Sonntag, Januar 18

Ukraine Konflikt und Kalter Krieg mitten in München: Ein Grab polarisiert noch heute

Am 16. August 2014 ist der Fernsehjournalist Peter Scholl-Latour gestorben. Sein Grab befindet sich in Rhöndorf, auf demselben Friedhof wo auch der erste Kanzler der Bundesrepublik -Konrad Adenauer- begraben liegt. Den Friedhof habe ich 2011 bei einer Radlreise entlang der deutschen Flüsse besucht. Vom Friedhof aus hat man einen idyllischen Blick auf eine Rheinschleife. Warum er dort begraben werden wolle?, wurde Scholl-Latour gefragt: "Konzentriertes Abendland" antwortete der Journalist lapidar.
Quelle: http://www.intersciencefilm.de/archives/1832
Ich habe Scholl-Latour unheimlich gerne in Talkshows zugesehen. Seine lakonische Art, seine überraschenden historischen Einwände gepaart mit überragendem Wissen um den Nahen Osten und persönlichen Begegnungen. Immerhin hatte er als einer der wenigen Menschen alle Länder der Erde bereist ("bis auf ein paar kleine Atolle im Pazifik" so PSL). Überhaupt liebte ich seine oft völlig Mainstream-konträren Einschätzungen. Sie haben meine Meinung zum Nahen Osten und anderen Krisenherden der Welt nicht selten beeinflusst. Bis zuletzt war er mit über 90 Jahren noch journalistisch aktiv und hatte seine schwere Erkrankung erfolgreich verschleiert.

Scholl Latour verblüfft in der ARD zu Ukraine Konflikt  


So konnte man Ihn noch Mitte des Jahres bei Maischberger in einer ARD Talkshow sehen (oder bei Youtube). Es ging um den Ukraine Konflikt und die heterogenen Bevölkerungsgruppen der Ukraine. Scholl Latour mit herrlichen Bonmots. Chrustschow habe die Krim der Ukraine im Vodka-Rausch geschenkt, oder Scholl Latour hat noch Krim-Tataren in der Wehrmacht kämpfen gesehen. Nun dreht es sich um die Situation im europäischen Teil der Ukraine rund um die Stadt Lemberg (Lwiw).

Lemberg interessiert mich schon lange. Diese alte österreich-ungarische Stadt, die nach dem ersten Weltkrieg polnisch war, dann von der Wehrmacht besetzt und schliesslich sowjet-russisch wurde bevor es unter ukrainische Verwaltung kam. Gelegen im entsetzlich umkämpften Grenzgebiet der verschiedenen Einflussbereiche im zweiten Weltkrieg, geschüttelt von ethnischen Säuberungen und staatlich angeordneten Hungersnöten (Holodomor).

Peter Scholl-Latour ist bei Maischberger schon viel weiter und wie immer haben alle Mühe im zu folgen. Er spricht nun von den "alten Leuten, die noch in Lemberg leben und mit Bandera wacker gekämpft haben".

Bandera? Den Namen habe ich noch nie gehört und muss erst einmal recherchieren.

Kollaborateur oder Freiheitskämpfer?

Stephan Bandera war ein Partisan und Politiker, der vor allem die sowjetische Besatzung bekämpfte
und an eine unabhängige Westukraine dachte. Ebenso war er aber wohl auch mitverantwortlich an ethnischen Säuberungen an Juden und Kommunisten im Sinne der SS. Erst wurde er von den Polen verhaftet, dann von den Deutschen begnadigt. Bandera wurde wieder nach Lemberg verfrachtet um die Bevölkerung gegen die Russen zu mobilisieren.

Eine unabhängige Westukraine war den Deutschen dann aber doch wieder zuviel, er wurde in ein KZ gesperrt, dann wieder entlassen, und dann war es eh zu spät, weil die Rote Armee Lemberg überrannte. Ein bewegtes Leben in einer schrecklichen, schnellebigen Phase des Jahrhunderts.

War er nun Nazi, Nationalist, Separatistenführer oder einfach radikaler Politiker. Ich wage mir kein Urteil. Während er in der Ostukraine als Kollaborateur gilt, wird er im Westen des Landes als Widerstands- oder gar Freiheitskämpfer verehrt (wie von den Fans von Karparty Lwiw)


Genauere Details dieser Reizfigur könnt Ihr bei Wikipedia nachlesen. Bandera setzte sich schliesslich nach Österreich ab und wurde nach dem 2. Weltkrieg unter falschem Namen in München sesshaft. Hier glaubte er sich vor seinen russischen Verfolgern verstecken zu können.

Banderas Grab ist in München


Bei meiner Recherche kommt nun etwas erstaunliches zu Tage. Banderas Grab ist auf dem Waldfriedhof in München Grosshadern. Im letzten August wurde es von seinen Gegnern geschändet. Das fast 2m hohe Kreuz wurde umgestossen und in der Erde wurde herumgewühlt.

Quelle: http://www.fs-blog.de/index.php
Grabschändung hat -wie ich finde- immer etwas leicht perverses und ist eine sehr emotionale Art zu protestieren. Illegal ist es ohnehin. Verantwortlich waren wohl pro-russische Personen, die im Zuge der aktuellen Kämpfe in der Ukraine noch einmal auf Ihre Situation hinweisen wollen. Die Polizei hat bislang vergeblich ermittelt.  

Die ukrainischen Gemeinde in München regiert allerdings erschüttert. Bandera sein "zum zweiten mal umgebracht worden". Zum zweiten mal?

KGB schlägt 1959 in München zu


Bandera gelang es nach den Kriegswirren erfolgreich in München unterzutauchen. Dennoch können die Häscher des russischen KGBs in den 50er Jahren seinen Aufenthaltsort ermitteln. Am Eingang seines Wohhauses in der Kreittmayrstraße 7 in München-Schwabing wurde Bandera auf besonders grausame Art von KGB Agenten ermordet. Sie spritzten Ihm Zyankali ins Gesicht, woraufhin die Ärzte Ihn nicht mehr retten konnten. Das Ort des Attentats habe ich heute besucht und es war ein mulmiges Gefühl genau dort zu stehen, wo ein solcher Lebenslauf, der bis heute polarisiert, durch Agenten sein Ende fand. Eine unscheinbare Hofeinfahrt.



        

Samstag, Januar 10

Besuch beim spektakulärsten Sportevent Oberbayerns

In Garmisch, 90km südlich von München, finden im Winter viele Sportevents statt. Weltbekannt dürften das Neujahrs-Skispringen und die Ski-Abfahrt auf der Kandahar sein. Danben gibt es aber auch Red Bull Events, den Weltcup Slalom am Gudiberg, Bundesliga Eishockey oder Biathlon in der Innenstadt.

Ein Event vereint Sport und lokale Tradition und ist -wenn Ihr mich fragt- das spektakulärste. In diesem Jahr war ich bereits zum dritten mal in Folge da, während mich Skispringen und Abfahrt nur alle paar Jahre sehen.

In diesem Video seht Ihr das Event einmal aus der Sicht einer Helmkamera. 

 
1971 entstand es wohl aus einer Schnapsidee nach dem Wirtshausbesuch: Es handelt sich hierbei um das Hornschlittenrennen. Früher wurde auf den Schlitten im Winter Heu von den Almen ins Tal transportiert. Heute bauen sich Teams aus Thüringen, dem Ruhrgebiet (Starter 21, Ruhrpottwalze) und natürlich Oberbayern Ihr eigenen Schlitten. Natürlich streng nach den Vorgaben des traditionellen Hornschlittenbaus. Und da es nicht so viele Hornschlittenrennen gibt, ist das Rennen in Partenkirchen gleichzeitig die bayerische Meisterschaft. Die vorderen Holmen des Schlittens sind den Hörnern einer Gams nachempfunden, was den Namen der Schlitten erklärt.

4 mal Hornschlittenrennen Partenkirchen

Warum ist das Hornschlittenrennen so spektakulär?

Nun ja, es stürzen sich 4 Amateursportler ein steile Abfahrt hinunter und erreichen dabei bis zu Tempo 90 km/h. Links schützt nur die Felswand, rechts eine Bande oder der gähnende Abhang der Partnachklamm. 

Die Strecke ist oft eisig, weil es am Dreikönigstag noch nicht soviel Schnee in den Bergen hat. Nach 1,5 Minuten rauschender Abfahrt wartet dann noch ein Zielsprung auf die wagemutigen Fahrer. Und der Zielauslauf ist auch recht knapp bemessen, so dass es immer wieder zu auseinanderbrechenden Schlitten kommt.

Es ist risikoreich, ja es ist eigentlich saugefährlich. In jedem Jahr kommt es zu mehr als einem Krankenwagen Einsatz.

Der Hornschlittenverein sorgt für ein super Ambiente. Es wird lustig moderiert, Eine große Leinwand sorgt für keine Langeweile und man kann sich mit Glühwein, Bier und fränkischer Baratwurst stärken.

Leider ist es kein Geheimtip mehr. Bei zugegebenen super äusseren Bedingungen folgten über 5.000 Menschen dem Ruf nach Partenkirchen. Ich war und werde gerne wieder dabei sein! 



Die Ergebnisse von 2015 findet Ihr hier!

Sonntag, Dezember 7

Wanderer über dem Nebelmeer

Obwohl es einen goldigen Herbst in München gab mit später Biergartensaison, liegt die Landeshauptstadt Bayerns seit Wochen nun unter einer Nebelglocke.

Im letzten Winter habe ich es nicht verwirklicht - nun habe ich Besserung gelobt. Sollte es in München schlecht sein, prüfe ich das Ski, Wander und Bergwetter, um noch was vom Wochenende zu haben.

Gesagt getan bot sich mir erst letztes Wochenende nach ca. 45 Minuten Anfahrt und 2:07 Minuten Wanderung auf die Notkarspitze folgendes Bild:

Blick hinunter vom Vorgipfel der Norkarspitze (1900m). Unten links erkennt man auf dem Bild die letzte Almhütte des Klosteranwesends Ettal.

Während München und das Oberland noch im Nebel liegen, wird oberhalb von 1.300 Metern schon über die Entfernung des nächsten Kleidunggstücks nachgedacht.

Dazu noch ein Gipfelbier bei fast 15 Grad, Sonne und grandioser Aussicht, machten es zu einer speziellen Tour. Und das Anfang Dezember. Dem Klimawandel sei Dank ist der Dezember scheinbar der neue Wander-Oktober.

Irgendwie war es ein grandioser Moment über der Wolkendecke zu stehen. So dass ich mich zu einem Rückenportrait hinreissen liess, was einem Maler der deutschen Romantik zu aller Ehre gereicht hätte. Abends habe ich es dann aneinandergefügt.

Voila: Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" und Heiner Tappes "Rückenansicht über Farchant mit Instagram Filter".

Wanderer Über dem Nebelmeer
Das Bild von Caspar David Friedrich beeindruckt mich schon lange. Irgendwie beschäftigt es mich, welche Gefühlsregung der Herr im Gehrock hat. Gerade weil ich sein Gesicht nicht sehe.

Zudem mag ich die Stimmung und Tiefe im Bild. Caspar David Friedrich war eine Maler der in der Nähe von Dresden zuhause war. Zwar hat er auch den Watzmann gezeichnet, dennoch hielt ich den Hintergrund seines Gemäldes immer für ein Teil des Elbsandsteingebirges hinter Dresden.
  
Die Recherche um das Bild hat nun erstaunliches zu Tage gebracht. Friedrich hat für sein Bild verschiedene Berge des Sandsteingebirges zusammengesetzt. Die Bergekomposition gab es nur in seinem Kopf. Bei Wikipedia findet man Vermutungen welche Felsen Friedrich nachgezeichnet haben könnte. Unter Ihnen findet vor allem der hinten rechts im Bild befindliche Zirkelstein bei Bad Schandau meine Bewunderung.

Zirkelstein Bad Schandau

Immer wieder bin ich erstaunt, welche geologische Vielfalt Deutschland zu bieten hat und glaube kaum, dass es sowas in Deutschland gibt.

Aber das es in das Ölgemälde von 1818 noch soviel mehr hinein zu interpretieren gibt hätte auch ich nicht gedacht. Das Rückengemälde von Friedrich steht auch für die deutsche Seele, die von den romantischen Malern befeuert wurde.

So sieht es beispielsweise die Welt in bei einem Kommentar zur Deutschlandumfrage:

Wenn es ein Bild gibt, auf dem ein Künstler die deutsche Seele eingefangen hat, dann ist es wohl Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer".
Das berühmte Ölgemälde entstand im Jahre 1818 und zeigt eine bürgerlich gekleidete Figur in einer imaginären Landschaft des Elbsandsteingebirges. Ganz in Schwarz gewandet, steht sie mit dem Rücken zum Betrachter; stützt sich auf einen Gehstock, blickt ins Tal und sinnt vor sich hin. Unten, im Nebel, wabert die Welt.
Das Bild machte als Ikone der deutschen Romantik Karriere.
Und wenn ein Historiker in Harvard, Yale oder Oxford erklären möchte, was mit den Deutschen im Moment nicht stimmt, dann braucht er bloß Friedrichs Nebelwanderer mit einem Overhead-Projektor an die Leinwand des Hörsaals zu werfen........

Eine schöne Erklärung der deutschen Romantik bietet auch das ZDF derzeit in der Histotainment Reihe mit dem grossartigen australischen Historiker Christipher Clark.

Soviel habe ich mir bei meiner Rückenansicht über Farchant nicht gedacht. Aber ein Gefühl der Freiheit, der Liebe zur Natur und der Zufriedenheit mit dem Einfachen will ich nicht abstreiten.

Auf dem Rückweg fand der Nebel dann auch Einzug ins Ettal und zwar mit Hochdruck. Unser Auto stand schon wieder im Grau. 

Nebel Ettal

Sonntag, November 9

Hindenburg in Bayern: Eine Büste wird vom Sockel gestoßen

Was man auf dem Bild sieht ist eine Gedenktafel für den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das mag im preussisch geprägten Teil Deutschlands nichts besonderes sein. Was aber hat Sie im bayerischen Voralpenland zu suchen? Und warum fehlt die Büste?

Das Resultat eines Literaturabends

 

Gehen wir chronologisch vor. Ich nutze das Wochenende in München zur Erholung. 2 Wochenenden am Stück war ich nicht in München, 2 kommende Reisewochenenden stehen mir bevor. Vielleicht kennt Ihr das. Verteilt in der Wohnung, auf dem Schreibtisch, Sofa und neben dem Bett liegen Bücher, die mal lesen möchte, aber noch nicht die Musse hatte tiefer einzusteigen.

So ging es mir also am Samstag Abend bei einer Kanne Roibos Tee und ich vertiefte mich in den Gesprächsband von Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt. Ein lesenswertes Buch, mit Statements eines wahren Stoikers, Hanseaten und Elder Statemens/Ex Bundeskanzlers. Häufiger geht es um politische Auseinandersetzungen mit dem langjährigen CSU Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß. Helmut Schmidt gibt zu FJS persönlich geschätzt zu haben und bezeichnet Ihn mehrfach als fabelhaften Rethoriker.

Als ich dass Buch von Schmidt/Lorenzo zurückstelle in die Politik Ecke des Bücherregals, bleibt mein Blick hängen an der FJS Autobiographie. Ich habe Sie schon vor Jahren aus neobajuwarischem Interesse in einem Antiquariat gekauft. 600 Seiten Politik hatte mich dann aber wohl jahrelang abgehalten einen tieferen Blick hineinzuwerfen.  

Ein Blick in die Strauss Autobiographie


Nun wage ich einen Blick und lese die ersten 30 Seiten der Strauss Autobiographie. FJS hat Sie nur ein halbes Jahr vor seinem Tod auf Band gesprochen und ich finde es hochspannend, dass er gegeüber der ersten NSDAP Parteizentrale an der Schellingstrasse als Sohn eines einfachen Metzgers grossgeworden ist.

Hängen bleibe ich aber an einem Zitat über den Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Als Reichspräsident hat er als Greis Hitler zum Kanzler gemacht, als Miterfinder der Dolchstosslegende die Weimarer Republik torpediert und als Generalfeldmarschall unter Wilhelm II den Tod hunderttausender Soldaten im WW I in die Schlachten um Verdun zu verantworten.

FJS in seiner Autobiographie über eine Unterhaltung mit dem Ex-Reichkanzler Brüning:

"Über Hindenburg, der Ihn (Brüning) rücksichtslos hatte fallen lassen, verlor Brüning kein schlechtes Wort. Eine ironische Anmerkung: Für mich hat Hindenburgs Metamorphose begonnen, als er seine Hirsche nicht mehr bei uns in Bayern, in Dietramszell, schoss, sondern in Neudeck in Westpreussen. Solanger er noch unter bayerischen Einfluss stand, nicht von ostelbischen Gutsbesitzern wie Oldenburg-Januschau, waren die Dinge noch in Ordnung."

Hindenburg, der Ultra Preusse -geboren 1845 in Posen- soll lange Jahre in Bayern, in Dietramszell, gejagt haben? Das begann mich zu interessieren.

Ja es stimmt. 1922 bis 1932 verbrachte Hindenburg seine Sommerfrische in Dietramszell. Ein wenig Google und dem Oberbayerischen Volksblatt sei Dank:

Hindenburg und Dietramszell – das ist eine besondere Geschichte. Sie führt zurück in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Der Forstfachmann Georg Escherich aus Isen bei Dorfen (Landkreis Erding) wird in das unwirtliche Waldgebiet Bialowies („Gouvernement Warschau“) entsandt. Er soll die Erschließung des Urwalds in Angriff nehmen. Bialowies ist auch ein Jagdrevier. Eine besondere Attraktion: Wisente. Escherich gibt nur einzelne Exemplare zum Abschuss frei, insgesamt acht Tiere. Zuerst darf am 12. November 1915 Kaiser Wilhelm II. ein Tier erlegen. Als nächster ist dann im Januar 1916 Kriegsheld Hindenburg an der Reihe. Er wird es Escherich nie vergessen. Die beiden bleiben befreundet. Sie sind auch Gesinnungsfreunde – für Demokratie und Republik haben beide nichts übrig. 
Es kommt die Kriegsniederlage, es kommt die Revolution und die Republikgründung. Hindenburg, der Held, mischt in der Politik mit, aber er ist noch nicht Reichspräsident (das wird er erst 1925). 1921 erleidet er einen Schicksalsschlag. An seinem Wohnort Hannover stirbt seine Frau Gertrud. „Nicht zuletzt, um sich nach dem Tod seiner Frau abzulenken“, schreibt der Historiker Wolfram Pyta, „besann Hindenburg sich wieder auf seine alte Jagdpassion.“ Sein alter Jagdkumpan Escherich setzt ihn auf die Gams an. Im Sommer 1922 logiert Hindenburg erstmals in Oberbayern, Escherich bringt ihn bei der mit ihm befreundeten Familie Schilcher unter, der das Dietramszeller Klosterschloss gehört. Hindenburgs Jagdausflüge in das Revier Fall an der Isar hinter Lenggries waren für den damals schon über 70-Jährigen eine Strapaze. Eine Lore der Holzabfuhrbahn, die mit Sitzen versehen und von Pferden gezogen wurde, brachte ihn ein Stück bergauf. Den Rest musste Hindenburg aber selber gehen. „Dass er diese Strapazen bis 1931 Jahr für Jahr auf sich nahm und mit einem oder mehreren guten Böcken belohnt wurde, zeugt von seiner Leidenschaft für das edle Waidwerk wie von seiner guten körperlichen Konstitution“, schreibt Historiker Pyta.

Die meisten Google Suchergebnisse nach "Hindenburg in Dietramszell" werden aber von einem aktuelleren Thema bezüglich Dietramszell und Hindenburg bestimmt. Vor dem Dietramszeller Klosterschloss -einem oberbayerischen Spät-Barock Juwel- stand seit Ende der 30er Jahre eine Hindenburg Büste. Aufgestellt von den ehemaligen Besitzern der Familie Schilcher, abgehängt niemals. Auch nicht von den heutigen Besitzern einem Selesianer Stift und einer Montessori Schule.

Wie man mit der Vergangenheit umgeht -Hindenburg war in weiten Kreisen der konservativen Gesellschaft ein angesehener Mann- ist so eine Sache. So lassen? Hinweistafel? Abreissen?

Meine Heimat Münster hat sich für folgende Lösung entschieden:



Ein Münchner Aktionskünstler entschied sich im Sommer 2014  in Dietramszell aktiv zu werden. Er entnah kurzerhand die Büste, versah Sie mit einem Hakenkreuz und setzte Sie in den Garten der Nachfahren derer von Schilcher.

Ein wahrer historischer Krimi entsponn sich nun. Wusste ich doch nicht, was seitdem mit der Büste geschehen war. Es nützte nicht. Ich musste heute in das 5000 Einwohner Dorf. Keinen Bahnhof gibt es dort, also beschloss ich das Mountainbike zu nehmen und 70 KM über Land gen Süden zu fahren. Die hüglige Moränenlandschaft trotzte mir einige Körner ab, aber ich war motiviert. Ein wenig fühlt ich mich wie in einem Dan Brown Roman, noch viel mehr aber wie Umberto Eco in seiner Vorschrift zum Roman "Im Namen der Rose":

"Am 16. August 1968 fiel mir ein Buch aus der Feder eines gewissen Abbé Vallet in die Hände: Le manuscript de Dom Adson de Melk, traduit en français d'après l'édition de Dom J. Mabillon (Aux Presses de l'Abbaye de la Source, Paris 1842). Das Buch versehen mit ein paar historischen Angaben, die in Wahrheit sehr dürftig waren,  präsentierte sich als die getreue Wiedergabe einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die der große Gelehrte angeblich seinerseits im Kloster Melk gefunden hat".

Mit diesem Satz beginnt der legendäre  Roman "Der Name der Rose". Umberto Eco warnt den Leser der deutschen Ausgabe augenzwinkernd aber ein paar Sätze später:  

"Der geneigte Leser möge bedenken: Was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes."

Mit dem Radl auf dem Weg nach Dietramszell


Ganz so verworren war es dann bei mir doch nicht und ich erfreute mich der zauberhaften Herbstbilder und immer andersartiger Blicke auf das Alpenpanorama von der Zugspitze bis zum Wendelstein.



Dietramszell ist eine beliebte Einfamilienhausstadt im Süden Münchens. Knapp über der Hälfte zwischen Landeshauptstadt und Tegernsee. Zwar stehen hier weniger Bonzenhäuser wie in den Münchner Vororten Grünwald oder Sauerlach, aber es geht gediegen zu. Auch Kulturschaffende wie die Autorin und Moderatorin Amelie Fried oder der Regisseur Marcus H. Rosenmüller sollen hier wohnen. Auf dem Weg dorthin fahre ich durch viele Dörfer, die durch Kircherl, Wirtshaus, Bauernhof und Dorfweiher geprägt sind. Idylle pur.

In Dietramszell ist es durch das Klosterschloss, was gleichzeitig die Pfarrkirche ist, anders. Vom Wirtshaus fährt man noch 300m einen steilen Berg runter und steht urplötzlich vor den massiven waldumrandeten Klostermauern.

Im Angesicht mit der Hindenburg Gedenktafel


Der geneigte Leser weiss es schon und ich sehe es auch schnell. Die Büste ist noch immer nicht wieder da. Hindenburg ist gone, un die Hinweistafel ohne Büste fällt kaum weiter auf. Ich nutze die darunterliegende Bank für eine lange Pause mit Brotzeit und geniesse die warme Novembersonne.


Immerhin die Einfahrt zum Klosterhof mit den Hirschgeweihen erinnert vielleicht noch an den alten Preussen in Bayern. Eine Geschichte nach meinem Geschmack. Ende offen.

Geschichtsnostalgie ala Dietramszell


Nachtrag:

Die Dietramzeller haben  es ein wenig mit Geschichtsnostalgie. Neben dem Kloster erinnert eine Wirtshauswandmalerei an die letzte Postkutsche Bayerns:



Nachtrag 2:

Im Dezember 2013 kam es zu einem Eklat als Hitler und Hindenburg die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dietramzell nochmals pro Forma entzogen werden sollte (laut bayerischer Gemeindeordnung erlischt Sie mit dem Tode). Brisantes Abstimmungsergebnis: 8:8 unentschieden. Im zweiten Wahlgang klappte es dann doch.

Nicht nur die süddeutschen Gazetten auch amerikanische Late Night Talker (Jaret Leno) amüsierten sich über das "kleine Dorf im Süden Deutschlands".


Sonntag, Oktober 19

Die Sache mit dem Bier....

Vor einigen Jahren habe ich mir einen Artikel ausgeschnitten, der nun meine Collage auf der Toilette ziert:

Jeder 4 Bayer trinkt täglich Bier!

Wenn es so wundervolle Herbsttage sind wie derzeit kann ich dass gut nachvollziehen - und addiert man die Biere aus der Oktoberfestzeit hinzu, kommt das bei mir für die letzten 4 Wochen wahrscheinlich auch hin:


Weissbier im königlichen Hirschgarten!
Belohnungs-Weissbier im Rißtal/Karwendel aka auf dem Weg zum Biermodel!

Natürlich legen viele Münchner eine Pause zwischen dem Ende des Oktoberfestes und der kommenden Weihnachtszeit ein, damit der Körper sich gut erholen kann, aber ich denke ein-zwei alkoholfreie Weissbiere tun es auch. Zudem verzichte ich meist auf jegwelche Schnäpse, weshalb mich auch die Whiskey Messe in München "Classic Whiskey" nicht locken kann:


Schmunzeln musste ich aber über die Namensgebung der Messe. Immerhin unterscheiden viele Schnapsliebhaber WhiskY aus Irland und WhiskEY aus Schottland. Die Veranstalter lösen es geschickt indem Sie das "e" klein und schräggestellt andeuten. Auf dem Plakat und in der URL wird es wiederum ohne "e" geschrieben.

Also wie denn nun? Fragen wir doch einfach Mama Google, und siehe da, in Deutschland wird die ohne "e" Variante doppelt so oft gesucht!



Aber den Spruch der Messe Veni Vidi Whiskey kontere ich lieber mit:


Donnerstag, September 4

Die "Big Five in München" - und was eine Kuh auf der Theresienwiese treibt

Die Abendzeitung ist mit einem spannenden Titel auf der Jagd nach Lesern.
         Die Big Five in München laut der Abendzeitung
Das ist wirklich spannend. Fast alle abgebildeten Spezies habe ich schon in München gesehen. Rehe sieht man zB beim Joggen im Schlosspark Nymphenburg. Erst kürzlich bin ich einem weiblichen Reh gefolgt, welches vor mir über einen schmalen Brückensteg gewechselt ist. Wahnsinn wie sicher und ruhig das Reh unterwegs war. Ob des wenigen Drucks durch Spaziergänger und Jäger (der Park ist nachts geschlossen, die Wälder dürfen nicht betreten werden), sind die Rehe recht zahm und lassen sich gut beobachten.
Füchse habe ich schon zweimal in der Nähe der S-Bahn Linien im Stadtgebiet gesehen. Hier gibt es ebenfalls wenig Besuch durch die Spezies Mensch und Sie scheinen clever genug der Bahn aus dem Weg zu gehen. Nachts machen Sie sicher auch den ein oder anderen Mülleimer leer. Viele Mülleimer  z.B. im E-Garten oder auf der Theresienwiese, haben wegen der Füchse und Krähen daher mittlerweile einen Wildschutz, damit die Müllentsorger nicht die herausgezogenen Reste erneut einsammeln müssen.

Und der Steinmarder, nun den sieht man wirklich in ganz München in den Morgenstunden umherschweifen. Ich vermute der braucht nur 3-4 Bäume und viele parkende Autos. Ein schlechtes Gewissen hatte ich, als ich einen Mietwagen zur späten Stunde vor der Station abstellen musste. Keine 20 m entfernt hatte sich schon ein Steinmarder unter das Auto verzogen. Laut der SZ ein Hauptgrund für Bissschäden sind Autos, die von anderen Marderrevieren in ein neues geparkt werden
gefällter Baum im Egarten? Biberspur?
Während ich höchstselbst noch keinen Dachs tot oder lebendig in München aufgespürt habe, bin ich aber der Bibersuche einmal nachgegangen. Der Nordteil des englischen Gartens ist viel wilder und ursprünglicher als der Südteil mit seinen lieblichen Hügeln, Häuseln und Biergärten. Hier oben weiden Schafherden, hier findet man uralte morsche Bäume und viel weniger Besucher. Es fliessen hier noch mehr Bäche durch die Parkflächen, die direkten Zugang zur Isar haben.
Bereits vor einigen Jahren sind Biber aus den Isarauen eingewandert, die die bayerische Schlösser und Parkverwaltung mächtig auf Trab halten.

Ich habe mich an den heissesten Stellen um das Tivoli Kraftwerk und im Nordwest-Teil hinter der Studentenstadt umgesehen, aber weder Biber noch gefällte Biberbäume finden können. Immerhin bin ich an ein paar Bibervorsichtsmassnahmen -mit Draht umwickelte Bäume- vorbeigekommen.

Big Six auf der Theresienwiese: Kuhattacke

Soweit so gut. In diesen Wochen mehren sich auch wieder die Berichte über die Gefahr, die von Kühen auf Wanderer ausgeht. Gerade wenn man mit einem Hund unterwegs ist, sollte man ein Kuh oder Rinderherde in den Alpen meiden. Leider ist so eine Kuh deutlich stärker als eines der Münchner Big Five. Und hat nun auch mitten in München zugeschlagen:

Aus dem Schlachthof in Untersendling ist eine Kuh am Dienstag in der früh von der Laderampe gesprungen und hatte keinen Lust aufs Schafott. Ob Sie so einen friedlicheren Tod gefunden hat bleibt fraglich.
Sie entschied sich nämlich über die Poccistrasse am Kreisverwaltungsreferat durch und über das Gelände einer Moschee zu einem Ausflug auf die Theresienwiesn. Leider ist die Landwirtschaftsausstellung nur alle Jahre einmal, also hatte Sie hier nichts verloren.

Im Gegenteil, durch die Verfolgungjagd war Sie mittlerweile völlig durchgedreht. Eine Joggerin wurde auf die Hörner genommen, die anderen flüchteten Panikartik. Es müssen sich abstruse Szenen abgespielt haben morgens um halb Sieben, weil die Kuh das Gelände, welches durch den Aufbau der Festzelte komplett gesperrt ist, gleich 2mal umrundete.

Irgendwann stellte die Polizeit die Kuh mit einem Streifenwagen und um weiteres Unheil zu vermeiden schossen die Polizisten mit Ihren Dienspistolen.
Die tote Kuh hinterm Schützenzelt ((c) Rehm/TZ München)
Weder haben die meisten Polizisten Ahnung wie man ein tier schonend erlegt, noch sind die Pistolen dafür geignet. Eine Pistole soll ja schliesslich einen Gegner auch eher kampunfähig machen, denn töten. Erst ein herbeigebrachtes G3 Gewehr konnte dann der erschöpften Kuh den Gnadenschuss antragen. Schauriges Szenen müssen das unterhalb der Bavaria gewesen sein.

Die Berichterstattung in den lokalen Boulevardzeitungen hat gewirkt. Bei einem Spaziergang am heutigen Donenrstag habe ich gesehen, dass erste Kuhfans Blumen niedergelegt haben. Wofür dabei ACAB steht, dass weiss ich auch nicht.


Leider hatte die Polizei auch wenig Sinn für Humor. Wie wäre denn der Gnadenschuss nicht hinterm Schützenzelt (dafür waren die Polizeischützen auch zu schlecht), sondern hinter der Ochsenbraterei gewesen? Kurze Wege, nachhaltiger Fleischgenuss!


Sonntag, August 31

Neuer Italiener - neue Sprache

Bie mir in der Bergmannstrasse herrscht ein kulinarisches Kommen und Gehen.
Eigentlich bietet die Strasse im Münchener Westend einen typischen Querschnitt durch die gastronomische Fülle Münchens.

Angefangen vom Norden findet man eine Voll Assi Boazn, wo mich morgens schon Trinker begrüssen, gefolgt von einem griechischen Migranten Lokal, bevor es endlich mit einem Italiener (man sagt das immer so in München, nie bloss "italienisches Restaurant) und einem Augustiner Wirtshaus weitergeht. Schliesslich rundet ein derzeit angesagter Burgerrestaurant (Hans im Glück) das Essensangebot ab.

Der Italiener wird gerade umgebaut und bekommt wohl einen neuen Pächter. Die Fenster sind daher zu geklebt und geben dem interessierten Spaziergeänger eine geheime, mehrsprachige Botschaft mit:
Zunächst mal gibt es die Info, dass das Restaurant im Oktober (ottobre) eröffnet wird, nur auf italienisch. Schade, hätte vielleicht auch die nicht italienisch sprechenden Gäste interessiert.

Aber auch die Info in der deutschen Mundart dürfte im Süden für Verwirrung sorgen.

"Dann lur`n Sie doch mal rein!"

Wenn ich nicht den ein oder anderen Karnevalshit gehört hätte, wäre ich nun am Ende. Scheinbar meint der Münchner Italiener luren=schauen aus dem kölschen. Meine Sucher hat ergeben dass die Kölner sogar zu einer Brille=Luurmaschine sagen. Wann auch immer sestosenso eröffnet, ich freu mich drauf, die ham nämlich gute Google Bewertungen!

"et kütt wie et kütt..."

Sonntag, August 3

Stand Up Paddler erobern die bayerischen Seen


Im Sommer locken die Bergseen im Münchner Süden immer für eine Abkühlung. Besonders schön finde ich die Bergseen direkt am Fuss der Berge, die ohne echte Zu oder Abflüsse auskommen, sondern vom Schmelzwasser der Berge gespeist werden. Seen, wie der Eibsee in Grainau oder der Walchensee bestechen durch Ihre grüne Farbe und faszinierende Klarheit. Taucht man unter fühlt man sich wie ein freischwebender Astronaut.

Stand-Up Paddling an den bayerischen Seen

Nun hat eine neue Wassersportart auch Oberbayern erreicht. Stand Up Paddler durchqueren die idyllische Berglandschaft mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Eigentlich will ich das auch gerne mal ausprobieren. Aber leider kosten die Surfboards um die 1.000 €, also doch besser mieten!

Während ich auf dem obigen Bild am Eibsee chille, trauen sich unten 2 Paddler die Schliersee Durchquerung zu. Fotographiert von der Besucherfähre, auf der ich vor zwei Wochen zu einer Hochzeitsgesellschaft aufgebrochen bin.

Sonntag, Juni 29

....und das nimmt man doch gerne mit: 2 mal kostenlos in München....

Zwei sehr gegensätzliche, aber kostenlose, Veranstaltungen fanden am Samstag in München statt.
Hineingeraten bin ich am Viktualienmarkt in die Freisprechungszeremonie der Bierbrauer. Der neuer OB Dieter Reiter durfte wohl hier einer seiner schöneren Aufgaben nachkommen. Mit einem Mords Holzschwert (der Kerola?) nahm er das Freischlagen der Braugesellen/innen vor. Alles schön im Video dokumentiert:
Die Freischlagezeremonie habe ich gar nicht mehr mitbekommen, weil meine Konzentration auf den Ausschank des Bieres lag.

Konnte ich es doch erst gar nicht glauben, als ich an Holzfässern vorbeiflanierte an denen Münchener Bürger, Touristen und Brauereiangestellte fröhlich Bier  tranken. Eine Kasse oder irgendeine Zahlungsform konnte ich nicht erkennen. Bei Spaten Bier konnte ich noch widerstehen, beim Hacke Pschorr fiel es mir schon schwer und als das blaue Augustiner Zeichen und Holzfässer in Sicht kamen war es um mich geschehen.


Augustiner Freibier Viktualienmarkt
Auch ich ging an die Theke vor und entnahm ein exzellent schmeckendes und kostenloses Bier.
Kommentar einer Gruppe amerikanischer Touristen, die ob der ganzen Folklore und freigiebigkeit der Müncher Brauereien beeindruckt waren:

"This is beer-heaven!"
Ein kostenloses Event der anderen Art fand am Abend vor der Staatsoper statt. Bei der "Oper für alle" sponsort BMW die Übertragung einer Aufführung nach draussen auf den Max-Joseph Platz. Tolle Atmosphäre und alles kostenlos, leider aber auch ein bisl umsonst, denn um ca. 19 Uhr gin ein herzlicher Regenschauer runter, der so sicher einige Opernbesucher vertrieb.

Freitag, Juni 20

Von sympathisch bis entsetzlich: Kuriose Strassennamen in München

In München bin ich regelmässig mit dem Radl unterwegs. Ich empfehle es immer allen neu Zugroisten (bayerisch für Zugereister), damit man sich besser in München orientieren kann. U-Bahn fahren hilft bei der Orientierung leider nur bedingt.

Dabei fallen mir auch allenthalben kuriose Strassenschilder auf. Einige Strassenzüge oder Plätze mit interessantem Namen sind sicherlich noch vielen bekannt: Im Tal, Am Platzl oder Am Stachus (benannt nach dem Wirt Eustachius Föderl). 
Andere Strassen wie die "Papa-Schmidt-Str." bringen mich dann doch zum Schmunzeln wen ich vorbei radle. "Papa Schmidt" war der Inhaber des Marionettentheaters ums Eck im Gärtnerplatz-Viertel.

Bei einer Fahrt durch Untergiesing war ich bei einem mir neuen Strassennamen regelrecht entsetzt. Ich kenne die Blumenau bei München-Pasing, es gibt einen einigermassen berühmten Biergarten die Hirschau, und nun habe ich in Untersendling Au mit Birken gesehen. Birkenau.

Birkenau Strasse Untersendling
2006 war ich höchstselbst im Aussenlager Birkenau des Konzentrationslagers Auschwitz als Besucher. Ein grauenvoller Ort wo mir die Technisierung und ungeheure Dimensionen des Holocaust erst bewusst wurden.

Dass es eine Birkenau auch in andern Städten gibt und sogar als Gemeinde in Hessen war mir nicht bewusst und hat einige Zeit gedauert. Nun denn.

Montag, Mai 26

Neuer Outdoorsport entdeckt: Schotter-Springen am Achensee

Der Sonntag wurde endlich in Sommer-Manier in den Bergen verbracht. Nach einer Fahrt über Tegernseetagesurlauber-verstopfte Strassen ging es zum Achensee in Tirol und da spontan auf die Seekarspitze.
Seekarspitze
Der Berg bildet die komplette massive Südwestflanke des wunderschönen, blauschimmernden Achensees. Und erfüllt ein Kriterium dass ich mir oft zu Beginn der Wandersaison setze: Kein Gipfel unter 2000 Meter -mit knappen 2035m
Achensee von Seekarspitze
Eine schöne Tour bei herrlichem abwechslungsreichem Wetter. Erst entlang eines spritzigen Bergbachs, dann in direkter Linie hoch über eine Alm zu den Latschenkiefern; gefolgt von den ersten ausgesetzeten Felsen, Schneefeldern und leichter Kletterei erreicht man den karstigen Gipfelblock.

Seekarspitze Gipfelkreut
Nach einer ausgiebigen Brotzeit am Gipfel und ein bisl Gepose für ein cooles Bild (siehe oben) später ging es an den Rückweg.

Mit neuer Wandermethode in Rekordzeit am Ziel

Nach einigen Jahren Wandererfahrung hat sich bereits eine gewisse Trittsicherheit Downhill eingestellt. Recht regelmässig stelle ich fest, dass angegebene Zeiten um bis zu 30% unterboten werden. Hier an der Seekarspitze fanden wir aber wieder einmal (wie am Daniel in Leermos) ideale Bedingungen für einen ultraschnellen Abstieg vor. Oberhalb der Latschenkiefern befindet sich meist eine Region die von den widrigen Witterungsverhältnissen getroffen, besonders karg und öd ist. Vielleicht auch wegen einer gewissen Steilheit findet man hier nur Geröll und Schotter vor, während sich der Wanderweg mühsam den Berg herauf/herab schlängelt.

Schotter Springen
Das kann zeitraubend und anstrengend sein, es sei denn amn wendet eine neue Methode der Fortbewegung an: das Schotter Springen. Kollege Simon macht sich im obigen Photo bereits auf den Weg zur nächsten Etappe.

Man benötigt relativ steiles Gelände und etwa knöchel-, besser knietiefen Schotter. Sodann kann man den befestigten Weg verlassen und zum "Abschneider" werden. Man springt einfach in den weichen Schotter und nutzt die Tatsache, dass das Einsacken die Sprünge abfedert. Man muss sich zwar gut konzentrieren, aber es macht irsinnig spass und man kommt schnell voran. Unbedingt aber aufpassen, dass sich kein anderer Wanderer in Fallinie möglicher Steine befindet!

Das Ergebnis des Schotterspringens kann dann in Video-Form so aussehen:


Das ganze geht natülich genau so gut ohne Stöcker. Ich werde es versuchen diese Saison bei guten Bedingungen häufiger anzuwenden.


PS: Übrigens liebe Anne C.: Wir haben weder einen Wolpertinger noch einen Dahu sehen oder fangen können. Dabe hätten es ein französicher Dahu sicherlich mit seiner einmaligen Beinstellung im steilen Schotter viel einfacher!