier braucht man sich nur noch über 2 weitere Treppen diverse Reinigungskräfte und Toilettenschlangen durch 2 Flure zu kämpfen.

Betritt man nun durch die Tür nach draussen auf eine weitere Treppe stockt einem der Atem. Im Süden die Berge im Westen ein nie dagewesener Blick auf die Wahrzeichen Münchens. Vom Olympiastadion über Oper, Reseidenz und Theatinerkirche zur Fraunkirche, Altem Peter und der Bavaria.

Sogleich will man es den anderen Gästen gleich tun und den festlichen Moment ebenfalls mit Bollinger Champagner on Ice feiern. Ob der Preise besinnt man sich eines besseren und begnügt sich mit einem Weissbier (ca. 7 €).

Dennoch: das Personal ist ausgesprochen freundlich, die Almhütte (vom Mandarin Hotel konsequent international Wooden Chalet genannt) urig, und auf der Speisekarte stehen Wiener Schnitzel und Brotzeitbrettl. Um authentische Apres Ski Stimmung zu entfalten, schallt aus den Bose Boxen purer Apres Ski Schlager ala Mickey Krause und Marcus Becker wie "He-He-He- Helikopter".

Eine geniale Location, die gerne in zukünftige Stadtführungen aufgenommen wird! Ich wünschen Euch allen ein super Start ins Jahr 2014, und kommt mich alle gerne besuchen!

Blick vom Wooden Chalet auf München
  

Sonntag, November 24

Michael Jackson vs. Dieter Hildebrandt: geheime Denkmäler in München

Nachdem Michael Jackson 2009 verstorben war, wussten viele Münchner Fans nicht wohin mit Ihrer Trauer. Irgendwann stellte jemand eine Kerze auf ein Denkmal vor den bayerischen Hof -Münchens erste Hoteladresse, wo der King of Pop oft übernachtete. Noch heute übersteht das Denkmal jede kritische Diskussion, jede Taubenfutter und Urinattacke und mittlerweile kennt jeder Orlando di Lasso den Rennaisance Musiker, dem das Denkmal eigentlich gewidmet ist und somit mit geehrt wird.

Große Verwirrung auch im Sommer. Im Rahmen der Aktion "A Space Called Public" hatte ein Künstler das benachbarte Denkmal zu einer Huldigungsstätte für Michael Jacksons verstorbenen Affen "Bubbles" gemacht. Der Aufschrei der Fans war groß. Als ich heute das Bild vom Jacko Denkmal gemacht habe, war das Bubbles Denkmal aber gone.

Spontanen Gedenkstätte für den größten Kabarettisten Deutschlands in Schwabing

 

In dieser Woche verstorben ist Dieter Hildebrandt. Ok, klar ich kannte Ihn von diversen Auftritten im Fernsehen, z.B. in "Neues aus der Anstalt". Allerdings bin ich nicht so ein großer Kabarett Fan. Das ist mir einfach zu bissig und zu zynisch. Ich mag es da eher harmonisch.

Erst ex post habe ich nun erfahren wie großartige Dieter Hildebrandt wirklich war. Zum Beispiel hat die SZ hier einige seiner Top-Videos gesammelt. Spitze finde ich seinen Satz:

"In Bayern ist das kein Missbrauch, sondern Brauch"

Die Süddeutsche war auch auf einer Doppelseite voll mit Hildebrandt-Todesanzeigen:

Eigentlich haben die große Anzeige links alle namenhaften deutschsprachigen Kabarettisten unterzeichnet: Monika Gruber, Otti Fischer, Bruno Jonas, Lisa Fitz, Michael Mittermeier oder Werner Schneyder und Josef Hader. Wahrscheinlich sind viele erst über seine Popularität zu dem Beruf gekommen.

Immerhin trat Hildebrandt schon seit den 50er Jahren auf den Münchner Bühnen auf (über 60 Jahre - Wahnsinn!). Eine der bekanntesten Adressen in Deutschlands Kabarett Karte hat er sogar selbst mitbegründet. Die Münchener Lach- und Schiessgesellschaft. In den 60er Jahren wurde von hier immer an Silvester deutschlandweit ins Fernsehen übertragen. Im Dezember wollte der 86 Jährige sogar nochmal eine Abschiedsvorstellung geben. Titel: "Kommen Sie zum Schluss, Hildebrandt".

Und nun endet dort sein Kreis. Vor der Lach und Schiessgesellschaft im beschaulichen Schwabing haben Bewunderer Hildebrandts angefangen Blumengestecke, Rosen und selbstgeschriebene Gedichte abgelegt haben. Ähnlich wie beim Tod von Michael Jackson gibt es kein Hildebrandt Denkmal in München.


Eigentlich habe ich gedacht, er wäre nach Bernd Eichinger ein weiterer Kandidat für den prominenten Schauspieler Friedhof in Alt Bogenhausen. Hier liegen auch noch Erich Kästner, Rainer Werner fassbinder oder Helmut Fischer (Monaco Franze) begraben. Nein er soll laut Medienberichten in Perlach begraben werden. Mir soll es recht sein, ein Denkmal wird Dieter Hildebrandt in absehbarer Zeit in München aber mit Sicherheit bekommen.


Sonntag, November 10

Eingemauert in Schwabing: Besuch beim geheimnisvollen Gurlitt Wohnblock

Nachdem ich schon einmal vom "Crime of the Century" in Australien gelesen habe, hat dies Ereignis wohl das Zeug zum "Art-Crime of the Century"! Und das hier in München!

Wie in dieser Woche der Focus herausfand, wurden in einer Wohnung in München-Schwabing, Kunstwerke im Wert von einer Milliarden Euro gefunden. Gemälde verschollen seit der Nazi Zeit. Dürer, Spitzweg, Chagall, Nolde, Kandinsky, Picasso und Toulouse-Lautrec: Unter den Künstlern befinden sich all Maler, die die Münchner Pinakotheken zu Weltruhm verhelfen und die Isarstadt zu einer Kunstmetropole machen.

Der Sohn des Kunsthändlers Hildebrandt Gurlitt -"Constantin Gurlitt" bewohnt(e) das Appartement in Schwabing, gemeinsam mit Konservendosen und Trockenknödeln. Man soll Ihn nie gesehen haben, immerhin war er gar nicht in München gemeldet, zahlte keine Steuern und selbst die Rundfunkanstalt hatte Ihn nicht auf dem Zettel.

Dennoch fand der Fall nun Aufnahme in der Weltpresse:

*Who ist the Mystery men behind Germany's 'Nazi-looted' art haul? (CNN)   
*Report of Nazi-Looted Trove Puts Art World in an Uproar (New York Times)
*British doctor believes family's missing masterpieces among Nazi art trove (Daily Telegraph)


Oder mit den Worten der Yellow Press, auf die in solchen Fällen immer Verlass ist:


*Heil Hidler: Nazi art hoarder has second stash of pics 
*Matisse, Chagall and Dix pieces found in Munich Nazi flat 
*Nazi art worth £1BILLION found in shabby flat after dealer's son hid Picasso and Renoir

Gurlitt Wohnung Schwabing Munich

Angestachelt von den reißerischen Berichten in den Medien, ging auch ich zunächst von einem Mega Kunstverbrechen im Rahmen von Nazi Beutekunst aus. Ich freute mich bereits auf eine 4. Pinakothek mit der Gurlitt Sammlung...

Leider sind die Dinge meistens komplizierter als man denkt. Viele der Bilder scheint der Vater des geheimnisvollen Herrn Gurlitt nämlich rechmässig erworben zu haben. Sie sind daher nun mutmaßlich in das Eigentum des heute 80 jährigen Schwabinger Rentners übergegangen.

Sein geheimnisvolles Leben finanzierte der alte Herr durch gelegentliche Verkäufer seiner Bilder zumeist in Schweizer Auktionshäusern. Wahrscheinlich hatte er auch ein Schweizer Bankkonto. Den deutschen Behörden war er aufgefallen, als er mit einer großen Summe Bargeld von der Schweiz auf dem Weg nach München war.

In München lebte er in einem Wohnblock in Schwabing. Es muss ein einsames Leben gewesen sein. Keinem durfte er verraten, keinem durfte er zeigen was für Schätze auf 30 QM in seiner Wohnung schlummerten. Nur alle Jubeljahre wurde ein Kunsthändler informiert dieses oder jenes Bild abzuholen.

Bilder wie das obige des Appartement-Blocks in Schwabing geisterte jedenfalls durch die Weltpresse. Grund genug für mich das Versteck einmal aufzusuchen. Doch wie findet man die Adresse eines Phantoms nur anhand eines Photos. Mein Spürsinn wurde geweckt. Die Abendzeitung gab mir letztlich den entscheidenden Hinweis: Eine Nachbarin wurde über den ominösen Herrn Gurlitt interviewed. Und Gräfin Valvasori wusste einiges zu berichten. Zum Glück war die adelige Dame nicht so zurückhaltend mit Ihren Daten wie Ihr Nachbar und vertraute auf einen Eintrag ins öffentliche Telefonbuch.

Auf ging es für mich zum Artur-Kutscher-Platz 1 an die Münchner Freiheit. Etwas Schmunzeln musste ich, als ich feststellte, dass ich hier bereits bei der letzten Bombennacht von Schwabing -der Entschärfung der Fliegerbombe- Stunden verbracht habe. Herr Gurlitt muss hier knapp einer Evakuierung entgangen sein, aber einen Wahnsinns Blick auf das Bomenentferno gehabt haben.

Der Wohnblock machte auf mich einen abweisenden Eindruck. 6 stöckige kalte Krieg Optik, dafür aber mit jeder Menge großer Balkone und Dachterassen für sonnenverwöhnte und zahlungskräftige Münchener. Auf den ersten 3 Metern Richtung Hauseingang starrten mich 3 Verbotsschilder an: Keine Fahrräder, keine Hunde, kein Zutritt. 

Gurlitt Wohnung schwabing

Ein Blick in das Foyer offenbarte einen Empfangsbereich fast von Hotelgröße und 2 Fahrstühle. Typisch Schwabing: Wohnung mit großem Balkon, nahe am Englischen Garten, Sonnenseite. Dafür  werden beim äußeren Abstriche gemacht. Dafür hat man seine Ruhe.

Direkt neben der Wohnanlage ein Taxistand, an dem Fahrzeuge mit laufendem Motor warteten. Die Fahrer wussten um Ihr Geschäft. Die alten Herrschaften der Umgebung zahlen sicherlich gerne in bar und mögen keine Öffis.

Eine echte Überraschung wartete bei der Ansicht des Türschildes. Alles fein säuberlich alphabetisch sortiert, damit man sich schneller zurecht findet. So fiel mir ein Name in der Mitte des silbernen Klingelschildes sofort ins Auge: "Gurlitt". Geklingelt habe ich nicht.

Türschild Gurlitt Wohnblock schwabing

Das sieht nach Nolympia aus, oder?

Gleich 2 Münchener Lokalereignisse schaffte in dieser Woche den Sprung in die Weltpresse. Nicht nur in München auch in drei weiteren bayerischen Austragungsorten wird heute darüber abgestimmt ob München sich für Olympia 2022 bewerben soll. Lange habe ich mit mir nach der letzten grandios gescheiterten Bewerbung gerungen. Am Ende hat sich der Sportsgeist durchgesetzt und heute habe ich mit "ja" gestimmt. Die Gründe dafür sind etwas banal.

Zum einen glaube ich nicht, dass nach Sotchi und diesem Samsung Retorten Ort in Südkorea es Zeit für "normale" Oly-Spiele ohne viel Tam Tam wird. Das Deutschland sowas kann haben wir bei der WM 2006 gesehen.

Der 2. Grund ist zeimlich egoistisch. Als begeisterter Wintersportler kann ich als Münchner von neuen Sportstätten und besseren Anfahrtswegen nach Garmisch und Co direkt partizipieren. Leider verheissen erste Auszählungen nichts gutes: http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/buergerentscheid-olympia-oberbayern-100.html

Mein Eindruck im Wahllokal scheint sich zu bestätigen. Bei mir im Westend waren eher junge Leute unterwegs mit kritischem Blick. Die Alten saturierten Olympiafans haben sich bei dem Shitwetter wohl nicht aus Ihrem Häuschen getraut.....


Das 2. Ereignis behandelt die Münchner Kunstszene. Ich behandle es lieber in einem eigenen Post....


Sonntag, Oktober 13

Auf eine friedliche Wiesn - das Oktoberfestattentat

Oktoberfest Eingang


Das Oktoberfest ist vorbei. Bei der morgendlichen Joggingrunde sehe ich einen Bauzaun vor dem Haupteingang. Durchfahrt mit dem Radl verboten. Beim Aufbau bin ich mal mitten durch die Zelte gejoggt, wurde aber von einer korpulenten Frau mit dem Hinweis "dies ist eine Baustelle" vertrieben. Ich hätte damals auch auf meine Kopfhörer zeigen und einfach davonlaufen können.

Der Wiesnabbau dauert gefühlt viel länger als der Aufbau. Es fehlt ja auch die Vorfreude. Eher herrscht in München Katerstimmung und Zeitungen titeln "jeder 3 Münchner ist krank". Zum Glück hatte ich bereits einige Wochen vor der Wiesn eine Erkältung, so dass ich heuer immun gegen alle Viren war. Während die Kirmesfahrgeschäfte schnell abgebaut sind und eine Schlammwüste hinterlassen, bleiben die Zelte noch einige Wochen trostlos und trotzig stehen. Erst Anfang Dezember beginnt an hiesiger Stelle das Winter - Tollwood.

Was bleibt? Schöne Stunden in den Zelten sicherlich. Viele Eindrücke vom Rummel, ganz sicher die Besoffenen am Kotzhügel und auch der Wiesnabschluss mit VIP watching im Käferzelt. Was ebenfalls noch länger bleibt, sind die Blumenkränze und Plastikrosen am Oktoberfestattentatsmahnmal.

Mahnmal Oktoberfest Attentat

Ein Attentat beim Oktoberfest? Ja es gab tatsächlich ein Attentat: 1980. Seit einigen Jahren wird mit einem Mahnmal direkt neben dem Eingang daran gedacht. Zwar setzt die Metallummantelung einer Säule schon Rost an, dennoch finde ich es sehr gelungen. Die Ummantelung sieht aus als seien Fetzen herausgerissen worden. Das erinenrt an die fiese Wirkung der Nägel, die in die Rohrbombe -gespickt mit kiloweise TNT- gesteckt wurden.

 

Plastikrosen für die Toten und Verletzten 

 

Inschrift Säule Oktoberfest Attentat13 Menschen wurden bei dem Attentat getötet, darunter der Attentätet selber. Über 200 wurden verletzt. Damit war es dass schlimmste Attentat der deutschen Nachkriegsgeschichte. Auf der Säule findet man die Namen der Toten. Den Attentäter hat man nicht hinzugefügt.

Heuer hat man zudem die Namen der zum Teil schwerverletzten Überlebenden auf Blätter gedruckt und an den Fuss des Denkmals gelegt. Nach einigen Tagen fangen Oktoberfestbesucher meist an neben echten Blumen auch Plastikblumen von den Schiesständen an der Gedenksäule zu befestigen. Auch ich habe dies schon getan.

Gewissensfrage: Ist das Ablegen einer Plastikrose am Denkmal -auch weil man froh ist sie los zu werden, oder keine Herzensdame in der Nähe- pietätlos?
 
Ich finde nicht. Und das nicht nur, weil Plastikrosen nie verblühen. Eine abgelegt Rose heisst zumindest dass man sich für wenige Sekunden mit dem Denkmal befasst hat. Man wird sich bewusst, dass der Ausspruch beim Anstick von Christian Ude "auf eine friedliche Wiesn" keine inhaltsleere Floskel ist. Wir können uns glücklich schätzen in einem Land zu leben wo sich an einem Samstag 100.000 Menschen versammeln können um friedlich zusammenzusitzen und zu feiern. Und Bier zu trinken.

Terrorauswirkungen auch in den letzten 13 Jahren

Übrigens gab es auch in jüngster Zeit Auswirkungen durch Terrorakte. Im Jahr 2001 wurde der Anstich abgesagt, weil man noch unter dem Eindruck von 09-11 stand. Und es muss ungefährt 2 Jahre her sein, dass von einem auf den anderen tag spürbar weniger auf der Wiesn los war. Al Kaida hatte ein Video mit möglichen Attentatszielen veröffentlicht. Neben dem Brandenburger Tor war da auch das Oktoberfest zusehen. Ein Tag später wurde der Ring, um die Wiesn gesperrt und im nächsten Jahr waren Panzersperren vorhanden. Die Sperrung des Ring stellt nun eine erholsame Ruhezone rund um das Festgelände dar. Nich einmal Taxis dürfen in die Sperrzone. Sehr zur Freude der Rikscha Fahrer die sich gerne abstrampeln.

Das Attentat von 1980 wurde zu großer Wahrscheinlichkeit von einem verbitterten, verwirrten rechtsradikalen Einzeltäter ausgeführt. Da er unter den Opfern war, konnte man leider nie 100% ermitteln ob die Einzeltäterthese stimmig war. Vieles spricht dagegen. Erst 2013 wurde der Fall erneut aufgerollt (siehe hier SZ Artikel).