Donnerstag, Juli 29

Vespa Lifestyle


München gilt als die „nördlichste Stadt Italiens“. Das zeigt sich vor allem im Sommer. Die Sonnenbrillen sitzen gut. Die Cafès vor den pastellfarben Neoklassikgebäuden sind gut besetzt. Viele Cafès deuten auch mit Ihrem Namen auf die italienische Verbindung hin.

Legendär das Cafè Tambosi am Hofgarten, das Riva, das Ruffini in Neuhausen und nicht zuletzt der frühere Schicki-Treff: Das Cafè Roma von Senta Berger an der Maximilianstrasse. Mittlerweile einer Gucci Filiale gewichen.

"Monaco di Bavaria" atmet also italienisch. Auch ich habe mich der Kultur angepasst. Wie kann das besser geschehen als mit dem italienischen Kultgefährt schlechthin? Einer Vespa PK 50 XL von 1987. Die SZ ruft es gar zur Pflicht für den echten Münchner aus, mit einer Vespa (ital. für Wespe) durch die Stadt zu brausen

Derzeit sieht man wirklich fast an jeder Strassenecke in Schwabing oder dem Glockenbachviertel alte Vespas parken. Vorzugsweise alle Vespajahrgänge vor 1991. Ich frage mich immer, wo diese guten alten Schmuckstücke im Winter verstaut werden. Und jetzt frage ich mich gerade, wo ich meine Vespa verstaue.


Münchens Lage vor den Alpen macht es -neben kurzen Stadttouren- zur perfekten Ausgangslage für einen sommerlichen Trip zu den Badeseen im Umland. Schafft man es erst mal aus der Innenstadt heraus, ist man in 30 min am Starnberger See, wo man ein herrliches Bad im Alpenpanorama geniessen kann.


Noch sind meine Fahrten ins Umland aber mit einer gehörigen Portion Unwohlseins verbunden. Nicht nur, dass sich bisher immer Hobbyradrennfahrer kilometerlang in meinen Windschatten geklemmt haben.
Nein, mein 23 Jahre altes Baby hat wohl noch keine Werkstatt von innen gesehen. Sie klappert ganz schön daher. Bei meinem ersten Besuch in Berg am Starnberger See habe ich gleich ein Teil des Auspuffs verloren. Wenn ich Zeit finde sollte ich mich mal ein wenig um das Innenleben der Mofa kümmern. Für die nur 250€ Anschaffungsinvestition sind Vespaforenbesuche und ein paar Samstagnachmittage schrauben –am besten mit Bulikonferenz am Radio- aber wirklich OK. 3,20 € habe ich allerdings bereits für ein neues Vespa Zeichen in azurblau unterm Lenkrad investieren müssen. Das Markenbekenntnis muss schon sein.


Vorerst werde ich mich besser wieder auf "Vespa -Dolce Vita“ in der Stadt beschränken:
Zack, mit der Vespa zum Cafè gefahren. Die Wespe auf dem Gehsteig abstellen. Mit dem offenen Helm Platz suchen. Espresso trinken. Sonnenbrille raus, und rumschnöseln. Den Vespa Mädels (siehe oben) hinterhergucken. Wunderbar.

Montag, Juli 19

..und es geht schon wieder los..


Seit dem 19.07. wird schon wieder offiziell gebaut. Gebaut für die Jubiläumswiesn 2010.

Neu in diesem Jahr:

1. Auch der südliche Teil der Wiesn wird wegen der Jubiläumsvergrösserung heuer bebaut.

2. Die ultimative Insider Kneipe in einem der Baucontainer steht nur noch Gästen mit Arbeiterausweis offen. Wo man sich sonst absolut günstigst mit Spaten Bier und Leberkäs zu Arbeiterpreisen eindecken konnte, darf man heuer nur noch den Bauarbeitern bei der Stärkung zusehen.
3. Selbst mit dem Velo kann ich mich nicht mehr über die Wiesn mogeln. Alles abgeriegelt, man kann nur drumherum. Ein Umweg von fast einem Kilometer.
4. Laut dem Sprecher der Wiesnwirte -Roiderer Toni- sollen die Wiesn 2010 nun doch schon probeweise rauchfrei sein.


Der Aufbau begann übrigens inoffiziell schon mindestens eine Woche früher. Wie kann es sonst sein, dass das Paulaner Zelt schon als komplette Gerippe fertig steht? Andere Zelte haben aber mit dem Aufbau noch gar nicht begonnen.


Freitag, Juli 16

Nicht nur Schweini kickt im E-Garten...

Wie die Gazetten melden, wurde Basti Schweinsteiger schon wieder beim "kicken" im Englischen Garten gesichtet. Der Junge hatte ja die höchste Kilometer Laufweite aller deutschen Spieler im Turnier. Und er kann`s dennoch nach der WM einfach nicht sein lassen.

Passend zum Kick hatte er sich das englische Trikot von Frank Lampard übergestreift. Zack,
nach dem historischen Sieg gegen England mit Lampard Trikot getauscht, der Freundin noch im Stadion in Bloemfountain übergeben, nur um es hier im heimischen Egarten beim Kicken mit Freunden zu tragen. Sauber der Basti Schweini.

Die englische Presse hat schon auf den Freizeitki
ck mit Galgenhumor reagiert. So schreibt die Sun:

"Finally, an England player who can take penalties..."

Stimmt. Die Bild kommt mit einer lächerlichen Fotomontage, weil leider gerade mal kein Leserreporter vor Ort war.


Seit ein paar Wochen gehöre auch ich Donnerstags zu den Kickern im E-Garten. Das läuft immer ganz entspannt ab. Man trifft sich mit 5-6 Jungs in der Nähe vom Seehaus und schiebt sich ganz entspannt die Kugel zu. Schweinis Fotomontage wurde im Süden vom EGarten gemacht, da wird man eigentlich nur von Frisbee Spielern angfetzt. Die grossen Rasenflächen weiter oben eigenen sich viel besser zum Kick.
Die Kugel rollt also, und irgendwann kommen immer ein paar andere Spieler dazu und fragen ob sie mitkicken können. Wenn man ca. 10-12 Mann ist schaut man sich nach einer Fläche um, wo die Graugänse am nachmittag nicht waren (und verdaut haben), stellt Rucksäcke als Tore auf und legt los.

Der Biergarten am chinesischen Turm ist nach dem Sport nicht weit. Und der Durst auf eine Mass Radler immer vorhanden. Fein, Fein, dass weiß nicht nur Schweini.



PS: Schweini möchte übrigens nicht mehr Schweini genannt werden, weshalb ich weiter Schweini sage!

Mittwoch, Juli 14

Freie Fahrt vom Prinzregenten?

Als Belohnung für sehr gute Noten hat sich das bayr. Kultusministerium in Kooperation mit der deutschen Bahn etwas ganz besonderes einfallen lassen.

Unter dem Motto "Freie Fahrt für Einser-Schüler" dürfen alle Schüler am 1. Tag der Sommerferien kostenlos mit der Bahn durch Bayern tingeln, die im Jahresabschlusszeugnis mindestens eine Eins haben. Als Beweis benötigt man das Zeugnis und einen Ausweis. Ich mag dies hemdsärmelige Form der Didaktik. Belohnung für gute Leistung!

Von soetwas habe ich noch in keinem anderen Bundesland gehört. Scheinbar hat das Zuckerbrot von oben für Schüler in Bayern Tradition. Von Prinzregent Luitpold habe ich nämlich schon einmal etwas ähnliches gehört.

Der Prinzregent war ein Onkel des Märchenkönigs Ludwig II. Nachdem Ludwig II. im Starnberger See baden gegangen (worden) ist und nicht mehr lebend wiederkam, sein Bruder Otto für schwachsinnig erklärt wurde, war der Weg 1886 frei für den Prinzregenten Luitpold. Die Prinzregentenjahre bis zu seinem Tod im hohen Alter 1912 wurden trotz des merkwürdigen Beginns zu einer Art "goldenen Zeit" für Bayern.

Obwohl das bayerische Volk König Ludwig II. weiterhin nachtrauerte, konnte Luitpold durch seine Bescheidenheit, Tüchtigkeit, Volkstümlichkeit die skeptischen Untertanen überzeugen.
Er wanderte, malte gerne und liebte die Berge. Er war beim Volk beliebt, eine Biersorte und die Prinzregententorte wurden nach ihm benannt.



Sein grösstes Hobby aber galt der Jagd. In Oberstdorf errichtete er seine eigene Hofjagd.

Und hier schliesst sich meines Erachtens der Kreis zur Freifahrt mit der Deutschen Bahn 2010. Denn in Oberstdorf bekam jeder Schüler am 12. März -dem Geburtstag des Prinzregenten- etwas ganz besonderes. Luitpold spendete nicht nur jedem Schüler einen schulfreien Tag, sondern auch eine Wurstsemmel.
Für Schüler ab der 3. Klasse gab es -quasi als Zuckerl obendrauf- noch einen Schoppen Bier. Das entspricht einem 1/2 Masskrug.

Vielleicht sieht sich ja das Kultusministerium in der Tradion des beliebten Regenten. Dann sollte es aber auch konsequenterweise über das Bier nachdenken....

Montag, Juli 12

Uwu Lenas überall...


Über den WM Hit "Schland oh Schland" von den Uwu Lenas ist ja schon einiges geschrieben worden. Ein paar Jungs aus Münster verkleiden sich als schräge Fans, einer kommt im "Lena Meyer Schlandruth" Kostüm daher und das super erfolgreiche Youtube Video wird kurzerhand im Südpark in Münster gedreht. Das Video wird ein Hit, verstösst aber gegen sämtliche Regeln des Urheberrechts. Nicht nur der GrandPrix Song von Lena ist geschützt, nein auch Stefan Raabs "Schland" ist eine geschützte Marke. Der geschäftstüchtige Raab ist es schliesslich auch, der den Song rausbringt und der Rubel rollt mal wieder.

Überraschung für mich beim letzten Public Viewing im Olystadium gegen Uruguay. Uwu Lena tritt live auf!
Bei der Niederlage gegen Spanien waren immerhin schon 70.000 Menschen im Stadion. Sky Europe schaltete da live zum Public Viewing nach München. Gegen die Urus war es dann aber ganz übersichtlich. Nur ca. 10.00 Zuschauer.

Nach Stationen im Südpark Münster, den Osmo Hallen zu Münster, der Bild Zeitungsredaktion und dem Morgenmagazin, also nun München. Die Studentencombo aus Münster war ganz cool und machte gute Stimmung. Einer der Jungs hatte einen Bauarbeiterhelm ala YMCA auf dem Kopf und Lena war in echten Adiletten auf der Bühne.

Allerdings zeigte es sich, dass die männliche Lena gar nicht selber singt, sondern nur beim Refrain einsteigt. Es singt einer der tanzenden Kommilitonen im Deutschland Shirt. Ich glaube, der mit dem Cowboy Hut.

Weiter ging es für die Uwu Lenas heute zum Frankfurter Flughafen, um die deutsche Mannschaft zu begrüssen. Leider ohne Erfolg wie man liest. Die deutschen Spieler seien müde und zeigten sich nicht der Öffentlichkeit. Sie wollen "nur noch in den Urlaub" wie der DFB meldet.

Na ja. Über die Frage ob Deutschland auch bei einem nicht erfolgreichen WM-Abschneiden einen öffentlichen Empfang bekommen soll oder nicht, um sich bei den Fans zu bedanken, wird ja schon länger diskutiert. Matthias Sammer ist als DFB Sportdirektor im Gegensatz zu Kaiser Franz klar dagegen. Vielleicht auch um die die Urlaubsinteressen der Spieler zu schützen. Sammer sagte nach der EM 2008 folgendes:

"Ich finde es nicht richtig, dass Spieler in ein EM-Finale gehen, das Endspiel verlieren, und sich dann auf der Berliner Fanmeile feiern lassen, als hätten sie das Spiel gewonnen. Dann habe ich das Problem, so etwas einem U19-Nationalspieler zu erklären und vor einem Finale den letzten Siegerinstinkt rauszukitzeln."

Ich bin natürlich auf der Seite des Kaisers. Bedanken für die Unterstützung darf man sich jawohl. Nach den tollen Spielen gegen Australien, England und Argentinein waren hier in München immerhin gefühlte 200.000 Menschen auf den Strassen unterwegs! Ich habe mich mehrmals gefragt, was ausser Fussball in Deutschland eine solche Euphorie entfachen kann. Vielleicht mal wieder eine Wiedervereinigung. Nur mit wem?


Samstag, Juli 10

Grillen? Isar? Flaucher?


"Leben und Leben" lassen gilt zwar bald nicht mehr für das Rauchen in München, aber immer noch für das Grillen an der Isar. Erstaunlicherweise zeigt sich die Stadt hier überaus liberal. Das Grillen an der Isar (incl. Feuer machen) ist auf 4 km Länge ab knapp unterhalb des deutschen Museums erlaubt und erfreut sich zwischen Mai und September grösster Beliebtheit.Eigentlich ist es fast schon ein Klassiker. Auf die Frage "Grillen Isar"? antwortet man nicht mit "ja" sondern "wo"?

Treffpunkt ist meist in der Nähe des Tierparks an der Thalkirchner Brücke auf den grossen Isarkiesbänken oder den Flaucherinseln. Und dann läuft es wie folgt ab:
Um das Bier vor der Wärme der untergehenden Sonne zu schützen wird es (vorzugsweise Augustiner) ins seichte, kalte Isarwasser eingetaucht....
Grillen Isar Flaucher
Hierbei gilt aber zu späterer Stunde always ein wachsames Auge aufs Edelgetränk zu haben. Jugendliche mit Vorsatz, andere Griller unwissend, vergreifen sich schon mal am kostbaren Getränk.

Der mitgebrachte Tankstellengrill wird aufgebaut....
Grillen Isar Flaucher
..und notdürftig angefächert...

Grillen Isar Flaucher
Danach steht dem Grillvergnügen und dem Feierabendbier nichts mehr im Wege. Zugegeben: Alleine ist man dabei nicht. Eine wunderbare Rauchfahne durchsetzt mit Steakgerüchen wabert über den kompletten Flaucherbereich.....

Ausser den berittenen Polizisten, die auch schon mal gerne Cowboylike durch die Isar gallopieren gilt es hier weiterhin: "Leben und Leben lassen".


Montag, Juli 5

Ausgeraucht

Alea jacta sunt. Die Würfel sind gefallen. 60,1 % der Wahlberechtigten haben für die Novellierung und Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes gestimmt. In jeglicher Gastronomie ist somit ab dem 1. August der Tabakrauch verbannt.
In meinem Viertel "Westend-Schwanthaler Höhe" lag die Zustimmung nur bei 53,3 %. Der niedrigste Wert in München. Ein bischen stolz bin ich da auf meine vielen Boazn Zecher in der Nachbarschaft schon, die scheinbar wenigstens versucht haben die Wahl auf demokratisch legitimiertem Wege zu beeinflussen.
Der neue Gesetzentwurf lag dem "Ja-Nein" Stimmzettel bei. Habs kurz überflogen und entdeckt, dass es Ausnahmen für künstlerische Darbietungen gibt. Ob sich die Boazn als Schlupflöcher nun zu Kleinkunstbühnen erklären?

Ich habe auch für "ja" gestimmt. Das bedeutet "ja", Annahme des härtesten Nichtraucherschutzgesetzes in Deutschland. Beim Gang in das Wahlbüro in einer Grundschule war mir der Ausgang übrigens fast klar. Am späten Nachmittag sassen neben mir auf den Holzkinderstühlen in den anderen Wahlkabinen Männer in Leinenhosen, junge Mütter und solche die es gerade werden. Hätte ich es nicht besser gewusst, es hätte das Sommerfest der Grünen sein können. Ich hatte mit einem viel deutlicheren Ausgang gerechnet.

Die Einführung ab August wird zum Glück bayrisch locker vorangetrieben. Insgesamt soll gar nicht flächendeckend kontrolliert werden. Es soll Stichproben geben und da kontrolliert werden, wo eine Beschwerde vorliegt.

Auf der Wiesn 2010 wird es noch gar keine Kontrollen und Strafen geben. Das soll es erst ab 2011 losgehen. Dementsprechend hat sich auch mein Freund, der Roiderer Toni -Sprecher der Wiesnwirte- wieder eingekriegt. Nachdem schon allgemein der Verfall der bayerischen Festzelttradition (und Umsätze..) befürchtet wurde, kommentiert er das Rauchverbot nun lapidar mit:

„Na, dann rauchen`s halt nicht mehr im Bierzelt“.

Geht doch auch.


PS: Parteigezänke.

Die FDP lässt sich feiern. Sie war als einzige "grosse" Partei gegen das neue Rauchgesetz und setzte auf die Freiheit. Nach der 60% Mehrheit des Volksbegehrens ist Sie dennoch zufrieden. 40% waren schliesslich auf Seiten der FDP.

Anders die CSU. Sie war im Wahlverhalten uneinheitlich und sprach keine Empfehlung aus. Statdessen wurde der tollen Entscheidung des mündigen Volkes entgegengefiebert und alle CSU Politiker drucksten herum wofür Sie seien. Gesundheitsminister Markus Söder musste am Sonntag in meinem geschätzten Sonntagsstammtisch bei Helmut Markwort zugeben für den alten Gesetzentwurf gestimmt zu haben. Also gegen ein striktes Rauchverbot. Und das als Gesundheitsminister. Grotesk.

Samstag, Juli 3

Der Olympiapark...




...wird von mir eigentlich selten aufgesucht.

Sanft schmiegen sich hier Olympiasportstädten in eine Grashügellandschaft. Entstanden im Zuge der XX. Olympischen Sommerspiele 1972, suchen die Gebäude heute eine neue Nutzung.

Im Olympia Schwimmbad findet z.B. meist das Stefan Raab Turmspringen statt. Das Olympiastadion und die Olympiahalle sind oft Host für Konzerte ala Fanta 4, Coldplay oder Madonna. Der preisbewusste Münchner steigt dabei lieber auf den Olympiahügel und sieht und lauscht kostenlos. Aus dem Weltkriegsschutt entstanden zählt der Hügel mit 60m zu der höchsten Erhebungen Münchens und bietet fantastische Blick über München zu den Bergen und in das Olympiastadion.

Auf dem Olympiastadion mit der charakteristischen Zeltdacharchitektur kann man "Roof Top" Abseiltouren unternehmen oder gleich mit dem Flying Fox quer durchs Stadion fliegen. Seit ein paar Jahren gibt es ein SeaWorld, was Touristen v.a. bei Regenwetter sehr anzieht.

Ein echtes Seaworld bietet der Olympiasee in der Mitte. Seit 1972 hatte man das Wasser nicht abgelassen. Karpfen wurden als Algenvernichter natürlich eingesetzt. Angeln ist nicht erlaubt. Im letzten Herbst musste man das Wasser dann wegen notwendiger Reparaturarbeiten ablassen. Was man fand?
Tausende Fische mit insgesamt 10 t Gesamtgewicht! Zur Evakuierung der Fische wurden 70 Fischer benötigt, die neben einigen Riesenkarpfen auch Molche und sogar Schildkröten einsammelten!
Semmeln für die Enten scheinen eine gute Nahrungsgrundlage zu sein...




Seit 2 Wochen bin ich nun endlich auch regelmässig im Olypark. Im alten Olympiastadion findet nämlich Münchens grösstes Public Viewing (also Rudelgucken) statt. Auf der alten Haupttribühne des FC Bayern finden sich bis zu 20.000 Schlaand-Fans ein. Sicht und Stimmung sind super, die Fankultur auch.
Fahnenkleid Deutschland Flagge



Gehobene Parole: Also Messi, heut gibts was auf die Fressi.

Und der Sieg darf hoffentlich wieder auf der Leopoldstrasse gefeiert werden. Wobei der Besuch bei Waldis WM-Club im benachbarten Englischen Garten auch saulustig war.


WM Jubel Leopoldstasse
Was man aus einer Fahne alles machen kann! toll.



Samstag, Juni 26

Der Klassiker

So titelt die tz München. Sehr gelungener Titel. Ein Sieg im Elfmeterschiessen gegen die Engländer wäre echt ein Traum.

In fast allen Biergärten wird das Spiel übertragen. Bloss ist die Bildqualität wegen Sonne, Schatten, Sonne nicht so gut. Daher gucke ich wie schon gegen Ghana wieder im alten Olympiastadion auf 2 riesigen LCD Leinwänden.

Zum Feiern geht man in Haltern auf den Marktplatz, in Münster zum Kreisel und in München auf die Leopoldstrasse an der Münchner Freiheit. Da war nach dem Ghana Spiel schon auf 1 km die Strasse gesperrt und allen Menschen haben riesige Fahnen geschwenkt oder Humbas gemacht. Irgendwie ham es die anliegenden Cafes sogar geschafft Bierwägen auf die Strasse zu stellen. Als Höhepunkt wurde dann ein 2m hoher WM-Pokal durch die Menge gereicht!

Thema "Public Viewing": Gestern habe ich nach 4 Jahren gelernt, dass Public Viewing is Englischen übersetzt "Ausstellung eines aufgebahrten Leichnams
" heisst. Es handelt sich um einen deutschen Scheinanglizismus. Der Engländer spricht eher von "public screening" oder "Live Sight Locations"

Bloss finde ich die deutschen Variante "Rudelgucken" nun auch nicht besser. Egal;

das ist der wunde Punkt ==>

Freitag, Juni 25

Boazn

Die Boazn ist griabig (gemütlich). Die Boazn ist dreggad (dreckig). Die Tische sind am besten verklebt, das Bier gibt es schon mal aus der Flasche. Von aussen sehen sie nicht gerade einladend aus. Es ist eben ein Boazn.

"Boazn" ist der liebevolle Ausdruck für die vielen Münchener Eckkneipen- oder Bierkneipen.
Bei mir im Westend gibt es wirklich mordsviele von diesen Kneipen. Die Seite www.euwei.net gibt ein wenig Auskunft über Boazn. Neben dem unvermeidlichen Hellen gibt es dort Spezialitäten wie "Jägermeister auf Eis" und "Jacky-Cola". Zu den Regeln zählt
"Servus beianand" zur Begrüssung zu sagen, Alkohol zu konsumieren und auch mal ein Watschn vom Wirt zu ertragen. An der Wand blinkt ein Spielautomat. In der Ecke eine ausrangierte Dukebox.

Vielleicht ob der hohen Mieten sind sie meist winzig klein, und eigentlich rund um die Uhr besucht. Je nachdem, wie man die Bezeichnung "Boazn" intoniert, kann damit übrigens eine absolut drittklassige Kneipe oder aber ein gemütliches kleines Lokal gemeint sein. Wenn meine Münchner Freunde also von einer Boazn nach dem Biergartenbesuch reden, stehe ich immer etwas "depperd" da. Was meinen Sie nun, und sagt man der, die oder das Boazn?

Eine Boazn ist ein urmünchner Phänomen. Also sind die Boaznnamen fast immer mit der bayrischen Mundart durchsetzt. Charmante Titel wie "Bei der Griabigen" wechseln sich mit "Trinkstüberl" oder "Gassenschänke" ab. Man setze noch den Stadtviertel oder Strassennamen davor und schon strömen rund um die Uhr Gäste in die Boazn. Wobei die Gäste zu 80% aus Männern jenseits der 60 bestehen.

Für mich geniessen
diese Boazndinger einen gewissen Kultstatus. Ähnlich Hamburger Hafenkneipen, oder Pilsstuben im Ruhrpott. Fast alle Boazn sind natürlich Raucherkneipen. Das absolute Rauchverbot hätte hier sicherlich deutliche Auswirkungen.


Die Fotos sind allesamt von Boazn in meiner Nachbarschaft. Hier traue ich mich übrigens nicht rein. Vielleicht hab ich einfach Angst unsere eigenen Hausnachbarn dort anzutreffen. Als einziger Tageszeitungsabonnent im Haus habe ich einen intellektuellen Ruf zu verlieren. Andererseits: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ...!

Sonntag, Juni 20

Rauchen? ja-nein-vielleicht...


















Die bayerische Landesverfassung gewährt ein interessantes direktes Demokratieelement. Das Volksbegehren, immer wieder auch auf Bundesebene gefordert. Stimmen 10% der wahlberechtigten Bayern einem Volksbegehren zu, so muss das Begehren entweder direkt in ein Gesetz umgewandelt werden, oder aber es kommt zu einem "ja" oder "nein" Volksentscheid. Die einfache Mehrheit zählt dann.


Soweit ist es nun am 4. Juli. Es geht um das rigorose Rauchverbot der kompletten Gastronomie.
Eine "amtliche Wahlbenachrichtigung" liegt mir bereits vor. In den Münchner Strassen tobt einmal mehr der (Plakat)Wahlkampf. Ja oder Nein?

Das Rauchverbot hat in Bayern eine wechselvolle Geschichte hinter sich:
Bereits zum 01.01. 2008 wurde ein striktes Rauchverbot mit 84% der Stimmen im bayerischen Landtag verabschiedet. Im März 2008 verliert die CSU dann deutlich Stimmen bei der Kommunalwahl, als Reaktion wird das Rauchen in bayrischen Festzelten schnellstens wieder erlaubt.
Das Bundesverfassungsgericht hält daraufhin völlig rauchfreie Gaststätten für im Juli 2008 zwar für verfassungskonform. Es kippt jedoch Rauchverbote in allen Bundesländern außer Bayern wegen Ungleichbehandlung der Gaststätten. Das bayerische Gesetz gilt eigentlich als vorbildhaft und verfassungsgemäß.

Jedoch haben sich schon vorher viele Kneipen von öffentlichen Gaststätten zu nicht-öffentlichen "Raucherclubs" verwandelt, in denen gepafft werden darf. Das treibt in München lustige Blüten:
In der Kilombo Bar im Westend komme ich nur rein, wenn ich an der Tür klingele und die Theke
nkraft den Türöffner mit einem Summen bedient.
Die Spitze des Eisberges erlebt man im Valentin Stüberl im
Dreimühlen- nviertel. Erst wenn ich mir für 10 € Pfand einen eigenen Schlüssel für die Kneipe (im Bavarese ggü.) machen lasse, darf ich eintreten. Jeder Gast schliesst dann die Lokaltür zum Stüberl auf wann er möchte und tritt ein (OK, während der Öffnungszeiten)! Gehen wir auf eine Kneipentour ins Glockenbach (soll vorkommen...) habe ich mittlerweile schon immer 3 Raucherclubkarten dubai.

Die bayrische CSU/FDP Regierung beschliesst Anfang 2009 das Rauchen in vielen kleinen Gaststätten wieder zu genehmigen. Das noch gültige Nichtrauchergesetz wird nur noch wenig eingehalten und scheinbar auch wenig kontrolliert.

Mitte 2009 entscheidet sich die Nichtraucher-Initiative München zum Volksbegehren „Für echten Nichtraucherschutz!“, um das ursprüngliche Gesetz zu erhalten und die Schlupflöcher zu schließen: Für rauchfreie Gaststätten – ohne Ausnahmen! Anstatt der notwendigen 10 % der Wähler unterschreiben sogar fast 14 % aller Wahlberechtigten und nun wird in 2 Wochen entgültig entschieden.

Auch ich habe damals unterschrieben. Ich rauche nicht, ärgere mich aber regelmässig über stinkende Klamotten am nächsten Tag. Die Befürchtungen, dass Bars nun nach Toiletten und Schweiss riechen waren unzulässig.
Bei Auslandsaufenthalten in Finnland, Irland, Spanien, Neuseeland und Australien (alle mit Rauchverbot) fand ich die rauchfreie Atmosphäre in den Kneipen super. Raucher stehen dann meist vor der Tür oder auf einem Balkon zur Suchtbefriedigung. Da kann man gut auch selbst mal frische Luft schnappen und sich dem "Smirting" (Mischung aus Smoking und Flirting) mit "hasse mal Feuer" hingeben.

Somit war meine Entscheidung bisher klar, dass auch ich für ein Rauchverbot in der Gastro stimme (Also "Ja").

Das obige, interessante Plakat mit dem unbedeckten Hinterteil hat meine Aufmerksamkeit auf die Gegner des Rauchverbots gelenkt. Die Gegner haben sich den gewichtigen Namen Aktionsbündnis für Freiheit und Toleranz gegeben. Die Gruppe besteht weitestgehend aus Lobbyisten der Tabakindustrie, Wiesnwirten und Brauereien. Das Bündnis gibt zu bedenken, das bereits jetzt 85% der Gastronomie rauchfrei ist. Zudem würden Kosten für Kontrollen von rauchfreien Festzelten auf den Verbraucher in höheren Preisen umgelegt. Überhaupt: Warum könne sich der Markt von Raucherkneipen und Nichraucherkneipen nicht über Angebot und Nachfrage regeln? Und verträgt sich eine so stringente Verbotspolitik und Überwachungstendenzen mit dem Freistaat Bayern?!

Dass das "Ja" auch noch von der ÖDP und den Grünen, und das "Nein" von Teilen der CSU und den Liberalen unterstützt wird macht mir die Entscheidung nicht leichter. Bisher weiss ich nur, dass sich viele Fragen nicht auf eine blosse Ja/Nein Abstimmung reduzieren lassen. In der Beziehung bin ich ganz dacore mit unserem Altbundeskanzler Helmut Schmidt, einem Gegner von Plebisziten auf Bundesebene.

Wie er wohl abstimmen würde? (:-)