Sonntag, November 29

Deutsch-Französische Freundschaft: Was mich gefreut hat

Nach den Attentaten von Paris stand auch München unter Schock. Das alljährliche Oktoberfest bietet immer wieder ein potentielles Attentatsziel. Also war die Anteilnahme gross.

Aber wohin bloss mit den Trauergefühlen? Neben den Tricolore Flaggenmotiven bei Facebook hatte man in München einen realen Ort für die Trauer gefunden. Das Deutsch-Französische Konsulat München in der Schwanthaler Höhe. 
Neben viele Trauerkerzen, findet man auch Briefe, Tricolore Flaggen oder deutsch-französische Freundschaftsdrucke.
Eine tolle Geste der Münchener im Zeichen des Terrors wie bereits damals bei Dieter Hildebrandt und Michal Jackson. Meine Freude der Woche.

Samstag, Oktober 17

Lach- und Schiessgesellschaft - Das Kabarett beginnt im Namen

Die Lach- und Schiessgesellschaft genisst als politisches Kabarett Kultstatus in München. Wirklich eine Schande, dass ich erst einmal in den den letzten 9 Jahren dort war.

Die Spielstätte ist an der Münchener Freiheit in Richtung des englischen Gartens. In den anliegenden Strassen findet man zB. mit dem Lustspielhaus an der Occamstrasse noch weiteren Kleinkunst und Theaterbühnen. Hier kann man noch spüren, dass Schwabing einst eine intellektuelle, antibürgerlichen Athmosphäre barg. Immerhin gab es hier in Schwabing schon im Jahrzeht vor den 68er Krawallen in Paris und Berlin solche Tendenzen. Die "Schwabinger Krawalle" sind ein solches Zeugnis mit immerhin 40.000 jugendlichen Teilnehmern und berittenen Polizisten (laut Wikipedia).

Aber kommen wir zurück zur Lach- und Schiessgesellschaft. Von Dieter Hildebrandt 1956 gegründet spielten z.B. Bruno Jonas, Werner Schneyder und Jochen Busse in dem Kabarett. Wenn man sich die alte Aufnahme bei Youtube ansieht, kommt zwar einiges verstaubt rüber, aber man sehnt sich etwas weniger Comedy und mehr Inhalt in die deutsche Komikszene (aber das ist ja nichts Neues). 

 

Das Kabarett beginnt im Namen

Ehrlich gesagt tragen viele Kabaretts merkwürdige Namen. Man denke an die Wühlmäuse und Stachelschweine in Berlin, in München gibt es den Schlachthof und Kaktus. Was es aber mit der Lach- und Schiessgesellschaft auf sich hat, hatte sich mir nie erschlossen.

Kürzlich beim Geld abholen in einer alten Filiale der Hypo-Vereinsbank (mittlerweile Unicredit) in der Schwanthaler Höhe stosse ich beim Rausgehen auf ein dezent angebrachtes altes Blechschild einer Sicherheitsfirma. Siehe da! Es gibt Sie wirklich: die Münchener Wach- und Schliessgesellschaft.

Wach- und Schliessgesellschaft München

Dienstag, Juli 14

Bootsfahrt auf der Isar: Sprung vom Georgenstein

Warum hat es nur so lange gedauert? Nach 9 Jahren in München habe ich erst heuer die Isar als schiffbares Gewässer entdeckt. Nein also nicht mit taiwanesischen Trawlern unter liberischer Flagge sondern mit Gummibooten, Paddeln und Dosenbier.

Die klassische Distanz ist analog zu den grossen Holzflossen die Strecke von Wolfratshausen nach München zur Flosslände. Im Gegensatz zu den riesigen Holzflossen hält man sich aber mehr auf der Isar statt auf dem Isarseitenkanal auf.

Es gibt Anbieter wie Dr. Boot, die einem 10 Mann Boote zur Verfügung stellen und am Ankunftsort abholen. Der Weg ist also das Ziel.

Und die Isar hat einiges zu bieten. Erst von der Mitte des Stroms entfaltet sich die ganze Pracht des Isartals. Weite Kiesbänke, ausgespülte Uferwände oder ins Wasser ragende Bäume, Schwemmholz oder felsige Abschnitte mit Stromschnellen.

Dabei bleibt die Isar ein ganz sauberer Fluss, wovon Eisvögel und badende Menschen zeugen. Hinter Wolfratshausen flisst die Loisach in die Isar und durch das ein oder andere Stauwehr mit Bootsrutsche bleibt es spannend.
Ein besonderes Schmankerl wartet auf der Isar nach einer schnittigen Kurve kurz vor dem Wirtshaus in Schäftlarn. Hier ragt der Georgenstein aus dem Wasser. Ein ca 5 m hoher und 8 Meter breiter Monolit.

Früher war er ein Schrecken für die Flösser, für die er ein gewaltiges Hindernis darstellte. Andere Quellen behaupten hier hätte einst eine römische Brücke gestanden. Man wollte Ihn bereits mehrfach sprengen, heute zählt er aber zum Highlight einer Isar Fahrt.
Der Georgenstein auf der Isar bei Baierbrunn
Bei meiner letzten Tour vor einigen Wochen hatte ich es nur beobachtet, nun wollte ich es wissen. Man kann auf den Georgenstein klettern und von dort in die grüne schimmernde Isar springen.

Bereits wenige 10 Meter vor dem Stein lasse ich mich in die Isar gleiten und flüge durch die Isar an die stromseite des Felsen. Nach einem kurzen Kampf gelingt es mir mich auf eine Felskante zu hieven. Meine Bootsgemeinschaft hat bis dahin schon auf der Südseite angelandet.

Das Aussteigen und Anlanden ist durch die geteilte Strömung hier spielend leicht. Nun klettere ich barfuss an der fast senkrechten Felswand empor. Das hatte ich mir nicht so schlimm vorgestellt.

Klettern auf den Georgenstein
Heiner Free solo! (Vielen Dank an die Fotografin Anne ((C) Anne C.)
Oben komme ich an und mittlerweile warten 2 weitere Boote mit freundlichen Bootskollegen, die nichts anderes als meinen wagemutigen Sprung erwarten. An einigen Stellen kann man die Isar auf dem Weg nach München problemlos durchwarten. Das wasser ist nicht überall tief genug für einen Sprung. Für einen 5 m Sprung sollte am Georgenfelsen also genügend Wasser im Fluss sein.

Ich lasse es drauf ankommen und stürze wie ein nasser Sack unelegant mit angezogenen Füssen in die Isar. Ziemlich tief stosse ich in das weiche, aufgewühlte Wasser hinab. Es dauert länger als im ruhigen Wasser bis ich durch die Wirbel wieder an die Oberfläche gelange.

Auf dem Georgenstein
Es macht Spass und nach wenigen Minuten stehe ich wieder oben. Nicht ich, sondern Wikipedia lässt wissen:

"Im Jahre 1805 kenterte an dem Felsblock der Flößer Georg Müller. Er rief in seiner Not seinen Namenspatron um Hilfe. Nach seiner Rettung ließ er das Heiligenbild auf dem Felsen anbringen. Seit dieser Zeit heißt der Stein Georgenstein. Früher wurde er Großer Heiner genannt. Kleiner Heiner war dagegen der frühere Name des Michaelsteins."

Montag, Juni 1

Frisbee und Hirsche im Bavariapark

Heute beim Joggen bin ich einmal wieder durch den Bavaria Park gelaufen. Wie es der Name vermuten lässt, liegt der Park direkt hinter der Bavaria Statue an der Theresienwiese. Getrennt nur vom Bavariaring, den vor allem Taxifahrer für Wettrennen lieben. Geplant wurde er als grüner Ruhmespark für die Gesamtanlage der Bavaria.



Um die Jahrtausendwende zog die Messe aus dem Gelände in dem Münchenener Aussenbereich nach Riem an den alten Flughafen. Nun war Platz für neue Immobilien (was sonst in München) aber auch für die Widerbelebung des Parks und des öffentlichen Raumes. 

Und das ist wie ich finde super gelungen. Die Parkmitte besteht aus einer grasbewachsenen Mulde wie eine umgedrehte Muschel und erinnert mich an den urbanen Campo in Siena. Dadurch kann man prima an den Rändern liegen und dem Treiben in der Mitte -Frisbee,  Fussball, Sonnenanbeter- zuschauen.

Aber auch die Geschichte des Parks kommt nicht zu kurz. Als Anhängsel der Rumeshalle fehlt es nicht an Gipsplastiken und Bronzestatuen:

 Gelungen neben dem Park ist die grosse freifläche vor den alten Messehallen, die nun das Verkehrszentrum des deutschen Museums beinhalten. Ein Biergarten darf für das Viertel natürlich nicht fehlen. Und ist mit dem Wirtshaus am Bavariapark prima gelungen. Ein super Mischung aus Kultur, bayerischer Lebensart und urbaner Erholung!

Mittwoch, April 1

Am Gipfel des Müllbergs! Spurensuche am versunkenen Dorf!

Fährt man die A9 entlang, oder besucht man die Arroganz Arena fällt es seit 1999 auf. Das Windrad auf derm Fröttmaninger Berg. Der Berg ist eine alte Mülldeponie und 75m hoch, das Windrad ragt nochmal 100m in die Höhe! In Anlehnung an das Lied der Mannschaft in der AA nennen es Siemens und die Stadt München: Stern des Südens.
Windrad am Müllberg Fröttmaning
Die Windräder sind mit tauenden LEDs beklebt, so dass es im Winter hell erstrahlt und munter dreht und blinkt. Die Eigentümer sind schnell mit Superlativen dabei und behaupten es sei der grösste Weihnachtsstern der Welt. Vielleicht strahlt hier ja das Selbsverständnis des angerenzendes Clubgeländes herüber?
Blick auf Arroganz Arena vom Müllberg

OK, nach etlichen Jahren in München bin auch ich mal hoch auf den Berg. Da es mich beim Fussball erwischt habe und meine Schneidezähne übel einen mitbekommen haben, reicht es derzeit nicht für die 3.000er, also war ich mal oben am Gipfel des Fröttmaninger Berges. Sicherlich auch für den Radlausflug ein Hit. Denn die Aussicht ist der Hit.
Man beachte übrigens die langsam entstehende Skyline in Freimann an der Auffahrt zur A9.

Blick auf München vom Müllberg

Ausserdem kann man oben auch Kultur und Natur erleben. Nicht dass einem langweilig wird. Viele Tafeln erklären die Fauna und Flora des Berges. Und dann gibt es da sogar noch eine Kunstinstallation mit dem Namen versunkenes Dorf.

Man lernt viel hinzu. das Dorf Fröttmaning gibt es nämlich gar nicht mehr, nur die abgebildete Kirche links. Sie scheint halb im Berg versunken wie das komplette Dorf Fröttmaning in der Realität ist.


Alles vorhanden also für einen prima Sonntagsspaziergang! OK ein Biergarten am Gipfel wäre nice to have!





Mit den Zähnen doch alles halb so schlimm, oder?



Freitag, März 27

Gedanken an die Heimat und neue Gedenktafel entdeckt

Aus meiner Heimat Haltern am See erreichen mich in diesen Tagen traurige Nachrichten. Im verunglückten Germanwingsflieger sassen Schüler und Leherer einer Schulklasse meines Gymnasiums. Ich selber habe am Dienstag morgen davon erfahren und mir selbst eingeredet, dass ich wahrscheinlich kein Opfer kenne. Als ich von den betroffenen Schülern gehört habe war ich vollkommen geschockt.

Stadtwappen HAltern Germanwings Katastrophe
Halterner Stadtwappen in Trauerfarbe

Da wohl keine andere Stadt soviele Opfer zu betrauern hat, sammelt sich die nationale und internationale Presse an meiner alten Schule. Der Direktor Ulrich Wessel hat ein ergreifendes Interview gegeben, wie die Stimmung in der Stadt ist, könnt Ihr in der Süddeutschen Zeitung nachlesen. Es ist einfach traurig.

Reisserisches über den NSU Prozess


In München findet derzeit immer noch der NSU Prozess statt. Da nicht mehr täglich davon berichtet wird, gerät er leider ein wenig in Vergessenheit. Vielleicht errinnert Ihr euch noch an den Anfang des Prozesses, an das Chaos als die Journalisten-Plätze ausgelost wurden. Für die SZ reportet Annette Ramelsberger vom Prozess, manchmal gut auf Seite 3 oder in einem beeindruckenden Audio Interview.

Dennoch kamen in den letzten Wochen nach den Zeugenaussagen einer Nachbarin andere Schlagzeilen vom Prozess an die Öffentlichkeit:

"Beate Zschäpe soll heimlich Döner gegessen haben"*

Schade, dass sich nur noch die Boulevardpresse Gehör vom Prozess erschafft. Dabei brauche ich bei mir nur um die Ecke zu gehen, um ganz direkt mit den NSU Morden konfrontiert zu werden.

Weniger als 100m von mir entfernt wurde im vergangenen Jahr eine Gedenktafel (hab schon mal über Tafeln in München berichtet) an die Morde der NSU angebracht:
Gedenktafel NSU München Theodoros Boulgarides Donnersberger Brücke
An der Trappentreustr. wurde der gebürtige Grieche Theodoros Boulgarides am 15.06.2006 in seinem vor 2 Wochen eröffneten Schlüsselladen erschossen. Er hinterliess eine Frau und 2 Töchter. 

Zwei Wochen später bin ich aus Münster nach München gezogen und wusste lange nichts von dem NSU Toten in unmittelbarer Nähe. Wie auch? Schliesslich titelte die Münchner Presse:
"Türken-Mafia schlug wieder zu".
 Auch die Polizei  und Staatsanwaltschaft tappte im Dunkeln und dann wurde es beinahe pervers: Sie befragten Geschäftspartner und Angehörige ob das Opfer "sexsüchtig war oder spielsüchtig".

Immerhin wurde mit den Gedenktafeln, die in allen Städten mit Opfern der NSU enthüllt wurden, späte Sühne getan.

*Anmerkung: Auch an einen Vorfall mit einem Döner erinnert sich die Zeugin. Sie habe Beate Zschäpe alias "Lisa" Döner-kauend getroffen und Lisa habe gesagt, das sei ihrem Freund nicht Recht. "Sie kam um die Ecke und hat Döner gemampft. Sie sagte, eigentlich darf ich nicht, aber ich hatte so einen Appetit. Ich hab' jetzt einen Döner geholt."

Sonntag, Januar 18

Ukraine Konflikt und Kalter Krieg mitten in München: Ein Grab polarisiert noch heute

Am 16. August 2014 ist der Fernsehjournalist Peter Scholl-Latour gestorben. Sein Grab befindet sich in Rhöndorf, auf demselben Friedhof wo auch der erste Kanzler der Bundesrepublik -Konrad Adenauer- begraben liegt. Den Friedhof habe ich 2011 bei einer Radlreise entlang der deutschen Flüsse besucht. Vom Friedhof aus hat man einen idyllischen Blick auf eine Rheinschleife. Warum er dort begraben werden wolle?, wurde Scholl-Latour gefragt: "Konzentriertes Abendland" antwortete der Journalist lapidar.
Quelle: http://www.intersciencefilm.de/archives/1832
Ich habe Scholl-Latour unheimlich gerne in Talkshows zugesehen. Seine lakonische Art, seine überraschenden historischen Einwände gepaart mit überragendem Wissen um den Nahen Osten und persönlichen Begegnungen. Immerhin hatte er als einer der wenigen Menschen alle Länder der Erde bereist ("bis auf ein paar kleine Atolle im Pazifik" so PSL). Überhaupt liebte ich seine oft völlig Mainstream-konträren Einschätzungen. Sie haben meine Meinung zum Nahen Osten und anderen Krisenherden der Welt nicht selten beeinflusst. Bis zuletzt war er mit über 90 Jahren noch journalistisch aktiv und hatte seine schwere Erkrankung erfolgreich verschleiert.

Scholl Latour verblüfft in der ARD zu Ukraine Konflikt  


So konnte man Ihn noch Mitte des Jahres bei Maischberger in einer ARD Talkshow sehen (oder bei Youtube). Es ging um den Ukraine Konflikt und die heterogenen Bevölkerungsgruppen der Ukraine. Scholl Latour mit herrlichen Bonmots. Chrustschow habe die Krim der Ukraine im Vodka-Rausch geschenkt, oder Scholl Latour hat noch Krim-Tataren in der Wehrmacht kämpfen gesehen. Nun dreht es sich um die Situation im europäischen Teil der Ukraine rund um die Stadt Lemberg (Lwiw).

Lemberg interessiert mich schon lange. Diese alte österreich-ungarische Stadt, die nach dem ersten Weltkrieg polnisch war, dann von der Wehrmacht besetzt und schliesslich sowjet-russisch wurde bevor es unter ukrainische Verwaltung kam. Gelegen im entsetzlich umkämpften Grenzgebiet der verschiedenen Einflussbereiche im zweiten Weltkrieg, geschüttelt von ethnischen Säuberungen und staatlich angeordneten Hungersnöten (Holodomor).

Peter Scholl-Latour ist bei Maischberger schon viel weiter und wie immer haben alle Mühe im zu folgen. Er spricht nun von den "alten Leuten, die noch in Lemberg leben und mit Bandera wacker gekämpft haben".

Bandera? Den Namen habe ich noch nie gehört und muss erst einmal recherchieren.

Kollaborateur oder Freiheitskämpfer?

Stephan Bandera war ein Partisan und Politiker, der vor allem die sowjetische Besatzung bekämpfte
und an eine unabhängige Westukraine dachte. Ebenso war er aber wohl auch mitverantwortlich an ethnischen Säuberungen an Juden und Kommunisten im Sinne der SS. Erst wurde er von den Polen verhaftet, dann von den Deutschen begnadigt. Bandera wurde wieder nach Lemberg verfrachtet um die Bevölkerung gegen die Russen zu mobilisieren.

Eine unabhängige Westukraine war den Deutschen dann aber doch wieder zuviel, er wurde in ein KZ gesperrt, dann wieder entlassen, und dann war es eh zu spät, weil die Rote Armee Lemberg überrannte. Ein bewegtes Leben in einer schrecklichen, schnellebigen Phase des Jahrhunderts.

War er nun Nazi, Nationalist, Separatistenführer oder einfach radikaler Politiker. Ich wage mir kein Urteil. Während er in der Ostukraine als Kollaborateur gilt, wird er im Westen des Landes als Widerstands- oder gar Freiheitskämpfer verehrt (wie von den Fans von Karparty Lwiw)


Genauere Details dieser Reizfigur könnt Ihr bei Wikipedia nachlesen. Bandera setzte sich schliesslich nach Österreich ab und wurde nach dem 2. Weltkrieg unter falschem Namen in München sesshaft. Hier glaubte er sich vor seinen russischen Verfolgern verstecken zu können.

Banderas Grab ist in München


Bei meiner Recherche kommt nun etwas erstaunliches zu Tage. Banderas Grab ist auf dem Waldfriedhof in München Grosshadern. Im letzten August wurde es von seinen Gegnern geschändet. Das fast 2m hohe Kreuz wurde umgestossen und in der Erde wurde herumgewühlt.

Quelle: http://www.fs-blog.de/index.php
Grabschändung hat -wie ich finde- immer etwas leicht perverses und ist eine sehr emotionale Art zu protestieren. Illegal ist es ohnehin. Verantwortlich waren wohl pro-russische Personen, die im Zuge der aktuellen Kämpfe in der Ukraine noch einmal auf Ihre Situation hinweisen wollen. Die Polizei hat bislang vergeblich ermittelt.  

Die ukrainischen Gemeinde in München regiert allerdings erschüttert. Bandera sein "zum zweiten mal umgebracht worden". Zum zweiten mal?

KGB schlägt 1959 in München zu


Bandera gelang es nach den Kriegswirren erfolgreich in München unterzutauchen. Dennoch können die Häscher des russischen KGBs in den 50er Jahren seinen Aufenthaltsort ermitteln. Am Eingang seines Wohhauses in der Kreittmayrstraße 7 in München-Schwabing wurde Bandera auf besonders grausame Art von KGB Agenten ermordet. Sie spritzten Ihm Zyankali ins Gesicht, woraufhin die Ärzte Ihn nicht mehr retten konnten. Das Ort des Attentats habe ich heute besucht und es war ein mulmiges Gefühl genau dort zu stehen, wo ein solcher Lebenslauf, der bis heute polarisiert, durch Agenten sein Ende fand. Eine unscheinbare Hofeinfahrt.



        

Samstag, Januar 10

Besuch beim spektakulärsten Sportevent Oberbayerns

In Garmisch, 90km südlich von München, finden im Winter viele Sportevents statt. Weltbekannt dürften das Neujahrs-Skispringen und die Ski-Abfahrt auf der Kandahar sein. Danben gibt es aber auch Red Bull Events, den Weltcup Slalom am Gudiberg, Bundesliga Eishockey oder Biathlon in der Innenstadt.

Ein Event vereint Sport und lokale Tradition und ist -wenn Ihr mich fragt- das spektakulärste. In diesem Jahr war ich bereits zum dritten mal in Folge da, während mich Skispringen und Abfahrt nur alle paar Jahre sehen.

In diesem Video seht Ihr das Event einmal aus der Sicht einer Helmkamera. 

 
1971 entstand es wohl aus einer Schnapsidee nach dem Wirtshausbesuch: Es handelt sich hierbei um das Hornschlittenrennen. Früher wurde auf den Schlitten im Winter Heu von den Almen ins Tal transportiert. Heute bauen sich Teams aus Thüringen, dem Ruhrgebiet (Starter 21, Ruhrpottwalze) und natürlich Oberbayern Ihr eigenen Schlitten. Natürlich streng nach den Vorgaben des traditionellen Hornschlittenbaus. Und da es nicht so viele Hornschlittenrennen gibt, ist das Rennen in Partenkirchen gleichzeitig die bayerische Meisterschaft. Die vorderen Holmen des Schlittens sind den Hörnern einer Gams nachempfunden, was den Namen der Schlitten erklärt.

4 mal Hornschlittenrennen Partenkirchen

Warum ist das Hornschlittenrennen so spektakulär?

Nun ja, es stürzen sich 4 Amateursportler ein steile Abfahrt hinunter und erreichen dabei bis zu Tempo 90 km/h. Links schützt nur die Felswand, rechts eine Bande oder der gähnende Abhang der Partnachklamm. 

Die Strecke ist oft eisig, weil es am Dreikönigstag noch nicht soviel Schnee in den Bergen hat. Nach 1,5 Minuten rauschender Abfahrt wartet dann noch ein Zielsprung auf die wagemutigen Fahrer. Und der Zielauslauf ist auch recht knapp bemessen, so dass es immer wieder zu auseinanderbrechenden Schlitten kommt.

Es ist risikoreich, ja es ist eigentlich saugefährlich. In jedem Jahr kommt es zu mehr als einem Krankenwagen Einsatz.

Der Hornschlittenverein sorgt für ein super Ambiente. Es wird lustig moderiert, Eine große Leinwand sorgt für keine Langeweile und man kann sich mit Glühwein, Bier und fränkischer Baratwurst stärken.

Leider ist es kein Geheimtip mehr. Bei zugegebenen super äusseren Bedingungen folgten über 5.000 Menschen dem Ruf nach Partenkirchen. Ich war und werde gerne wieder dabei sein! 



Die Ergebnisse von 2015 findet Ihr hier!

Sonntag, Dezember 7

Wanderer über dem Nebelmeer

Obwohl es einen goldigen Herbst in München gab mit später Biergartensaison, liegt die Landeshauptstadt Bayerns seit Wochen nun unter einer Nebelglocke.

Im letzten Winter habe ich es nicht verwirklicht - nun habe ich Besserung gelobt. Sollte es in München schlecht sein, prüfe ich das Ski, Wander und Bergwetter, um noch was vom Wochenende zu haben.

Gesagt getan bot sich mir erst letztes Wochenende nach ca. 45 Minuten Anfahrt und 2:07 Minuten Wanderung auf die Notkarspitze folgendes Bild:

Blick hinunter vom Vorgipfel der Norkarspitze (1900m). Unten links erkennt man auf dem Bild die letzte Almhütte des Klosteranwesends Ettal.

Während München und das Oberland noch im Nebel liegen, wird oberhalb von 1.300 Metern schon über die Entfernung des nächsten Kleidunggstücks nachgedacht.

Dazu noch ein Gipfelbier bei fast 15 Grad, Sonne und grandioser Aussicht, machten es zu einer speziellen Tour. Und das Anfang Dezember. Dem Klimawandel sei Dank ist der Dezember scheinbar der neue Wander-Oktober.

Irgendwie war es ein grandioser Moment über der Wolkendecke zu stehen. So dass ich mich zu einem Rückenportrait hinreissen liess, was einem Maler der deutschen Romantik zu aller Ehre gereicht hätte. Abends habe ich es dann aneinandergefügt.

Voila: Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" und Heiner Tappes "Rückenansicht über Farchant mit Instagram Filter".

Wanderer Über dem Nebelmeer
Das Bild von Caspar David Friedrich beeindruckt mich schon lange. Irgendwie beschäftigt es mich, welche Gefühlsregung der Herr im Gehrock hat. Gerade weil ich sein Gesicht nicht sehe.

Zudem mag ich die Stimmung und Tiefe im Bild. Caspar David Friedrich war eine Maler der in der Nähe von Dresden zuhause war. Zwar hat er auch den Watzmann gezeichnet, dennoch hielt ich den Hintergrund seines Gemäldes immer für ein Teil des Elbsandsteingebirges hinter Dresden.
  
Die Recherche um das Bild hat nun erstaunliches zu Tage gebracht. Friedrich hat für sein Bild verschiedene Berge des Sandsteingebirges zusammengesetzt. Die Bergekomposition gab es nur in seinem Kopf. Bei Wikipedia findet man Vermutungen welche Felsen Friedrich nachgezeichnet haben könnte. Unter Ihnen findet vor allem der hinten rechts im Bild befindliche Zirkelstein bei Bad Schandau meine Bewunderung.

Zirkelstein Bad Schandau

Immer wieder bin ich erstaunt, welche geologische Vielfalt Deutschland zu bieten hat und glaube kaum, dass es sowas in Deutschland gibt.

Aber das es in das Ölgemälde von 1818 noch soviel mehr hinein zu interpretieren gibt hätte auch ich nicht gedacht. Das Rückengemälde von Friedrich steht auch für die deutsche Seele, die von den romantischen Malern befeuert wurde.

So sieht es beispielsweise die Welt in bei einem Kommentar zur Deutschlandumfrage:

Wenn es ein Bild gibt, auf dem ein Künstler die deutsche Seele eingefangen hat, dann ist es wohl Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer".
Das berühmte Ölgemälde entstand im Jahre 1818 und zeigt eine bürgerlich gekleidete Figur in einer imaginären Landschaft des Elbsandsteingebirges. Ganz in Schwarz gewandet, steht sie mit dem Rücken zum Betrachter; stützt sich auf einen Gehstock, blickt ins Tal und sinnt vor sich hin. Unten, im Nebel, wabert die Welt.
Das Bild machte als Ikone der deutschen Romantik Karriere.
Und wenn ein Historiker in Harvard, Yale oder Oxford erklären möchte, was mit den Deutschen im Moment nicht stimmt, dann braucht er bloß Friedrichs Nebelwanderer mit einem Overhead-Projektor an die Leinwand des Hörsaals zu werfen........

Eine schöne Erklärung der deutschen Romantik bietet auch das ZDF derzeit in der Histotainment Reihe mit dem grossartigen australischen Historiker Christipher Clark.

Soviel habe ich mir bei meiner Rückenansicht über Farchant nicht gedacht. Aber ein Gefühl der Freiheit, der Liebe zur Natur und der Zufriedenheit mit dem Einfachen will ich nicht abstreiten.

Auf dem Rückweg fand der Nebel dann auch Einzug ins Ettal und zwar mit Hochdruck. Unser Auto stand schon wieder im Grau. 

Nebel Ettal

Sonntag, November 9

Hindenburg in Bayern: Eine Büste wird vom Sockel gestoßen

Was man auf dem Bild sieht ist eine Gedenktafel für den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das mag im preussisch geprägten Teil Deutschlands nichts besonderes sein. Was aber hat Sie im bayerischen Voralpenland zu suchen? Und warum fehlt die Büste?

Das Resultat eines Literaturabends

 

Gehen wir chronologisch vor. Ich nutze das Wochenende in München zur Erholung. 2 Wochenenden am Stück war ich nicht in München, 2 kommende Reisewochenenden stehen mir bevor. Vielleicht kennt Ihr das. Verteilt in der Wohnung, auf dem Schreibtisch, Sofa und neben dem Bett liegen Bücher, die mal lesen möchte, aber noch nicht die Musse hatte tiefer einzusteigen.

So ging es mir also am Samstag Abend bei einer Kanne Roibos Tee und ich vertiefte mich in den Gesprächsband von Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt. Ein lesenswertes Buch, mit Statements eines wahren Stoikers, Hanseaten und Elder Statemens/Ex Bundeskanzlers. Häufiger geht es um politische Auseinandersetzungen mit dem langjährigen CSU Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß. Helmut Schmidt gibt zu FJS persönlich geschätzt zu haben und bezeichnet Ihn mehrfach als fabelhaften Rethoriker.

Als ich dass Buch von Schmidt/Lorenzo zurückstelle in die Politik Ecke des Bücherregals, bleibt mein Blick hängen an der FJS Autobiographie. Ich habe Sie schon vor Jahren aus neobajuwarischem Interesse in einem Antiquariat gekauft. 600 Seiten Politik hatte mich dann aber wohl jahrelang abgehalten einen tieferen Blick hineinzuwerfen.  

Ein Blick in die Strauss Autobiographie


Nun wage ich einen Blick und lese die ersten 30 Seiten der Strauss Autobiographie. FJS hat Sie nur ein halbes Jahr vor seinem Tod auf Band gesprochen und ich finde es hochspannend, dass er gegeüber der ersten NSDAP Parteizentrale an der Schellingstrasse als Sohn eines einfachen Metzgers grossgeworden ist.

Hängen bleibe ich aber an einem Zitat über den Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Als Reichspräsident hat er als Greis Hitler zum Kanzler gemacht, als Miterfinder der Dolchstosslegende die Weimarer Republik torpediert und als Generalfeldmarschall unter Wilhelm II den Tod hunderttausender Soldaten im WW I in die Schlachten um Verdun zu verantworten.

FJS in seiner Autobiographie über eine Unterhaltung mit dem Ex-Reichkanzler Brüning:

"Über Hindenburg, der Ihn (Brüning) rücksichtslos hatte fallen lassen, verlor Brüning kein schlechtes Wort. Eine ironische Anmerkung: Für mich hat Hindenburgs Metamorphose begonnen, als er seine Hirsche nicht mehr bei uns in Bayern, in Dietramszell, schoss, sondern in Neudeck in Westpreussen. Solanger er noch unter bayerischen Einfluss stand, nicht von ostelbischen Gutsbesitzern wie Oldenburg-Januschau, waren die Dinge noch in Ordnung."

Hindenburg, der Ultra Preusse -geboren 1845 in Posen- soll lange Jahre in Bayern, in Dietramszell, gejagt haben? Das begann mich zu interessieren.

Ja es stimmt. 1922 bis 1932 verbrachte Hindenburg seine Sommerfrische in Dietramszell. Ein wenig Google und dem Oberbayerischen Volksblatt sei Dank:

Hindenburg und Dietramszell – das ist eine besondere Geschichte. Sie führt zurück in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Der Forstfachmann Georg Escherich aus Isen bei Dorfen (Landkreis Erding) wird in das unwirtliche Waldgebiet Bialowies („Gouvernement Warschau“) entsandt. Er soll die Erschließung des Urwalds in Angriff nehmen. Bialowies ist auch ein Jagdrevier. Eine besondere Attraktion: Wisente. Escherich gibt nur einzelne Exemplare zum Abschuss frei, insgesamt acht Tiere. Zuerst darf am 12. November 1915 Kaiser Wilhelm II. ein Tier erlegen. Als nächster ist dann im Januar 1916 Kriegsheld Hindenburg an der Reihe. Er wird es Escherich nie vergessen. Die beiden bleiben befreundet. Sie sind auch Gesinnungsfreunde – für Demokratie und Republik haben beide nichts übrig. 
Es kommt die Kriegsniederlage, es kommt die Revolution und die Republikgründung. Hindenburg, der Held, mischt in der Politik mit, aber er ist noch nicht Reichspräsident (das wird er erst 1925). 1921 erleidet er einen Schicksalsschlag. An seinem Wohnort Hannover stirbt seine Frau Gertrud. „Nicht zuletzt, um sich nach dem Tod seiner Frau abzulenken“, schreibt der Historiker Wolfram Pyta, „besann Hindenburg sich wieder auf seine alte Jagdpassion.“ Sein alter Jagdkumpan Escherich setzt ihn auf die Gams an. Im Sommer 1922 logiert Hindenburg erstmals in Oberbayern, Escherich bringt ihn bei der mit ihm befreundeten Familie Schilcher unter, der das Dietramszeller Klosterschloss gehört. Hindenburgs Jagdausflüge in das Revier Fall an der Isar hinter Lenggries waren für den damals schon über 70-Jährigen eine Strapaze. Eine Lore der Holzabfuhrbahn, die mit Sitzen versehen und von Pferden gezogen wurde, brachte ihn ein Stück bergauf. Den Rest musste Hindenburg aber selber gehen. „Dass er diese Strapazen bis 1931 Jahr für Jahr auf sich nahm und mit einem oder mehreren guten Böcken belohnt wurde, zeugt von seiner Leidenschaft für das edle Waidwerk wie von seiner guten körperlichen Konstitution“, schreibt Historiker Pyta.

Die meisten Google Suchergebnisse nach "Hindenburg in Dietramszell" werden aber von einem aktuelleren Thema bezüglich Dietramszell und Hindenburg bestimmt. Vor dem Dietramszeller Klosterschloss -einem oberbayerischen Spät-Barock Juwel- stand seit Ende der 30er Jahre eine Hindenburg Büste. Aufgestellt von den ehemaligen Besitzern der Familie Schilcher, abgehängt niemals. Auch nicht von den heutigen Besitzern einem Selesianer Stift und einer Montessori Schule.

Wie man mit der Vergangenheit umgeht -Hindenburg war in weiten Kreisen der konservativen Gesellschaft ein angesehener Mann- ist so eine Sache. So lassen? Hinweistafel? Abreissen?

Meine Heimat Münster hat sich für folgende Lösung entschieden:



Ein Münchner Aktionskünstler entschied sich im Sommer 2014  in Dietramszell aktiv zu werden. Er entnah kurzerhand die Büste, versah Sie mit einem Hakenkreuz und setzte Sie in den Garten der Nachfahren derer von Schilcher.

Ein wahrer historischer Krimi entsponn sich nun. Wusste ich doch nicht, was seitdem mit der Büste geschehen war. Es nützte nicht. Ich musste heute in das 5000 Einwohner Dorf. Keinen Bahnhof gibt es dort, also beschloss ich das Mountainbike zu nehmen und 70 KM über Land gen Süden zu fahren. Die hüglige Moränenlandschaft trotzte mir einige Körner ab, aber ich war motiviert. Ein wenig fühlt ich mich wie in einem Dan Brown Roman, noch viel mehr aber wie Umberto Eco in seiner Vorschrift zum Roman "Im Namen der Rose":

"Am 16. August 1968 fiel mir ein Buch aus der Feder eines gewissen Abbé Vallet in die Hände: Le manuscript de Dom Adson de Melk, traduit en français d'après l'édition de Dom J. Mabillon (Aux Presses de l'Abbaye de la Source, Paris 1842). Das Buch versehen mit ein paar historischen Angaben, die in Wahrheit sehr dürftig waren,  präsentierte sich als die getreue Wiedergabe einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die der große Gelehrte angeblich seinerseits im Kloster Melk gefunden hat".

Mit diesem Satz beginnt der legendäre  Roman "Der Name der Rose". Umberto Eco warnt den Leser der deutschen Ausgabe augenzwinkernd aber ein paar Sätze später:  

"Der geneigte Leser möge bedenken: Was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes."

Mit dem Radl auf dem Weg nach Dietramszell


Ganz so verworren war es dann bei mir doch nicht und ich erfreute mich der zauberhaften Herbstbilder und immer andersartiger Blicke auf das Alpenpanorama von der Zugspitze bis zum Wendelstein.



Dietramszell ist eine beliebte Einfamilienhausstadt im Süden Münchens. Knapp über der Hälfte zwischen Landeshauptstadt und Tegernsee. Zwar stehen hier weniger Bonzenhäuser wie in den Münchner Vororten Grünwald oder Sauerlach, aber es geht gediegen zu. Auch Kulturschaffende wie die Autorin und Moderatorin Amelie Fried oder der Regisseur Marcus H. Rosenmüller sollen hier wohnen. Auf dem Weg dorthin fahre ich durch viele Dörfer, die durch Kircherl, Wirtshaus, Bauernhof und Dorfweiher geprägt sind. Idylle pur.

In Dietramszell ist es durch das Klosterschloss, was gleichzeitig die Pfarrkirche ist, anders. Vom Wirtshaus fährt man noch 300m einen steilen Berg runter und steht urplötzlich vor den massiven waldumrandeten Klostermauern.

Im Angesicht mit der Hindenburg Gedenktafel


Der geneigte Leser weiss es schon und ich sehe es auch schnell. Die Büste ist noch immer nicht wieder da. Hindenburg ist gone, un die Hinweistafel ohne Büste fällt kaum weiter auf. Ich nutze die darunterliegende Bank für eine lange Pause mit Brotzeit und geniesse die warme Novembersonne.


Immerhin die Einfahrt zum Klosterhof mit den Hirschgeweihen erinnert vielleicht noch an den alten Preussen in Bayern. Eine Geschichte nach meinem Geschmack. Ende offen.

Geschichtsnostalgie ala Dietramszell


Nachtrag:

Die Dietramzeller haben  es ein wenig mit Geschichtsnostalgie. Neben dem Kloster erinnert eine Wirtshauswandmalerei an die letzte Postkutsche Bayerns:



Nachtrag 2:

Im Dezember 2013 kam es zu einem Eklat als Hitler und Hindenburg die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dietramzell nochmals pro Forma entzogen werden sollte (laut bayerischer Gemeindeordnung erlischt Sie mit dem Tode). Brisantes Abstimmungsergebnis: 8:8 unentschieden. Im zweiten Wahlgang klappte es dann doch.

Nicht nur die süddeutschen Gazetten auch amerikanische Late Night Talker (Jaret Leno) amüsierten sich über das "kleine Dorf im Süden Deutschlands".


Sonntag, Oktober 19

Die Sache mit dem Bier....

Vor einigen Jahren habe ich mir einen Artikel ausgeschnitten, der nun meine Collage auf der Toilette ziert:

Jeder 4 Bayer trinkt täglich Bier!

Wenn es so wundervolle Herbsttage sind wie derzeit kann ich dass gut nachvollziehen - und addiert man die Biere aus der Oktoberfestzeit hinzu, kommt das bei mir für die letzten 4 Wochen wahrscheinlich auch hin:


Weissbier im königlichen Hirschgarten!
Belohnungs-Weissbier im Rißtal/Karwendel aka auf dem Weg zum Biermodel!

Natürlich legen viele Münchner eine Pause zwischen dem Ende des Oktoberfestes und der kommenden Weihnachtszeit ein, damit der Körper sich gut erholen kann, aber ich denke ein-zwei alkoholfreie Weissbiere tun es auch. Zudem verzichte ich meist auf jegwelche Schnäpse, weshalb mich auch die Whiskey Messe in München "Classic Whiskey" nicht locken kann:


Schmunzeln musste ich aber über die Namensgebung der Messe. Immerhin unterscheiden viele Schnapsliebhaber WhiskY aus Irland und WhiskEY aus Schottland. Die Veranstalter lösen es geschickt indem Sie das "e" klein und schräggestellt andeuten. Auf dem Plakat und in der URL wird es wiederum ohne "e" geschrieben.

Also wie denn nun? Fragen wir doch einfach Mama Google, und siehe da, in Deutschland wird die ohne "e" Variante doppelt so oft gesucht!



Aber den Spruch der Messe Veni Vidi Whiskey kontere ich lieber mit: